HF-Elektrochirurgiegerät bei Herzschrittmacher ?

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Dattel1902
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HF-Elektrochirurgiegerät bei Herzschrittmacher ?

Beitrag von Dattel1902 » 09.02.13, 13:34

Hallo,
ich habe seit vielen Jahren einen Herzschrittmacher DDDR.
Jetzt soll ein Hochfrequenz-Elektrochirurgiegerät beim Zahnarzt zwecks Zahnfleischentfernung bei mir einsetzt werden.
Ist das überhaupt okay so? Bin mir da nicht so sicher.

Danke für Ihre Antwort.

Viele Grüße
Dattel1902

Jan Kniese
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Re: HF-Elektrochirurgiegerät bei Herzschrittmacher ?

Beitrag von Jan Kniese » 09.02.13, 14:56

Hallo,
das wird ihnen letzlich nur der Hersteller und der Implanteur sagen können. Moderne Schrittmacher haben zwar vielen Fehler-Algorithmen, aber wenn der vor vielen Jahren implantiert wurde.... Aber in der Regel gibt es keine Probleme.

Komplikationen könnten z.B. sein, dass die Elektronik beschädigt wird (eher nicht), Kabel beschädigt werden (insbesondere am Übergang zum Muskel). Zudem könnte der Schrittmacher die HF als Aktionen des Muskels deuten und auf eine Paceraktionen in dieser Phase verzichten. Dann kommt es darauf an, ob Sie auf den Schrittmacher angewiesen sind.

MfG,
J. Kniese
Facharzt für Innere Medizin

Schrittmacher
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Re: HF-Elektrochirurgiegerät bei Herzschrittmacher ?

Beitrag von Schrittmacher » 10.02.13, 22:16

Hallo Dattel1902,

Gute Frage! Und nicht mit ja oder nein zu beantworten.

Mein Vorredner (bzw. -schreiber) hat schon auf die Gefährdungen hingewiesen, ich will sie etwas vertiefen.

Normalerweise funktioniert die Entfernung überstehenden Zahnfleisches so: Sie bekommen eine Elektrode (zum Schließen des Hochfrequenzstromkreises) in die Hand. Der Zahnarzt setzt sein Elektroskalpell an das Zahnfleisch, das entfernt werden soll. Dieses wird entfernt, und durch die Stromwirkung werden gleichzeitig die Blutkapillaren verschweißt, so dass es keine "blutige Fleischerei" im Mund wird.

Wenn dieser Hochfrequenzstrom auch über die Schrittmacherelektrode fließen sollte, gibt es die gleiche (Strom-) Wirkung im Herzen noch einmal. Dann wäre eine ordnungsgemäße Schrittmacherfunktion nicht mehr gewährleistet, die Elektroden hätten keinen Kontakt zum Herzmuskelgewebe mehr.
Das ist jedoch EXTREM unwahrscheinlich, denn der Strom fließt vom Zahnfleisch über den Hals in den Arm, in dessen Hand Sie die Gegenelektrode halten. Also am Schrittmacher vorbei, und auch nicht in Richtung Herz, es sei denn, Sie halten die Elektrode am Fuß.
Besser noch: Wenn Sie den Schrittmacher rechts tragen, nehmen Sie die Elektrode in die linke Hand bzw. umgekehrt. Dann ist der Schrittmacher nicht in dem vom Strom durchflossenen Gebiet.

Was sonst noch passieren kann: Der Schrittmacher nimmt die elektrische Spannung des Elektroskalpells wahr, hält das für ein (elektrisches) EKG Signal, also eine eigene Herzaktivität, und gibt keinen Impuls ab. Wenn Sie NICHT schrittmacherabhängig sein sollten, werden Sie das wahrscheinlich gar nicht merken, ansonsten tritt eine Pause im Herzschlag auf (Ihnen wird schwindlig, kann bis zur Ohnmacht gehen, je nach dem, wie lange der Zahnarzt "draufhält")

Für diesen Fall sollte der Zahnarzt jeweils nur ganz kurz mit dem Elektroskalpell das Zahnfleisch antasten, dann einige Sekunden warten, und dann wieder nur ganz kurz weiterarbeiten.

Mit dieser Herangehensweise wäre solch ein Eingriff prinzipiell machbar, zumindest, wenn Sie NICHT schrittmacherabhängig sein sollten. Eine Überprüfung des Schrittmachers danach sollte vorgenommen werden.

Da jedoch die Entfernung überstehenden Zahnfleisches nicht zwingend lebenserhaltend ist, nehme ich an, dass Ihr Zahnarzt das -wenn auch geringe- Risiko nicht auf sich nehmen wird, zumal es Alternativen gibt (Mein Zahnarzt macht es nicht.)
Und eine Garantie für eine fehlerfreie Funktion des Schrittmachers nach dem Eingriff wird niemand geben.

Sie sehen, eine einfache Antwort gibt es nicht, auch in der Antwort vor mit steht: "In der Regel gibt es keine Probleme." Das meine ich auch, garantiere aber nicht die Problemfreiheit.

Beste Grüße
Schrittmacher

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