Portable Home-EKG Geräte

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D0m1n1k
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Portable Home-EKG Geräte

Beitrag von D0m1n1k » 07.02.11, 22:31

Hallo,
sind die kleinen, portable EKG-Gerät überhaupt sinnvoll, um Herzprobleme zu erkennen? Hat jemand Erfahrungen mit solchen Geräten? Insbesondere interessiere ich mich für das Gerät Observer MD100A1 oder MD100B. Auf Wikipedia liest man, dass man nur mit einem 12Kanal EKG wirklich einen Infarkt erkenen könnte: "Nur ein schnell angefertigtes 12-Kanal-EKG lässt den ST-Hebungsinfarkt erkennen". Demnach können die kleinen Geräte doch eigentlich nichts taugen (sind ja nur 3-Kanal, bzw. 3 Elektroden)? Wenn die was erkennen, ist es wahrscheinlich schon zu spät, oder sehe ich das falsch?

Hintergrund: Meine Frau hat Diabetis und die Infarktsymptome bei Frauen sind ja bekanntlich nicht so deutlich wie bei Männern. Ich kann mit ihr ja nicht bei jeder kleinen Magenverstimmung und leichten Rückenschmerzen gleich in die Notaufnahme.
Ich leide zudem relativ häufig (seit meiner Kindheit) unter stechendem Schmerz im Brustbereich, was aber wohl nur an Verrenkungen liegt. Als ich mal erkältet war und extrem stechenden Schmerz lang andauernd (30min.) am Herzbereich hatte, bin ich zum Arzt, welcher mich aber schon vor dem EKG lachend beruhigte. Wenn das Stechen, wie bei mir, wohl bewgungsabhängig ist, ist es wohl nichts ernstes.
Bei schlimmen Symptomen werden wir natürlich auch weiterhin immer sofort einen Arzt aufsuchen. Nur bei leichten Symptomen bleibt halt eine quälende Ungewissheit. Darum die Frage, ob diese Geräte vielleicht doch etwas frühzeitig erkennen können?

Die nächste Idee wäre, vorsorglich einen Laiendefibrillator anzuschaffen. Das ist sicher nicht verkehrt, nur liegt der preislich noch über unsere Möglichkeiten und soweit möchten wir es eigentlich gar nicht erst kommen lassen.

jaeckel
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Re: Portable Home-EKG Geräte

Beitrag von jaeckel » 12.02.11, 07:29

Da die automatische softwarebasierte EKG-Auswertung oftmals nicht stimmt und ein Laie das EKG kaum sicher beurteilen kann, ist die Investition aus meiner Sicht kaum sinnvoll.
Wenn Sie nicht sehr abgelegen wohnen, ist es im Ernstfall sinnvoller die 112 zu rufen. Abgesehen davon ist die Wiederholung eines Erste-Hilfe-Kurses / Laien-Reanimation jedem zu empfehlen.
Alles Gute!

Herzlichen Gruss
Ihr

Dr. med. Achim Jäckel
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Re: Portable Home-EKG Geräte

Beitrag von Dr.med.Holger Fischer » 12.02.11, 08:10

Guten Morgen,
wenn Sie sich aber scheuen sollten, den Notruf zu verwenden, bietet sich meines Erachtens der Troponinschnelltest an. Reagiert aber erst frühestens zwei Std. nach einem Infarkt-wäre aber unter Umständen immer noch besser, als gar nichts zu unternehmen. Näheres darüber findet man im Internet. Die Testplatten sind auch recht preiswert und würden im Fall einer positiven Raktion garantiert dazu führen, daß eben dann der Notarzt aktiviert würde. Ich bin zwar Frauenarzt und kein Internist/Kardiologe, aber das erscheint mir in Anbetracht Ihrer Situation noch vertretbar.
Grüße Dr. Fischer
Unter Bezugnahme auf § 7 (3) der Berufsordnung für Ärzte ist mein Beitrag eine Stellungnahme,die auf den vorliegenden Angaben beruht .Sie ersetzt aber nicht die persönliche Beratung, Untersuchung und Behandlung durch Ihren Arzt.

D0m1n1k
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Re: Portable Home-EKG Geräte

Beitrag von D0m1n1k » 12.02.11, 23:26

Hallo,
ist es wirklich so schwer, ein EKG zu beurteilen? Kann man das nicht auch ohne Medizinstudium schnell erlernen?

Barca
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Re: Portable Home-EKG Geräte

Beitrag von Barca » 13.02.11, 00:43

D0m1n1k hat geschrieben:Hallo,
ist es wirklich so schwer, ein EKG zu beurteilen? Kann man das nicht auch ohne Medizinstudium schnell erlernen?
Wenn man bedenkt, dass nicht einmal alle Ärzte EKGs lesen, geschweige denn befunden können, sollte Ihnen das zeigen, dass die Feinheiten schon sehr ins Detail gehen.
Mein Professor hat mal gesagt: "Sie müssen nicht erklären können, warum die Kurve so aussieht, wie sie aussieht, Sie müssen nur erkennen, ob sie verändert ist und dann den Kardiologen rufen" :mrgreen:

Mit "schnell" mal eben lernen, ist es jedenfalls nicht getan. Ich habe es schon vor meinem Medizinstudium im Rahmen einer Ausbildung zum Arzthelfer gelernt (aber auch nur, weil ich zum Erstaunen meiner Chefs Interesse daran hatte), durfte aber aus berufsrechtlichen Gründen keine Befunde erstellen. Selbst nach Jahren überrascht mich die eine oder andere Kurve immernoch, es ist also nicht einfach mal so eben damit getan, ein paar standardisierte Kurven zu lernen. Um zu wissen, was sich da auf dem Monitor abspielt, sind fundierte anatomische und physiologische Kenntnisse erforderlich, die lernt man über Jahre, aber nicht "schnell" nebenbei.

Diese tollen Geräte, die beim Schreiben eines EKGs auch gleich eine Interpretation vornehmen, sind auch nicht das Gelbe vom Ei, ich habe schon etliche normale EKGs gesehen, die die Kiste als "akuter Infarkt" befundet hat. Und die tückischen stummen Infarkte, die sich kaum bemerkbar machen, hat man zwar ein tolles teures Gerät, übersieht das Geschehen aber. Im Notfall ist es sicher besser, den Rettungsdienst einmal zuviel als einmal zuwenig zu rufen, aber die Beurteilung, ob ein Notfall vorliegt, oder nicht, sollte man wirklich Leuten überlassen, die diese Einschätzung auch vornehmen können.

Selbst wenn man es selbst könnte: im Notfall ist man sich selbst gegenüber auch nicht mehr objektiv.
Once in a lifetime means there's no second chance ...

Informationen aus dem Internet dienen generell nur der ersten Orientierung, sind persönliche Meinungsäußerungen und können einen Arztbesuch nicht ersetzen.

D0m1n1k
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Re: Portable Home-EKG Geräte

Beitrag von D0m1n1k » 13.02.11, 10:19

Barca hat geschrieben: Im Notfall ist es sicher besser, den Rettungsdienst einmal zuviel als einmal zuwenig zu rufen, aber die Beurteilung, ob ein Notfall vorliegt, oder nicht, sollte man wirklich Leuten überlassen, die diese Einschätzung auch vornehmen können.
Das sagen sie so einfach. Im Notfall bei wirklich akuten Symptomen wird jeder natürlich die Notaufnahme aufsuchen, bzw. den Rettungsdienst rufen - unabhängig davon, ob es ein Herzanfall sein könnte. Denn irgendeine akute Erkrankung liegt ja vor.
Bei leichten Symptomen wie Rückenschmerzen, Magenverstimmung, usw. tut das aber doch niemand, weil in 99% der Fälle sicher kein Herzanfall vorliegt. Kaum ein Hausarzt käme dann überhaupt auf die Idee, ein EKG zu machen.
Ich würde das eher umgekehrt betrachten: Selbst wenn dann solch ein Gerät, wie Sie schreiben, fälschlicherweise einen akuten Infarkt erkennt und ich das ein oder andere mal umsonst in die Notaufnahme bzw. zumindest zu meinem Hausarzt (der ein echtes EKG hat) ginge, so würde sich das dann bezahlt machen, wenn tatsächlich ein Herzleiden vorliegt, wo man normalerweise nicht gegangen wäre.
Ich hätte aber gerne eine Antwort auf meine ursprüngliche Frage: Kann so ein portables 2/3-Kanal EKG überhaupt sinnvoll frühzeitig etwas erkennen im Gegensatz zu einem 12-Kanal EKG? Wenn das Gerät nur dann was erkennt, wenn eh schon akute Symptome vorliegen, dann kann ich darauf auch getrost verzichten.

jaeckel
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Re: Portable Home-EKG Geräte

Beitrag von jaeckel » 13.02.11, 11:43

D0m1n1k hat geschrieben:Ich hätte aber gerne eine Antwort auf meine ursprüngliche Frage: Kann so ein portables 2/3-Kanal EKG überhaupt sinnvoll frühzeitig etwas erkennen ...
Ok, dann also hier die einzig korrekte Antwort: "Das kommt drauf an."
Nämlich a) was speziell wirklich vorliegt und b) ob das EKG das richtig beurteilt. Weder a) noch b) kann man heute und aus der Ferne wissen.
Alles Gute!

Herzlichen Gruss
Ihr

Dr. med. Achim Jäckel
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Re: Portable Home-EKG Geräte

Beitrag von Damiana » 13.02.11, 12:52

Hallo,
D0m1n1k hat geschrieben:Hallo,
ist es wirklich so schwer, ein EKG zu beurteilen? Kann man das nicht auch ohne Medizinstudium schnell erlernen?
Da ich mal die Gelegenheit hatte als Laie (Laiin Laiein?? wie nennt man einen weiblichen Laien?) EKGs unter Anleitung eines Mediziners anzukucken (wirklich befunden geht nicht :mrgreen:) :arrow: meine Meinung dazu: Nein das geht nicht.

Wenn das EKG so deutlich ist dass man auch als Laie Problem xy erkennt dann erkennt man auch ohne EKG dass der Patient ärztliche Hilfe braucht. Die automatische Auswertung ist ebenfalls nicht viel besser.
Wichtiger finde ich dass Sie/Ihre Frau sich nicht scheuen frühzeitig einen Arzt zu rufen. Ungewohnte Bescherden, d.h. Beschwerden die man so nicht bei sich kennt, sollten immer ein Grund sein einen Arzt aufzusuchen und ein verantwortungsbewusster Arzt wird bei Ihrer Vorgeschichte eher einmal zuviel als einmal zuwenig ein EKG machen.

Viele Grüße Damiana
Vertrauen Sie jedem? :wink:
Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker!

downcase
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Re: Portable Home-EKG Geräte

Beitrag von downcase » 13.02.11, 13:01

hallo,

> ist es wirklich so schwer, ein EKG zu beurteilen? Kann man das nicht auch ohne Medizinstudium schnell erlernen?

das hat noch nicht einmal so wahnsinnig viel mit medizinstudium zu tun. es ist aber neben der theorie, die in der tat wahrscheinlich jeder halbwegs intelligente mensch mit mehr oder weniger großem aufwand erlernen kann, eine menge erfahrung nötig, um krankhafte veränderungen von normvarianten, technischen störungen oder sonstigem abzugrenzen. das medizinstudium alleine qualifiziert meiner ansicht nach keineswegs uneingeschränkt dazu. es ist die tägliche routine, die zählt. in meinem arbeitsalltag kommen täglich zahlreiche ekgs vor, ich habe tausende von ekgs gesehen. einen bei dem das nicht der fall ist (egal ob er gar kein mediziner ist oder ob er durchaus studiert hat aber - sagen wir mal - dermatologe ist) würde ich lebenswichtige entscheidungen, die von einem ekg abhängen, nicht treffen lassen wollen.

grüße

downcase

Schrittmacher
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Re: Portable Home-EKG Geräte

Beitrag von Schrittmacher » 17.02.11, 10:24

Hallo,

Es gibt die Möglichkeit telemedizinischer EKG Überwachung. Der Patient bekommt einen Gürtel mit EKG Elektroden, der um den Brustkorb gelegt wird. Ein mit dem Gürtel verbundenes Gerät überträgt das EKG (12kanalig) an ein Auswertezentrum. Analysiert werden die EKGs Kardiologen, die mehr als nur ein EKG Lehrbuch gelesen haben. Im Falle von Auffälligkeiten werden Sie und/oder Ihr Arzt benachrichtigt.

Wenn Sie nach Telemedizin und EKG im Internet suchen, werden Sie eine Vielzahl von Angeboten finden. Ob die Angebote, die Sie finden, auch für die Infarktdiagnostik und dann auch noch für Sie geeignet sind, kann ich aus der Ferne logischerwewise nicht beurteilen. Sie können ja bei den Anbietern anfragen. Diese Telemedizinservices sind kostenpflichtig. Ob, und wenn ja welche Kassen dies übernehmen ist von Gerät und Kasse abhängig. Das sollten Sie mit Ihrem Kardiologen besprechen.

Nicht vergessen sollten Sie bei Ihrem EKG Projekt allerdings, dass ein großer Anteil der Infarkte auch nach Stunden keinerlei EKG Veränderungen zeigt.

Mit besten Grüßen,
Schrittmacher

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