Darminfarkt + Hirnstamminfarkt ? bitte um Hilfe!

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Petty
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Darminfarkt + Hirnstamminfarkt ? bitte um Hilfe!

Beitrag von Petty » 16.08.13, 22:46

Liebe Ärzte und Forumsteilnehmer,

es geht um meine Mutter , seit Sonntag 11.08.13 im künstlichen Koma.

Meine Mutter ist 80 Jahre und hat Diabetes Typ 2 , Bluthochdruck, Ateriosklerose.


Zur Vorgeschichte:

Meine Mutter wurde am 23.07 wegen Verdacht auf einen Schlaganfall ins Klinikum eingewiesen, Sie hatte leichte Bewegungsstörungen in beiden Füßen und einen leicht hängenden Mundwinkel.
Schlaganfall konnte im CT nicht nachgewiesen werden, trotzdem wurde meiner Mama´eine Früh- Reha angeraten zu der sie am 31.07 ging.

Nach wenigen Tagen in der Reha stellten sich starke Schmerzen ein die mit Valoron behandelt wurden.Nachts bekam meine Mutter Eunerpan 2x 25mg.

Meine Mutter konnte wegen der starken Schmerzen an der Therapie / Sportprogramm nicht mehr teilnehmen und sollte die Reha verlassen.
Am letzten Freitag rief die Ärztin der Rehalklinik bei uns an und wollte meine Mutter in ein psychiatrischen KH verlegen da sie angeblich aggressiv wäre und die Pfleger beschimpft.
Wir sollten sofort kommen ,was wir auch taten.
Wir hatten die Option sie mit nach Hause zu nehmen oder eben in dieses psychiatrische KH, wir nahmen meine Mutter mit nach Hause.

Sonntag- Mittag bekam meine Mutter starke Schmerzen im Bauch und wurde Aschfahl, sie konnte kaum stehen und hatte Kreislaufprobleme.
Der Notarzt kam und der RTW nahm sie mit ins hiesige KH.

Nach einigen Untersuchungen teilten uns die Ärzte mit das meine Mutter einen Darminfarkt hat und Not- operiert werden muß. Man versetzte meine Mutter ins künstl. Koma.

Die OP ergab das die linke Seite des Dickdarms schon abgestorben war, die rechte Seite aber noch 'rosig' ausssehe.
Man wollte abwarten bis Montag. Man teilte uns mit das meine Mutter das ganze wohl nicht überstehen würde.

Montag morgen wieder OP, auch die rechte Seite des Darms wurde entfernt und ein Stoma gelegt.
Dienstag wurden die Narkosemittel abgesetzt und meine Mutter sollte erwachen.

Jetzt ist Freitag und meine Mutter ist immer noch nicht aufgewacht, die Ärzte sagen das sie die OP wohl trotz schlechter Prognose gut überstanden hätte, die Entzündungswerte sind alle rückläufig.
Leider geht ihr Fieber ( heute bei 38.7) trotz gegebener Medikamente nicht runter. Gestern lag ihre Temp. bei 38.6 und vorgestern bei 37.9..Ihr Puls steigt bei ansteigender Temperatur, und fällt bei sinkender Temperatur.

Ihre Nierenwerte sind gut , ihre Blutgaswerte auch 35% und PEEP 5 , Sepsis laut Ärzen auch nicht.


Weil die Temp. nicht sinkt wurde heute ein Schädel CT gemacht. Die Ärztin teilte uns mit , das Schädigungen im Gehirn erkennbar sind und meine Mutter wohl zusätzlich noch einen Hirnstamminfarkt erlitten hätte bei dem das Temperaturzentrum
zerstört wurde, das sei wohl die Erklärung weshalb die Temperatur nicht sinkt und meine Mutter nicht so wirklich aufwacht.
Gestern hieß es noch lt. anderem Arzt das ein Schädel- CT wohl angedacht sei aber mangels Aussagekraft erst nächste Woche gemacht werden soll.


Sie will nun am Montag noch ein MRT veranlassen und ein Neurologe will sich das ganze ansehen.
Wir die Familie sollen dann entscheiden ob wir für meine Mutter ( im Sinne meine Mutter) eine Palliativ oder eine Maximal - Versorgung wünschen.

Ist es noch nicht zu früh eine solche Enscheidung zu treffen?


Wir sind verzweifelt und bitten um Ihre geschätze Meinung,


Mit Freundlichen Grüßen

Petty und Familie

Petty
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Re: Darminfarkt + Hirnstamminfarkt ? bitte um Hilfe!

Beitrag von Petty » 17.08.13, 22:24

Hallo @all,

wir waren heute wieder bei meiner Mama, ihre Werte sind die gleichen wie gestern. BD 130/ 50 und Puls um die 90 , Temp. 38.6 . Sie atmet selbständig mit einer kleinen Hilfe wie man uns sagte Cpap . 40% PEEP 5
Als ich heute ihre Hand nahm, hat sie sie zum ersten mal bewegt. :-) Die Augen hat sie leider noch nicht aufgemacht. :-(

Ich kitzelte sie am Fuß, sie bewegte den Fuß als wollte sie eine lästige Fliege verscheuchen. Sie bewegte beide Hände und zog leicht das Bein an, wir alle 3 konnten es deutlich sehen.
Ein gutes Zeichen? man erzählte uns das sie auch auf dem Tubus 'herumkaue' und bei der Mundreinigung das Gesicht verzieht.

Wie wir erfahren haben ist am Montag das MRT vor dessen Ergebnis wir riesige Angst haben, dabei soll festgestellt werden ob das Hirn meiner Mama irreversibel geschädigt ist und es für meine Mama keine Rettung/Hoffnung mehr gibt :-( und ob sie die Intensivstation verlassen muss um mit Luftröhrenschnitt und PEG- Sonde ins Pflegeheim geht. :'(, so wurde und das mitgeteilt.

Kann jemand der ' Hirntod' ist selbständig atmen und reagiert derjenige wenn man in kitzelt? Hat jemand mit einem Stammhirninfarkt Fieber?

Wenn jemand Antworten / Erfahrungen , Ratschläge hat, wäre ich dafür mehr als dankbar!

Grüße Petty

Muppet
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Re: Darminfarkt + Hirnstamminfarkt ? bitte um Hilfe!

Beitrag von Muppet » 18.08.13, 08:37

Hallo,
Fieber kann man immer haben.
Hirntod heißt eigentlich keinen Austausch von Information zwischen Hirnstamm und die Reste des Gehirns. Das heißt - kein Schmerzreiz, kein Reaktion auf Stimulus. Die/derjenige wird gar nicht wach.
Reagieren auf Kitzeln, heißt Stimulus von Außen wird wahrgenommen -> kein Hirntod.
Alles Gute
Muppet

Petty
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Re: Darminfarkt + Hirnstamminfarkt ? bitte um Hilfe!

Beitrag von Petty » 18.08.13, 19:32

Guten Abend,

erstmal vielen Dank für die Antwort !

Der Zustand meiner Mutter ist leider immer noch beunruhigend.Sie wird nicht wach, heute Tag 5 ohne Medikamente. Das Fieber ist gestiegen 39.2 der Puls 95 - 100 :( Ihr CRP ist bei 18 und Leukos 19

Wenn das Fieber durch einen Defekt im Stammhirn verursacht wird, kann es dann überhaupt noch sinken? der Arzt sagt das sie die OP gut überstanden hat und das sie keine andere Erklärung für das Fieber haben. :(

Traurige Grüße

Muppet
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Re: Darminfarkt + Hirnstamminfarkt ? bitte um Hilfe!

Beitrag von Muppet » 19.08.13, 09:15

Hallo,
naja, CRP und Leukos sind erhöht...

Stammhirnschaden zeignet sich aus durch:
Starre Pupillen (keine oder extrem träge Reaktion auf Licht), bzw. Pupillen sind fixiert (nur sehr klein/nur komplett erweitert je nachdem)
Oft Puls/Blutdruckprobleme (kann hoch und runter stürzen)
Lähmung (komplett oder gleiche Körperseite wie die Schaden, je nach Schwerergrad).
Oft kommt es zu eine Dysregulation des Hirndrucks - d.h. Puls/Blutdruck steigt, Hirndruck steigt ungebremst mit.
Keine Reaktion auf Stimulus/Schmerzen
Schnappatmung/unregelmäßigen Atmung kann einen Hinweis sein
EEG zeigt global nur kaum Aktivität an, weil der Kortex nicht aktiviert wird.
SSEP zeigt massive Pathologie an.

Nur Fieber der nicht erklärt werden kann, ist KEINEN Hinweis auf Hirnschaden!!! Man muss nur hier im Forum lesen, wie viel Leute unerklärbaren Fieber haben.

Ein MRT ist nur einen Hinweis,über was beschädigt ist, gibt aber kein Auskunft wie schwer der Schaden tatsachlich ist! Es ist möglich massive Defizite zu haben, aber MRT ist normal. Andersrum geht auch. MRT Katastrophal, aber verhältnismäßig wenig Defiziten. Ein MRT ist nur ein Bild. Kein Goldstandard der Diagnostik. Es ist auch nur so gut, wie derjenigen der es interpretiert (und das
sollte hier ein Neurologe sein). Die Fähigkeiten von MRT sind leider in Rahmen von neurologischen Erkrankungen weit überschätzt. Man kann vieles im Gehirn gar nicht darauf erkennen.


Man macht immer verschiedenen Tests - das kann nur ein Neurologe! Und man muss einige Tests machen und alle Ergebnisse zusammen betrachten. Erst dann weiß man ungefähr, was Sache ist.

Ich will Ihnen damit keine falsche Hoffnung einreden, aber hier scheint viel Wert auf nicht besonders aussagefähigen Mitteln gelegt zu werden.

Alles Gute
Muppet

Petty
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Re: Darminfarkt + Hirnstamminfarkt ? bitte um Hilfe!

Beitrag von Petty » 19.08.13, 22:14

Guten Abend! bzw. Guten Morgen!

Vielen Dank für diese ausführliche Antwort!


Heute wieder bei meiner Mutter , BD normal 114/60 HF 85 Blutgase weiterhin gut, Nieren auch. Temperatur heute 38.3
Sie ist immer noch nicht aufgewacht , allerdings hat sie sich erschreckt als ich sie ohne Ansprache berührte, ist sie deutlich zusammengezuckt. Sie ist weiterhin kitzlig und hat 2x die Zunge rausgestreckt.

Die Ärzte sprechen nicht mehr am Bett meiner Mutter über ihren Zustand denn sie sind jetzt der Meinung das meine Mutter deutliche Schädigungen am Hirn hätte und ein
sogenanntes locked - in Syndrom hätte aufgrund des heutigen MRT , also insgesamt eine schlechte Prognose.

Der Arzt empfiehlt deshalb meiner Mama aufgrund ihres Alters und Prognose keine Maximal - Therapie /Versorgung ,er sagte wir sollen uns überlegen ob wie ihr das 'antun' wollen und ihm im Laufe der nächsten Tage Bescheid sagen.

Sollten wir in Mama's Sinn eine Maximal Versorgung wünschen müssten sie den Bauch nochmal öffnen weil da noch Sekret rauskommen würde, keine Rede mehr davon das die Temperatur wegen dem Stammhirninfarkt nicht sinkt. Die Wunde meiner Mutter ist getackert mit so silbernen Nadeln, meinte der Arzt eine Bauchspülung damit? und warum machen sie das nicht gleich?
Wird meine Mutter dazu nochmal ins künstl. koma gelegt? Ich hoffe nicht.

Ich habe immer noch ein bisschen Hoffnung das sie einfach länger braucht zum aufwachen... achso, meine Mutter hat nichts von dem von ihnen beschriebenen Symptomen.

Starre Pupillen (keine oder extrem träge Reaktion auf Licht), bzw. Pupillen sind fixiert (nur sehr klein/nur komplett erweitert je nachdem) --- Nein, Pupillen bewegen sich und reagieren auf lichteinfall.

Oft Puls/Blutdruckprobleme (kann hoch und runter stürzen) - Nein, alles normal und so wie ich es von ihr kenne..

Lähmung (komplett oder gleiche Körperseite wie die Schaden, je nach Schwerergrad). sie hat das Bein angewinkelt, beide Hände bewegt, Zunge rausgestreckt, verzieht den Mund bei Mundreinigung und bewegt den fuß wenn man sie kitzelt. Ich weiß nicht ob man das mit locked- in - symdrom kann oder nicht kann.

Oft kommt es zu eine Dysregulation des Hirndrucks - d.h. Puls/Blutdruck steigt, Hirndruck steigt ungebremst mit. - konnte ich nicht feststellen,wenn wir da waren war Puls und BD normal
Keine Reaktion auf Stimulus/Schmerzen - eindeutig nein.

Schnappatmung/unregelmäßigen Atmung kann einen Hinweis sein - auch nein heute 35% peep 6 sie atmet ganz normal und ruhig


Ich danke ihnen wirklich von Herzen für ihre Mühe ,

Petty

Muppet
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Re: Darminfarkt + Hirnstamminfarkt ? bitte um Hilfe!

Beitrag von Muppet » 20.08.13, 05:46

Hallo,
hat ein(e) Neurolog(in) - am besten Oberarzt mit Erfahrung, Deiner Mutter untersucht? Wenn nicht, MUSS dies geschehen vor man einen Entscheidung trifft.
Ein EEG wäre auch sinnvoll, falls keine Beruhigungsmittel mehr gegeben wird.
Mit Locked in Syndrom (Thrombose Basilararterie meistens) kann man sich nicht bewegen - es geht dann nur zwinken, da einzige Funktion der uberhalb der Pons. Trifft hier nicht zu - wenn man die Zunge ausstrecken kann oder sich bewegen kann (schau, ob das auf Befehl geht) gibt es kein großen Ponsschaden. Schließt locked in Syndrom komplett aus. Das musste aber ein Arzt eigentlich wissen...
Alles Gute
Muppet

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Re: Darminfarkt + Hirnstamminfarkt ? bitte um Hilfe!

Beitrag von Petty » 20.08.13, 07:26

Moin,

Vielen Dank für die Information!

Uns wurde gesagt das sie einem Neurologen vorgestellt werden würde, wer sie letzendlich untersucht hat, wurde uns nicht gesagt.
Der Arzt der uns gestern die Diagnose mitgeteilt hat, verwies uns an die Oberärztin der ITS die nur Mittags anwesend sei.
Deshalb fahre ich nachher mal da hin und schau ob ich mit ihr sprechen kann.

Ich berichte weiter,ihnen und allen anderen die das lesen wünsche ich einen schönen Tag!

Grüße, Petty

Petty
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Re: Darminfarkt + Hirnstamminfarkt ? bitte um Hilfe!

Beitrag von Petty » 20.08.13, 20:50

Guten Abend,

da bin ich wieder mit neuen Informationen.

Wie angekündigt war ich heute Mittag in der Klinik und konnte dort mit der Oberärztin sprechen.
Sie erklärte mir das Krankheitsbild meiner Mutter nochmal und die schlechte Prognose.
Sie sagte das meine Mutter die OP wohl überleben würde, Körperlich, Sie aber eine schwere Schädigung im Stammhirn hätte.
Meine Mutter wird für immer ein schwerer Pflegefall bleiben und rechtseitig gelähmt sein / bleiben und sie wird nicht schlucken können.
Meine Mutter hat keine sichtbaren Zeichen einer Lähmung , auch ihr Gesicht sieht völlig normal aus.
Bewegungen habe ich ja auch schon feststellen können wie in meinen vorigen Posts erwähnt.

Die Neurologin empfiehlt eine Früh - Intensiv- Reha für meine Mutter, der ich zugestimmt habe.
Sie soll in den nächsten Tagen eine PEG- Sonde sowie eine Tracheotomie bekommen.

Ihr Zustand wäre dem Locked-In- Syndrom sehr ähnlich. Die Neurologin die meine Mutter untersucht hat ist Oberärztin , mit der ich anschließend auch sprechen konnte.
Sie bestätige mir die Diagnose, war aber der Meinung das die Schädigung im Stammhirns nicht so tief ist das man dadurch das Fieber erklären könnte.
Die Oberärztin der ITS ist der Meinung das das Fieber Cerebral bedingt ist weil die Entzündungswerte rückläufig sind (aber noch immer nicht im 'normalen ' Bereich)

An der Bauchwunde bzw. der Naht meiner Mutter sind 2 Nekrosen zu sehen die etwa 1.5 cm durchmesser haben. Man sagte mir das das schonmal vorkommen kann , aber nicht weiter schlimm wäre. :shock:
Chirugisch will man erstmal nichts weiter machen und zuwarten.
Für mich klingt das nicht Gesund, können Sie mir etwas dazu sagen?

Herz/Kreislauf Zustand meiner Mutter ist weiterhin stabil, sie atmet fast alleine , hat immer noch Temperatur heute von 39.5 Puls 99
Aufgewacht ist Sie leider immer noch nicht.
an Schmerzmitteln bekommt sie noch Novalgin. Antibiotika seit gestern nicht mehr.

Der Bauch und das Fieber bereitet mir im Moment die größte Sorge :( Ich hoffe meine kleine Mama hält das durch ..Was kann ich noch für meinen Mama tun?


Liebe Grüße, Petty

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