Rhythmusstörungen nach Belastung - weitere Abklärung nötig?

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Kento
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Rhythmusstörungen nach Belastung - weitere Abklärung nötig?

Beitrag von Kento » 04.02.13, 16:08

Guten Tag,

ich würde mich über einen fachlichen Rat bezüglich einiger Ekgs freuen, die ich kurz nach Belastung aufgezeichnet habe.
Zum Kontext.
Ich 25, männlich 176cm 80kg leide schon viele Jahre an therapieresistenter Hypertonie. Alle organischen Ursachen wurden abgeklärt und nichts wurde gefunden. Der Blutdruck lag zum Zeitpunkt der ekg Aufzeichnung bei einem Langzeitdurchschnitt von 175/85. Medikamentation zu dem zeitpunkt nebivolol 5mg hydrochlorothyazid 12,5mg und iterium (imidazol rezeptor blocker) 1mg.

Das Phänomen ist immer das gleiche. Nach spontaner Anstrengung (Etwas schweres die Treppe hochtragen z.B.) geht der Puls normal rauf auf etwa 130 Schläge. Beende ich die Anstrengung beginnt er zu stolpern, die Schlag zu Schlag Frequenz varriert dann teilweise von 120 bis 40. dabei habe ich einige Extrasystolen, sowohl ves als auch sves.
Dann geht die Frequenz plötzlich auf um die 40 Schläge runter, im ekg zeigen sich dann bizarre qrs morphologien mit inkomplettem Rechtsschenkelblock und epsilon Welle (nach meiner interpretation)
Kurz darauf steigt die Frequenz wieder an und es tritt ein bigeminus auf, teilweise auch kurze VES Salven/Tachykardien. (wiederum meine Interpretation)
Mein verdacht wäre etwas in richtung ARVD. Denken sie eine Abklärung mittels EPU wäre hier sinnvoll?
Oder ist meine Interpretation der ekgs völlig falsch?

Hier die Aufnahmen: Sie entsprechen der Ableitung V2.

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besten Dank

Jan Kniese
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Re: Rhythmusstörungen nach Belastung - weitere Abklärung nöt

Beitrag von Jan Kniese » 04.02.13, 21:56

Hallo,

das ist aber schon sehr speziell und allein aufgrund der einzelnen EKGs ist sicher keine korrekte Bewertung möglich. Ich möchte hier auch keine individuelle Beratung über das Netz leisten, einfach mal ein paar Gedanken von mir:
- Bei der ersten Kurve dachte ich zuerst mal an ein Vorhofflimmern (häufiges ist häufig...)
- schmale Komplexe sprechen für ein atriales Geschehen
- ein intermittierendes Blockbild kann für eine abberante Leitung sprechen, gibt es allerdings auch bei sich erschöpfender Leitung (z.B. frequenzabhängig)
- wenn der Block bei Bradykardie auftritt könnte es sich auch um einen hohen ventrikulären Ersatzrhythmus handeln.
- Ob eine EPU in Einzelfall sinnvoll ist, kann man nur vor Ort entscheiden. Wenn Sie sich damit schon beschäftigt haben - es ist letztlich eine Frage des Leidensdruckes.

MfG,
J. Kniese
Facharzt für Innere Medizin

Kento
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Re: Rhythmusstörungen nach Belastung - weitere Abklärung nöt

Beitrag von Kento » 05.02.13, 15:45

Hallo,

vielen Dank für Ihre Antwort.

Dass Sie mir keine individuelle Beratung über das Internet geben können, ist natürlich klar.
Aber vielleicht könnten Sie mir noch eine grundsätzliche Frage beantworten, die mich in Bezug auf die qrs Morphologie beschäftigt.
In manchen Streifen die ich aufgezeichnet habe findest sich eine qrsr´s´r´´ konfiguration. Es sind also deutlich 3 R Zacken und 2 s zacken zu erkennen. Die qrs dauer liegt dabei teilweise bei bis zu 170ms.
Kann es so eine qrs Morphologie überhaupt geben? Denn trotz intensiver Suche habe ich nirgends, weder im Internet, noch in Fachbüchern, etwas gefunden, das dem ähneln würde. Nur bei der ARVD bzw. ARVC wird erwähnt, dass inkomplette Rechtsschenkelblöcke mit bis zu 5 R Ausschlägen möglich sind. (daher auch mein Verdacht in diese Richtung) Bilder dazu gibt es aber nirgends.

mfg

jaeckel
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Re: Rhythmusstörungen nach Belastung - weitere Abklärung nöt

Beitrag von jaeckel » 06.02.13, 07:59

Kento hat geschrieben:In manchen Streifen die ich aufgezeichnet habe...
Mal Klartext: Die m.E. wertlose Aufzeichnung könnte auch von einem Hamster auf einem Motorroller stammen. Eine Überinterpretation artefaktreicher nichtstandardisierter Kurven ist ungefähr so sinnvoll, wie ein Strickmuster als Stadtplan zu verwenden.
Alles Gute!

Herzlichen Gruss
Ihr

Dr. med. Achim Jäckel
Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie und Nephrologie
Intensivmedizin, Notfallmedizin, Hypertensiologe (DHL)

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