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Re: Lungenentzündung durch Legionellen

Verfasst: 14.04.18, 18:11
von Dr. A. Flaccus
Guten Abend,

um Ihre Frage zu beantworten: Ja, es ist völlig normal, dass zuerst die Ausscheidung wieder einsetzt und im Verlauf auch die Filtration sich nach und nach verbessert.

Auch die "Fixierung" ist leider eine übliche - und zum Schutz des Patienten! - notwendige Massnahme. Die Pflegekräfte sind schliesslich nicht rund um die Uhr im Zimmer und es reicht ein unbeoabachteter Moment, bei dem sich der Patient etwas entfernt, was ihn stört. Meistens sind es Katheter.

Insgesamt lese ich aus Ihrem Bericht aber den Verlauf heraus, den ich erwartet habe. Die Tracheotomie ist durchgeführt, die Entwöhnung beginnt erneut - und sie wird hoffentlich leichter sein, als das letzte mal. So ein Tracheostoma hilft wirklich sehr!

Ich hoffe, es geht nun weiter voran. Die Voraussetzungen dafür sind jedenfalls gut.

Liebe Grüße

A. Flaccus

Re: Lungenentzündung durch Legionellen

Verfasst: 18.04.18, 19:41
von Hoffnung777
Lieber Dr. Flaccus,

vielen Dank für Ihre Antwort.

Unser Vater ist nun seit Freitag (also ca. 6 Tage) wach und die Atmung verbessert sich von Tag zu Tag. Sie hatten absolut Recht, die Tracheostomie macht alles viel leichter.
Heute war er den ersten Tag komplett "abgestöpselt" und kommt nur zur Nacht wieder an die Beatmungsmaschine. Außerdem kann er mit Hilfe der Sprechkanüle schon etwas sprechen, natürlich noch sehr leise und manchmal schwer zu verstehen, aber beim ersten "Hallo" sind uns die Tränen gekommen.
Er darf auch seit gestern etwas Joghurt und Gemüsebrei essen und auch Wasser trinken, das ist für ihn sicher auch sehr angenehm.
Er hat noch die Magensonde in der Nase, aber es ist ein Anfang!
Die Niere wird auch besser, er hatte in dieser Woche erst eine Dialyse, davor 5 Tage gar nicht.

Wir sind also vorsichtig optimistisch, dass es weiter voran geht.
Allerdings gibt es ein paar Dinge, die uns weiter Sorgen machen.

Da ist zum Einen die Aussage der Ärztin, dass er wohl eine Polyneuropathie (?) entwickelt hat, die es ihm sehr schwer macht, seine Muskeln zu benutzen. Er kann die Arme und Hände schon recht gut bewegen, aber Beine und Füße sind wohl etwas stärker betroffen und es scheint ihm alles sehr weh zu tun, sogar der Nacken wenn wir ihn anders auf sein Kissen betten wollen.
Die Krankengymnastik im Bett ist für ihn auch sehr schmerzhaft und wenn er im Therapiestuhl sitzt, ist er danach sehr erschöpft.
Gibt es eine Möglichkeit ihm hier zu helfen oder muss das einfach die Zeit (zusammen mit einer Reha wenn er soweit ist) bringen?

Zum Anderen machen wir uns etwas Sorgen um seinen geistigen Zustand. Er erkennt uns immer und freut sich deutlich uns zu sehen, aber oft scheint er noch ziemlich verwirrt oder zum
Teil auch völlig abwesend. Er sagt zT sinnvolle Dinge (wann komme ich hier raus? Was machen die Kinder? Ja/Nein auf Fragen und er erkennt auf Handybildern seine Enkel. Aber dann redet er plötzlich wieder wirr vor sich hin und weiß nicht, was mit ihm los ist.
Er ist also geistig weit davon entfernt wieder "normal" zu sein.
Ist das noch im Rahmen nach 5 Tagen ohne Medikamente?

Liebe Grüße von einer verwirrten aber dennoch optimistischen Familie Ritter.

Re: Lungenentzündung durch Legionellen

Verfasst: 23.04.18, 16:41
von Dr. A. Flaccus
Guten Abend Familie Ritter,

leider kann ich mich erst heute wieder melden - ich hoffe, meine Antwort wurden durch die tagesaktuellen Ereignisse nicht überholt...

Die von Ihnen beschriebenen Verwirrtheitszustände können - gerade nach ein so langen Intensivzeit! - noch mehrere Tage bis Wochen anhalten. Das ist völlig normal und Sie können unterschiedliche Ausprägungen erleben: Von "völlig klar" bis absolut verwirrt, aggressiv und nicht führbar. Gute und schlechte Phasen können sich abwechseln, aber mehr und mehr sllten die guten Phasen überwiegen - wenn keine neue Sedierung erforderlich wird.

Sie können vor allem eines tun: Soviel "Normalität" wie möglich ans Krankenbett bringen. Was war heute los? Zu Hause, in der Welt (möglichst positive Dinge berichten). Gibt es Lieblingsmusik, die er gerne hört? Zeitungen? Bücher.
Auch regelmäßige Ansagen von Tag, Monat, Jahr und Uhrzeit sind hilfreich. Ruhig mehrmals täglich.

Insgesamt klingt Ihre Beschreibung aber doch sehr hoffnungsvoll. Ich warte jetzt mal Ihren nächsten Bericht ab und ergänze dann gern weiter.

Liebe Grüße

A. Flaccus

Re: Lungenentzündung durch Legionellen

Verfasst: 25.04.18, 22:31
von Hoffnung777
Lieber Herr Dr. Flaccus,

Sie können sich gar nicht vorstellen, welch ein Segen Sie für unsere Familie sind!
Ihre Antworten helfen uns jedes Mal ungemein, mit der Situation umzugehen und Entwicklungen besser einschätzen zu können!

Re: Lungenentzündung durch Legionellen

Verfasst: 25.04.18, 22:54
von Hoffnung777
Unser Vater hat in den letzten Tagen eine für uns unglaubliche Entwicklung durchgemacht. Letzen Freitag konnte ihm komplett der Schlauch aus der Lunge entfernt werden und auch die Nasensonde wurde gezogen, nachdem er zum ersten Mal selber ausreichend Wasser trinken konnte und Joghurt gegessen hat.
Und am Samstag verlegte man ihn dann - für uns völlig überraschend- auf eine geriatrische Station in der Klinik in der er zuerst war, zur Frühreha.

Es war für uns die ersten Tage sehr seltsam, dass er an keine Kontroll-Monitore mehr angeschlossen war und auch nicht mehr beatmet wurde, wie hatten richtig Angst, dass er plötzlich keine Luft mehr bekommt. Aber es klappte bis jetzt sehr gut und das Loch ist nun nur noch mit einem Pflaster angeklebt.
Er liegt in einem wunderschönen hellen und ruhigen Zimmer mit Blick auf einen traumhaften Garten. Was für ein Unterschied zur Intensivstation.
Ein Logopäde und ein Pysiotherapeuth arbeiten nun mit ihm und es geht von Tag zu Tag etwas aufwärts.

Den größten Sprung hat er aber seit gestern Nachmittag gemacht. Da konnte er plötzlich gut verständlich sprechen, seine Suppe zum Teil selber essen und den Trinkbecher alleine halten sowie Tabletten einnehmen ! Er konnte an der Bettkante sitzen und wurde heute sogar im Stuhl geduscht, was er sehr genossen hat.
Aber vor allem geistig überrascht er uns seit gestern sehr. Er ist teilweise völlig klar, fragt genau, was passiert ist, erinnert unsere Mutter an Termine, die er vor der Erkrankung gemacht hat (Autoinspektion etc.) und es zeigt sich auch wieder sein alter Humor.
Er kann sich sogar einige Dinge merken, die seine Schwester ihm am Tag vorher gesagt hat.

Wir sind völlig überrannt von all den Ereignissen.
Allerdings kam heute Abend kurz der Chefarzt der Station zu uns und empfahl meiner Mutter, ein MRT vom Kopf machen zu lassen, da unser Vater sehr verwirrt wäre und man so gucken könnte, ob die Sepsis Gehirnschäden hinterlassen hat.
Natürlich konnte er auf die schnell gestellten Fragen dieses Arztes nicht gut antworten ("Welches Jahr ist es ? Welchen Monat haben wir?)
,aber er ist doch auch erst seit einer Woche richtig wach bzw. erst seit gestern annähernd wieder geistig aufnahmefähig!?

Ist es da so wahrscheinlich, dass sein Gehirn schwer geschädigt ist? Muss man ihm ein MRT in einer engen Röhre jetzt schon antun oder kann man nicht abwarten, welche Fortschritte er noch macht und dann ggf. noch mal nachgucken?
Meine Mutter soll morgen unterschreiben, ob sie einverstanden ist, aber sie ist unsicher.
Wie aussagekräftig wäre denn Ihrer Meinung nach eine solche Aufnahme zum jetzigen Zeitpunkt und hätte er dadurch in Bezug auf die Therapie einen Vorteil, wenn man genau weiß, was geschädigt ist?

Liebe Grüße von einer trotz eher unfreundlichem Chefarzt extrem von den Ereignissen gerührten Familie Ritter!

Re: Lungenentzündung durch Legionellen

Verfasst: 01.05.18, 17:59
von Dr. A. Flaccus
Guten Abend,

leider lese ich Ihre Nachricht - urlaubsbedingt - erst heute.

Um es kurz zu machen: Ich würde abwarten. Das MRT bringt m.E. zum jetzigen Zeitpunkt keinen zusätzlichen Erkenntnisgewinn.
Selbst wenn man "Schäden" sehen könnte: Es würde nicht an der Therapie verändern!

Ich melde mich später noch einmal ausführlicher.

LG

A.Flaccus

Re: Lungenentzündung durch Legionellen

Verfasst: 02.05.18, 18:50
von Dr. A. Flaccus
Guten Abend,

wie versprochen, präzisiere ich noch einmal ein wenig meine Ausführungen:

Offenbar macht Ihr Vater gute Fortschritte. Es war ein langer, komplizierter Verlauf und Ihren Schilderungen nach empfinde ich den Gesamtzustand eher im Bereich "besser als erwartet". :)

Natürlich kann man ein MRT machen, um zu sehen ob die Sepsis "Spuren" hinterlassen hat. Ich frage dabei aber immer gern nach der "therapeutischen Konsequenz" oder anders gesagt: Würde das Ergebnis der Untersuchung irgendetwas an unserer Therapie ändern? Diese Frage sollten sich Mediziner grundsätzlich stellen, vor allem wenn die Untersuchung belastend für den Patienten ist.
Er ist teilweise völlig klar, fragt genau, was passiert ist, erinnert unsere Mutter an Termine, die er vor der Erkrankung gemacht hat (Autoinspektion etc.) und es zeigt sich auch wieder sein alter Humor.
Er kann sich sogar einige Dinge merken, die seine Schwester ihm am Tag vorher gesagt hat.
Man kann aktuell kaum mehr erwarten, als das was Sie hier beschreiben. Das sind doch wunderbare Entwicklungen!

Ich schrieb es ja schon:
Dr. A. Flaccus hat geschrieben:Die von Ihnen beschriebenen Verwirrtheitszustände können - gerade nach ein so langen Intensivzeit! - noch mehrere Tage bis Wochen anhalten. Das ist völlig normal und Sie können unterschiedliche Ausprägungen erleben: Von "völlig klar" bis absolut verwirrt, aggressiv und nicht führbar. Gute und schlechte Phasen können sich abwechseln, aber mehr und mehr sllten die guten Phasen überwiegen - wenn keine neue Sedierung erforderlich wird.

Sie können vor allem eines tun: Soviel "Normalität" wie möglich ans Krankenbett bringen. Was war heute los? Zu Hause, in der Welt (möglichst positive Dinge berichten). Gibt es Lieblingsmusik, die er gerne hört? Zeitungen? Bücher.
Auch regelmäßige Ansagen von Tag, Monat, Jahr und Uhrzeit sind hilfreich. Ruhig mehrmals täglich.
Machen Sie einfach ruhig weiter. Erwarten Sie nicht zuviel und freuen sich über jeden Fortschritt.
Und haben Sie Geduld. (Ich weiß das ich mich wiederhole :wink: )
Dann wird sich alles fügen :)

Liebe Grüße

A. Flaccus

Re: Lungenentzündung durch Legionellen

Verfasst: 05.05.18, 22:00
von Hoffnung777
Lieber Herr Dr. Flaccus!

Herzlichen Dank für Ihre Antwort und wir hoffen, dass Sie einen schönen, sicher sehr wohlverdienten Urlaub hatten!
Wir haben den Ärzten gegenüber ganz ähnlich argumentiert wie Sie es nun auch geschrieben haben.
Trotzdem wurde das MRT gemacht, weil mein Vater einverstanden war und mittlerweile wieder als zurechnungsfähig gilt....
Die Ergebnisse waren unauffällig, es sind bis jetzt keine Schäden zu erkennen.

Aber genau wie Sie sagen, an der Therapie hat es nichts geändert. Sein geistiger Zustand wird täglich besser, er liest mittlerweile sehr gerne Zeitung und schaut die Nachrichten im Fernsehen. Dabei ist er in manchen Gesprächen wieder ganz der Alte, in den letzen 2 Tagen sogar fast dauerhaft. Nur wenn er müde wird, fällt es ihm noch manchmal schwer, sich zu konzentrieren.

Körperlich macht er auch kleine Fortschritte, er kann mit Hilfe einige Sekunden stehen, auf einer Art Fahrrad fahren und sich in den Rollstuhl setzen.
So konnten wir auch bei strahlendem Sonnenschein in den Krankenhausgarten und dort ein Eis essen.
Das war für ihn (und noch mehr für uns) etwas ganz Besonderes.
Allerdings ist sein rechter Fuß wohl durch das lange Liegen krumm geworden (Spitzfuß nannte es der Arzt glaub ich) und daran muss er jetzt noch arbeiten, um überhaupt wieder gehen zu können. Und seinen rechten Arm kann er nicht über Schulterhöhe heben.
Für uns sind das natürlich Kleinigkeiten im Vergleich zu seinem Zustand vor einigen Wochen aber ihn belastet es natürlich trotzdem und wir wechseln uns täglich mit Besuchen ab, um ihn zu motivieren.

Können Sie eigentlich etwas dazu sagen, wann er den Blasenkatheter loswerden kann?
Es ist quasi der letzte verbliebene Schlauch und unser Vater fragt oft, wann er ihn loswerden darf.
Hängt es noch mit den Nieren zusammen oder nur mit der noch vorhandenen Bettlägerigkeit?

Liebe Grüße und ein wunderschönes Wochenende wünscht Ihnen Familie Ritter

Re: Lungenentzündung durch Legionellen

Verfasst: 06.05.18, 18:58
von Dr. A. Flaccus
Guten Abend liebe Familie Ritter,

vielen Dank für Ihre Urlaubwünsche - sie haben gewirkt :wink:

Es freut mich sehr, das Ihr Vater so große Fortschritte macht. Offenbar hat er eine Peronaeuslähmung :arrow: https://de.wikipedia.org/wiki/Peroneusl%C3%A4hmung. Derartige Nervenschäden kommen bei lang liegenden Intensivpatienten trotz bester Pflege und Lagerung leider vor. Aber mit Physiotherapie und entsprechenden Schienen ist das gut zu behandeln und es sollte der weiteren Mobilisation nicht im Wege stehen.

Die Frage zum Blasenkatheter ist aus der Ferne schwer zu beantworten. Grundsätzlich sollte der auch mal raus...aber möglicherweise wird er noch zu genauen Ermittllung der Harnmenge ( :arrow: Bilanzierung) benötigt. Fragen Sie doch mal nach, ob nicht ein Auslassversuch erwogen werden kann - allerdings sollte Ihr Vater in der Lage sein, sich zumindest die Urinflasche selbstständig und ohne fremde Hilfe "anzulegen". Sonst wird das Bett regelmäßig nass und das belastet natürlich die Pflege zusätzlich - auch dies mag ein Grund für das Belassen des Katheters sein.

Es entwickelt sich aber insgesamt doch wirklich prima :) Das freut mich sehr.

Liebe Grüße

A. flaccus

Re: Lungenentzündung durch Legionellen

Verfasst: 17.05.18, 22:42
von Hoffnung777
Lieber Dr Flaccus,

letzte Woche wurde der Katheter gezogen, dabei kam es bei unserem Vater aber leider zunächst zu einem Harnverhalt und der Katheter musste erneut gelegt werden. Er bekam dann Tabletten um die Blase zu entspannen und heute wurde nun ein erneuter Versuch gestartet, der bis jetzt sehr gut verlief. Mal sehen wie die Nacht wird.

Insgesamt gibt es auch weiter Fortschritte zu verzeichnen. Unser Vater benutzt nun immer häufiger statt des Rollstuhls einen Gehwagen und kann sämtliche Dinge nun zunehmend selbstständiger erledigen (Zähneputzen, sich selbst ins Bett setzten etc.).
Geistig ist er nun eigentlich fast immer der Alte und benutzt nun auch sein Handy wieder, liest ganze Bücher und viele Zeitungen.

Aktuell sorgen ihn und uns allerdings noch zwei Dinge. Zum Einen hat er seit 2-3 Tagen gegen Abend leicht geschwollene Beine und zum Anderen quält ihn seit einiger Zweit ein starker Juckreiz am Oberkörper, aber ohne einen sichtbaren Ausschlag.
Leider waren die letzen 2 Tage keine Ärzte zu sprechen wenn wir da waren, aber da beide Dinge nach Aussage einer Freundin (Allgemeinmedizinerin) auf Nierenprobleme hinweisen können, sind wir natürlich alarmiert!
Kann es sein, dass sich die Niere doch noch nicht erholt hat oder wieder schlechter wird? Oder sind es eher noch Nachwirkungen des akuten Nierenversagens?
Wir werden auf jeden Fall morgen versuchen, mal einen Arzt zu sprechen!

Liebe Grüße und schöne Pfingsten!

Ihre Familie Ritter

Re: Lungenentzündung durch Legionellen

Verfasst: 18.05.18, 17:16
von Dr. A. Flaccus
Hallo Familie Ritter,
Kann es sein, dass sich die Niere doch noch nicht erholt hat oder wieder schlechter wird? Oder sind es eher noch Nachwirkungen des akuten Nierenversagens?
Ja - es kann sein, dass sich die Nierenfunktion noch nicht ganz erholt bzw. wieder verschlechtert hat. Daran würde ich auch primär denken.

Eine Bestimmung der sog. "Retentionswerte" (Harnstoff, Kreatinin, GFR = glomeruläre Filtrationsrate) kann darüber Aufschluss geben. Das sollte man zeitnah erledigen.

Liebe Grüße und ebenfalls frohe Pfingsten!

A. Flaccus

Re: Lungenentzündung durch Legionellen

Verfasst: 30.05.18, 23:51
von Hoffnung777
Lieber Dr. Flaccus,

wir sind gerade ziemlich fassungslos...
Nachdem sich die Nierenwerte unseres Vaters soweit stabilisiert hatten, dass sogar eine Entlassung nach Hause zum Ende der Woche angedacht war (ich hatte auch auf ihren Rat hin schon Kontakt zu einem nephrologischen Zentrum aufgenommen, zur "Nachbetreuung") - bekam er vorgestern plötzlich Fieber und Husten.
Es wurde sofort ein Röntgenbild der Lunge gemacht und die Blutwerte bestimmt. Er hat tatsächlich wieder eine Lungenentzündung und die Entzündungswerte steigen trotz Antibiotikum. Deshalb bekommt er seit heute Abend noch ein anderes dazu, dass alle Keime (auch Legionellen) abdeckt.
Seine Nierenwerte sind wieder miserabel, heute Abend wurde noch ein Ultraschall gemacht, zum Glück staut sich noch nichts. Er lagert aber auch wieder mehr Wasser ein.
Trotzdem natürlich wieder ein Katheter, um zu sehen, wie viel die Nieren noch ausscheiden.
Unser armer Vater ist so geknickt...er hat so hart gekämpft und so tolle Fortschritte gemacht und nun das....
Unsere größte Angst ist natürlich, dass die Infektion wieder zu einer Sepsis führt, da er auch schon niedrigen Blutdruck hat und eine etwas schnellere Atmung.
Die aktuellen Blutwerte waren aber laut Chefarzt noch nicht so dramatisch, sie beobachten es aber genau.
Wir sitzen nun hier zuhause und vor unseren Augen läuft der komplette Film der letzten Monate ab. Wir haben so große Angst und hoffen, dass auch heute Nacht oft genug nach unserem Vater geschaut wird!

Verzweifelte Grüße
Ihre Familie Ritter

Re: Lungenentzündung durch Legionellen

Verfasst: 07.06.18, 09:59
von Hoffnung777
Hallo,
es gibt ein kurzes positives "Update"'von uns! Unser Vater hat sich von der erneuten Lungenentzündung erholen können und durfte gestern dann tatsächlich nach Hause! Für uns alle nach dieser langen Zeit ein sehr bewegender Moment!
Natürlich bleibt erstmal die Angst vor einem erneuten Rückfall und die Nieren sind auch noch nicht stabil. Aber die Psyche kann sich im eigenen Heim sicher besser erholen und der Hausarzt kontrolliert regelmäßig die Blutwerte.
Außerdem bekommt er nun ambulante Physiotherapie zuhause.
Gibt es denn erfahrungsmäß sonst noch etwas, dass zur Stärkung des Immunsystems beitragen kann?
Die Apotheken bieten ja vieles an, aber was davon wirklich helfen kann wissen wir natürlich nicht.

Ganz liebe Grüße und nochmals vielen herzlichen Dank für die kompetente und sehr einfühlsame Beratung während der letzen schweren Monate!!

Ihre Familie Ritter

Re: Lungenentzündung durch Legionellen

Verfasst: 07.06.18, 12:13
von Dr. A. Flaccus
Guten Tag :)

Das sind ja mal richtig gute Nachrichten. Ich freue mich sehr für Ihre Familie, das diese wirklich ernste Erkrankung einen guten Verlauf gefunden hat.
Gibt es denn erfahrungsmäß sonst noch etwas, dass zur Stärkung des Immunsystems beitragen kann?
Ich persönlich bin kein Freund von Nahrungsergänzungsmitteln. Man muss in diesem speziellen Fall auch doppelt acht geben, denn nicht alles ist gut für die Niere!

Am wichtigsten - das haben Sie ja auch schon geschrieben - ist die häusliche Umgebung. Mit zunehmender Aktivität und Teilnahme am "normalen" Leben kommt der Appetit von ganz allein. Da bin ich mir sicher. Und mit einem normalen, ausgeglichenen Tagesablauf stärkt sich das Immunsystem von ganz allein. (Das ist natürlich nicht wissenschaftlich belegt, sondern meine ganz persönliche Meinung :wink: )
Jetzt ist es wichtig, dass die ganze Familie Kraft tankt, um die Erlebnisse der letzten Wochen hinter sich zu lassen.

Haben Sie (weiterhin) Geduld, lassen Sie´s langsam angehen und erholen Sie sich :)

Ich würde mich über weitere "Updates" an dieser Stelle sehr freuen. Auch die vielen Mitleser freuen sich über Berichte wie diesen - es macht Mut, wenn die Familie gerade in einer schweren Krise steckt.

Danke auch für Ihre ausführlichen und sehr sachlichen Berichte!

Liebe Grüße
A. Flaccus