Wirklich "nur" Stress?!

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Pladde
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Wirklich "nur" Stress?!

Beitrag von Pladde » 11.04.12, 15:45

Hi,

ich weiß, Ferndiagnosen sind schwer, aber ich zweifel an der Diagnose meiner Ärztin und brauche Rat, ob eine zweite Meinung eingeholt werden sollte. Erstmal bin ich weiblich, 29 Jahre jung, wiege noch 6 Kilo zuviel, mache 3x die Woche Sport und :oops: rauche ca 15 Zigaretten am Tag :oops:

Ich hatte 12/2008 einen schweren Unfall mit einer Kopfverletzung. Es wurde ein MRT (oder CT, ich weiß es nicht mehr genau, es war jedenfalls furchtbar laut :shock: ) gemacht. Mein behandelnder Unfallchirurg und der Radiologe "sahen" eine Subarachnoidalblutung. Sie zogen die Neurologen hinzu, diese sagten aber, da wäre nur ein kleiner Schatten und damit war der Fall erledigt.

Seit dem Umfall leide ich an immer wiederkehrenden Kopfschmerzen, die ihren Ursprung ausnahmslos an der Stelle haben, wo die Verletzung war. 2009 hatte ich die so circa 1 Mal im Monat, da das aber auch eine sehr stressige Zeit war nahm ich an, dass es einfach stressbedingt sei. Ich war auch egen Depressionen damals in Behandlung.

Die letzten 12-14 Monate aber nehmen die Kopfschmerzen immer größere Ausmaße. Sie kommen 10-12 Mal im Monat und haben in ihrer Heftigkeit extrem zugenommen. Halfen früher noch 400mg Ibuprofen, hilft heute nichts mehr. Etwa Tennisballgroß ist der Schmerzumkreis und es sticht wie Messer. Ich kann nicht mehr gut sehen, sehe oft doppelt und verschwommen, das Auge auf der Seite beginnt oft zu tränen und ich habe das Gefühl, auf der Seite gehen die Nebenhölen zu. Ich bin dann auch sehr matt und muss mich fast immer hinlegen.

Hinzu kommen mittlerweile aber kopfschmerzunabhängige Sprachstörungen. Mir fehlen einfach die Worte, sie fallen mir einfach nicht mehr ein :shock: Ich kann mir fast nichts mehr merken und bin körperlich nicht mehr belastbar, bekomme dauernd Grippe. Ich habe motorische Ausfälle und mir zittern sehr oft die Hände und/oder Beine, sodass ich mich hinsetzen muss. Zudem bekomme ich oft Durchfälle und/oder starke Übelkeit. Meine Haare fallen aus.

Meine Ärztin sagt, das wäre alles stressbedingt da die Blutwerte außer erhöhten Eisenwerte unauffällig sind. Kann Stress so eine Symptomatik verursachen?

Sonnige Grüße,
Pladde

Dr.med.Holger Fischer
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Re: Wirklich "nur" Stress?!

Beitrag von Dr.med.Holger Fischer » 11.04.12, 17:10

Guten Tag,
eine zweite Meinung haben Sie sich ja hiermit bereits eingeholt. In Anbetracht der doch sehr vielfältigen Beschwerden, die jedoch nach meinem Dafürhalten für eine neurologische Erkrankung im Hirnbereich sprechen,sollten Sie rasch zu einem kompetenten Neurologen gehen. Sprachstörungen und motorische Ausfälle kann man m.E. nicht auf Stress zurückführen. Daran ändert sich auch nichts durch die normalen Laborwerte. Auf der sicheren Seite ist man, wenn man ein MRT nochmals durchführt. Ich persönlich sehe einen Zusammnhang zwischen dem früheren Unfallereignis und den jetzigen Beschwerden.
Grüße Dr. Fischer
Unter Bezugnahme auf § 7 (3) der Berufsordnung für Ärzte ist mein Beitrag eine Stellungnahme,die auf den vorliegenden Angaben beruht .Sie ersetzt aber nicht die persönliche Beratung, Untersuchung und Behandlung durch Ihren Arzt.

Pladde
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Re: Wirklich "nur" Stress?!

Beitrag von Pladde » 11.04.12, 19:01

Danke für die Antwort, ich bin kein Arzt aber kann mir auch nicht vorstellen, dass die Symptome nur von Stress herrühren.

Muss/sollte ich eine Überweisung zum Neurologen anstreben? Ich wollte nächste Woche auch den Hausarzt wechseln, mein "Wunscharzt" ist diese Woche aber noch im Urlaub. Sollte ich die Problematik erst bei ihm dann ansprechen oder mir direkt einen Neurologen suchen?

Dr.med.Holger Fischer
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Re: Wirklich "nur" Stress?!

Beitrag von Dr.med.Holger Fischer » 12.04.12, 06:41

Guten Morgen,
ich würde mir entweder vom bisherigen Hausarzt-der ja schon die Praxisgebühr eingezogen hat- eine Überweisung holen. Alternativ, wenn Sie dies nicht wollen, eben nochmals 10 Euro direkt beim Neurologen entrichten.
Grüße Dr. Fischer
Unter Bezugnahme auf § 7 (3) der Berufsordnung für Ärzte ist mein Beitrag eine Stellungnahme,die auf den vorliegenden Angaben beruht .Sie ersetzt aber nicht die persönliche Beratung, Untersuchung und Behandlung durch Ihren Arzt.

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Re: Wirklich "nur" Stress?!

Beitrag von Muppet » 12.04.12, 16:02

Hallo,
war der Kopfverletzung links oder rechts? Wann du einer Hausarzt hast, der sich für dich einsetzt, dann hole auch eine Überweisung für ein MRT, weil der Neurologe kann sich so viel schneller sich ein Bild machen, wenn er die Lage vor Auge hat und du hast so schneller eine Diagnose.
Im MRT kann eine kleine Blutung schwierig zu sehen sein und nach ein bis zwei Wochen verblasst es. In akut Stadium sieht man die relativ gut- sie sind meist wie ein Sichelmond im Form.
Alles Gute
Muppet

AnnettLoewe
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Re: Wirklich "nur" Stress?!

Beitrag von AnnettLoewe » 12.04.12, 17:16

Hallo Pladde,
leider ist sog. "posttraumatischer Kopfschmerz" gar nicht so selten.
Und wird beim Ausgleich der Unfallfolgen erst in den letzten Jahren häufiger als unfallbedingter "Schaden" anerkannt.
Möglich, dass er durch Stress verstärkt wird. Aber bei der Vorgeschichte würde ich, was den Kopfschmerz und die "Sprachstörungen", "Merkstörungen" und das "Mattsein" angeht, auch eher denken, dass der Neurologe Ihr richtiger Ansprechpartner ist. Ich würde auch daran denken, diese Sachen mal durch einen Neuropsychologen testen und ggf therapieren zu lassen.

Menschen, die ein Schädelhirntrauma erlitten haben, weisen so etwas häufiger auf und sie sind in der Regel auch nicht so stressresistent wie andere. Gut möglich, dass Ihre übrigen Beschwerden daher rühren, dass Sie seit der Kopfverletzung tatsächlich weniger belastbar und damit schneller gestresst sind.

Herzliche Grüße,
Annett Löwe

Pladde
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Re: Wirklich "nur" Stress?!

Beitrag von Pladde » 12.04.12, 21:02

Muppet hat geschrieben:Hallo,
war der Kopfverletzung links oder rechts?
Hinten rechts, die eigentlich äußere Wunde zog sich von der unteren Mitte des Schädels (wo man so zwischen die Knochen fassen kann) unten an der Basis entlang und mittig davon quasi wie ein umgedrehtes "T" nach oben bis auf Höhe der oberen Ohrhälfte. Ich bin mit Schwung von einem bockenden Pferd auf großen spitzen Splittsteinen gelandet. Ich habe mich mit dem Arm versucht abzufangen, allerdings habe ich mir dabei das Schlüsselbein zertrümmert, ich erinnere mich dass ich noch den plötzlichen Schmerz spürte als der Kopf aufschlug, dann war alles schwarz und ich erinnere mich nur bruchstückhaft an alles was danach kam.
Mein Mann sagte, ich habe zwischendurch bis der Notarzt kam mal die Augen geöffnet und mich beschwert dass mir kalt ist :lol: , ich hätte wohl mit den Augen in unterschiedliche Richtungen geguckt, also das rechte Auge nach rechts und das linke Auge guckte nach Links und die eine Pupille wäre stecknadelgroß und die andere dagegen riesig gewesen. Dann wäre ich wohl auch schon wieder "weg" gewesen...

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