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Ultraschall an der Halsschlagader

Verfasst: 06.06.15, 09:57
von wolpi56
Hallo, ich habe vor kurzer Zeit eine Ultraschalluntersuchung an der Halsschlagader machen lassen. Der Arzt sagte alles OK.
Dann sagte er wenn die Halsschlagader frei ist , wäre auch am Herz alles frei von Ablagerungen . Ist das eigentlich richtig ?

Re: Ultraschall an der Halsschlagader

Verfasst: 07.06.15, 00:00
von Parasympathikus
Hallo,

Die Antwort lautet JEIN.

Statistische Beobachtungen zeigen, dass der Zustand der Halsschlagader recht zuverlässige Rückschlüsse auf den Zustand der anderen großen Körpergefäße erlaubt. Insofern kann mit hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass bei intakter Beschaffenheit der A. carotis auch die anderen Gefäße keine Durchblutungsstörungen durch z.B. Arteriosklerose haben.

Aber wie es manchmal in der Statistik so ist, können solche induktiven Schlüsse manchmal ihre Tücken haben. Es könnte zum Beispiel Zufall sein, dass gerade die untersuchte Arterie keine Ablagerungen oder sonstige Verengungen enthielt.

Re: Ultraschall an der Halsschlagader

Verfasst: 07.06.15, 13:28
von downcase
nach meiner klinischen erfahrung ist die antwort eher nein als jein.

grüße

downcase

Re: Ultraschall an der Halsschlagader

Verfasst: 07.06.15, 23:12
von Parasympathikus
downcase hat geschrieben:nach meiner klinischen erfahrung ist die antwort eher nein als jein
Das ist natürlich ein weiterer Aspekt, dass statistische Signifikanz sich letztlich am Praxiserleben messen lassen muss. In den gängigen Metaanalysen (z.B. Iuliano et al., 1993, Sanguigni et al., 1993) quantifiziert sich die Wahrscheinlichkeit (p) einer (>50%-igen) Carotisstenose bei Patienten mit einer pAVK um die 0.28, bei KHK-Patienten um die 0.09, und eine Korrelationen (r) zwischen dem Ausmaß der KHK und dem Stenosegrad der A. carotis um 0,255, p<0,001. Das ist zwar (große n vorausgesetzt) statistisch hochsignifikant, mehr aber auch nicht. Dazu kommt, dass diese Zusammenhänge nicht in beide Richtungen identisch sind (Patienten mit Carotisstenosen leiden noch häufiger an einer KHK als umgekehrt KHK-Patienten an einer Carotisstenose, Craven et al., 1990) und zudem von Drittvariablen moderiert werden. Unter bestimmten Umständen, z.B. wenn pAVK, KHK, Nikotinabusus und hohes Alter zusammenkommen, kann wiederum p > 0.8 werden.

Alles in allen bestätigt Ihre Klinikerfahrung schon mal, dass die Aussage des Arztes,
wenn die Halsschlagader frei ist, wäre auch am Herz alles frei von Ablagerungen
ohne den Fragesteller jetzt beunruhigen zu wollen, so pauschal gesehen, eigentlich eher falsch ist.