Lernen: Knochen Muskeln, Muskelansätze...

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Skylar
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Lernen: Knochen Muskeln, Muskelansätze...

Beitrag von Skylar » 04.10.19, 11:41

Hallöchen,
meine Diagnosen sind alle soweit gestellt und fragwürdige Symptome sind einfach ignoriert :D
Ich hatte etwas Schwierigkeiten mit dem einordnen, also verzeiht wenn ich falsch liege...Aber ihr Osteopathen müsstet es ja eigentlich zu genüge kennen...
Ich mache aktuell mein Abitur, und bin auf die supergute :ironie: Idee gekommen, Fachrichtung Gesundheit zu wählen (Berufliches Gymnasium, weshalb ich das auch nicht in "Ausbildung" stecken wollte, ich lerne ja kein medizinischen Beruf) was ich nicht wusste, ist das ich damit auch gleich ein halbes Semester Medizinstudium (oä) dranhänge...
Nun sitze ich vor über 200 Knochen und drehe gleich am Rad...wir sollen natürlich nicht die deutschen Begriffe lernen, sondern die lateinischen Fachbegriffe. Im zweiten Halbjahr sind dann die Muskeln dran und "wenn wir noch Zeit haben, die Muskelansätze"
ich drehe durch. Wirklich. Wie habt ihr das gelöst (bzw. gelernt)?

Dr.med.Holger Fischer
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Re: Lernen: Knochen Muskeln, Muskelansätze...

Beitrag von Dr.med.Holger Fischer » 04.10.19, 13:12

Hallo,
leider drücken Sie sich -für einen Abiturienten- etwas unklar aus. Die Fachrichtung " Gesundheit" umfasst ja ein extrem großes Spektrum an Berufsmöglichkeiten. Mir ist nicht klar, welche Richtung Sie einmal begehen wollen. Ferner ist es mir etwas unverständlich, dass Sie bereits jetzt schon derart vertieft in die Anatomie einsteigen sollen/ müssen ( ?). Wenn Sie keinen medizinischen Beruf ergreifen wollen, müssen Sie doch auch nicht die von Ihnen erwähnte Anatomie wissen.
Zu Ihrer eigentlichen Frage kommend, kann ich Ihnen nur raten, zu einem entsprechenden Lehrbuch zu greifen. Ich empfehle Ihnen vom Thieme Verlag das kleine Büchlein " Taschenatlas der Anatomie" von Werner Platzer und hier den Band 1 " Bewegungsapparat". Das genügt völlig, erfüllt genau den Lehrstoff, den Sie lernen wollen und selbst ein Medizinstudent wäre damit gut bedient. Mehr braucht es nicht an Wissen diesbezüglich. Bzgl. sehr anschaulichen Abbildungen gibt es zwar ausführlichere Bücher ( z.B. Netter oder Sobotta), aber in diesem Buch sind sehr schöne schematische Abbildungen, die sehr informativ die jeweiligen Funktionen der Sehnen und Muskeln wiedergeben.
Grüße Dr. Fischer
Unter Bezugnahme auf § 7 (3) der Berufsordnung für Ärzte ist mein Beitrag eine Stellungnahme,die auf den vorliegenden Angaben beruht .Sie ersetzt aber nicht die persönliche Beratung, Untersuchung und Behandlung durch Ihren Arzt.

Skylar
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Re: Lernen: Knochen Muskeln, Muskelansätze...

Beitrag von Skylar » 04.10.19, 14:15

Dr.med.Holger Fischer hat geschrieben:
04.10.19, 13:12
Hallo,
leider drücken Sie sich -für einen Abiturienten- etwas unklar aus. Die Fachrichtung " Gesundheit" umfasst ja ein extrem großes Spektrum an Berufsmöglichkeiten. Mir ist nicht klar, welche Richtung Sie einmal begehen wollen. Ferner ist es mir etwas unverständlich, dass Sie bereits jetzt schon derart vertieft in die Anatomie einsteigen sollen/ müssen ( ?). Wenn Sie keinen medizinischen Beruf ergreifen wollen, müssen Sie doch auch nicht die von Ihnen erwähnte Anatomie wissen.
Zu Ihrer eigentlichen Frage kommend, kann ich Ihnen nur raten, zu einem entsprechenden Lehrbuch zu greifen. Ich empfehle Ihnen vom Thieme Verlag das kleine Büchlein " Taschenatlas der Anatomie" von Werner Platzer und hier den Band 1 " Bewegungsapparat". Das genügt völlig, erfüllt genau den Lehrstoff, den Sie lernen wollen und selbst ein Medizinstudent wäre damit gut bedient. Mehr braucht es nicht an Wissen diesbezüglich. Bzgl. sehr anschaulichen Abbildungen gibt es zwar ausführlichere Bücher ( z.B. Netter oder Sobotta), aber in diesem Buch sind sehr schöne schematische Abbildungen, die sehr informativ die jeweiligen Funktionen der Sehnen und Muskeln wiedergeben.
Hallo,
ich danke Ihnen für ihre Antwort
Die Fachrichtung habe ich nicht erfunden, der Applaus geht an das Bildungsministerium. In meiner Schule wurde "Pädagogik", "Ernährung" und eben "Gesundheit" angeboten. Die Menge am Lernstoff legt die/der jeweilige Fachlehrer/in fest. Ob ich ein medizinischen Beruf ergreifen werde sei mal dahingestellt. (Aus Rücksicht vor meinen Mitmenschen eher nicht, ich bin Spastikerin...*Kopfkino an*) Am Ende habe ich wie jeder andere auch ein allgemeines Abitur, und kann studieren und lernen was ich möchte.
Das Fach habe ich nur Intressehalber gewählt, da ich mit Pädagogik und Ernährung, wenig anfangen kann.
Ich danke Ihnen für ihren Buchvorschlag.

Dr.med.Holger Fischer
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Re: Lernen: Knochen Muskeln, Muskelansätze...

Beitrag von Dr.med.Holger Fischer » 04.10.19, 15:21

Hallo,
jetzt ist mir manches klarer geworden. Mit Ernährung und Pädagogik hätten Sie sich wesentlich leichter getan-jedenfalls, was das Stoffpensum angeht. Falls Sie nicht vorhaben sollten, aktiv am Patienten, also z. B. Physiotherapie u.ä. zu arbeiten, nützt Ihnen diese Anatomiekenntnis herzlich wenig in Ihrem späteren Leben. Kenntnisse bzgl. Ernährung sind hingegen grundsätzlich und immer von Nutzen. Abgesehen davon gibt es sehr interessante Studiengänge, die Ernährungswissenschaften anbieten. Alles Gute für Ihre Zukunft.
Grüße Dr. Fischer
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Humungus
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Re: Lernen: Knochen Muskeln, Muskelansätze...

Beitrag von Humungus » 05.10.19, 06:58

Dr.med.Holger Fischer hat geschrieben:
04.10.19, 15:21
Mit Ernährung und Pädagogik hätten Sie sich wesentlich leichter getan-jedenfalls, was das Stoffpensum angeht.
:wink: Ich glaube, ein Pädagoge würde Ihnen etwas anderes sagen. Und wenn ich mich an die Ernährungsphysiologie oder gar an die Biochemie zurückerinnere...man kann jedes Fach nach Belieben an der Oberfläche lassen oder in die Tiefe gehen.

@TE: Das Thema Gesundheit ist nie schlecht. Vielleicht erlangen Sie in diesem Bereich jetzt ein Wissen, an dem Sie für den Rest Ihres Lebens profitieren können. In der Bevölkerung ist leider wenig Grundlagenwissen vorhanden, und das ist nicht nur schade, sondern reduziert auch das individuele Wohl.

Aber zum Thema Lernen: willkommen im Bereich Medizin! Leider haben Sie schon mitgeschnitten, dass medizinisches Grundlagenwissen - wie jedes Grundlagenwissen - Grundlage ist. Das heißt: das muss erst einmal in den Kopf "rein", bevor ein Aha-Effekt kommt. Am einfachsten haben Sie es, wenn Sie Ihre bevorzugte Lernmethode kennen. Der Eine stellt sich die Knochen vor, der andere schreibt sich die Namen immer und immer wieder auf, der Dritte machts mit Mnemotechnik. Ich habe die Knochen damals gelernt wie Vokabeln: je nach Lust und Laune immer drei oder vier am Stück. Aufgesagt, sich die Lage vorgestellt, mehrfach wiederholt. Saßen die drei, kamen drei neue. Aufgesagt, vorgestellt, wiederholt. Saßen die drei, wurden die bisher gelernten sechs wiederholt. Beim "Neulernen" immer in der gleichen Reihenfolge, beim Wiederholen des gesamten Gelernten durcheinander, quasi als "Check". Noch einfacher ist es, wenn jemand hilft und abfragt. Natürlich lernen Sie deutsche und lateinische Bezeichnung, denn die deutsche brauchen Sie eh. Was auch ausgesprochen hilfreich sein kann, ist, die Knochen vor sich zu sehen, am besten im Ganzen, also am Skelett. Dafür gibt es die Möglichkeit am Ort des Skeletts zu lernen oder sich ein Pappskelett zu beschaffen (finden Sie bei Google, auch welche mit anatomischen Bezeichnungen). Je nach Lerntyp ist es günstiger beim "Checken" die Begriffe nicht zu sehen, um eine Prüfungssituation zu simulieren.

Die Zahl 200 klingt zwar riesig, ist aber - für einen Medizinstudenten - ein Klacks. Unter den vielen Knochen sind eine ganze Menge Rippen und eine Menge Wirbel. Die Anatomie von Armen und Beinen ist sehr ähnlich. Für die Handwurzelknochen gibt es einen Merkspruch, und die Fingerknochen sind auch systematisiert (die alten Lateiner waren auch nicht die fleißigsten). Das sollte in einer bis zwei Wochen locker sitzen, wenn man pro Tag ein oder zwei Stunden investiert. Und den Rest des Halbjahres können Sie gemütlich wiederholen oder auch für die Umwelt demonstrieren gehen.

Es gibt da einen häufig bemühten Witz über die Qualitäten eines typischen Medizinstudenten:
"Wenn Sie unter hundert verschiedenen Studenten einen Mediziner finden wollen, wie geht das? Sie legen den Studenten ein Telefonbuch von Köln vor und machen es ihnen zur Aufgabe es auswendigzulernen. 99 werden sagen - kommt nicht in Frage. Der Medizinstudent fragt: wieviel Zeit habe ich?"

Nehmen Sie es sportlich. Die Knochen sind ein easy Einstieg. Die Muskeln werden interessanter, wobei es absoluter Unsinn ist, sie am Anfang ohne Ansatz, Innervation und Funktion zu lernen. In dieser Phase werden Sie dann merken, dass die Knochen nicht nur einen Namen haben, sondern über verschiedene Vorsprünge, Einziehungen und andere Teufeleien verfügen, an denen die Muskeln "kleben", um ihre Funktion zu erfüllen. Sie haben dann den ersten Aha-Effekt, denn Sie können anhand eines Knochen, eines Muskels und seines Gegenspielers (das lernen Sie noch) begreifen, warum sich der Knochen in diese oder jene Richtung bewegt. Wenn Sie jetzt stöhnen oder sich denken, das schaffe ich nie, kann ich Ihnen zum Trost sagen: ich habe das im Studium auch gedacht. Ich war, nachdem die Schule ein Speziergang war, ein miserabler Student und habe es immer gerade so geschafft, weil ich das stupide Lernen hasste. In der Klinik wurde ich dann wieder gut, weil es da auf das Denken und den Menschenverstand ankam - aber die Grundlagen müssen eben "rein".

Den Buchempfehlungen von Herrn Fischer kann ich mich gerne anschließen. Auf KEINEN Fall große anatomische Lehrbücher! Die sind im Detail dermaßen extrem, dass es Sie überfordern würde. Für Schulniveau reichen die Handbücher ohne weiteres aus.

Kleine Anekdote aus meinem Studium: ich hatte zwar die dicken Lehrbücher, lernte aber aus Faulheit aus den Thieme-Taschenbüchern. In der Anatomie-Kopf-Prüfung fragte mich der Prüfer nach den Abgängen (Seitenästen) der arteria maxillaris, einer großen Arterie im Oberkieferbereich. Ich hatte mir einen Merksatz gestrickt und leierte ihm schnell die diversen Abgänge herunter. Zwei aber hatte ich nicht an Bord - im Thiema-Atlas waren sie nicht benannt und nur als kleine rote Anhängsel der Arterie angedeutet. Nach dem Aufzählen sagte der Prüfer: "Ja, aber was ist denn mit den beiden Artierien soundso?" Ich: "Die waren in meinem Lehrbuch nicht drin" Er "Was? Womit haben Sie gelernt?" Ich "Mit dem Thieme." Er: "das reicht aber gar nicht. Nehmen Sie den (zählte diverse dicke Lehrbücher auf)". Er ließ mich bestehen, mit einem blauen Auge. Glück muss man eben auch haben!
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