Lungenentzündung durch Legionellen

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Hoffnung777
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Lungenentzündung durch Legionellen

Beitrag von Hoffnung777 »

Hallo,
wir sind so verzweifelt! Unser Vater wurde vor 2 Wochen ins künstliche Koma gelegt, weil er sich eine schwere Legionellen-Infektion eingefangen hat. Die Woche zuvor ging es ihm bereits schlecht, er hatte hohes Fieber und war zT schon verwirrt und sehr schlapp. Leider sagten alle Ärzte nur, dass es wohl die Grippe sei, er sollte viel trinken und müsste einfach abwarten. Nachdem er dann im Arm meiner Schwester kollabiert ist, haben wir einen Notarzt gerufen und er kam endlich ins Krankenhaus. Dort stellte man sofort eine massive Lungenentzündung fest, die bereits eine Sepsis ausgelöst hatte. Die Nieren versagten schon und er musste intubiert werden, um die Sauerstoffversorgung zu verbessern.

Seitdem leben wir in einem Alptraum.

Nach den ersten kritischen Phasen schien es bergauf zu gehen. Er stabilisierte sich etwas und sie begannen mit der Entwöhnung vom der mechanischen Beatmung. Man hatte Legionellen als Erreger identifiziert und das Antibiotikum entsprechend angepasst.
Dann plötzlich wieder Fieber, die Entzündungswerte stiegen. Er bekam nun 2 andere Antibiotika, die laut Aussage der Ärzte alles an Keimen abdecken, die es gibt.
Außerdem hat er nun täglich Dialyse, da er starke Ödeme hat und die Nieren kaum etwas ausscheiden. Auch die Lunge wurde punktiert, da sich dort ebenfalls Ergüsse gebildet hatten.
Nun ging es wieder leicht bergauf, die Entzündungswerte sinken und die Atmung wurde besser, er konnte teilweise bis zu 7 Stunden spontan Atmen (sie haben es an der Maschine umgestellt).

Vor 2 Tagen dann wieder ein Einbruch. Die Lunge scheint nun das große Problem zu sein. Seine Sauerstoffsättigung wurde plötzlich schlechter und er bekommt immer wieder leichtes Fieber. Er bekommt aktuell 90% Sauerstoff (vorher zwischen 45 und 55) und wird mit hohem PEEP beatmet. Eine Bronchoskopie brachte keine Ergebnisse. Die Entzündungswerte sind weiter gesunken, nur der CRP ist wieder minimal höher. Er hat gestern auch plötzlich angefangen extrem zu zittern. Das war ein furchtbarer Anblick. Man geht davon aus, dass es von der Anstrengung kommt, weil er gegen die Maschine geatmet hätte und er wurde nun tiefer sediert.
Außerdem wurde er auf den Bauch gelegt.

Wir sind so verzweifelt und ratlos. Warum ist sein Zustand nun nach anfänglicher Besserung wieder so extrem kritisch geworden? Die Lunge schien sich doch schon erholt zu haben?
Sind solche Verläufe bei seiner Erkrankung häufiger?
Leider bekommen wir von den Ärzten zur Zeit keine wirklichen Informationen, sie sind extrem überlastet und wenn man Glück hat und einen Sprechen kann, bekommt man 2 kurze Sätze ohne Möglichkeiten einmal genauer nachzufragen.
Wir glauben trotzdem, dass er dort gut behandelt wird, aber es fällt so schwer, wenn man den Verlauf sieht und nicht weiß, was die Gründe dafür sein können.

Über eine Antwort würde sich unsere ganze Familie sehr freuen!

Viele Grüße
Bianca Ritter
Hoffnung777
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Re: Lungenentzündung durch Legionellen

Beitrag von Hoffnung777 »

Hier noch ein paar Informationen bzw. Werte zu meinem Vater.
Er ist 73 Jahre alt, aber noch sehr sportlich aktiv und fit. Er ist Nichtraucher und hatte nie größere gesundheitliche Probleme.

Seine Entzündungswerte haben sich in den letzten Tagen folgendermaßen entwickelt:

CRP: 17, 13, 8, 5 und nun wieder 6

Leukozyten: 8,7,6,5 und aktuell 4

PCT: lag ursprünglich bei über 80, dann 4, 3, und aktuell 1,88

Sauerstoffbedarf schwankte sehr zwischen 40% und nun leider 90%
Hoffnung777
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Re: Lungenentzündung durch Legionellen

Beitrag von Hoffnung777 »

Noch ein Nachtrag zur Kreislaufsituation:
Er benötigte zu Beginn hochdosierte Medikamente um ihn zu stabilisieren,mittlerweile könnten sie aber abgesetzt werden und der Kreislauf ist aktuell noch stabil.
Dr. A. Flaccus
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Re: Lungenentzündung durch Legionellen

Beitrag von Dr. A. Flaccus »

Guten Abend,
Wir sind so verzweifelt und ratlos. Warum ist sein Zustand nun nach anfänglicher Besserung wieder so extrem kritisch geworden? Die Lunge schien sich doch schon erholt zu haben?
Sind solche Verläufe bei seiner Erkrankung häufiger?
Ich kann Ihre Verzweiflung gut nachvollziehen, aber leider muss ich Ihnen antworten: Ja, solche Verläufe sehen wir vin der Klinik öfter.

Die Ursachen dafür sind vielfältig. Selbst gesunde und tranierte Menschen werden durch eine längere Intensivtherapie extrem geschwächt.

:arrow: künstliche Beatmung führt dazu, dass die eigene Muskulatur erschlafft. Die Muskeln werden "schwach".
:arrow: Zellgifte der Entzündung (Sepsis) greifen alle Organe des Körpers an und schwächen ihn
:arrow: Die fehlende "Anforderung" an die Muskeln lässt auch die zuführenden Nerven ihre Aufgabe "verlernen" (-> Intensiv-Polyneuropathie).

Wenn dann die Infektion primär überwunden ist, muss der Körper wieder "lernen", selbst zu atmen. In dieser Phase ist der geschwächte Körper sehr anfällig für erneute Infektionen, denn das "Training" der Atemmuskulatur fordert alle Reserven des Körpers. Und so kommt es leider immer wieder vor, das unsere Patienten einen Rückfall erleiden, weil sie z.B. ihren Schleim nicht richtig abhusten können und dieser sich dann in der Lunge festsetzt.

Möglicherweise muss man - wenn es sich nicht bessert - über einen Luftröhrenschnitt (Tracheotomie) nachdenken, denn damit wird die Atemarbeit deutlich vermindert. Eine solche Maßnahme ist auch nicht dauerhaft - man kann das Loch hinterher wieder gut verschließen.
Ob das aber tatsächlich notwendig ist, müssen die Ärzte vor Ort mit Ihnen besprechen.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen ein wenig weiterhelfen.

A. Flaccus
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Hoffnung777
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Re: Lungenentzündung durch Legionellen

Beitrag von Hoffnung777 »

Vielen, vielen Dank für Ihre ausführliche und für uns sehr hilfreiche Antwort.
So kann man diese Verschlechterung besser einschätzen und weiß, dass es kein besonderer Einzelfall ist sondern leider häufiger auftreten kann.
Für ein Tracheostoma mussten wir bzw unsere Mutter gestern schon einmal unterschreiben, damit es notfalls gleich gemacht werden kann wenn es nötig sein wird.
Heute Nachmittag wurde unser Vater dann in ein großes Uniklinikum verlegt, dass über noch mehr Erfahrung verfügt, als das kleinere in dem er eigentlich lag. Es wurde auch gleich ein CT gemacht, dass erneute Infiltrate in der Lunge zeigt, uns wurde gesagt, dass er wieder eine Lungenentzündung hat - wie Sie ja auch schon vermutet haben, hat sich wohl noch etwas "draufgesetzt".
Die Erreger sollen noch einmal bestimmt werden.
Sie haben in der Klinik nun auch die Möglichkeit eine "künstliche Lunge" (ECMO) zu verwenden, sollte sich sein Zustand weiter verschlechtern.

Aber sie vermuten, dass die massiven Wassereinlagerungen die er seit einigen Tagen hat, der Lunge am
meisten Probleme machen und sie wollen nun erstmal versuchen, ihm diese Flüssigkeit zu entziehen. Aber er war ja auch schon im alten Krankenhaus täglich deshalb an der Dialyse. Gibt es da Ihres Wissens nach noch andere Möglichkeiten?
Das konnte ich heute nicht mehr erfragen, da auch auf dieser Station gerade viel zu tun ist und ich nicht weiter nerven wollte.

Ich finde es toll, dass Sie sich die Zeit nehmen, hier Menschen in extrem belastenden Situationen mit Informationen zu unterstützen, das hilft ungemein!
Dr. A. Flaccus
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Re: Lungenentzündung durch Legionellen

Beitrag von Dr. A. Flaccus »

Guten Tag,
Wassereinlagerungen gehören leider - schon wieder die Phrase :( - ebenso zu den Begleiterscheinungen einer Intensiv-Langzeit-Therapie.

Die Sepsis (Blutvergiftung) lässt die Wände der Blutgefäße "löchrig" werden. Es tritt Flüssigkeit hindurch, die normalerweise innerhalb der Gefäße bleibt. Die lagert sich dann im Gewebe ab.
Wenn die Akutsituation überwunden ist, verteilt sich dieses Wasser zurück, d.h. es geht wieder in die Blutgefäße und wird dann ausgeschieden - wenn die Niere noch gut funktioniert!
Wenn nicht, muss eine Dialyse helfen.

Der Flüssigkeitshaushalt ist ein sehr komplexes Wechselspiel, gerade während einer schweren Erkrankung.
:arrow: die Sepsis fordert viel Flüssigkeit von außen
:arrow: die (bereits belastete) Lunge verträgt viel Flüssigkeit nicht
:arrow: Flüssigkeit im Gewebe ist kaum kontrollierbar, es steht aber dem Gefäßsystem erstmal nicht zur Verfügung
:arrow: damit die Niere wieder eigenständig funktioniert, muss genügend Flüssigkeit im Gefäßsystem sein. Man darf also dem Patienten auch nicht zuviel Flüssigkeit entziehen.

Mit komplizierten Messverfahren und viel Erfahrung in der Intensivmedizin kann man das aber steuern. Dabei gibt es gute und schlechte Phasen, das läßt sich oft schwer vorhersagen.

Aus der Ferne betrachtet, wird Ihr Vater aber optimal behandelt. Alle möglichkeiten wurden ausgeschöpft und eine Verlegung in die Uniklinik zeugt von sehr verantwortungsbewußtem Handeln der Kollegen vor Ort!

Danke auch für Ihre lobenden Worte :)
Wenn Sie weitere Fragen haben, können Sie diese weiter gerne stellen.

A. Flaccus
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Hoffnung777
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Re: Lungenentzündung durch Legionellen

Beitrag von Hoffnung777 »

Hallo, meine Familie und ich wünschen Ihnen ein frohes Osterfest und bedanken uns sehr für Ihre weiteren, sehr hilfreichen Informationen.

Unser Vater konnte in der Uniklinik nun ein wenig stabilisiert werden. Er bekommt nun eine dauerhafte Dialyse, um das Wasser zu entziehen, da dies für den Kreislauf wohl schonender ist. Es konnte heute nach Aussage der Schwester viel Wasser entzogen werden und er
sah auch schon wieder etwas mehr aus wie unser Vater im Gesicht.

Der Sauerstoffbedarf konnte auf 40% gesenkt werden, allerdings noch bei einem recht hohen PEEP.

Heute Abend wurde uns gesagt, dass sie die Sedierung nun etwas reduziert haben, dient das dazu, die Atmung wieder zu trainieren? Er ist ja immer noch intubiert.

Liebe Grüße
Dr. A. Flaccus
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Re: Lungenentzündung durch Legionellen

Beitrag von Dr. A. Flaccus »

Guten Tag,

in der Tat scheint sich der Zustand zu stabilisieren. Ein Sauerstoffbedarf von nur noch 40% ist ein gutes Zeichen und den PEEP reduziert man erst im weiteren Verlauf.
Auch die kontinuierliche Dialyse ist eine sehr gute Massnahme - es klingt alles sehr schlüssig :)

Nun beginnt, wie Sie schon richtig vermutet haben, das sogenannte "Weaning". Damit ist die schrittweise Entwöhnung von der Beatmung gemeint. Man versucht nun die Atemmuskulatur zu trainieren. Dies ist für einen Patienten, der längere Zeit beatmet war, ein extrem anstrengender Vorgang.
Ich schreibe das nicht, um sie zu erschrecken, sondern weil ich Sie darauf vorbereiten möchte, dass sich diese Phase lange hinziehen kann - und dabei gibt es leider nicht immer nur Schritte nach vorn.

Der geschwächte Körper muss nun sehr viel Energie in das Wieder-erlernen der Eigenatmung stecken. Man versucht die Phasen der Eigenatmung immer weiter zu vderlängern, mal mit sog. "Druckunterstützung" (ASB), mal auch auch komplettem Trennen von der Maschine. Das kann binnen weniger Tage gelingen, aber auch mal eine Woche dauern, oder länger...

Gleichzeitig wird ihr Vater in dieser Phase ja wieder "wach". Er wird sich komplett neu orientieren müssen und in der Regel durchlaufen die Patienten dabei eine Phase von Verwirrtheit. Auch hier gibt es verschiedene Stadien, die man unter dem Stichwort "Delir" oder "Intensiv-Delir" nachlesen kann. Bei speziellen Fragen wissen Sie ja, an wen sie sich wenden können :)

Noch einmal: Ich will Sie nicht verunsichern, es geht mir darum, Sie vorzubereiten auf eine weitere schwierige Phase in diesem Prozess. Über zwei Wochen leidet die Familie jetzt schon gemeinsam. Das gesamte Leben des näheren Umfeldes ist auf die Intensiv-Besuche und den Krankheitsverlauf abgestimmt. Und ein Ende ist (noch) nicht absehbar. Die "Hochs" und "Tiefs" zehren zusätzlich an den Nerven.

Es ist wichtig - auch wenn Sie daran jetzt sicher zuletzt denken - das die Familie im Umfeld das eigene Wohl nicht aus dem Auge verliert. Die nächsten Wochen und Monate werden von allen Beteiligten noch viel abverlangen. Teilen Sie sich also Ihre Kräfte ein. Vereinbaren Sie "Pausentage" ohne Besuch in der Klinik und schaffen Sie sich Raum zum Abschalten (Sauna, Sport, Freunde...). Das mag in Ihrer Situation abwegig klingen, ist aber enorm wichtig.
Zumindest lohnt es sich, einmal darüber nachzudenken. (Ich will Sie jetzt auf gar keinen Fall "belehren"...)

Ich wünsche Ihnen und Ihrer Familie einen ruhigen Ausklang der Ostertage.

A. Flaccus
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Re: Lungenentzündung durch Legionellen

Beitrag von Hoffnung777 »

Vielen herzlichen Dank für Ihre wieder sehr hilfreiche und ausführliche Antwort!
Sie kam genau zur richtigen Zeit, denn so waren wir vorbereitet auf die Dinge, die nun auf uns zukamen und noch kommen werden!

Der Sauerstoffbedarf meines Vaters liegt nun bei 35% und der PEEP bei 10. Er atmet auch schon viel selber (natürlich mit Hilfe der Maschine). Das aktuelle Röntgenbild der Lunge zeigt laut den Ärzten auch keine neuen Besorgnis erregenden Befunde aber natürlich ist die Entzündung noch deutlich zu sehen.
Die Kreislaufmedikamente können zur Zeit auch weggelassen werden.

Aber, wie Sie uns ja zum Glück auch schon gesagt haben, gestaltet sich das Abgewöhnen von der Maschine nicht so einfach.
Die Narkosemittel sind seit gestern abgesetzt, aber er wird noch nicht wirklich wach. Manchmal bäumt er sich ein bisschen auf, wir vermuten er muss entweder husten oder würgen wegen des Tubus. Ganz selten blinzelt er mit den Augen und Schluckt etwas. Beim Fiebermessen im Ohr hat er sich auch bewegt. Aber das war es dann auch.
Da bekommt man natürlich ein bisschen Angst, dass er nicht mehr wach wird, aber da die Nieren ja auch nicht gut arbeiten braucht es hoffentlich einfach alles etwas länger.

Das andere Problem ist laut Pfleger, dass er sich ab und zu sehr aufregt, bzw. seine Herzfrequenz und sein Blutdruck manchmal beim Atmen sehr hoch gehen. Er atmet dann zu schnell. Deshalb überlegen sie, ob man doch wieder etwas nachsedieren muss. Wir fragen uns natürlich, wie es dann vorangehen soll, wenn er selbst ganz ohne Mittel nicht richtig wach wird?

Aber wir haben uns auch Ihren Rat zu Herzen genommen und sind heute alle mal in der Sonne spazieren gegangen und haben mit den Kindern das erste Eis gegessen.

Liebe Grüße
Familie Ritter
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Re: Lungenentzündung durch Legionellen

Beitrag von Dr. A. Flaccus »

Guten Morgen Familie Ritter,

vielleicht haben Sie es schon gelesen: Grundsätzliche Fragen rund um´s "Aufwachen" nach einer Beatmung haben wir u.a. hier zusammengefasst:

:arrow: viewtopic.php?f=31&t=99459

Ich hatte es ja bereits angedeutet: Jetzt braucht man (erneut!) viel Geduld, denn in dieser Phase geht jeder Patient seinen eigenen Weg. Der eine wird schnell wach und ist rasch orientiert, der andere braucht Tage oder sogar Wochen, um wieder komplett zu sich zu kommen. Da gibt es keine Regel, es ist alles normal und es gibt in diesem Zusammenhang kein "gutes" oder "schlechtes" Zeichen. Man muss den Verlauf einfach abwarten.

Auch hier lese ich heraus, das man sich gut kümmert und in der Klinik versucht, den individuellen Weg mit zu gehen. Ihre Vermutung ist richtig: Der geschwächte Körper braucht natürlich länger, um alle Medikamente abzubauen.

Ich freue mich, das Sie meinen Rat befolgt haben. :) Denken Sie auch in Zukunft daran - ich werde Sie gelegentlich aber auch daran erinnern, falls wir uns hier noch länger austauschen sollten... :wink:

Liebe Grüße

A. Flaccus
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Re: Lungenentzündung durch Legionellen

Beitrag von Hoffnung777 »

Lieber Herr Dr. Flaccus!

Vielen Dank für Ihre wieder sehr hilfreiche und vor allem beruhigende Antwort! Ich lese ihre Antworten immer meiner Familie vor und alle sind extrem dankbar für diese tolle, professionelle Unterstützung!

Unser Vater ist seit gestern tatsächlich extubiert, aber es ist laut den Ärtzen ein Versuch. Er hatte zunächst eine kleine Atemmaske auf. Das hat aber nicht ausgereicht und er bekam dann zur Nacht eine größere Atemmaske, die ihn aber sehr aufgeregt hat. Als wir heute bei ihm waren, wurde er über die Nase beatmet, wieder mit einem ganz anderen Gerät.

Wir haben das Gefühl, die Ärtze bemühen sich wirklich sehr, eine passende Beatmungsmöglichkeit für ihn zu finden. Die Ärztin sagte aber auch, dass eine Reintubation noch über ihm schwebt, da er die Sättigung noch nicht so stabil halten kann und noch immer sehr weit weg bzw noch nicht wach genug ist.
Da hilft wahrscheinlich nur wieder abwarten und hoffen.

Auf uns wirkt er aber schon viel viel wacher als gestern. Er bewegt die Arme und Hände und drückt die Hand unser Mutter.
Auf Ansprache öffnet er zeitweilig die Augen und versucht uns zu fixieren. Als wir ihm vorgesungen haben, hat er auch den Mund bewegt als wollte er etwas sagen.
Auch das Husten klingt nicht mehr ganz so schwach.
Der Oberarzt sagte heute, sie hätten ihm gestern vorm Extubieren wohl einen Antagonisten (heißt das so?) gegen ein Narkosemittel gespritzt, dass er in dem anderen Krankenhaus sehr lange bekommen hätte. Da wäre er richtig wach geworden! Also müssen wir wohl warten, bis sein Körper das Medikament selber abgebaut hat.

Liebe Grüße

Familie Ritter
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Re: Lungenentzündung durch Legionellen

Beitrag von Hoffnung777 »

Lieber Herr Dr. Flaccus,

wir kommen gerade aus dem Krankenhaus zurück und sind völlig am Boden zerstört.
Nachdem uns gestern gesagt wurde, dass mein Vater auf einem guten Weg ist, und er sogar auf einen Therapiestuhl gesetzt wurde, hatten wir wirklich wieder echte Hoffnung.
Er wurde auch immer wacher und hat mit einem Lächeln auf die Fotos und Videos der Enkelkinder reagiert. Er drückt unsere Hände schaut von einem zum Anderen, bewegt die Beine. Alle anderen Werte sind auch soweit stabil.

Als wir dann am Ende der Besuchszeit gehen wollten, fragte ich eine Schwester kurz, ob sie uns etwas zu seinem aktuellen Zustand sagen können (da wir keinen Arzt gesehen haben).
Da sagte sie plötzlich, dass die Nacht sehr schlecht war und es bei ihm ein Kampf um jeden Atemzug wäre. "Sie sehen ja wie er kämpfen muss".... Und er hätte kurz davor gestanden wieder intubiert zu werden. Auch jetzt ist es schwer und er bekam gerade wieder die Atemmaske. Als ich fragte, ob sie im Falle einer Reintubation auch einen Luftröhrenschnitt machen würden, beantwortete sie mir den Worten, das würde die Lunge ja auch nicht wieder besser machen und wir sollten überlegen, ob wir ihm das noch antun wollen!!!

Was soll das heißen???
Sollen wir ihn jetzt sterben lassen? Gestern sah alles noch positiv aus und nun?
Die Ärztin die ich daraufhin doch noch mal ganz kurz abfangen konnte, meinte nur, sie würden noch mal einen Ultraschall machen ob wieder Flüssigkeit da ist und es wäre bei einem Lungenversagen mit 75 Jahren eben sehr schwer, es Kräftemäßig zu überwinden, aber sie würden noch auf maximale Therapie abzielen und dazu gehöre dann auch der Luftröhrenschnitt.

Jetzt sitzen wir hier, weinen und wissen nicht, was wir denken sollen.
Wir wollen unseren Vater doch nicht quälen, aber es sah so positiv aus (oder wir haben das alles falsch interpretiert!?).

Ihre verzweifelte Familie Ritter
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Re: Lungenentzündung durch Legionellen

Beitrag von Hoffnung777 »

Nachtrag: eben bekamen wir einen Anruf,unser Vater musste nun tatsächlich wieder intubiert werden und sie wollen nun einen Luftröhrenschnitt machen.
Dr. A. Flaccus
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Re: Lungenentzündung durch Legionellen

Beitrag von Dr. A. Flaccus »

Guten Tag, liebe Familie Ritter,

das sind ja leider wirklich keine guten Nachrichten - aber geben Sie die Hoffnung nicht auf!

Der bisherige Verlauf hat gezeigt, dass eine Entwöhnung vom Beatmungsgerät grundsätzlich funktionieren kann. Er hat es schließlich geschafft, aber die Kraft hat eben noch nicht gereicht.
Die erneute Intubation und der Luftröhrenschnitt sind sicher ein Rückschritt, aber kein Grund zur Resignation.

Ich schrieb ja bereits, dass es "Hochs" und "Tiefs" geben wird - nun ist so ein "Tief"-Moment gekommen. Für uns Mediziner mag das absehbar gewesen sein, für Angehörige ist es eine Katastrophe. Ich kann gut nachvollziehen, was in Ihnen vorgeht.

Auch wenn ich mich wiederhole: Haben Sie Geduld! Es wird ein langer Weg und der Luftröhrenschnitt ist zum jetzigen Zeitpunkt genau die richtige Maßnahme. Solange die anderen Organsysteme, insbesondere das Herz, noch funktionieren, gibt es keinen Grund aufzugeben.
Kommunizieren Sie das auch genau so mit den Ärzten vor Ort und fragen Sie ggfs. nach konkreten Anhaltspunkten, die für eine Therapiebegrenzung sprechen. Dann kann man konkreter weiter diskutieren.

Wenn noch Fragen offen sind: Ich schaue heute bestimmt noch mal ins Forum. :)

A. Flaccus
Dr. A. Flaccus
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Re: Lungenentzündung durch Legionellen

Beitrag von Hoffnung777 »

Lieber Dr. Flaccus!

Vielen Dank für Ihre wieder mal sehr mutmachende Antwort! Nachdem mein Vater am Montag auch noch leichtes Fieber entwickelte,wurde unsere Sorge immer größer...
Aber Gott sei Dank stieg es nicht so hoch bzw. war heute nicht mehr vorhanden, es wurden natürlich wieder Keimproben genommen aber man vermutet, dass die ganzen Schläuche mal wieder gewechselt werden müssen.

Heute wurde dann auch endlich der Luftröhrenschnitt gemacht , es musste operativ geschehen, da die anatomischen Verhältnisse keinen risikoarmen Schnitt am Bett erlaubt haben. Zum Glück hat er die OP gut überstanden und schläft nun die Narkose aus.
Die Sedierung konnte abgesetzt werden und man lässt ihn nun wieder wachwerden. Deshalb wurden auch schon die Hände fixiert, dass ist wirklich kein schöner Anblick aber wenigstens kann es jetzt wieder einen Schritt weiter gehen!

Die Niere produziert wieder deutlich mehr Urin, kann es aber noch nicht so gut filtern, deshalb bekommt mein Vater alle 3 Tage noch eine Dialyse. Ist das ein normaler Weg für ein akutes Nierenversagen?

Liebe Grüße von einer wieder ein bisschen hoffnungsvolleren
Familie Ritter
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