Thrombopenie und Antikoagulation

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kk9979
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Thrombopenie und Antikoagulation

Beitrag von kk9979 »

Sehr geehrter Dr. Jäckel,

ich habe mal eine Frage bezüglich folgender Thrombozytenwerte:

Thrombozyten 47 -- (150-370 GPt/l) EDTA
Thrombozyten 40 GPt/l Citrat

Mein Vater hat laut Hämatolgen eine Pseudothrombozytopenie, deshalb nochmal der Wert im Citratröhrchen. Trotzdem ist doch der Wert viel zu niedrig? Er nimmt auch einen Blutverdünner (Lixiana 30), kann es dann bei solchen Werten so sein, dass er vielleicht viel zu dünnes Blut bekommt oder gar generell Blutungen? Der Hausarzt hat zu dem Wert nichts gesagt. Geht der wirklich so noch in Ordnung? Bei der letzen Blutentnahme lag er noch bei 57, also etwas höher.

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jaeckel
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Re: Thrombopenie und Antikoagulation

Beitrag von jaeckel »

Hallo kk9979,

ich habe mal das neue Thema abgetrennt und thematisch besser passend hierher verschoben.
kk9979 hat geschrieben:
20.06.20, 07:31
Trotzdem ist doch der Wert viel zu niedrig?
Ja, ist er.
kk9979 hat geschrieben:
20.06.20, 07:31
Er nimmt auch einen Blutverdünner (Lixiana 30), kann es dann bei solchen Werten so sein, dass er vielleicht viel zu dünnes Blut bekommt oder gar generell Blutungen?
Ja, die Gefahr besteht. Wichtige Fragen dazu:
  • Was ist die Ursache Thrombozytopenie?
  • Warum nimmt er Blutverdünnung (Indikation)?
  • Wie ist seine Nierenfunktion?
  • Hat er derzeit eine Blutungsneigung?
Suchen Sie im Internet nach HAS-BLED-Score.
Alles Gute!

Herzlichen Gruss
Ihr

Dr. med. Achim Jäckel
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kk9979
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Re: Thrombopenie und Antikoagulation

Beitrag von kk9979 »

Sehr geehrter Dr. Jäckel,

bevor mein Vater Lixiana bekommen hat, hatte er schon diese niedrigen Werte im EDTA-Blut. Die Hausärztin hatte ihn dann zur Abklärung zu einem Hämatologen geschickt. Dieser schaute nach sämtlichen Ursachen und sagte dann, dass er eine Pseudothrombozytopenie hätte, d.h. das immer ein Citratröhrchen verwendet werden müsste, weil es im EDTA nicht richtig gemessen werden kann. Seit dem hat niemand mehr was gesagt und die Hausärztin hatte zu dem genannten Wert auch nichts gesagt. Ich habe es jetzt mal in Frage gestellt, weil er mir doch arg wenig vorkommt.

Das Lixiana nimmt er, weil er Vorhofflimmern hat. Dabei hat die Hausärztin entgegen der Uniklinik entschieden, dass er anstelle von Lixiana 60 die 30er nehmen soll, weil im Alter über 80 könnten die Nierenwerte oft schwanken und außerdem hatte er schon mal eine ganz dunklen Arm, als ob da mal ein Gefäß geplatzt wäre. Der Arm sah fast schwarz aus. Das war einige Monate nach einer Herzkatheteruntersuchung, ich weiß nicht, ob es davon noch kommen kann, denn zuerst wurde versucht über den Arm diese Untersuchung zu machen, was nicht ging. Dann wurde es über die Leiste fortgesetzt.

Also ich würde sagen, dass er jetzt keine Blutungsneigung hat, also vermehrt blaue Flecke. Die Nierenfunktion lag bei folgenden Wert: Kreatinin 85 umol/l (<106), GFR 73 ml/min/1.73 qm ( > 90).

Was sagen sie zur Aussage des Hämatologen bzgl. der Pseudothromozytopenie? Was könnte es noch sein? Die Indikation für Lixiana wurde mittels solch einem Score gestellt. Sollte ich den Hämatologen nochmal mit dem Laborblatt kontaktieren?

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jaeckel
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Re: Thrombopenie und Antikoagulation

Beitrag von jaeckel »

kk9979 hat geschrieben:
20.06.20, 18:17
Sollte ich den Hämatologen nochmal mit dem Laborblatt kontaktieren?
Ja, das wäre gut. Denn die Thrombos sind jetzt niedrig und nicht "pseudo".
Alles Gute!

Herzlichen Gruss
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Dr. med. Achim Jäckel
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kk9979
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Re: Thrombopenie und Antikoagulation

Beitrag von kk9979 »

Sehr geehrter Dr. Jäckel,

vielen Dank für die Antwort, ich werde gleich morgen den Hämatologen kontaktieren. Wie schnell müsste er damit einen Termin bekommen, d.h. wie dringend ist es und sollen wir das Lixiana vorsichtshalber absetzen (aber was ist dann mit dem Vorhofflimmern)?

Und eine Frage beschäftigt mich noch. Könnte ein derart verminderter Thrombozytenwert irgendwas mit einem Vitamin B12-Mangel zu tun haben? Sein Blutbild, was Erythrozyten und Hämoglobin betrifft ist aber im Normbereich. Er bekommt aber Spritzen, da er einen nachgewiesenen Mangel hatte und weil sein Magen aufgrund eines Magengeschwürs vernarbt ist, außerdem bekommt er dauerhaft PPI und ist auch bzlg. Thoraxmagen operiert. Die letzten 2 Monate waren die B12-Spritzen ausgefallen, weil die Praxis wegen Corona zeitweise geschlossen hatte und weil das KH, wo er lag verweigert hat das B12 zu spritzen.

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jaeckel
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Re: Thrombopenie und Antikoagulation

Beitrag von jaeckel »

kk9979 hat geschrieben:
21.06.20, 15:11
Wie schnell müsste er damit einen Termin bekommen
Möglichst schnell "sollte" ein Termin wahrgenommen werden
kk9979 hat geschrieben:
21.06.20, 15:11
sollen wir das Lixiana vorsichtshalber absetzen
Solche Fragen muss zwingend zeitnah der behandelnde Arzt entscheiden. Internet-Ratschläge sind kein Ersatz dafür.
kk9979 hat geschrieben:
21.06.20, 15:11
irgendwas mit einem Vitamin B12-Mangel zu tun
Falls ein Mangel bestünde, wäre das m.E. nicht auszuschließen.
Alles Gute!

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kk9979
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Re: Thrombopenie und Antikoagulation

Beitrag von kk9979 »

Sehr geehrter Dr. Jäckel,

ich habe versucht die Hausärztin zu erreichen. Leider konnte ich sie nicht persönlich sprechen, sondern die Arzthelferin teilte mir dann später mit, dass sie sie gefragt hätte und es wäre alles in Ordnung. Bei einer Pseudothrombozytopenie würde wohl das Blut verklumpen. Also hier habe ich gar nichts erreicht und würde vermutlich noch nicht mal einen Überweisungsschein für den Hämatologen bekommen. Wenn sich das Blut auch im Citratröhrchen verklumpt hätte, hätte dann das Labor nicht auf dem Laborblatt eine Anmerkung hierzu gemacht? Ich habe herausgefunden, dass es auch Spezialröhrchen für ein Pseudothrombozytopenie gibt: S-Monovette Thromboexact. Also hier müsste dann wohl ein realer Thrombozytenwert entstehen? Kann solch ein Röhrchen jedes Labor bearbeiten/untersuchen? Hat jeder Hausarzt so ein Röhrchen oder müsste man die erst besorgen?

Nun habe ich dem Hämatologen mit meinen Fragen das Laborwert geschickt, aber bisher habe ich noch keine Rückantwort erhalten. Einzige Rückantwort habe ich vom Chirurgen der Uniklinik erhalten, der damals den Thoraxmagen operiert hat und dieser ist selber Meinung, wie sie. Ich werde heute nochmal beim Hämatologen anrufen und fragen, ob wir vielleicht doch nochmal einen Termin bekommen. Ich hoffe, dass ich nicht abgewimmelt werde.

Ich hatte mal seine Beine angeschaut, nach Petechien. Er hat an beiden Beine, am rechten noch mehr als am linken, überall Zeichnungen, wie Adern ähnlich wie Krampfadern. Das geht das ganze Schienbein hoch bis knapp über das Knie. Aber richtige Petechien hat er nicht, soweit ich das beurteilen kann.

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