Für einen ADHS-Partienten muss es Folter sein, tagelang still zu liegen im Krankenbett. Wie kann man helfen?

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the ghost of elvis
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Für einen ADHS-Partienten muss es Folter sein, tagelang still zu liegen im Krankenbett. Wie kann man helfen?

Beitrag von the ghost of elvis » 21.11.19, 21:08

Hallo,
es geht um einen über 80jährigen, der offenbar schon seit ganzes Leben ADHS hatte. Zu Hause sprang er auch im hohen Alter noch ungefähr 30-40mal pro Stunde von seinem Sessel auf und rannte durch die Wohnung. Ich kenne keinen hektischeren und ungeduldigeren Menschen.
Nun musste er zur Herzklappen-OP ins Krankenhaus. Die OP (minimal invasiv) ist wohl gelungen, aber er hat weiterhin große Probleme mit dem Atmen. Bei ihm wurde auch schon vor längerem COPD Gold Stufe 3 mit Lungenemphysem diagnostiziert. Woran seine starke Atemnot liegt, ist anscheinend selbst den Ärzten noch nicht so ganz lang. Eine Bronchoskopie ergab keinen Befund und so wird er nun seit 3 Tagen künstlich beatmet mit einem Schlauch im Mund. Sobald er mal wach wird, wird er total unruhig und versucht, trotz seiner Schwäche, vom Bett aufzuspringen und herumzulaufen.
Das große Problem, was ich bei Ihm sehe: jemand mit seiner Veranlagung (dieser unglaublichen Hektik und Ungeduld), dem ständigen Drang wie ein Stehaufmännchen hoch zu springen und herum zu laufen, für so einen Mensch, muss das ruhige Liegen im Bett über Tage hinweg die reinste Folter sein. Tatsächlich hat er auch schon wenige Stunden nach der OP versucht, aufzuspringen und wollte durch die Intensivstation laufen. Dies hat sich dann wiederholt und er hat sich durch Stürze diverse Hämatome eingehandelt. Seitdem wurde er an den Handgelenken fixiert, so dass er nicht mehr aufspringen kann.
Aber, wie gesagt, meiner Einschätzung nach muss das lange Liegen über Tage hinweg für einen so schweren Fall von ADHS wie ihn so sein, als würde er permanent gefoltert.
Frage: was kann man tun? Ihn im Rollstuhl herumfahren (wenn die künstl. Beatmung nicht mehr nötig ist), damit er auf die Weise wenigstens etwas Bewegung hat? Oder die Ärzte bitten, ihn ständig unter starken Beruhigungsmitteln zu halten, bis er irgendwann wieder so weit genesen ist, dass er tatsächlich ein paar Schritte gehen kann?
Für Tipps: danke im Voraus

Chandra
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Re: Für einen ADHS-Partienten muss es Folter sein, tagelang still zu liegen im Krankenbett. Wie kann man helfen?

Beitrag von Chandra » 21.11.19, 21:17

Wenn es ihm wirklich um die Bewegung geht, können vielleicht auch Bewegungsübungen im Bett helfen. Ich weiß nicht, wie fit er ist und wie sehr seine Luftnot es zulässt, aber es muss ja nicht gleich Fahrradfahren im Bett sein, da gibt es auch leichtere Übungen. Muskelübungen sind ohnehin wichtig, damit er nicht zu stark abbaut und fördern gleichzeitig die Durchblutung, reduzieren ein Thromboserisiko. Wenn er in den Rollstuhl mobilisiert werden kann und darf, ist das aus verschiedenen anderen Gründen auch eine gute Sache (z.B. Pneumonie-, Dekubitusprophylaxe) und er hat Ansprache und Abwechslung, was die Moral stärkt. All das sollte aber auf jeden Fall mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden.
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the ghost of elvis
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Beitrag von the ghost of elvis » 22.11.19, 21:05

@Chandra: vielen Dank für die Hinweise. Morgen werde ich mal die Ärzte darauf ansprechen, ob und wann sich etwas davon umsetzen lässt. Heute wurde ihm endlich der Schlauch für die künstliche Beatmung entfernt. Ich hoffe, spätestens wenn er von der Intensivstation kommt, wird sich dann ein Physiotherapeut(?) mit ihm beschäftigen. Momentan ist er immer noch fixiert, weil er trotz Schwäche immer wieder versucht hat, sich die Schläuche abzunehmen oder aufzustehen.

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