Frage zum Eisen-Status

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ABC123xyz
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Frage zum Eisen-Status

Beitrag von ABC123xyz »

Hallo,

vielleicht kennt sich hier einer mit Eisenüberschuss aus.
Mein rotes Blutbild ist nie besonders gut, oft sind die Werte knapp unter der Norm. Deshalb wurde dieses mal etwas genauer nachgeschaut.

Leukozyten:   3270 -  (3500 - 9800)
Erythrozyten:  4,3  -    (4,4 - 5,9)
Hb:                 12,4 -   (13,5 - 17,5)
HKt:                37   -    (40 - 53)

Eisen:              176 +  (59 - 158)
Ferritin: 86,7 (30 - 400)
Transferrin       218     (200 - 360)
Transf.-Sät        57 +  (16 - 45)
VITB12            297     (197 - 663)
Folsäure           5,3     (3,1 - 17,5)

Mein Hausarzt meinte nur, das es nicht schlecht aussieht, die Abweichungen seien nur gering, es wäre genügend Eisen und Vitamin B12 im Körper. Es gibt keine Anämie, es kann alles so bleiben...
Im Internet habe ich vorhin allerdings gelesen, dass zu viel Eisen durchaus auch schwerwiegende, irreversible Beschwerden machen kann. Ab welcher Höhe ungefähr ist das der Fall? Worauf muss ich achten? Ich esse hauptsächlich nur Käse, keine Wurst und nur 2x die Woche etwas Fleisch. Nehme auch keine NEMs zu mir.
Woher kommt zu viel Eisen im Blut und wie kann man das wieder reduzieren?

VG
ABC123xyz
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Re: Frage zum Eisen-Status

Beitrag von ABC123xyz »

Hallo,

vor gut einem Jahr hatte ich obiges geschrieben. Da keine Antwort kam und ich keine wirklichen Beschwerden hatte, war das Thema für mich erst mal durch. Ich bin davon ausgegangen, dass es so wohl in Ordnung ist.

Diesen Sommer bin ich mit krampfartigen Unterleibsschmerzen in die Notaufnahme, ich hatte eine massive Divertikulitis mit Fieber und blutigem Stuhl.
Im Abdomen-CT-Befund, den ich erst nach Entlassung bekam, stand u.a. als Nebenbefund: "Leicht höckrige Leberstruktur, vereinbar mit Leberzirrhose." :shock:
Darüber wurde mit mir klinischerseits nicht gesprochen. Hier einige Laborwerte aus der Klinik bzgl. Leber (Juli 2020):
CRP:  4,9 mg/dl  -  (Norm < 0,5 mg/dl)  [ Divertikulitis]
P.anorg.: 0,77 mmol/l - Norm 0,84 - 1,45 mmol/l)
GFR-CKD-EPI: 82 ml/min - (Norm 90 - 140 ml/min)
LDH:  IFCC: 430 U/l -  (Norm < 247 U/l)
GOT:  36 U/l   -  (Norm < 31U/l)
GPT:  11 U/i  -  (Norm < 35 U/l)
gamma-GT IFCC: 11 U/l  -  (Norm < 38 U/l)
AP IFCC: 58 U/l  -  (Norm 35 - 104 U/l)
CHE 37C: 6121 U/l  -  (Norm 5320 - 12920 U/l)
Lipase 37C: 25 U/l  -  (Norm13 - 60 U/l)
Albumin: 3,9 g/dl  -  (Norm 3,5 - 5,3 g/dl)

Beim Hausarzt habe ich das 2 Wochen später angesprochen und es wurde eine Sono mit ähnlichem Befund gemacht (höckrige Leberstruktur). Zusätzlich einige Laborwerte. Ein kleiner Auszug der relevanten Werte:

AP: 49 U/l  -  (Norm 35 - 104 U/l)
Bilirubin, gesamt: 0,3 mg/dl   -  (Norm < 1,1 U/l)
GGT : 18 U/l  -  (Norm < 40 U/l)
GOT:  31 U/l  -  (Norm 10 - 35 U/l)
GPT:  45 U/l - (Norm 10 - 35 U/l)
AMA:  negativ
ANCA (IFT):  positiv 1:10             
p-ANCA (EIA) negativ             
C-ANCA (EIA) negativ
ANA (IFT): 1:80 - messbar   (Norm < 1:160)
AFP 2,9 ng/ml  -  (Norm <7 ng/ml)
alpha-1-Antitrypsin 118 mg/dl  -  (Norm 90 - 200 mg/dl)
Ferritin: 98,4 ng/ml  -  (Norm 15 - 400 altersbezogen)
Transferrin: 200 mg/dl  -  (Norm 200 - 360 mg/dl)
Coeruloplasmin 21 mg/dl  -  (Norm 16 - 45 mg/dl)

Laut Hausarzt wäre das nicht schlüssig, es könnte eine Lebererkrankung vorliegen, aber definitiv keine Leberzirrhose.  Ich soll in einem halben Jahr noch mal zur Kontrolle vorbei kommen.

Wie es der Zufall so wollte, bekam ich ca. 3 Monate später den nächsten Divertikulitisschub und kam wieder stationär. Diesmal habe ich gefragt, ob man nicht auch mal nach der Leber schauen könnte. Am Tag der Entlassung wurde eine Sono und ein Fibroscan gemacht. Im Ultraschall wieder die höckrige Leberstruktur, aber der Fibroscan ganz normal und unauffällig.
Die relevanten Laborwerte der Leberuntersuchung im angeforderten Kumulativbefund:

Fe: 138 µ/dl  -  (Norm 39 - 149 µg/dl)
Ferritin: 102 µg/dl  -  (Norm 13,0 - 150,0 µg/dl)
Transferrin: 194 mg/dl  -  (Norm 200 - 360 mg/dl)
Transf.-Sättig.:  50 %  -  (Norm 15 - 45 %)
Haptoglobin: 95mg/dl  -  (Norm 30 - 200 mg/dl)
Coeruloplasmin: 24 mg/dl  -  (Norm 20 - 60 mg/dl)
Bilirubin ges.:  0,51 mg/dl  -  (Norm <1,00 mg/dl)
Cholesterin:  206 mg/dl  -  (Norm <200 mg/dl)
Triglyceride: 66 mg/dl  -  (Norm <150 mg/dl)
HDL-Chol.: 79 mg/dl  -  (Norm >35 mg/dl)
LDL.Chol.: 126 mg/dl  -  (Norm <160 mg/dl)
LDH: 182 U/l  -  (Norm <247 U/l)
GOT, GPT, gamma-GT, AP (alles niedrig normal)
Gesamteiweiß: 7,37 g/dl  -  (Norm 6,40 - 8,30 g/dl)
Albumin: 62,4 %  -  (Norm 55,8 - 66,1 %)
Alpha-1-Glob.: 3,6 %  -  (Norm 2,9 - 4,9 %)
Alpha-2-Glob.:  8,0 %  -  (Norm 7,1 - 11,8 %)
Beta-Glob.:  9,1 %  -  (Norm 8,4 - 13,1 %)
Gamma-Glob.:  16,9 %  -  (Norm 11,1 - 18,8 %)
Albumin abs.:  4,6 g/dl  -  (Norm 3,6 - 5,5 g/dl)
Alpha-1-Glob.abs.:  0,3 g/dl  -  (Norm 0,2 - 0,4 g/dl)
Alpha-2-Glob.abs.:  0,6 g/dl  -  (Norm 0,5 - 1,0 g/dl)
Beta-Glob.abs.:  0,7 g/dl  -  (Norm 0,5 - 1,1 g/dl)
Gamma-Glo.abs.:  1,2 g/dl  -  (Norm 0,7 - 1,6 g/dl)
CHE 37C:  7325 U/l  -  (Norm 5320 - 12920 U/l)
IGG: 1230 mg/dl  -  (Norm 700 - 1600 mg/dl)
IGA: 138 mg/dl  -  (Norm 70 - 500 mg/dl)
IGM: 95 mg/dl  -  (Norm 40 - 280 mg/dl)
AMA:  negativ
ANCA (IFT):  + 1:10    positiv          
p-ANCA (EIA) negativ             
C-ANCA (EIA) negativ
ANA (IFT): 1:80   (Norm < 1:160)

Da ich relativ unempfindlich bin und wegen anderen Vorerkrankungen immer einige allgemeine Symptome habe, kann ich über Beschwerden nicht viel schreiben. Neu dazu gekommen ist ein massiver Haarausfall und meine allgemeine Müdigkeit ist etwas stärker geworden (Winterschlaf? :wink: ). Alkohol vertrage ich schon lange nicht, das fällt als Ursache weg. Ich ernähre mich relativ gesund, habe Normalgewicht und keine Fettleber. Mehr kann ich nicht berichten...
Vorerst gibt es keinen Befundbericht und der nächste Arzttermin ist erst im neuen Jahr.

Vielleicht kann mir hier einer schon mal vorab etwas dazu schreiben, das wäre sehr hilfreich für mich. Dann könnte ich mich auch auf das Arztgespräch im nächsten Jahr etwas vorbereiten :wink:  

VG Brigitte
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jaeckel
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Re: Frage zum Eisen-Status

Beitrag von jaeckel »

Die meisten Werte sind unauffällig. Leichte Entzündungswerte sind bei Diverticulitis erklärt. Eine Aufzählungen der bekannten Vorerkrankung und ev. Medikation wären hilfreich.
Alles Gute!

Herzlichen Gruss
Ihr

Dr. med. Achim Jäckel
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Re: Frage zum Eisen-Status

Beitrag von ABC123xyz »

Hallo und Danke für die Antwort.
jaeckel hat geschrieben: 15.12.20, 10:10 Die meisten Werte sind unauffällig.
Das sehe ich genauso.
Deshalb bin ich verwundert, das die Leber optisch das Bild einer Leberzirrhose bietet. Irgendwie seltsam...

Medikamente nehme ich eigentlich keine, nur fehlende Hormone werden ersetzt.
Levothyroxin-Natrium nach Thyreoidektomie,
Hydrocortison und Fludrocortison nach bilateraler Adrenalektomie,
Estradiol nach Hysterektomie und Salpingektomie
(alles Tumorerkrankungen - maligne und Benigne) und
Colecalciferol wegen Osteoporose.

Meine Frage, wegen der leicht erhöhten Antikörper, könnte vielleicht eine Autoimmunerkrankung (AIH) hinter der veränderten Leber stecken? Sobald ich stationär aufgenommen werde, bekomme ich immer einen Perfusor mit der 5-fachen Tagesdosis Hydrocortison. Das 1. Entlassungs-Labor war nach 7 Tagen, das 2. Labor nach 3 Tagen mit hochdosiertem Cortisonschutz.
Macht es Sinn, das Labor im normalen Alltag, also mit normal-niedrigem Cortisolspiegel noch einmal zu überprüfen?

VG Brigitte
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Re: Frage zum Eisen-Status

Beitrag von jaeckel »

Hallo Brigitte,

bei einer Autoimmun-Hepatitis würde man höhere Werte der Leberenzyme und der Entzündungsparameter erwarten.
Alles Gute!

Herzlichen Gruss
Ihr

Dr. med. Achim Jäckel
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Re: Frage zum Eisen-Status

Beitrag von ABC123xyz »

Nochmals vielen Dank Herr Dr. Jäkel,

überhaupt finde ich es hervorragend, dass Sie wieder so aktiv im Forum sind. Auch das neue Layout gefällt mir gut.
jaeckel hat geschrieben: 18.12.20, 09:47 bei einer Autoimmun-Hepatitis würde man höhere Werte der Leberenzyme und der Entzündungsparameter erwarten.
Auch wenn sie unter Cortisongabe gemacht wurden?
Das und anderes werde ich im Januar beim Hausarzt Termin abklären lassen. Es muss ja irgend einen Grund geben, warum die Leber sich so seltsam darstellt. Das macht mir schon ein wenig Angst...
Ich versuche natürlich auch auf eigene Faust eine Ursache zu finden und bin z.B. aktuell über das Thema Schilddrüsenhormone und Leber gestoßen. Die Schilddrüsenwerte gerade noch in der Norm, aber Probleme in einem Organ?
https://www.aerztezeitung.de/Medizin/Di ... 12080.html
Seit 20 Jahren lebe ich leicht TSH-supprimiert, vielleicht ist das für die Leber nicht so gesund? Das werde ich im Mai beim Endokrinologen ansprechen....

Sobald ich etwas Neues erfahre, werde ich es hier posten.

VG und schöne Weihnachtstage
an alle :weihnachten: User
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Re: Frage zum Eisen-Status

Beitrag von ABC123xyz »

Hallo,

kurze Rückmeldung - alles ist gut, keine neue Erkenntnis :)

Im Brief vom Facharzt an den Hausarzt steht u.a.:
Laborchemisch zeigten sich Transaminasen und Lebersyntheseparameter, so wie Thrombozyten normwertig. Sonographisch zeigte sich in der Elastographie ein Normalbefund (4kPa).
In Zusammenschau der Befunde ist somit von einer irregulären Leberkontur ohne klinische Signifikanz auszugehen. Es besteht zusammengefasst kein Hinweis auf eine Leberzirrhose.
VG
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