schwerer Herzinfarkt, hypoxischer Hirnschaden, Koma

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Tilly82
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schwerer Herzinfarkt, hypoxischer Hirnschaden, Koma

Beitrag von Tilly82 » 15.09.14, 20:05

Hallo,

ich habe diesen Eintarg schon im Kardiologie-Forum veröffentlicht, bis mir aufgefallen ist, dass er hier wahrscheinlich besser aufgehoben ist..
Meine Mutter, 70 Jahre, ist vor drei Tagen einfach umgefallen. Eine Schwester vom Pflegedienst, die sie wegen eines Schlaganfalls vor 2 Jahren hatte, war grade da, die sofort den Notarzt verständigte. Dieser kam aber erst nach ca 15 Minuten, meine Mutter atmete in der Zeit nicht mehr und war blau. Es wurde keine Herzmassage durchgeführt. Der Notarzt musste sie reanimieren, was auch gelang, die Aussagen zur Dauer, bis sie wieder "da" war, variieren von 10 Minuten bis über einer halben Stunde. Die Ärzte vermuten einen schweren Herzinfarkt als Auslöser des Herzstillstands, es wäre insgesamt ihr dritter Herzinfarkt, und auch sonst hat sie viel mit Kreislauf zu tun gehabt, auch mehrere Herz-Kreislauf-Kollapse. Nun ist sie seitdem im Krankenhaus, ca 500 km von mir entfernt. In den Telefonaten, die ich mit den Ärzten führte, machten sie mir wenig Hoffnungen und sagten, dass ihr Herz jeden Moment wieder aufhören könnte zu schlagen und sie sie dann sterben lassen und sie nicht mehr reanimieren würden. Sie hätte nur noch ein Viertel Herz zur Verfügung, alles andere sei bereits abgestorben. Und selbst wenn sie es überleben würde, würden aufgrund des Sauerstoffmangels schwere Hirnschädigungen zurückbleiben und wenn sie überhaupt "wach" werden würde, würde sie ein schwerer Pflegefall bleiben. Meine Mutter war Zeit ihres Lebens unglücklich und traurig, und sie würde nicht wollen, dass sie so überleben muss. Wie ich sie allerdings kenne, wird genau das passieren. Ich weiss einfach nicht, was ich tun soll. Und ich weiss auch garnicht, was ich jetzt eigentlich von euch will.. Vielleicht kann mir einfach jemand irgendwelche Infos geben oder kennt das, oder kann sagen, was jetzt passieren wird. DANKE
PS. Seit heute, also am 3.Tag nach Aufnahme ins Krankenhaus, wird sie von der Narkose entwöhnt, in 3 Tagen werde ich mich mit meinem Bruder bei ihr im Krankenhaus treffen, die Ärzte meinetn, bis jetzt wären wegen des Wochenendes keine "Gehirnuntersuchungen" durchgeführt worden, bis wir im Krankenhaus sind, könne man aber mehr wissen.

Tilly82
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Re: schwerer Herzinfarkt, hypoxischer Hirnschaden, Koma

Beitrag von Tilly82 » 22.09.14, 08:15

hallo,

ich war im krankenhaus bei ihr und es ist alles so schrecklich. das eeg zeigt laut arzt schwere hirnschädigungen, evozierte potentiale, die an den fingern angesetzt wurden dringen nur bis zur halswirbelsäule vor, im gehirn kommen sie garnicht mehr an (wenn ich das richtig verstanden hab). der beatmungsschlauch wurde entfernt, da sie selbstständig atmet, jedoch laut neurologin bereits sehr schwer. ich finde dass sie relativ schnell und flach geatmet hat. die augen gingen mal auf, mal zu, manchmal hat sich auch ihr atmen verändert und und wurde heftiger. das schlimme war dass ihr zwi tränchen aus den augen gekullert sind als ich mit ihr gesprochen hab. die ärzte geben ihr keine chance, zumal ihr herz nur noch ca 1/3 leistung bringen soll. die augen schauen beide nach oben, richtung gehirn, aber die augen gehen manchnmal auf. aus ihrem mund kommt weisser schaum. da ich selbst psychisch u.a. durch meine kindheit so belastet bin, dass ich die situation kaum aushalte, da ausserdem mein bruder es nicht geschafft hat, zu ihr ins krankenhaus zu kommen, und da meine mutter zu allen anderen verwandten, die sogar in der nähe wohnen, wenig kontakt hatte und die aufgrund verschiedener umstände nichts mit ihr zu tun haben wollen, ich also ganz allein bin mit dieser entscheidung, wie es jetzt weitergehen soll, hab ich mich entschieden, die vormundschaft für meine mama nicht zu übernehmen. ich bin kurz vor dem zusammenbrechen. und ich weiss nicht, was sie wollen würde! würde sie so leben wollen? würde sie sterben wollen? ICH WEISS ES NICHT! der vormund wird sich an die vorschläge der ärzte halten, und zwar: keine magensonde, sich aus der behandlung zurückziehen, morphiumgabe. und ich weiss einfach nicht, ob das richtig ist. ich bin 500 km weit weg und weiss einfach nicht mehr was ich tun soll. bitte bitte, kann mir irgendjemand sagen, was das richtige ist? die ärzte haben gesagt dass sie so einen schweren und eindeutigen fall selten sehen und dass man es ihr leicht machen soll zu gehen. aber ich müsste doch bei ihr sein! als ich da war, hab ich mich von ihr verabschiedet, sie hat geweint. ich hab sie gestreichelt und ihr alles verziehen, was sie je gemacht hat. SIE HAT GEWEINT! das heisst doch, dass da was ankommt! ebenso hatte sie die augen manchmal offen! aber die pupillen sind starr und klein, nur nach oben gerichtet. sie hat viel schlimmes getan aber ich kann sie doch nicht einfach umbringen lassen! Bitte schreibt mir irgendwas dazu, die magensonde ist schon weg, ich weiss nicht mal wie lang das dauert. ich kann einfach nicht mehr.

DocL
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Re: schwerer Herzinfarkt, hypoxischer Hirnschaden, Koma

Beitrag von DocL » 22.09.14, 10:58

Sehr geehrte Tilly82,
so wie sie die Untersuchungen der Ärzte vor Ort beschreiben, hat ihre Mutter einen schweren Sauerstoffmangel im Gehirn erlitten, der nicht mehr reparabel ist. Ihre Mutter wird nicht mehr richtig aus dem "Koma" aufwachen. Falls sie das Ereignis überhaupt überleben sollte, wird sie mit schwersten Gehirnschäden weiterleben müssen. Ein selbständiges Leben wird nicht mehr möglich sein. Sie schrieben auch in ihrem ersten Posting, dass ihre Mutter so eine Leben nicht gewollt hätte. Das ist eine klare Willensbekundung ihrer Mutter.
Lassen sie den Wunsch ihrer Mutter geschehen. Auch der gesetzlich festgelegte Betreuer muss den Willen ihrer Mutter respektieren, um diesen zu ermitteln wird er auch auf sie zukommen.
Das Tränenlaufen sieht man sehr häufig bei Patienten im Koma. Es ist gut möglich, dass es ein zufälliges Aufeinandertreffen ihrer Berührung/Sprache und dem unwillkürlichen Tränenlaufen ihrer Mutter war. Die evozierten Potentiale (das sind Reize) zeigen, dass Reize nicht im Grosshirn ihrer Mutter ankommen. Und das Großhirn ist das, was unser ich(denken, fühlen, abwägen,...) ausmacht. Der Hirnstamm dient nur zum Überleben (Atmung, Temperatur, und Puls Steuerung).
D.h. die Atmung funktioniert, aber ihre Mutter weiss nicht einmal, das sie atmet.
Eine Einstellung der medizinischen Maßnahmen ist keine Tötung!
Wenn es meine Angehörige wäre, würde ich entscheiden, dass erneute Komplikationen, wie Fieber, Atem oder Kreislaufstörungen nicht mehr behandelt werden sollen.

Mit freundlichen Grüßen
L.Zöller
FA für Anästhesie und Intensivmedizin

Bersi
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Re: schwerer Herzinfarkt, hypoxischer Hirnschaden, Koma

Beitrag von Bersi » 22.09.14, 22:04

Liebe Tilly,
meine Familie und ich waren mal in einer ähnlichen Situation. Es ging dabei um meine Schwester. Sie hatte zwar eine andere Vorgeschichte (Sepsis, Multiorganversagen, Herpesenzephalitis), aber auch wir mussten irgendwann eine Entscheidung treffen.
Wir haben uns dafür entschieden meine kleine Schwester in Frieden gehen zu lassen. Auch sie hatte eine so starke Hirnschädigung, dass sie dauerhaft im Koma geblieben wäre. Das wollten wir ihr ersparen...so hätte sie auch nicht leben wollen. Es war eine schwere Entscheidung und meine Schwester fehlt mir heute (nach 7 Jahren) noch immer....aber trotzdem bin ich davon überzeugt, dass die Entscheidung richtig war.
Ich wünsche dir ganz viel Kraft für die bevorstehende schwere Zeit

Lieben Gruß
Bersi

Muppet
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Re: schwerer Herzinfarkt, hypoxischer Hirnschaden, Koma

Beitrag von Muppet » 24.09.14, 11:43

Hallo Tilly,
Im Zusatz zu der Post von Herr L. Zöller:

Tränenlaufen - ist in diese Situation nicht gesteuert. Tränen laufen auch, weil Blinzeln nicht mehr häufig genug passiert (wenn überhaupt) und die Augen manchmal zu lang offen bleiben. Die Nerven funktionieren nicht mehr wie sie sollten.
Gähnen ist auch durchaus möglich - hat dann nichts mit Müdigkeit zu tun, es ist ein Urreflex um mehr Sauerstoff zu erhalten.
ebenso hatte sie die augen manchmal offen! aber die pupillen sind starr und klein, nur nach oben gerichtet.
Ist leider ein Zeichen, dass der oberen Hirnstammabschnitt beschädigt ist.
ich finde dass sie relativ schnell und flach geatmet hat. die augen gingen mal auf, mal zu, manchmal hat sich auch ihr atmen verändert und und wurde heftiger.

Nennt man Cheynes-Stokes-Atmung. Ursachen: schwere Herzschaden sowie Hirnstammschaden. Wechselt von schnell flache Atmung, Aussetzer und tiefe Atmung. Nimmt oft im Schlaf zu.

Die obigen Zeichen sowie die evozierten Potentialen - hören vermutlich am verlängertes Rückenmark (unteren Teil des Hirnstamms) auf - alles zusammen sind leider Anzeichen, dass der Hirnstamm wahrscheinlich ebenfalls einen Schaden abbekommen hat.
Was dann oft passiert: das Hirnstamm schaltet sich nach und nach ab. Alle medizinische Hilfe/Intervention der Welt kann dieses Prozess nicht aufhalten oder verlängern.

Sie erhält Morphium und hat definitiv keine bewusste Schmerzen.

Für dich: wenn du nicht im psychotherapeutische Behandlung bist, wäre zumindest eine vorübergehende Begleitung sehr sinnvoll. Das Tod der Mutter ist schon schwer, aber wenn andere Faktoren wie hier im Spiel sind, kann es besonders schwierig sein.

Alles Gute
Muppet

Tilly82
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Re: schwerer Herzinfarkt, hypoxischer Hirnschaden, Koma

Beitrag von Tilly82 » 28.09.14, 11:34

hallo,

vielen dank für die antworten, vor allem jetzt, im nachhinein, helfen diese noch einmal immens. meine mama ist diese woche, in der nacht von dienstag auf mittwoch, also am 24.9.2014, gestorben. ich war nicht bei ihr, ich war 500 km weit weg, aber ein paar tage vorher war ich ja bei ihr und hab mich verabschiedet. noch immer frage ich mich ein wenig, ob die entscheidung richtig war, aber nun hat sie es ja sowieso geschafft und alles grübeln bringt nichts mehr. ich danke dafür, dass es so ein forum gibt, in dem man als angehörige seine fragen stellen kann, und wenn sie schon tausend mal vorher gestellt wurden. vielen dank, dasmeine ich aus vollstem herzen.

marvy66
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Re: schwerer Herzinfarkt, hypoxischer Hirnschaden, Koma

Beitrag von marvy66 » 28.09.14, 13:28

Liebe Tilly82

es ist gut, dass Sie sich von Ihrer Mutter verabschiedet haben und sie gehen liesen.
Ein so schwerer Herzinfarkt wäre unbehandelt allein schon tödlich gewesen. Es gibt keinen Grund für Sie, sich Vorwürfe zu machen- Leider gaugelt uns die moderne Medizin manchmal vor, dass das Leben nicht endlich sei. Es ist aber endlich. Ihre Mutter hat es geschafft und Sie durften sie trotz der großen Entfernung nocheinmal sehen. Vielleicht können Sie dies in der nächsten Zeit als GEschenk sehen...
ich wünsche Ihnen für die Zeit des Trauerns viel Beistand und Trost!
Alles Gute für Sie

marvy66

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