Ich verzweifel etwas

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olli91
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Ich verzweifel etwas

Beitrag von olli91 »

Sehr geehrter Herr. Dr. Jaekel.

Ich habe hier im Forum schon einige Male geschrieben aber momentan verzweifel ich total.

Ich leide nun schon seit 7 Jahren unter starker Angst bei Extraaystolie und starken Herzrasenattacken bis 170/min.

Nun ist es so das ich gestern wieder so eine Attacke bekam die sich folgend ankündigte. Zuerst bekam ich alle paar Min Herzstolperer und dann auch mal alle paar sekunden. Und dann irgendwann ging mein Puls auf über 120 Schläge hoch ich bin dann zu Fuß zur Notfallambulanz gegangen und währenddessen ging mein Puls auf 160. Ala ich dort ankam war er laut den Ärzten dann bei 150. Diese stellten mich allerdings dann als schwer psychisch krank dar und gaben mir 2.5mg Bisoprolol mit mit der Aussage wir haben hier mit Corona zu viel zu tun und ich solle mal runterkommen. Zu Hause angekommen sank mein Puls dann ab aber ich bekam wieder Extrasystolen sogar einmal vier hintereinander vor dem einschlafen.

Ich bin echt am verzweifeln, da mich keiner mehr ernst nimmt und ich diese Attacken jeden zweiten bis dritten Tag bekomme. Zudem drängt sich mir die Angst auf an etwas seltenem erkrankt zu sein, da ich mich auch viel mit Kardiologie beschäftigt habe in diesen 7 Jahren meines Leidens.

Kurz zu mir ich bin 28 Jahre alt. Habe diverse LzEKGs hinter mir inklusive 3 Tage EKG. Zudem eine EPU im Krankenhaus Porz am Rhein mit Verdacht auf AVNRT consil WPW. Diese hatte ein unauffälliges Eegebnis. Mein letztes Belastungs EKG ist einige Jahre her. Das letzte LzEKG war im Dezember plus ein Herzecho mit Doppler.

Was kann ich machen. Eine psychosomatische Tagesklinik hatte ich besucht die allerdings wegen Corona abgebrochen wurde.

Ich bitte um Hilfe da ich extrem verzweifelt bin und Angst vor einer schweren Erkrankung habe sowie auch vor idiopathische Rhythmusstörungen die man vll nicht findet da sie nur intermittierend auftreten(primäres Vorhofflimmern, RVOT/LVOT Tachykardien).

Ich denke mal sie sehen das ich mich sehr mit der Thematik befasse.

Ganz liebe Grüße aus Köln

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jaeckel
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Re: Ich verzweifel etwas

Beitrag von jaeckel »

Hallo Olli,

aus Ihrem Beitrag ergeben sich Hinweise, dass es sich um funktionelle Herzbeschwerden handeln könnte.

Die Symptome, die häufig bei Patienten auftreten sind:
  • unangenehme Gefühle im Brustkorb, genau lokalisierbare Schmerzen mit drückendem, brennendem Charakter
  • Beklemmungsgefühle mit subjektiven Atembeschwerden
  • Herzstolpern, Herzrasen
  • subjektive Luftnot bei verstärkter Atmung
  • vermehrtes Schwitzen, Zittrigkeit
  • Angst- bzw. Panikattacken
  • Angst gleich in Ohnmacht zu fallen
Begleitet werden solche Symptome häufig von anderen psychovegetative Beschwerden, wie Schlafstörungen, Angst, Unruhe, Nervosität, Erschöpfung. Überforderungsgefühle oder depressive Stimmungen sind ebenfalls häufig.

Typisch für die Symptome ist der "Teufelskreis", je mehr man sich auf seinen Körper konzentriert, umso schlimmer werden die Beschwerden (Rückkopplung).

Funktionelle Beschwerden sind eine schwierige Ausschlußdiagnose. Wenn bei mehrfachen Untersuchungen keine Hinweise auf eine körperliche Ursache gefunden wird, können Psychotherapie, Verhaltenstherapie, Gesprächstherapie, mehr körperliche Bewegung Besserung bringen.
Alles Gute!

Herzlichen Gruss
Ihr

Dr. med. Achim Jäckel
Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie und Nephrologie
Intensivmedizin, Notfallmedizin, Hypertensiologe (DHL)

olli91
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Re: Ich verzweifel etwas

Beitrag von olli91 »

Vielen lieben Dank für ihre Antwort.

Kann es bei funktionellen Herzbeschwerden denn auch so Stunden anhalten weil gestern gingen die Extrasystolen ja über bestimmt 5 Std bis dann das Herzrasen einsetzte und als es sich wieder beruhigte nach dem Betablocker traten die Extras wieder auf das war sehr beängstigend.

Liebe Grüße und vielen lieben Dank nochmal für ihre Antwort.

Schrittmacher
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Re: Ich verzweifel etwas

Beitrag von Schrittmacher »

Hallo,

ich möchte Ihnen eine erfahrung aus dem Bekanntenkreis weitergeben.

Ein Bekannter, männlich etwas älter als Sie, hatte immer wieder ein Herzrasen, das ihn schwer mitgenommen hatte.
Unzählige EKGs wurden geschrieben, mehrere Langzeit EKGs und nirgendwo der Hinweis auf irgendeine Herzrhythmusstörung.
Langam war er im Krankenhaus bekannt als jemand, der statt zum Kardiologen lieber in die Psychiatrie gehören würde.
Nur der "Herzkasper" kam immer wieder.

Dann hat er sich eine Smartwatch zugelegt, so eine, die a) über einen optischen Sensor am Uhrboden Pulswellen messen kann, damit permenent den Puls und ggf. Unregelmäßigkeiten beim Herzschlag bestimmt, und b), wenn man den Zeigefinger der rechten Hand an die Krone der Uhr legt, ein 30s EKG aufzeichnen kann ("Extremitätenableitung I").
Diese EKG Aufzeichnung wird im Smartphone gespeichert, und kann bei Bedarf dem Kardiologen per email zugesandt werden oder ausgedruckt in die Sprechstunde mitgebracht.
Die Uhr ist in den USA von der dortigen Zulassungsbehörde FDA bereits als Medizingerät zugelassen worden. Selbst wenn sie das in Europa noch nicht ist, die Rhythmusstörung wird exakt dokumentiert (wenn es eine ist), und der Kardiologe weiss, wo er weitersuchen muss.

Ja, nun hat er also eine solche Uhr (es ist die Version 5 der Uhr, deren Hersteller man hier im Forum wegen der Neutralität nicht nennen soll), und nach ca. 2 Wochen trat ein neuer "Herzkasper" auf, er konnte dieses Ereignis mit seiner Watch dokumentieren, hatte es dem Kardiologen zugesandt, der nun (endlich!) wusste was es ist und dass die Rhythmusstörung eben nicht im Kopf zu suchen ist, und konnte tatsächlich die passende Therapie einleiten.

Wenn es mich beträfe, oder jemanden in unserer Familie, dann würde ich diese Uhr auf jeden Fall in Betracht ziehen; Nachteil: Sie ist recht teuer, hat sich aber im Bekanntenkreis bezahlt gemacht. Und die Uhrzeit zeigt sie auch noch!

Mit besten Grüßen,
Schrittmacher

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