Arbeiten mit Defibrillator

Moderator: DMF-Team

Antworten
luna2016
Topicstarter
noch neu hier
Beiträge: 1
Registriert: 21.09.16, 19:11

Arbeiten mit Defibrillator

Beitrag von luna2016 » 19.06.17, 20:55

Hallo

Ich schreibe hier weil ich und mein Mann uns schreckliche Sorgen machen. Bei meine Mann (53 Jahre ) wurde vor 3 Wochen eine Hypertrophe nicht obstruktive Kardiomypathie festgestellt zur zeit trägt er eine Lifveste zur Überwachung wegen der Herzrhytmusssstörung. Heute bekamen wir die tolle Nachricht das er sich eine Defibrillator einsetzen lassen soll. Es ist sehr schwer für ihn diese Entscheidung zu treffen da er angst um seinen Job als CNC-Fräser hat und zum 1.8.17 seinen nun lange ersehnten unbefristeten Arbeitsplatz haben kann der Arbeitsvertag liegt ihm schon vor. Hat einer Erfahrung damit ob er auf seinem Beruf mit Defibrillator weiter arbeiten kann ?
Danke

Schrittmacher
DMF-Mitglied
DMF-Mitglied
Beiträge: 151
Registriert: 28.02.06, 10:32

Re: Arbeiten mit Defibrillator

Beitrag von Schrittmacher » 20.06.17, 08:03

Guten Tag,

das ist eine wichtige Frage die Sie stellen, die nicht einfach zu beantworten ist. Es sind sogar zwei Fragen.

Die erste: Kann ein Patient mit HCM in einer Umgebung arbeiten, in der eine größere Verletzungsmöglichkeit besteht, wenn z.B. der Defibrillator aktiv wird.
Zu CNC Fräsen kenne ich keine wissenschaftliche Untersuchung, aber eine ähnliche Frage besteht, ob ein Autofahrer mit HCM noch autofahren darf. Bestehen zusätzliche Risikofaktoren, z.B. häufige Ohnmachtsanfälle, oder in der Familie sind bereits Angehörige an der HCM verstorben, dann wird davon ausgegangen, dass ein Berufskraftfahrer nicht mehr berufsmäßig fahren darf. Sind solche Risiken nicht vorhanden, dann kann weiter gefahren werden.
Wie gefährlich die Erkrankung ist, eine plötzliche Ohnmacht zu bekommen, beurteilt ein Gutachter. Für Kraftfahrer ist das ein Kardiologe, der auf Fahreignungsgutachten spezialisiert ist. Da es keine CNC-Fräs-Kardiologen gibt, würde ich die Verkehrsempfehlungen übernehmen.

Bei einer Fräsmaschine könnte ich mir vorstellen, dass bei z.B. iner Tachykardie mit Schwindelanfall -und dann setzt der Defi ein- vielleicht eine Verletzungsmöglichkeit besteht, wenn man in die Maschine taumelt. Möglicherweise sind aber an der Fräsmaschine die gefährlichen Bereiche während des Betriebes gar nicht erreichbar, so dass keine Verletzungsgefahr besteht. Das weiß ich nicht, ich bin kein Kenner von CNC Fräsen. Wenn kein Risiko besteht "in die Werkzeuge zu laufen" dann besteht eben kein Risiko, egal, ob da ein Defi ist oder nicht. Dann benötigt man auch kein Gutachten.

Die zweite Frage: Kann ein Patient mit Defibrillator an einer Werzeugmaschine arbeiten, ohne dass der Defi in seiner Funktion gestört wird?
Elektromotoren und Leistungselektronik können ein elektromagnetisches Feld erzeugen, dass der Defi in seiner Funktion beeinträchtigt sein könnte. Für diesen Fall wird von der Berufsgenossenschaft direkt vor Ort gemessen, ob eine Gefährdung besteht, oder nicht. Dafür gibt es von den Defi-Herstellern festgesetzte Grenzwerte, und die Berufsgenossenschaft überprüft, ob diese eingehalten werden. Allerdings kann ich mit nicht vorstellen, dass eine CNC Fräse ein so starkes Störfeld erzeugt. Aber am Arbeitsplatz gemessen werden sollte es schon.

Ihre Frage konkret zu beantworten geht im Internet natürlich nicht, ich hoffe aber etwas Licht ins Dunkel gebracht zu haben.

Viele Grüße,
Schrittmacher

PS: Es wäre schön, und für andere Ratsuchende (und mich auch) eine Hilfe, wenn Sie Ihre Erfahrung mitteilen könnten.

Parasympathikus
DMF-Mitglied
DMF-Mitglied
Beiträge: 397
Registriert: 07.09.14, 21:15

Re: Arbeiten mit Defibrillator

Beitrag von Parasympathikus » 28.06.17, 23:02

Hallo,
Schrittmacher hat geschrieben: ... Sind solche Risiken nicht vorhanden, dann kann weiter gefahren werden.
Hierzu kann ich vielleicht noch die Begutachtungsleitlinie des Beirates für Verkehrsmedizin (in: Positionspapier der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie, (http://leitlinien.dgk.org/2011/pocket-p ... krankungen, S. 24.) besteuern, welche sowohl nach der prophylaktischen ICD-Implantation als auch nach ICD-Implantation anderer Risikoprofile, von niedrig bis instabile VT, von der Fahruntauglichkeit für Berufskraftfahrer ausgeht.

Ob davon Beispielwirkung für andere Berufe ausgeht, ist mir leider auch nicht bekannt. Wahrscheinlich gibt es hier keine verbindlichen Leitlinien. Wäre sicher interessant. Stimme zu, dass das insgesamt ein sehr schwieriges Thema ist, das zudem juristische Dinge tangiert. Denn einerseits muss der Arbeitnehmer dem Arbeitgeber nicht immer zwingend Auskunft über seine komplette Krankenakte geben, andererseits darf er chronische, der sicheren Berufsausübung möglicherweise entgegenstehende Erkrankungen nicht verschweigen. Letztlich liefe es ja darauf hinaus, zu beurteilen, ob z.B. ein Kollege mit niedrigem kardiovaskulären Risiko und implantiertem ICD schlechter geeignet ist als ein Kollege ohne ICD, aber mit schon zwei stattgehabten Herzinfarkten, oder einer der kerngesund scheint, aber in dessen Körper unbekannterweise ein Aneurysma schlummert. Vielleicht denken wir da auch zu kompliziert, möglicherweise lässt sich so was in einer Individualabsprache zwischen Chef und Mitarbeiter lösen. Auf jeden Fall wäre auch ich interessiert, wie die Sache ausgegangen ist.
Viele Grüße,

Parasympathikus

Antworten