Plötzlich eskalierende Überleitungsstörung mit 50 (F)

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flat_liner
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Plötzlich eskalierende Überleitungsstörung mit 50 (F)

Beitrag von flat_liner » 02.08.19, 16:30

Vor 6 Wochen noch gesund und munter, dann nach Erkältung plötzlich kurzatmig. Im EKG AV Block Typ 1 Extrasystolen und neue Tneg.

Vor 2 Wochen dann plötzlich Schwindel nahe Ohnmacht, im EKG AV Block Typ II Mobitz. Vor 10 Tagen dann AV Block Typ III, Pulspause länger als 10 sec.

Dann wurde eilig ein Schrittmacher implantiert und alles besser....

Aber: Was kann die Ursache sein? Blutwerte alle OK, Leider noch Wochen bis zur Katheder Untersuchung.
Kann ich mich belasten oder ist das gefährlich?

Mit dem Schrittmacher bin ich auch nur bedingt glücklich. Er ist nicht MRT Fähig und hat auch kein Monitoring.
Ist das bei GKV üblich, oder habe ich besseres verdient ?

downcase
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Re: Plötzlich eskalierende Überleitungsstörung mit 50 (F)

Beitrag von downcase » 03.08.19, 19:25

hallo,

die erfahrung zeigt, dass sich die frage, warum sie einen av-block erlitten haben, wahrscheinlich nicht sicher klären lassen wird. in der regel findet man keine eindeutige ursache. es ist auch in so fern nicht so entscheidend, als sich dadurch an der behandlung, also der dauerhaften versorgung mit einem schrittmacher, nichts ändern wird.
hinsichtlich ihrer anmerkungen zu dem schrittmacher:
mrt-fähige schrittmacher gibt es nicht. es gibt lediglich schrittmacher, die dafür zertifiziert sind, unter bestimmten bedingungen bestimmte mrt nach entsprechender vorbereitung und unter entsprechender überwachung durchführen zu können. auch mit solchen systemen kann man nicht einfach für ein mrt zum niedergelassenen radiologen für ein mrt gehen.
mir bekannte zentren implantieren durchaus routinemäßig und unabhängig vom versicherungsstatus derartige geräte. warum das in ihrem fall nicht erfolgt ist, wäre im zweifel mit der implantierenden klinik zu besprechen.
im absoluten notfall kann ein lebenswichtiges mrt unter entsprechender überwachung und vorbereitung auch mit einem konventionellen schrittmacher unter vertretbarem risiko durchgeführt werden.
hinsichtlich der telemedizischen überwachung ist festzustellen, dass sie bei schrittmachern praktisch nichts bringt. der grund dafür, warum wenige zentren das breit anbieten ist, dass die klinik/der arzt keinerlei vergütung für diese form der überwachung erhalten, die sie aber bei einer großen zahl von patienten kontinuierlich aufrecht erhalten müssten.

grüße

downcase

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Re: Plötzlich eskalierende Überleitungsstörung mit 50 (F)

Beitrag von flat_liner » 05.08.19, 11:22

Hallo, danke für die Antwort.

Bei dem Schrittmachertyp denke ich, dass die Konstruktion der Fallpauschalen schuld sein kann. Denn die Pauschale beinhaltet das Implantat. Man wird also das günstigste wählen was gerade noch geht, um maximalen Gewinn zu erwirtschaften. Bei den modernsten hab ich gelesen, erkennt der Schrittmacher sogar die MRT Untersuchung und schaltet automatisch in den entsprechenden Modus. Auf der Biotronik Webseite konnte ich 4-5 passende Typen sehen - alle bis auf meinen haben Home-Monitoring und sind Pro-MRI. Man wirbt mit gerinerer Mortalität dank Home Monitoring. Das alles bringt keine gute Laune.....- obwohl es mir ja aktuell gut geht.

Leider wird bei diesen Anreitzen niemand forschen warum die Störung auftritt und ob es evt. eine Heilung geben kann - bringt keine Einnahmen.

Grüße

downcase
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Re: Plötzlich eskalierende Überleitungsstörung mit 50 (F)

Beitrag von downcase » 06.08.19, 15:52

hallo,

denken sie auch daran, dass das was die herstellerfirma im Internet schreibt, nur bedingt richtig ist, sondern v.a. auf den verkauf ihrer geräte ausgelegt ist.
wissenschaftliche hinweise auf geringere mortalität durch telemedizin gibt es bei Schrittmachern nicht, sondern nur bei defibrillatoren und da ist der effekt wirklich gering.
das automatische einschalten des mrt-modus funktioniert auch nicht so wie sie sich das vorstellen. diese funktion muss einen kurzen zeitraum vor der untersuchung scharf geschaltet werden und reagiert auf das mrt nur einen sehr begrenzten zeitraum. laut entsprechender festlegungen muss auch ein kardiologe kurzfristig erreichbar sein, so dass auch bei so einen system das mrt nur in einem zentrum mit kardiologie, nicht aber bei einem niedergelassenen radiologen erfolgen kann.

die frage ob sich solche überleitungsstörungen anders behandeln lassen, ist nicht undbedingt eine frage fehlender forschung. wenn entsprechende bereiche des herzmuskels geschädigt sind, können sie nicht wieder hergestellt werden. die grundlagenforschung in diesem bereich gibt es. da sie nicht von gewinnorientierten kliniken durchgeführt wird, hängt sie auch nicht davon ab, ob oder ob nicht parallel mit schrittmachern geld verdient wird. trotzdem gibt es keine erkenntnisse, die darauf hindeuten, dass wir in irgendwie absehbarer zeit av-blockierungen anders als mit irgend einer art der schrittmachertherapie behandeln können.

grüße

downcase

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Re: Plötzlich eskalierende Überleitungsstörung mit 50 (F)

Beitrag von flat_liner » 15.08.19, 16:49

Hallo, danke für die Antwort !

Ja, das Leben geht weiter - auch ohne den modernsten Schrittmacher.

Der Arzt hat geschrieben, dass die moderneren Pro-MRI Geräte, die auch Home Monitoring beinhalten, bei ambulanter Behandlung eingebaut werden. Dann zahlt es die Kasse.
Wenn aber stationär einen Schrittmacher implantiert werden soll, dann baut er das ältere Modell ein.

Ein inzwischen konsultierter Chefarzt einer Uniklinik hat sein Unverständnis über eine solche Auswahl geäußert. Allerdings empfiehlt auch er keinen Austausch.

Klar ist, die moderneren SM sind wesentlich teurer und der Mehrwert ist nicht so groß.

Aber die Einsparung ging zu Gunsten des Arztes, das ärgert mich enorm und ich fühle mich ausgenutzt.

Grüße

Schrittmacher
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Re: Plötzlich eskalierende Überleitungsstörung mit 50 (F)

Beitrag von Schrittmacher » 16.08.19, 15:57

Hallo, noch eine Meinungsäußerung zum Thema:

Nein, die Einsparung ging nicht zugunsten des Arztes.

In der ambulanten Versorgung gelten Verträge zwischen gesetzlichen Krankenkassen und Kassenärztlichen Vereinigungen (sind im Internet einsehbar). Hier heisst es (nicht wörtlich zitiert): ...dass für Herzschrittmacherimplantationen alle anfallenden Sachkosten (Herzschrittmacher, Kabel, Nahtmaterial etc.) mit dem tatsächlichen Euro-Betrag bis zu einem bestimmten Maximalbetrag gegenüber der Kasse geltend gemacht werden können. Das heißt, dass auch die Kosten eines "Premium" Gerätes erstattet werden.

In der stationären Versorgung gilt das so nicht. Hier gibt es zur Abrechnung das DRG ("diagnosis related groups") System, das einen Mittelwert erstattet, jedoch inklusive Krankenhausaufenthalt. Wird man z.B. früher nach Hause geschickt, gibt es noch Abschläge vom Betrag für die Klinik. Daher neigen Einkaufsleiter von Kliniken bzw. Einkaufsgemeinschaften darauf, möglichst billig einzukaufen. Auch für preiswert versorgte Patienten gibt es die identischen DRG Beträge, selbst wenn das Gerät nur einen Bruchteil kostet. Mit der Differenz werden in den Kliniken in der Regel defizitäre Abteilungen quersubventioniert. (Nein nicht nur in Klinikskonzernen, auch in öffentlichen Kliniken.)
Es gibt Klinikverbünde, die in Ausschreibungen ausdrücklich die MRT Eignung von Herzschrittmachern oder Defibrillatoren für die Basisversorgung ausschließen und andere Kliniken, in denen Implantate mit einem Ampelsystem versehen werden: Das einfachste System bekommt grün, Mittelklasse gelb (darf ab und zu verwendet werden) und rot bedeutet rot (Premium, mitunter nur nach Genehmigung des Geschäftsführers erlaubt). Allerdings werden die DRG Beträge regelmäßig den durchschnittlichen Marktpreisen angeglichen (also abgesenkt), was den Preisdruck verstärkt, und in der Folge zu noch preiswerterem Einkauf führt.

Implantiert ein niedergelassener Kardiologe in einer Klinik (Belegarzt) sind die Finanzen zwischen Klinik und Arzt jeweils individuell geregelt, jedoch müssen die Fallpauschalen (DRG) nach Krankenhausentgeltgesetz um 20% gemindert werden, da dürfte wohl der Grund für die Geräteauswahl bei Ihnen zu suchen sein.

Das hätte der von Ihnen inzwischen konsultierte Chefarzt einer Uniklinik auch erklären können. Aber der behandelt wahrscheinlich ausschließlich Privatpatienten.

Schrittmacher

PS: Home Monitoring ist für Herzschrittmacherpatienten -anders als bei Defibrillatoren- keine Kassenleistung.

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