Seltsame Herzrhythmusstörungen

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ElkeN
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Seltsame Herzrhythmusstörungen

Beitrag von ElkeN »

Liebes Expertenteam,

seit November 2019 leide ich an Herzrhythmusstörungen, die sich zunächst nur nachts bemerkbar machten in der Art, dass ich dachte, mein Mann stupse mir mit dem Finger in die Seite, den Rücken oder den Bauch. Es war aber mein Herz, das auf sich aufmerksam machte. Die Beschwerden nahmen zu, es polterte immer öfter im Brustraum, und im Februar 2020 ging ich zum Hausarzt. Der machte ein Langzeit-EKG und eine Langzeit-Blutdruckmessung und schickte mich zum Kardiologen. Noch ein Langzeit-EKG mit folgendem Ergebnis:

Diagnosen: Palpitationen auswärts nachgewiesene Phasen einer supraventrikulären Tachykardie paroxysmales Vorhofflimmern (?) sonst bislang kein sicherer Hinweis für eine strukturelle Herzerkrankung

Vorgeschichte und jetzige Beschwerden: Die Patientin stellt sich erstmals in unserer Praxis vor. Sie berichtet darüber, dass sie im November 2019 erstmals ihren Herzschlag wahrgenommen hat. Dies hauptsächlich in körperlicher Ruhe. Hausärztlicherseits dann Durchführung einer Langzeit-Blutdruckmessung mit unauffälligem Befund und eines Langzeit-EKGs, das auszugsweise vorliegt. Hier finden sich mehrere Phasen einer supraventrikulären Tachykardie mit Frequenzen um 150-160/min bei teilweise unregelmäßiger Zykluslänge. Die Episoden dauern in dem Langzeit-EKG maximal 30 Sekunden. Die Patientin selbst bemerkt Episoden die maximale ½ Stunde anhalten. Aus der weiteren Vorgeschichte der Patientin erwähnenswert ist eine posttraumatische Belastungsstörung.

Körperlicher Untersuchungsbefund: 65-jährige Patientin in gutem Allgemein- und normalgewichtigem Ernährungszustand. Herzaktion rhythmisch, Herztöne rein keine kardialen Dekompensationszeichen.

14 Tage später ein weiterer Befund:

Wir berichten abschließend über das bei obengenannten Patienten am 27.02.2020 durchgeführte LZ-EKG.

Befund: Während einer 20-stündigen Aufzeichnungsdauer findet sich bei guter Aufzeichnungsqualität ein Sinusrhythmus mit Frequenzen zwischen 60 und 120/min. Die Durchschnittsfrequenz liegt bei 74/min. Regelrechte nächtliche Frequenzabsenkung. Im gesamten Verlauf kommt es zu supraventrikulären Extrasystolen in einer Häufigkeit von ca. 3%. Keine nennenswerte ventrikuläre Extrasystolie. Keine Phasen von Vorhofflimmern.

Zusammenfassende Beurteilung: Normfrequenter Sinusrhythmus; supraventrikuläre Extrasystolie, kein Vorhofflimmern.

Nachtrag: Die Patientin findet sich heute (05.03.2020) zur Besprechung des Langzeit-EKGs in unserer Praxis ein. Sie berichtet über die notfallmäßige Vorstellung in der Ambulanz des Herzzentrum Duisburg. Auch dort konnte die von der Patientin bemerkte Rhythmusstörung nicht elektrokardiografisch erfasst werden. Die Patientin legt Ausdrucke ihrer Rhythmusstörungen, die sie mit einer Pulsuhr registriert hat vor. Hier finden sich, die auch im Langzeit-EKG erfasste, supraventrikuläre Extrasystolie. Ich habe die Patientin auf die relative Harmlosigkeit der von ihr bemerkten Palpitationen hingewiesen. Eine Therapie ist hier zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht erforderlich.


Das klingt nun alles nach einer "hysterischen Alten" ;-) , aber ich bin weder hysterisch noch habe ich Angst. Dieses heftige Pochen nervt mich, ich komme nachts nicht mehr zur Ruhe, habe 5 kg zugenommen und weiß nicht, warum. Inzwischen habe ich mir eine App zugelegt um diese "Störungen" aufzuzeichnen, damit mir jemand glaubt. Ich füge gleich unten ein Bild davon ein, so sieht es nun Tag und Nacht aus.

Nun komme ich zum "Seltsamen" in meiner Überschrift: Wenn das Herz derart übel schlägt, setze ich mich auf den Heimtrainer, bringe den Puls auf ca. 120 bis 130 - und das Herz schlägt unter der Belastung wieder völlig normal. Schnell zwar, das ist ja klar, aber halt ganz rhythmisch! Die Normalität hält ca. eine Stunde an, dann geht es wieder los...

Hat evtl. jemand eine Idee, was mit mir los ist?

Hier noch ein Screenshot der App:

Bild

Vielen Dank an alle, die bis hierher durchgehalten haben!

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jaeckel
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Re: Seltsame Herzrhythmusstörungen

Beitrag von jaeckel »

Hallo Elke,

die Befunde der behandelnden Ärzte sind ja klar. Ihre Grafiken entsprechen keinem medizinischen Mindeststandard und sind daher vollkommen ungeeignet.
Supraventrikuläre Extrasystolen verschwinden oft unter Belastung. Das ist nicht ungewöhnlich. Die Strategie sollte darin bestehen, Ihre Aufmerksamkeit von den grundsätzlich gutartigen Rhythmusstörungen abzulenken. Das neue Gerät mit Aufzeichnung und auch Ihr Beitrag hier belegt, dass Sie wahrscheinlich das tun, was Ihnen am wenigsten nützt (s.u. Rückkopplung).

Was sind funktionelle Herzbeschwerden?

Die Symptome, die häufig bei Patienten auftreten sind:
  • unangenehme Gefühle im Brustkorb, genau lokalisierbare Schmerzen mit drückendem, brennendem Charakter
  • Beklemmungsgefühle mit subjektiven Atembeschwerden
  • Herzstolpern, Herzrasen
  • subjektive Luftnot bei verstärkter Atmung
  • vermehrtes Schwitzen, Zittrigkeit
  • Angst- bzw. Panikattacken
  • Angst gleich in Ohnmacht zu fallen
Begleitet werden solche Symptome häufig von anderen psychovegetative Beschwerden, wie Schlafstörungen, Angst, Unruhe, Nervosität, Erschöpfung. Überforderungsgefühle oder depressive Stimmungen sind ebenfalls häufig.

Typisch für die Symptome ist der "Teufelskreis", je mehr man sich auf seinen Körper konzentriert, umso schlimmer werden die Beschwerden (Rückkopplung).

Funktionelle Beschwerden sind eine schwierige Ausschlußdiagnose. Wenn bei mehrfachen Untersuchungen keine Hinweise auf eine körperliche Ursache gefunden wird, können Psychotherapie, Verhaltenstherapie, Gesprächstherapie, mehr körperliche Bewegung Besserung bringen
Alles Gute!

Herzlichen Gruss
Ihr

Dr. med. Achim Jäckel
Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie und Nephrologie
Intensivmedizin, Notfallmedizin, Hypertensiologe (DHL)

ElkeN
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Re: Seltsame Herzrhythmusstörungen

Beitrag von ElkeN »

Hallo Herr Dr. Jaeckel,

vielen Dank für Ihre schnelle Antwort, auf die ich erst jetzt reagiere, weil ich gerade eben die Auswertung eines erneuten Langzeit-EKGs bekommen habe.

Vorab möchte ich anmerken, dass ich mich durch Sie in eine Psycho-Schublade geschoben fühle, in die ich definitiv nicht gehöre. Leider sind gerade Mediziner hier sehr schnell unberechtigt voreingenommen. Ich ärgere mich gerade, dass ich den Hinweis des Kardiologen auf eine PTBS nicht aus seinem Befundbericht gelöscht habe. Beim "Durchblättern" des Forums habe ich aber festgestellt, dass Sie immer wieder dieselben diesbezüglichen Textbausteine verwenden, was mich natürlich sehr an der Qualität Ihrer Antworten und Einschätzungen zweifeln lässt.

Die von Ihnen als ungeeignet bezeichnete App wurde mir neben der Anschaffung einer Apple-Watch vom Kardiologen empfohlen. Welcher Meinung darf ich nun vertrauen?

Was nun mein Langzeit-EKG (über knappe 20 Stunden) betrifft, so zeigten sich innerhalb dieser Zeit gute 19.000 VES, nachts sehr viel mehr als tagsüber. Dies nur noch zu Ihrer Information.

Gruß
Elke

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jaeckel
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Re: Seltsame Herzrhythmusstörungen

Beitrag von jaeckel »

ElkeN hat geschrieben:
22.06.20, 08:40
dass ich mich durch Sie in eine Psycho-Schublade geschoben fühle
Oh, das war nicht meine Absicht. Ich wollte Sie nur auf die Möglichkeit der negativen Rückkopplungen aufmerksam machen und habe ja auch betont, dass funktionelle Beschwerden eine schwierige Ausschlußdiagnose sind.

Ich fasse zusammen. LZ-EKG vom 27.02.2020:
ElkeN hat geschrieben:
18.06.20, 12:09
Im gesamten Verlauf kommt es zu supraventrikulären Extrasystolen in einer Häufigkeit von ca. 3%. Keine nennenswerte ventrikuläre Extrasystolie.
ElkeN hat geschrieben:
18.06.20, 12:09
Ich habe die Patientin auf die relative Harmlosigkeit der von ihr bemerkten Palpitationen hingewiesen.
Das war die Grundlage für meinen Beitrag.
ElkeN hat geschrieben:
22.06.20, 08:40
Die von Ihnen als ungeeignet bezeichnete App wurde mir neben der Anschaffung einer Apple-Watch vom Kardiologen empfohlen. Welcher Meinung darf ich nun vertrauen?
Die App ist sicher gut geeignet seltene Herzrhythmusstörungen zu detektieren, die man sonst nicht eingefangen hätte. Bei jemandem, der ständig Beschwerden hat und dessen Rhythmustörungen nachweisbar harmlos sind, halte ich die App für aus bezeichnetem Grund für nicht förderlich für den Krankheitsverlauf. Und damit meine ich nicht das Herz.
ElkeN hat geschrieben:
22.06.20, 08:40
so zeigten sich innerhalb dieser Zeit gute 19.000 VES
Dabei handelte es sich um eine meist sehr fehlerbehaftete maschinelle oder eine ärztlich-kardiologische Auswertung? Ersteres würde ja dem anderen LZ-EKG komplett widersprechen.
Alles Gute!

Herzlichen Gruss
Ihr

Dr. med. Achim Jäckel
Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie und Nephrologie
Intensivmedizin, Notfallmedizin, Hypertensiologe (DHL)

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