Gewichtszunahme unter Betablockern/Calciumantagonisten

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Gewichtszunahme unter Betablockern/Calciumantagonisten

Beitrag von stiften » 19.01.13, 18:57

Hallo, kurz und knapp:

1) Unter welchem Betablocker ist die schnellste Gewichtszunahme zu erwarten oder ist der Effekt bei allen gleich ausgesprägt bzw. dosisabhängig?
2) Da bei Calciumantagonisten vom Nifedipin-Typ Anorexie als Nebenwirkung angegeben ist: Steht Nifedipin einer Gewichtszunahme im Weg?

Danke im Vorraus.

Jan Kniese
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Re: Gewichtszunahme unter Betablockern/Calciumantagonisten

Beitrag von Jan Kniese » 25.01.13, 13:26

Hallo,
der Effekt von Betablockern ist ausgeprochen interindividuell. D.h. jeder regiert auf jeden BB anders. Das gilt sowohl für die direkte Wirkung auf den Stoffwechsel, als auch für den Antrieb zur Bewegung... Der Effekt wird natürlich dosisabhängig sein.
stiften hat geschrieben:Steht Nifedipin einer Gewichtszunahme im Weg?
Da Gewichtszunahme eine Frage des Verhältnisses von Einfuhr und Verbrauch ist, spielt eine mögliche Appetitlosigkeit formal schon eine Rolle... :D
MfG,
J. Kniese
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Christianes Herz
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Re: Gewichtszunahme unter Betablockern/Calciumantagonisten

Beitrag von Christianes Herz » 25.01.13, 14:31

Weibl., 57 J. alt, seit 5 Mon. Nichtraucher, 165 cm groß, seit 14 Tagen 62 kg schwer. Davor ständig 58 kg.
Diagnose: Hochgradig reduzierte LV-Pumpfunktion bei diffuser Hypokinesie (planimetrisch 33 %, visuell 30 %).
Mein Betablocker ist nun auf Höchstdosis, in Verbindung mit dem ACE Hemmer, ebenfalls auf Höchstdosis, habe ich in den letzten 14 Tagen 4 kg zugenommen.
Ich leide unter einer mittelschweren Herzinsuffizienz. Ich nehme jeden Tag weiter zu. Nicht viel, aber ich nehme halt zu. Mir macht das Angst bzw. Bedenken. Das führt zu Übergewicht, was ja wohl auch der Krankheit nicht zuträglich ist. Mein Arzt meint: Wegen 4 kg ändern wir noch lange nicht die Medikation.
Ab wenn denn, möchte ich gerne wissen. Wenn ich in Tonnagen gemessen werde?
Da der Arzt das ganze wohl nicht so ernst nimmt, habe ich mich entschlossen, nunmehr nur ca. die Hälte zu essen.
Irgendwie stimmt mich das aber gelinde gesagt nachdenklich.
:roll:

Jan Kniese
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Re: Gewichtszunahme unter Betablockern/Calciumantagonisten

Beitrag von Jan Kniese » 25.01.13, 15:20

Bei einer so eingeschränkten Pumpfunktion muss man immer damit rechnen, dass der Körper Wasser einlagert. Das überhaupt nichts mit dem Essen zu tun und sollte als Warnzeichen gewertet werden. Ob das bei Ihnen so ist, kann man nur in einer klinischen Untersuchung (ggf. inkl. Sonographie des Bauches / Rippenfells, muss aber nicht) entscheiden. Sie sollten sich kurzfrisitig noch mal dem Arzt vorstellen...

MfG,
J. Kniese
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Re: Gewichtszunahme unter Betablockern/Calciumantagonisten

Beitrag von Christianes Herz » 25.01.13, 21:07

Jan Kniese hat geschrieben:Bei einer so eingeschränkten Pumpfunktion muss man immer damit rechnen, dass der Körper Wasser einlagert. Das überhaupt nichts mit dem Essen zu tun und sollte als Warnzeichen gewertet werden. Ob das bei Ihnen so ist, kann man nur in einer klinischen Untersuchung (ggf. inkl. Sonographie des Bauches / Rippenfells, muss aber nicht) entscheiden. Sie sollten sich kurzfrisitig noch mal dem Arzt vorstellen...

MfG,
Vielen Dank, am 05.02. (reicht die Zeit?) habe ich beim Hausarzt eh wieder Termin.
Das HCT wurde vor kurzem abgesetzt (das ist doch eine Art Diuretikum)? Daher war ich sicher, Wasser kann es nicht sein. Müsste ich das nicht spüren?
Und was bedeutet "so eingeschränkt"? Mir wurde vom Kardiologen erzählt, "das kriegen wir schon wieder hin, sonst gibt es halt einen Defi".
:oops:

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Re: Gewichtszunahme unter Betablockern/Calciumantagonisten

Beitrag von Jan Kniese » 27.01.13, 13:30

Wie man mit einem einzelnen Wort ("so") Verwirrung stiften kann... (!)

Per Definition handelt es sich um eine mittelgradig eingeschränkte Pumpfunktion. Ich wollte damit nur sagen, dass es in diesem Stadium zu einer Wassereinlagerung kommen kann und dass man darauf achten sollte.
Ob der 5.02. reicht, kann man aus der Ferne nicht beurteilen. Dass hängt auch davon ab, wieviel Sorgen Sie sich machen.

MFG,
J. Kniese
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Re: Gewichtszunahme unter Betablockern/Calciumantagonisten

Beitrag von Christianes Herz » 07.02.13, 23:01

Jan Kniese hat geschrieben:Wie man mit einem einzelnen Wort ("so") Verwirrung stiften kann... (!)

Per Definition handelt es sich um eine mittelgradig eingeschränkte Pumpfunktion. Ich wollte damit nur sagen, dass es in diesem Stadium zu einer Wassereinlagerung kommen kann und dass man darauf achten sollte.
Ob der 5.02. reicht, kann man aus der Ferne nicht beurteilen. Dass hängt auch davon ab, wieviel Sorgen Sie sich machen.

MFG,
Eitelkeit, Dein Name ist Weib. Ich habe mir viel mehr Sorgen um meine Figur gemacht. :oops:
Es war Wasser, nach 2 Tagen Einnahme von Hydrochlorothiazid purzeln die Pfunde wieder. Bedeutet das, dass die ACE Hemmer und Betablocker zur Verbesserung der Pumpfunktion noch nicht ausreichend wirken? Ich glaube, ich fange jetzt erst an, mir Sorgen zu machen.
Vielen Dank bis hierhier für die Antworten.
:wink:

Jan Kniese
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Re: Gewichtszunahme unter Betablockern/Calciumantagonisten

Beitrag von Jan Kniese » 09.02.13, 15:08

Christianes Herz hat geschrieben:Bedeutet das, ...
Sie sollten unbedingt ein ausführlicheres Gespräch mit Ihrem Hausarzt bezüglich des Verlaufes und der Prognose einer eingeschränkten Pumpfunktion führen. Ich fürchte, da ist noch nicht viel gelaufen...
Da dieses aber unbedingt von der Ursache der Einschränkung abhängt, würde dieses den Rahmen hier sicher sprengen...

MfG,
J. Kniese
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Re: Gewichtszunahme unter Betablockern/Calciumantagonisten

Beitrag von Christianes Herz » 09.02.13, 18:47

Jan Kniese hat geschrieben:
Christianes Herz hat geschrieben:Bedeutet das, ...
Sie sollten unbedingt ein ausführlicheres Gespräch mit Ihrem Hausarzt bezüglich des Verlaufes und der Prognose einer eingeschränkten Pumpfunktion führen. Ich fürchte, da ist noch nicht viel gelaufen...
Da dieses aber unbedingt von der Ursache der Einschränkung abhängt, würde dieses den Rahmen hier sicher sprengen...

MfG,
Der Kardiologe gibt keine Prognose ab: "Das wäre unseriös". Er verweist auf die 9 Monate, die die Hemmer, Blocker und evtl. Diuretika wirken müssen, um zu sehen, ob sich die Pumpfunktion verbessert und es keinen Defi braucht. Die sind im Mai d. J. um, Zwischenstand im Dezember war keine Verbesserung, aber auch keine Verschlechterung gem. Herzultraschall (ca. 30 %).
Mein Ansprechpartner, der Hausarzt, erklärt mir die Krankheit schon ganz ordentlich. Er vergleicht mein Herz mit einem Auto im Leerlauf, das mit den Tabletten nicht ausgehen soll und später evtl. wieder in den Straßenverkehr kann. Bis dahin die Höchstdosis der Tabletten möglichst ausprobieren. Er hätte mir das chemische Zusammenspiel der Tabletten besser erklären sollen, dann hätte ich mit den Diuretika besser jonglieren können und nicht erst abgewartet, bis ich 4 kg zulege. Und ich hätte mir gewünscht, dass mir sowohl Kardiologe als auch Hausarzt erklärt hätten, dass Betablocker durchaus kritisch zu sehen sind und oft auch nutzlos sind. Also könnte man auch hier mehr herumprobieren, denke ich.
Die Ursache der Einschränkung war vermutlich das Rauchen, es wurde COPD III als Noxe erklärt, was sich aber neulich durch den Lungenfacharzt erledigt hat (ich rauche seit 5 Monate nicht mehr und er meinte, COPD III wäre absolut kein Thema).
Aber wenn das den Rahmen sprengt, bin ich nun ruhig.
:wink:

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