Wodurch entsteht eine Fibrose am Aortenklappensegel?

Moderator: DMF-Team

Antworten
Euphemia
Topicstarter
DMF-Mitglied
Beiträge: 91
Registriert: 17.06.16, 22:48

Wodurch entsteht eine Fibrose am Aortenklappensegel?

Beitrag von Euphemia » 27.01.19, 03:14

Hallo liebe Forenmitglieder,

wegen arterieller Hypertonie bei chronischer Niereninsuffizienz im Stadium 3a (seit kurzem Medikation mit Ramipril 2,5 mg 0-0-1) wurde ich erstmalig zum Kardiologen geschickt. Beim Herzultraschall wurde eine Fibrose der rechtskoronaren Tasche der Aortenklappe diagnostiziert. Zudem wurde eine bikuspide Aortenklappe mit Aortenklappenstenose Grad I festgestellt. Die anderen Herzklappen waren ohne Befund. Auch das Ruhe-EKG war unauffällig. Während der Elektrokardiographie merkte der Kardiologe an, dass an der fibrosierten Stelle mal eine Entzündung abgelaufen sein müsse.

Ist so etwas eine normale Degeneration?
Kann ich vorbeugend irgendetwas tun, damit die Fibrosierung nicht voranschreitet bzw. erneut auftritt?
Wodurch entsteht eine Fibrose an der (bikuspiden) Aortenklappe? Der Kardiologe sprach von einer Entzündung. Aber aufgrund welcher Umstände oder Ereignisse kann eine Entzündung an der Aortenklappe ausgelöst werden?

Ja, ich weiß, ich hätte diese Fragen dem Facharzt stellen sollen. Aber als medizinisch unbedarfter Mensch war ich in dem Moment derart „überrumpelt“ von den mir unbekannten Dingen und dann ja auch im Nu schon wieder raus aus dem Behandlungszimmer, dass mir die Fragen erst im Nachhinein in den Sinn kamen.
Wenn also jemand Antworten auf meine Fragen geben könnte, freute mich das sehr.
"Wer sich nur tragen lässt, lernt weder laufen noch tragen." (Kyrilla Spiecker)

jaeckel
Administrator
Beiträge: 7515
Registriert: 15.09.04, 09:49
Wohnort: Bad Nauheim

Re: Wodurch entsteht eine Fibrose am Aortenklappensegel?

Beitrag von jaeckel » 27.01.19, 07:35

Hallo Euphemia,

bei bicuspider Aortenklappe gibt es eine frühere Kalzifizierung als aktiven Prozess, ähnlich wie bei Atherosklerose. Oft wird sie zwischen 50. und 70. Lj. operationsbedürftig. Dieser Prozess kann durch eine Niereninsuffizienz (Phosphatausscheidung vermindert -> erhöhtes Kalziumphosphatprodukt im Serum -> Kalzifizierung von Gefäßen und Klappen) beschleunigt werden.

Eine weitere Möglichkeit ist eine sog. rheumatische Genese (Autoimmunreaktion nach Streptokokkeninfekt, wie z.B. Tonsillitis).
Alles Gute!

Herzlichen Gruss
Ihr

Dr. med. Achim Jäckel
Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie und Nephrologie
Intensivmedizin, Notfallmedizin, Hypertensiologe (DHL)

Euphemia
Topicstarter
DMF-Mitglied
Beiträge: 91
Registriert: 17.06.16, 22:48

Re: Wodurch entsteht eine Fibrose am Aortenklappensegel?

Beitrag von Euphemia » 27.01.19, 15:15

Vielen lieben Dank für Ihre Erläuterung, Herr Dr. Jäckel. :)

In den 1970-er Jahren hatte ich im Schulkindalter eine Tonsillektomie, der vermutlich mehrere Mandelentzündungen vorausgingen. Aber dass die Fibrose über vierzig Jahre alt sein soll, ist mutmaßlich wenig wahrscheinlich. Der Kardiologe hatte mir die Stelle am Bildschirm gezeigt und selbst für mich Laie war sie überaus deutlich sicht- und abgrenzbar.
Phosphat und Kalzium waren letztes Jahr bei mir zum Glück noch im Normbereich. Auch das bislang erst einmalig bestimmte Kalziumphosphatprodukt im Serum war vor drei Jahren noch schön mittig im Referenzbereich. Nur an meinem Gesamt- bzw. LDL-Cholesterin muss ich arbeiten.

Tja, ich hatte natürlich geahnt, dass eine bikuspide AK und CKD eine schlechte Kombination darstellen. Demnach heißt das Damoklesschwert, das über mir schwebt, nicht mehr so vordergründig Dialyse, sondern Versterben an einem kardiovaskulären Ereignis, bevor die terminale Niereninsuffizienz überhaupt eintreten kann. :(
Also Vorfreude aufs Rentenalter ist eher nicht angebracht, sondern besser jetzt leben. (Diese Einstellung ist sowieso die einzig wahre.) Carpe diem!
"Wer sich nur tragen lässt, lernt weder laufen noch tragen." (Kyrilla Spiecker)

Antworten