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medizin-forum.de • Thema anzeigen - SSRI-Absetz-Symptome, Brain Zaps, Empfindungsstörung
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BeitragVerfasst: 03.07.15, 16:03 
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Hallo Leute.
Bin neu hier und wollte einfach mal schildern, was mir bislang aufgefallen ist, seitdem ich meine SSRI-Medikation (Cipralex 5mg/Tag) abgesetzt habe.
Also, einleitend sei erwähnt, dass ich seit ca. 10 Jahren an einer diagnostizierten Angststörung leide. Meine Ängste beziehen sich ausschließlich auf Krankheitsängste, hier vornehmlich die Bereiche "Herz-Kreislauf" und "Neurologie". Ob nun die Ängste der Auslöser für meine Beschwerden in genau diesen Bereichen sind oder die Symptome die Auslöser meiner Ängste, wird sich wohl mit Sicherheit nicht sagen lassen können.
Wer sich ein wenig mit Angsterkrankungen, speziell Krankheitsangst auskennt, wird wissen, dass je nach Schwere der Angst sie dazu führen kann, dass man täglich (schubweise) ständig damit rechnet zu sterben. Dies auch zusätzlich befeuert durch die in Stärke und Art ständig wechselnden somatischen Beschwerden. Ich habe bereits einen stationären Auffenthalt (8Wochen) und 2 Verhaltenstherapien gemacht. Ersteres hat mir rückblickend gesagt mehr geholfen (war danach längere Zeit fast beschwerdefrei. Da es allerdings auch die erste Therapie war, war zu dem Zeitpunkt die Erkrankung noch in einem anderen Stadium und hatte andere Symptome). Das schöne an einer Angsterkrankung mit Krankheitsangst ist ja, dass sie ganz fies ist und sich ständig verändert in den Symptome, die mit ihr einhergehen. Da denkt man, dass man sich an ein Symptom einigermaßen gewöhnt hat und beginnt, die Angst davor zu verlieren und "schwupps" denkt sie Deine Psyche das nächste Symptom aus, was Dich dann erstmal wieder aus den Socken haut. :D

Ich will keinen von euch verleiten, sich meine Symptome anzueignen..aber der Vollständigkeit halber möchte ich sie mal so detailiert wie möglich schildern. Außerdem weiß ich aus eigener Erfahrung, dass es auch einen beruhigenden Effekt haben kann wenn man liest, dass es noch andere Personen gibt, die die gleichen Symptome wie man selbst haben.

Neurologischer Art:

    - Schwindel (Quasi dauerhafter Schwankschwindel)

    - Das Gefühl, dass manchmal meine Gliedmaßen (Arme, Beine, Füße) falsche Informationen über ihre aktuelle Position ans Hirn liefern. Daher ein teilweise starken Unwirklichkeitsgefühl.

    - Losgehschwierigkeit, Angststarre (manchmal (je nach Schwere der aktuellen Angst) ist es mir fast unmöglich mich zu bewegen. Ich sitze/stehe dann wie in Beton gegossen)

    - Sehprobleme (starke Verschlechterung der Sehkraft auf der rechten Seite. Meiner eigenen Interpretation dem geschuldet, dass meine gesammte rechte Gesichtshälfte aufgrund von extremen Verspannungen, die widerum angstbedingt sind ohnehin extreme Empfindungsstörungen aufweist)

    - Innere Unruhe (das Gefühl, dass es ständig in mir arbeitet. Krippelgefühle, Gefühl der Nervosität und Schreckhaftigkeit

    - Neurologisches Feuerwerk (während einer Angstattacke/Panikattacke kompletter Kontrollverlust mit dem Gefühl durchzudrehen, zu explodieren, dass es gleich "Klick" im Hirn macht und die Lichter ausgehen)

- gereizte Haut/Nerven (Brennen, Kribbeln)

Muskulatur und Bewegungsapparat:

    - Muskel-, Sehnen- und Bänderschmerzen (Hauptsächlich im Bereich der Schultern, Unterarme, Waden und Füße...wahrscheinlich auch dadruch bedingt, dass meine Angst, mich ständig in sehr unnatürliche Körperhaltungen zwingt. Im Bereich der Füße und Waden auch dadruch bedingt, dass mir ständig schwindelig ist und ich dann durch totale Anspannung der unteren Extremitäten ein Umfallen zu verhindern suche)

    - Krämpfe in den Waden und Füßen (Zehen).. (trotz Einnahme von Magnesium habe ich ständig Krämpfe. Erklärung meinerseits: Da diese Krämpfe abends in Ruhe auftreten, wird wohl die ständige Überbeanspruchung tagsüber ein Auslöser dafür sein)

Herz- Kreislaufsystem:

    - Herzrasen (allerdings nicht gezwungenermaßen gekoppelt an eine Angstattacke. Kommt sogar öfters vor, dass ich bei extremer Angst normal langsamen Puls (60-70) habe)

    - Blutdruckschwankungen (Bei mir gibt es Phasen in denen ich generell einen erhöhten Blutdruck habe (unabhängig von körperlicher Anstrengung) und dann gibt es wieder Phasen (Wochen) wo mein Blutdruck normal (120-130) zu (80-85) ist. Dann habe ich auch Phasen wo er sehr niedrig ist.

    - Herzstiche, extremes Pochen im unteren Halsbereich (Drosselrinne, lat. Sulcus jugularis)


OK, soweit zur Einleitung und zum besseren Kennenlernen. Außerdem tut es gut, die Symptome mal Leuten zu schildern, die das kennen und nicht immer nur einer Psychologin, die davon wohl schon gehört hat, sich darunter (mangels eigenen Erlebens) aber nichts vorstellen kann.

Nun mal zu den Symptomen, die ich seit dem Absetzen meines SSRIs beobachtet habe. Ich muss dazu sagen, dass ich nicht ausschleiche, sondern einfach irgendwann einen Rappel bekommen und aufgehört habe, diese zu nehmen, da ich nicht das Gefühl hatte, dass es überhaupt etwas bringt. Ich habe seinerzeit mit Citalopram 20mg angefangen, bis mir von meinem Arzt das neuere Cipralex verschrieben wurde. Dieses konnte aufgrund erhöhter Wirksamkeit in niedriger Dosierung genommen werden. Ich habe jahrelang die wirklich minimale Dosierung von 5mg (10mg Tablette geteilt) genommen. Da ich aber generell nicht so gern Medikamente nehme (wer macht das schon), dachte ich mir vor 2 Wochen, dass ich es ja mal ohne probieren könnte.

Gesagt getan (habe mich vorher kein Stück über eine eventuelle Absetzproblematik informiert...weil ich mich generell nicht mehr so viel informieren will, da ich mein gesamtes medizinischen Wissen mit als Auslöser für einen Großteil meiner Symptome und Ängste ansehe und weil ich es schlicht vergessen habe, dass es sowas wie Absetzsymptome gibt) Bin also quasi relativ unbefangen in die SSRI-lose Zeit gegangen.

Grundsätzlich muss ich sagen, dass sich die Häufigkeit meiner Angstattacken deutlich verringert hat seitdem (2 Wochen). Ob diese Tatsache allerdings tatsächlich dem Wegfall des SSRI geschuldet ist oder das gute Wetter oder sonst irgendein Ereignis dazu beigetragen habe, vermag ich nicht zu sagen, da ich auch schon vorher Phasen hatte, in denen die Angst deutlich verringert war.

Was aber definitiv erstmals in den letzten 2 Wochen aufgetreten ist und quasi ständig präsent ist, sind Missempfindungen und Brain Zaps (ja..jetzt hab ich mich natürlich doch mal schlaugemacht..aber erst nachdem ich diese habe und somit kann nicht der Gedanke daran der Auslöser sein)

Diese "Brain Zaps" fühlen sich tatsächlich an wie kurze (nicht schmerzhafte) elektrische Schläge an, die irgendwo im Hirnbereich beginnen und sich dann bevorzugt in die Extremitäten ausbreiten. Wenn so ein "Brain Zap" losgeht, fühlt es sich für einen Moment (nicht mal 1 Sekunde) so an als wenn das gesamte normale Feedback der Extremität (nicht immer beide Arme bzw. Füße) zum Gehirn bzgl. aktueller Haltung, Position gestört ist. Soll heißen, wenn man gerade geht kommt es zu lustig anmutenden Bewegungen, da z.B. der Fuß, der gerade nach einem Schritt wieder aufsetzt noch nen kleinen Schritt zusätzlich macht. Das führt natürlich zu einer unschönen Gangunsicherheit. Man hat auch ständig das Gefühl, dass in diesem Moment das gesamte Stellsystem des Körpers ausfällt. Man eiert quasi mit dem Oberkörper beim Gehen ständig nach vorne wenn man ihn vom normalen Gang her eigentlich gerade nach hintern bewegen müsste und umgekehrt.

Witzigerweise lassen sich diese Brain Zaps auch bewusst auslösen durch ruckartige Augenbewegungen (vertikal, horizontal und auch diagonal). Ein weiterer Trigger dafür sind bestimmte Kopfbewegungen. Ob sie nun durch die eigentliche Bewegung des Kopfes oder durch die, damit meist einhergehende Augenbewegung ausgelöst werden, konnte ich noch nicht genau ausmachen. Das schlimme ist natürlich, dass man die Augen ja den ganzen Tag irgendwie bewegt (abends beim TV-Gucken sind die "Brain Zaps" auch fast nicht vorhanden).

Weitere Absetzeffekte sind nur, eine gefühlte allgemeine Erschöpfung mit extremen Muskelschmerzen (da ich diese aber auch mit dem SSRI immer mal phasenweise hatte, kann ich die Zuordnung als Absetzsymptom nicht zweifelsfrei treffen)

Was bleibt sind diese "Brain Zaps", die absolut sicher erst seitdem Absetzen der SSRI auftreten. Ich werde das mal ein wenig beobachten. Seltsamerweise sind die Dinger echt unangenehm aber nicht wirklich beunruhigend. Wahrscheinlich auch bedingt dadurch, dass im Moment bei mir die Angst generell extrem abgenommen hat (Mir ist auch klar, dass das eigentlich dem entgegen steht, was allgemein angenommen wird, beim Absetzen von SSRI. Normalerweise sollte man eine Verstärkung der Angst erwarten. Kann nur sagen, dass bei mir bislang das exakte Gegenteil der Fall ist).

Mich würde nur mal interessieren ob irgendwer diese "Brain Zaps" auch hat und ob es eine wissenschaftliche Erklärung dafür gibt. Ich habe ne ganze Menge dazu gelesen...aber außer, dass viele Wissenschaftler und Ärzte davon noch nie was gehört haben bzw. deren Existenz noch nicht mal wissenschaftlich bewiesen wurde (hätten mal mich fragen sollen :D ), ist da nicht viel zu den Ursachen zu finden. Außerdem würden mich mal eure Erfahrungen interessieren was euer Neurologe dazu gesagt hat (falls ihr deswegen mal bei einem ward)

Soweit erstmal von mir. Sorry, ist etwas länger geworden als anfangs gedacht (aber so ist das ja meistens :mrgreen: )


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BeitragVerfasst: 03.03.18, 01:12 
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Hi, habe grade dein Beitrag gelesen. Habe vorher bei Google nach „brain zaps“ gesucht:). Ich hoffe nach den Jahren liest du meine Antwort überhaupt noch.

Kurz zu mir: bin 30 Jahre und habe wegen mittelschwerer Depression und leichten Panikattacken 1 Jahr lang das SSRI sertralin genommen. Die ersten 7 Monate 100 mg dann auf 50mg reduziert. dann nach 1 Jahr wollte ich die Dinger nicht mehr nehmen, habe mich aber glücklicherweise im Gegensatz zu dir vorher über die absetzsymtome informiert^^
Also habe ich die über mehre Wochen ausgeschlichen.

Der Grund, das ich die medis nicht mehr nehmen wollte, war das es mir psychisch besser ging und ich der absoluten Meinung bin das diese Psychopharmaka einfach nicht gut sein können für unsere ganze Hirnchemie. Und ich wollte auch nicht von irgendwelchen Medikamenten abhängig sein.

Jetzt zu meinen absetzsymptomen: die ersten 2-3 Tage war nix, dann kamen diese berüchtigten „Brain zaps“. Ich wusste erst garnicht was das ist, weil über Brain zaps habe ich komischerweise nichts gelesen vorher, na ja aufjedenfall habe ich jetzt seit ca. 1 Woche keine Pillen mehr genommen und habe diese Brain zaps immer noch, muss aber sagen das sie im Gegensatz zu anderen betroffen nicht so stark sind bei mir.
Ich spüre die zaps zwar aber habe keinerlei neurologische oder Muskel Beschwerden dabei und die zaps mach mir auch keine Angst. Ich spüre die zaps auch nur im Gehirn und nicht sonst irgendwo im Körper.


Falls du das noch liest würde ich mich echt freuen wenn du mir schreiben würdest wie dein psychischer Weg weiter gegangen ist.


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