Tachykardien mit Puls 220

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C_F_Gauss
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Tachykardien mit Puls 220

Beitrag von C_F_Gauss »

Sehr geehrte Experten,

männlich, 43, seit Jahrzehnten 2-4 mal Sport die Woche, sportlich, schlank, pos. Familienanamnese, habe in den späten 30ern 5 Jahre geraucht (5-8 Zigaretten/Tag), laut Hausärztin sonst keine Risikofaktoren. Seit einem halben Jahr leide ich gelegentlich unter Brustschmerzen und/oder Atemnot in Ruhe sowie manchmal unter Atemnot bei Belastung. In den letzten 9 Monaten hatte ich außerdem 4 Tachykardien mit einem Puls von bis zu 220 (!), zweimal beim Sport (3-4 Minuten lang) sowie 2 mal in Ruhe (10 Sek. bzw. 1 Minute lang). Die Tachykardien enden so plötzlich (auf einen Schlag) wie sie gekommen sind.

Bisherige Untersuchungen beim Kardiologen:
- Belastungs-EKG
- Ultraschall
- Langzeit-EKG
- Event-Rekorder für 12 Tage (ohne Vorkomnisse)
- Stress-Echo

Es sei alles in Ordnung und bösartige Tachykardien seien bei meinem Herzen unwahrscheinlich. Seit der letzten (vierten) Tachykardie trage ich nun auf Eigeninitiative ständig 3 Elektroden am Körper und zeichne mit einem PC80B rund um die Uhr ein 1-Kanal-EKG auf, bis ich die Tachykardie festgehalten habe. Vor ein paar Tagen nun gab es einmal in Ruhe plötzlich 3 schnelle Schläge, subjektiv fühlte es sich ähnlich an wie bei den Tachykardien, nur deutlich langsamer, habe es gleich ausgelesen, hier das Foto der 3 Schläge sowie der Schläge davor und dahinter (25mm/sec):

https://s19.directupload.net/images/200127/oz2busjv.png

Ist das nicht ein Triplet von VES? Macht es die Möglichkeit wahrscheinlicher, dass auch meine Tachykardien ventrikulärer Natur sind? Im Langzeit-EKG gab es lediglich 4 vereinzelte VES. Weiß nicht, ob das was zur Sache tut: vor ein paar Tagen habe ich auch mal 4 sich seltsam anfühlende Schläge hintereinander gespürt (bei normaler Frequenz), das habe ich dann ebenfalls ausgelesen und festgestellt, dass bei diesen 4 Schlägen die P-Welle fehlt:

https://s19.directupload.net/images/200127/lqu35c8u.png

Der (anonymisierte) kurze Bericht des Kardiologen nach dem Stress-Echo:

https://s19.directupload.net/images/200127/p4leuayy.png

Er meint auch, mit dem Triplet ändere sich die Beurteilung nicht, es sei auch nicht sicher, dass dies VES seien und nicht doch SVES (wegen den ziemlich grenzwertigen 120ms QRS). Im Netz aber finde ich mehrere fast identisch aussehende ES auf Ableitung 2 (ebenfalls mit grenzwertigen 120ms), jedesmal aber mit Hinweis "VES" (bzw. "Couplet von VES" wenn es zwei hintereinander sind), siehe z.B. deutschsprachiges Skript der Uniklinik Pecs Seite 13 (http://aok.pte.hu/de/download/index/5123). Ist nicht vielleicht doch eine weitere Diagnostik anzuraten?

Seltsam ist auch, dass mein Ruhepuls meist unter 50 liegt (geht nicht selten auf 43-45). Meine Hausärztin meint, das Herz sei eben gut trainiert - so viel Sport mache ich aber nicht und außerdem nicht Ausdauersport. Wegen Atemnot beim Stress-Echo meinte der Kardiologe hingegen, das Herz sei derzeit vermutlich halt nicht so gut trainiert, obwohl er die Bradykardien aus dem Langzeit-EKG kennt, passt irgendwie alles nicht zusammen...

Wie soll ich nun wissen, ob beim nächsten Anfall der Notarzt zu rufen ist, Hausärztin sagt ja, Kardiologe sagt nein...?!?

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jaeckel
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Re: Tachykardien mit Puls 220

Beitrag von jaeckel »

Eine Möglichkeit wäre ein implantierbarer Eventrecorder. Nach dem nächsten Ereignis weiß man dann sicher, was los war und ob eine elektrophysiolgische Untersuchung gemacht werden muss.
Alles Gute!

Herzlichen Gruss
Ihr

Dr. med. Achim Jäckel
Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie und Nephrologie
Intensivmedizin, Notfallmedizin, Hypertensiologe (DHL)

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