Wie lang ist eine "zeitnahe Abklärung"??

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riedmiller
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Wie lang ist eine "zeitnahe Abklärung"??

Beitrag von riedmiller »

Hallo, was heißt oder wie lang ist eine "zeitnahe Abklärung"??

Jan Kniese
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Beitrag von Jan Kniese »

Guten Tag.

Das kann ganz unterschiedlich sein. Es ist immer im Kontext mit Beschwerden zu verstehen. Da Sie Subforum Kardiologie posten möchte ich ein paar Beispiele nennen:

Akuter Herzinfarkt mit typischen EKG-Veränderungen und heftigen thorakalen Beschwerden. Minuten
Zwischenzeitlich auftrende höhergradige Herzrhythmusstörung mit der Möglichkeit, dass sich ein Herzstillstand entwickeln könnte. Stunden. Tage.
Linksthorakale Schmerzen ohne EKG-Veränderungen und ohne kardiale Vorgeschichte. Tage. Wochen.
Vorhofflimmern. Tage. Wochen.

Es kommt dabei nicht nur auf die Art der Erkrankung an, sondern auch auf Nebenerkrankungen, Häufigkeit der Beschwerden, aktuelle Untersuchungen. Bestand die Erkrankung bereits schon mal? Wenn ein Arzt eine zeitnahe Abklärung empfiehlt, liegt die Dringlichkeit meistens zwischen sofort ins Krankenhaus und wenn´s nicht besser wird, kommen Sie wieder.
Oder praktisch formuliert, ich würde nicht mehr eine größere und weitere Reise antreten und die Abklärung auch nicht mehr über Monate vor mir herschieben.

Für konkrete Angaben sollten Sie ihren Arzt noch mal befragen.

MfG,
J. Kniese
Facharzt für Innere Medizin

riedmiller
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Beitrag von riedmiller »

Hallo Herr Kniese, danke für die schnelle Antwort. Wie ich sehe ist "zeitnah" eine relative Zeitangabe.
Nehmen wir an, man hat am Freitag für 2 Stunden Brustschmerzen, die in den linken Arm ausstrahlen. Am Montag geht man in die Sprechstunde seines Hausarztes. Das Ruhe-EKG zeigt nichts auffälliges. Risikofaktoren: Rauchen, Hypertonie (RR aktuell 168/107) und Cholesterinerhöhung. Ein Glyceryltrinitrat-Spray wurde verordnet und die Woche darauf wird ein Termin für eine Laboruntersuchung vereinbart.

Jetzt meine Frage: Sind die Kardiologischen Untersuchungen ausreichend und die Laboruntersuchung "zeitnah"??

Vielen Dank schon im Voraus!

Peter

Jan Kniese
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Beitrag von Jan Kniese »

Kann, muss nicht.

Welche kardiologischen Untersuchungen sind gemeint? Ein einmaliges Ereignis und nachfolgendes unauffälliges EKG stellt zunächst die Frage, inwieweit der Hausarzt in diesem Beispiel die Brustschmerzen als durch das Herz bedingt einschätzt (es gibt noch reichlich andere - meist harmlose - Ursachen). Wenn er das Risiko als gering einschätzt, wären weiteren Untersuchungen innerhalb von Wochen ausreichend.
Bei erneuten Beschwerden wäre das Vorgehen aber sicher zu diskutieren. Auch wäre dem Patienten durch den Hausarzt sicher mitgegeben worden, dass wenn die Beschwerden über 30 min. anhielten, er die Rettungskette mit 112 alarmieren sollte..

Der Sinn der Laboruntersuchungen erschließt sich mir aus dem Text nicht zwingend, aber es können ja auch andere Gründe vorliegen. Und dass der Blutdruck überprüft und eingestellt gehört, nun ja, das kommentiere ich besser nicht...

MfG,
J. Kniese
Facharzt für Innere Medizin

riedmiller
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Beitrag von riedmiller »

Hallo Herr Kniese, danke für die schnelle Antwort.
Sollte man nicht "zeitnah" sondert "sofort" lebensbedrohliche Krankheiten ausschließen wie z.B. Herzinfarkt usw. Für die reichlich andere - meist harmlose - Ursachen gibt es noch genügend Zeit. Erkennt ein Ruhe-EKG jeden durchlaufenen Infarkt?? Und was ist mit den Vorboten eines Herzinfarkts ich habe in einem Bericht gelesen dass sich in 80% der Fälle, ein Herzinfarkt Tage davor ankündigt (Herzstiftung / Kann man den Herzinfarkt voraussehen?). Aber wenn die Erkenntnis besteht dann wären weiteren Untersuchungen innerhalb von Wochen nicht ausreichend.

Vielen Dank schon im Voraus!

Peter

Jan Kniese
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Beitrag von Jan Kniese »

So, jetzt passt es wieder (Beitrag war im falschen Forum...).

Mehrere Möglichkeiten:
  • Am Freitag war es ein Herzinfarkt. Dieses sieht man in der Regel an bestimmten Veränderungen im EKG. Es ist richtig, dass man zwar beim akuten Myokardinfarkt z.T. keine relevanten Veränderungen findet (Stichwort NonSTeMI), die Folgezustände sind aber als Veränderungen besser zu erkennen. Ein vollständig unauffälliges Ruhe-EKG spricht eindeutig gegen einen stattgehabten Herzinfarkt.
  • Es handelte sich um Angina pektoris. Es handelte sich um ein (bisher) einmaliges Ereignis, seit 3 Tagen Ruhe. Am Herzen selbst liegt (mindestens) eine Verengung eines Herzkranzgefäßes vor, diese kann zum einen langsam voranschreiten und zunehmend Beschwerden verursachen oder als sogenannte Ruptur sich akut verschlechtern und in einem Infarkt münden. Was passiert, läßt sich nicht pauschal beantworten, hierzu ist persönlicher Kontakt und Einschätzung eines erfahrenen Kollegen notwendig.
  • Extrakardiale Ursache.
Welche Diagnose wahrscheinlich ist, wird man der Einschätzung des behandelnden Kollegen überlassen müssen, aber die Wahrscheinlichkeit des zeitnahen Auftretens eines akuten Herzinfarktes bei einmaligem Auftreten und nachfolgend unauffälligem Ruhe-EKG ist schon gering. Ich persönlich hätte mir in der Woche mit dem Montag noch die Anfertigung eines Belastungs-EKGs gewünscht (das wäre in diesem Fall aufgrund der gemachten Schilderungen meine Definition von zeitnah gewesen. Aber das kann man auch anders sehen).
Und nochmal: Wenn erneut Beschwerden auftreten, sieht das schon wieder anders aus.

MfG,
J. Kniese
Facharzt für Innere Medizin

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