Frage zu Rivaroxaban

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NTK18415
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Frage zu Rivaroxaban

Beitrag von NTK18415 » 02.10.18, 12:06

Guten Tag,
ich habe eine Frage zu einem Lungenembolie-Patienten. Er ist 38 Jahre alt und hatte vor 7 Monaten eine LAE mit Infarktpneumonie. Zuvor war er wegen einer Lungenentzündung bettlägerig für 14 Tage. Eine Thrombose in den Beinen wurde ausgeschlossen. Die Ergebnisse der Thrombophiliediagnostik ergaben auch nichts.
Nun wurde das Rivaroxaban von 20 mg auf 10 mg reduziert. Ist das nicht zu zeitig?

Siehe auch den Beitrag hierzu im Forum Innere/Allgemeinmedizin ( Dr. Fischer)

jaeckel
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Re: Frage zu Rivaroxaban

Beitrag von jaeckel » 02.10.18, 16:24

Die Erhaltungsdosis ist bei Patienten mit erhaltener Nierenfunktion laut Leitlinie "Venenthrombose und Lungenembolie: Diagnostik und Therapie" 20 mg täglich für 3 bis 6 Monate. Danach muss man grundsätzlich entscheiden, ob eine Antikoagulation weiter laufen soll oder nicht. Eine niedrigere Dosierung ist a.e. nicht ausreichend wirksam und wird nicht empfohlen.
Alles Gute!

Herzlichen Gruss
Ihr

Dr. med. Achim Jäckel
Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie und Nephrologie
Intensivmedizin, Notfallmedizin, Hypertensiologe (DHL)

NTK18415
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Re: Frage zu Rivaroxaban

Beitrag von NTK18415 » 02.10.18, 16:59

Guten Abend,
es sind nun etwas mehr als 6 Monate nach der LAE. Der Hämatologe sagte, man könne absetzen oder mit verringerter Dosis weiter machen. Er hatte sich aus Angst vor einer erneuten LAE für weitermachen entschieden. Es hieß 50 % Wahrscheinlichkeit, dass in den nächsten 10 Jahren erneut eine Embolie auftritt. Daraufhin gab es das Rezept mit 10 mg. Es wäre also besser, wenn er 2 Tabletten nimmt?

jaeckel
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Re: Frage zu Rivaroxaban

Beitrag von jaeckel » 03.10.18, 08:43

Das Für oder Wider einer Therapiefortsetzung ist komplex und individuell zu entscheiden. Grundsätzlich gilt: Gab es einen Trigger=Auslöser, der nicht mehr vorliegt, spricht dass eher gegen eine Fortsetzung. Auf S.84 der Langfassung obiger Leitlinie gibt es eine Tabelle mit Für- und Wider-Kriterien, die Ärzten die Entscheidung erleichtern soll.

Kriterium für fortgesetzte Therapie <-> gegen fortgesetzte Therapie
Risikofaktor: fortbestehend <-> passager
Genese: unklar <-> getriggert
Rezidiv: ja <->nein
Blutungsrisiko: gering <-> hoch
Bisherige Antikoagulationsqualität: gut <-> schlecht
D-Dimere (nach Therapieende): erhöht <-> normal
Residualthrombus: vorhanden <-> fehlend
Geschlecht: Mann <-> Frau
Thrombus-Ausdehnung: langstreckig <-> kurzstreckig
Thrombus-Lokalisation: proximal <-> distal
Schwere Thrombophilie: ja <-> nein
Patientenpräferenz: dafür <-> dagegen
Alles Gute!

Herzlichen Gruss
Ihr

Dr. med. Achim Jäckel
Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie und Nephrologie
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