Tracheotomie bei Dysphagie

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Dona
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Tracheotomie bei Dysphagie

Beitrag von Dona » 03.10.10, 10:50

[size=12]Hallo!
Auf Grund eines Hypoxischen Hirnschadens habe ich seit acht Jahren eine Schluckstörung. In der letzten Zeit hat diese sich sehr stark verschlechtert, dass es häufig zu Aspirationen führt und man mich deshalb auch bis zu 30 mal pro Tag absaugen muss. Die letzte endoskopische Schluckuntersuchung hat ergeben, dass auf Grund der Aspiration von Flüssigkeiten und Götterspeise sowie von Speichel eine Tracheostomaanlage indiziert sei. In den letzten 3 Monaten hatte ich zudem vier Pneumonien. Was würde bei einer Tracheotomie auf mich zukommen? Da die Schluckstörung ja schon so lange besteht, wäre dann eine punktionstracheotomie oder ein chirurgisch angelegtes Tracheostoma das Mittel der ersten Wahl.
Liebe Grüße Dona
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Dr. A. Flaccus
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Beitrag von Dr. A. Flaccus » 03.10.10, 16:37

Guten Tag,

ich bin etwas verwundert darüber, daß Sie diese Frage im Internet stellen müssen.

Bei Ihrer Krankengeschichte haben Sie doch bestimmt einige behandelnde Ärzte, die Sie schon über einen längeren Zeitraum betreuen.

Hat Ihnen bisher niemand erklärt, was eine Tracheotomie bedeutet?
Hat man Ihnen keinen Aufklärungsbogen ausgehändigt, auf dem das Verfahren und auch die möglichen Folgen anhand von Skizzen und ausführlichen Texten erläutert werden?

Das Internet ist für eine Primäraufklärung der denkbar schlechsteste Platz. Sie sollten zuerst einmal mit Ihren Ärzten das Für und Wider der einzelnen Verfahren besprechen.

Wenn dann noch spezielle Fragen offen sind, helfen wir Ihnen hier gerne weiter. Eine grundsätzliche Aufklärung würde hier zu weit führen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. A. Flaccus
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Dona
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Beitrag von Dona » 03.10.10, 17:10

Sehr geehrte Dr Flaccus,

das Aufkläungsgespräch hatte ich bereits bei meinen Ärzten.

Ich selbst finde diesen Schritt sehr schwer zu entscheiden. Aber nachdem ich ein akutes Lungenversagen nach einer Pneumonie hatte sagt man zu mir, dass dies die einzige richtige Möglichkeit wäre. Ich jedoch bin immernoch im Zweifel.

Man hat mir geraten das Tracheostoma HNO-ärztlich anlegen zu lassen. Ist das dann nicht so, dass man dies nich auch wieder chirurgisch verschliesen muss?
Darauf konnte mir leider kein Arzt eine Antwort geben

Da man mir gesagt hat, dass auf Grund der Schluckstörung "nur" eine geblocktes Tracheostoma in Frage kommen würde, würde mich interessieren, ob ich damit dann trotzdem sprechen könnte.
Bei meinem letzten hieß es es sei zu tief gelegen, deshalb konnte ich nicht sprechen. Kann dies wirklich ein Grund sein?

Bei meinem letzten Tracheostoma bin ich bei einer Spastik hängen geblieben und man es am Monitor gemerkt hatte hat man keine weitere Kanüle legen können.
Jetzt ist nun zusätzlich das Problem, dass meine Sauerstpffwerte sehr schlecht sind.

Vielleicht könnten sie mir die drei oberen Fragen beantworten.
Im vorraus herzlichen Dank
Dona

Dr. A. Flaccus
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Beitrag von Dr. A. Flaccus » 03.10.10, 19:37

Hallo Dona,

da bei Ihnen mit einer dauerhaften Schluckstörung zu rechnen ist, scheint mir die Anlage eines permanenten Tracheostomas durch die HNO-Kollegen sinnvoll. Dieses müßte man dann aber in der Tat auch wieder chirurgisch verschließen.

Man kann mit einem Tracheostoma nur sprechen, wenn man die Blockung aufhebt. Die Luft muß ja irgendwie durch die Stimmbänder damit Töne und Sprache entstehen können.

Ob evtl. die Möglichkeit einer Sprechkanüle außerhalb der Mahlzeiten besteht, müssen Sie mit Ihren Ärzten vor Ort besprechen.

Aber der Wechsel von geblockter auf Sprechkanüle geht definitiv nur mit chirugisch angelegtem Tracheostoma. Eine Dillatation ist dafür nicht geeignet und da Sie ja auch schon einmal tracheotomiert waren, wird man mit diesem Verfahren ohnehin sehr zurückhaltend sein.

Ihr Fall ist sehr komplex - aus der Ferne kann man dazu wirklich nur sehr schwer Stellung nehmen. Ich rate Ihnen, ein umfassendes Gespräch mit Ihren behandelnden Ärzten zu führen. Die Kollegen kennen Ihre Krankengeschichte und können den Sachverhalt um einiges besser beurteilen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. A. Flaccus
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Beitrag von Dona » 03.10.10, 20:19

Sehr geehrter Dr Flaccus,

vielen Dank für ihre Antworten. Sie haben mir wirklich weitergeholfen.

Mit freundlichen Grüßen
Dona

frequenzkatastrophe
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Beitrag von frequenzkatastrophe » 05.10.10, 22:11

Ich muss Dr. Flaccus in einem Punkt leider/zum Glück widersprechen, es gibt mittlerweile Trachealkanülen, die eine Blockung haben aber dennoch auch Sprechkanülen sind. Bei der von mir beschriebenen Trachealkanüle wird die Seele (das Innenstück zum einschieben) gewechselt und sie ist praktisch 3 Trachealkanülen in einem:
1. einen ganz normale, blockbare Trachealkanüle mit der man essen kann, aber z.B. auch ein Beatmungsgerät anschließen kann.
2. eine blockbare Sprechkanüle mit Fensterung nach oben.
3. kann man die Kanüle "komplett verschließen, so das der Pat. über die Fensterung durch den normalen Luftweg atmen kann z.B. zum offenhalten des Tracheostomas, wenn man noch gelegentlich absaugen muss.
Jedes Ding ist Gift, allein die Dosis macht, das ein Ding kein Gift ist.

Dona
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Beitrag von Dona » 06.10.10, 12:45

Diese Information hört sich echt gut an und ist für mich unheimlich wichtig, denn ich wüßte nicht, was ich ohne sprechen machen sollte.

Auch dass sie "nur" zum Absaugen liegen bleiben kann ist eine gute Information. Bis jetzt habe ich ohne Kanüle schreckliche Probleme mit dem Absaugen!

Vielen Dank!

frequenzkatastrophe
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Beitrag von frequenzkatastrophe » 10.10.10, 09:29

Kein Problem, ich kann Ihre Sorgen gut nachvollziehen. Die Entwicklung derartiger Trach-Kanülen ist wirklich ne gute Sache, wir benutzen sie zwar erst kurz aber ich habe recht gute Erfahrungen damit gemacht. Vor allem bei Langzeitbeatmeten Patienten, die in der Entwöhnungsphase sind. Tagsüber nutze ich die Sprechkanüle, diese mache ich zum essen ggf. für ne 1/4 Std. zu in dem ich die Seele wechsel, das ist wenn man geübt ist ne Sache von unter 90sec. und zur Nacht kommen die Pat ggf. an das Beatmungsgerät um sich zu erholen. Das tolle daran ist das die Pat. die Möglichkeit zu sprechen nicht verlieren, sondern nur in speziellen Situationen diese Einschränkung hinnehmen müssen.
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Beitrag von Dona » 10.10.10, 10:16

Ich hätte dazu noch eine Frage und zwar, wie lange kann ein solches Tracheostoma liegen bleiben? Muss man das auch jede Woche wechseln?
Tut mir leid, dass ich so viele Fragen habe, aber die Entscheidung für oder gegen eine Tracheotomie ist nicht gerade leicht.

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