Besteht Handlungsbedarf bei leichter Überfunktion der Schilddrüse bei Stent-Patienten

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the ghost of elvis
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Besteht Handlungsbedarf bei leichter Überfunktion der Schilddrüse bei Stent-Patienten

Beitrag von the ghost of elvis »

Guten Tag,
es geht um einen Patienten Mitte Fünfzig, dem kürzlich zwei Stents implantiert wurden (koronare 1-Gefäßerkrankung (RIVA Segment 6/7).
Seine Schilddrüse weist schon seit Jahren eine leicht Überfunktion auf. Mehrfach wurden TSHB-Werte von ca. 0,20 - 0,30 ermittelt und damit zumeist ganz leicht unterhalb des Referenzbereiches 0,27-4,20.
Dem Patienten wurde jetzt erklärt, dass er nun seit einer Risikogruppe gehöre und die leichte Schilddrüsen-Überfunktion ein Risiko für sein Herz darstelle.
Er solle sich entscheiden, ob er a) einer OP an der Schilddrüse zustimmt oder b) einer Radiojod-Therapie oder c) lebenslanger Einnahme von Schilddrüsen-Medik. mit nicht unerheblichen Nebenwirkungen.
Frage: besteht aus kardiologischer Sicht wirklich kurz- oder mittelfristiger Handlungsbedarf?
Und welche der drei o.g. Alternativen (OP, Radiojod, Medik.) beinhaltet das geringste Risiko?
Für Antworten danke im Voraus.

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jaeckel
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Re: Besteht Handlungsbedarf bei leichter Überfunktion der Schilddrüse bei Stent-Patienten

Beitrag von jaeckel »

the ghost of elvis hat geschrieben:
09.10.20, 18:54
Frage: besteht aus kardiologischer Sicht wirklich kurz- oder mittelfristiger Handlungsbedarf?
Erhöhte SD-Hormone treiben Herz und Kreislauf an und können die Neigung zur Herzrhythmusstörungen verstärken.
the ghost of elvis hat geschrieben:
09.10.20, 18:54
Und welche der drei o.g. Alternativen (OP, Radiojod, Medik.) beinhaltet das geringste Risiko?
Bei richtiger SD-Überfunktion wird regelmäßig eine SD-OP empfohlen. Dazu würde man wissen wollen: Wie sind fT3, fT4 und die SD-Sonographie?
Alles Gute!

Herzlichen Gruss
Ihr

Dr. med. Achim Jäckel
Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie und Nephrologie
Intensivmedizin, Notfallmedizin, Hypertensiologe (DHL)

the ghost of elvis
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Beitrag von the ghost of elvis »

@Dr.Jäckel: vielen Dank für die Antwort.

"Bei richtiger SD-Überfunktion wird regelmäßig eine SD-OP empfohlen. Dazu würde man wissen wollen: Wie sind fT3, fT4 und die SD-Sonographie?"

Die Endokrinologin hat neulich keine Knoten bei der Ultraschall-Untersuchung der Schilddrüse gefunden. FT3 und FT4 waren bei beiden Untersuchungen im August, bzw. September innerhalb des Normbereiches: FT3 bei ca. 3,1-3,2; FT4 bei ca. 1.1-1,2
Der Hausarzt meinte, die Radiojod-Therapie wäre die schonendste Form der Behandlung, hätte aber nur in ca. 50% der Fälle Erfolg. Bei einer OP müssten die Fachärzte vorher entscheiden, ob vorher ASS abgesetzt werden solle/könne/müsse. Clopidogrel soll auch noch bis März genommen werden.

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jaeckel
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Re: Besteht Handlungsbedarf bei leichter Überfunktion der Schilddrüse bei Stent-Patienten

Beitrag von jaeckel »

Man nennt das dann eine latente Hyperthyreose im Gegensatz zur manifesten Hyperthyreose. Die latente Hyperthyreose würde man nur dann zunächst thyreostatisch behandeln, wenn z.B. Vorhofflimmern oder ähnliche kardiale Beschwerden ausgelöst würden. Mit einer OP sollte sowieso bis zum Ende der Clopidogrel-Indikation gewartet werden. Vorsicht vor Jod-Exposition in jeder Form: Amiodaron, Kontrastmitel, etc..!
Alles Gute!

Herzlichen Gruss
Ihr

Dr. med. Achim Jäckel
Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie und Nephrologie
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