Sufentanil

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LisaL
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Sufentanil

Beitrag von LisaL » 22.06.18, 18:47

Guten Abend!

Nachdem ich jetzt die Kopie meiner Akte über meinen etwa 5-wöchigen ITS-Aufenhalt habe, bleiben viele Fragen offen. Eine Sache, die mich sehr beschäftigt, sind die Medikamentengaben während einer 27-stündigen Analgosedierung. Es wurden eine ÖGD, sowie eine Bronchoskopie mit BAL durchgeführt, danach eine etwa 20-stündige Wartezeit überbrückt, bis ein MRT frei wurde. Nach etwa 27 Stunden wurde ich extubiert, und erhielt Lorazepam, eventuell noch eine Epiduralanästhesie, es ist nur EDK vermerkt.

Neben den üblichen Narkosemitteln Norepinephrin, Propofol, Rocuronium und Fentanyl verabreichte man mir über den gesamten Zeitraum Sufentanil. Nun lese ich, dass das das stärkste zugelassene Schmerzmittel sei, und frage mich, was an den genannten Untersuchungen so schmerzhaft gewesen sein könnte, dass zu diesem Mittel gegriffen werden mußte? Ich kann es mir nicht erklären, aber vielleicht ist das Mittel gar nicht unüblich, und wird nicht nur gegen Schmerzen verabreicht.

Ich würde mich über eine Antwort sehr freuen, mir geht die Frage nicht mehr aus dem Sinn. Die involvierten Ärzte mochten mir bisher leider nicht antworten.

Grüße,
Lisa L.

jaeckel
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Re: Sufentanil

Beitrag von jaeckel » 24.06.18, 10:45

Hallo LisaL,

Sufentanil ist eine Strukturvariante des Wirkstoffs Fentanyl. Die intravöse Analagsedierung mit Sufentanil + Propofol ist auf vielen Intensivstationen der übliche Standard.
Alles Gute!

Herzlichen Gruss
Ihr

Dr. med. Achim Jäckel
Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie und Nephrologie
Intensivmedizin, Notfallmedizin, Hypertensiologe (DHL)

LisaL
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Re: Sufentanil

Beitrag von LisaL » 29.06.18, 10:52

Danke Dr. Jaeckel!

Ich dachte schon, man hätte schmerzhafte Eingriffe an mir vorgenommen, von denen ich noch nichts weiß. Aber wenn das Medikament üblicherweise auch für schmerzlose Untersuchungen eingesetzt wird, bin ich ja beruhigt.

Mit freundlichen Grüßen
Lisa L

LisaL
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Re: Sufentanil

Beitrag von LisaL » 08.07.18, 08:02

Guten Morgen,

ich erlaube mir mal noch eine Frage.

Im Protokoll ist von Katecholaminen, unter denen der Kreislauf stabil sei, sowie von Vasoaktiven Substanzen die Rede. Google wirft hierzu "Reanimation" aus.
Gibt es auch hierfür harmlosere Indikationen?

Eine Wiederbelebung würde mir persönlich die Langzeitsedierung schlüssiger erscheinen lassen als "Warten auf ein MRT". Eventuell sind hierdurch auch die sehr starken Schmerzen im Thorax nach dem Aufwachen erklärbar?

Über eine Antwort würde ich mich sehr freuen.

Viele Grüße
Lisa L.

jaeckel
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Re: Sufentanil

Beitrag von jaeckel » 08.07.18, 08:28

Hallo LisaL,

viele Intensivpatienten haben aus den verschiedensten Gründen einen zu niedrigen Blutdruck, der für die Sauerstoffversorgung der Organe nicht förderlich ist. Neben der Volumentherapie (Flüssigkeitszufuhr) werden daher auch oftmals Katecholamine (= vasoaktive Substanzen) verabreicht.
Alles Gute!

Herzlichen Gruss
Ihr

Dr. med. Achim Jäckel
Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie und Nephrologie
Intensivmedizin, Notfallmedizin, Hypertensiologe (DHL)

LisaL
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Re: Sufentanil

Beitrag von LisaL » 13.07.18, 11:13

Hallo Dr. Jaeckel,

danke, dass Sie mir geantwortet haben. Eigentlich wäre es wohl die Aufgabe der involvierten Ärzte, mich darüber aufzuklären, was man alles mit mir gemacht hat. Dass man dazu nicht bereit ist, schürt natürlich mein Mißtrauen, anscheinend gibt es einiges, was ich nicht wissen soll.

Das kann wahrscheinlich niemand aufklären, der nicht dabei war. Die Akte gibt leider auch nicht viel her, ist trotz rd. 650 Seiten Copra sehr unvollständig. Nach etwa 4 Wochen ITS konnte man endlich "vereinzelt Klebsiella Pneumonae" nachweisen, worauf ich als Grund für den langen Aufenthalt eine schwere Lungenentzündung mitgeteilt bekam, und auf die Neurologie verlegt wurde.

Ansonsten konnte man durch zahlreiche Prozeduren, die aber nur teilweise dokumentiert sind, schwerwiegende Erkrankungen "unwahrscheinlich machen", wie es heißt.

Was mich noch interessieren würde, ist ob man bei mehr als 40 -teilweise kontraindizierten- Medikamenten bei einer seltenen Muskelkrankheit noch den Überblick über Neben- und Wechselwirkungen haben kann? Zwar wurde nicht alles gleichzeitig verabreicht, aber ich kann es mir nicht vorstellen, obwohl der OA es so behauptet hat.

Im normalen Leben habe ich nur L-Thyroxin und selten mal Paracetamol eingenommen, inzwischen brauche ich wieder Pyridostigmin wegen der Myasthenie.

Grüße,
Lisa L

P.S.: Was ist Ely+KCI? Kann es leider nicht finden.

Anästhesieschwester
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Re: Sufentanil

Beitrag von Anästhesieschwester » 02.09.18, 12:12

Hallo,

Ely = Elektrolyte (Natrium, Kalium, Calcium, Chlorid)
KCl = Kaliumchlorid


Zu den offenbar kontraindizierten Medikamenten: In der Situation einer Intensivtherapie relativieren sich manchmal Kontraindikationen für bestimmte Medikamente. Das Behandlungsteam muss das aber steuern und entsprechende Nebenwirkungen wissen, erkennen und behandeln können (ggf. eben mit weiteren Medikamenten). Beispiel: Atropin ist beim grünen Star kontraindiziert. Heißt nur, es sollte vermieden werden, wenn es andere Möglichkeiten gibt. Im Falle einer stark kreislaufwirksamen Verlangsamung des Herzschlags würde man es aber trotzdem spritzen, in dem Wissen, dass man den Patieten auf Anzeichen eines stark erhöhten Augendrucks beobachten / ihn für die Symptome sensibilisieren muss.
Ohne also zu wissen, was wann in welcher Situation bei Ihnen verabreicht wurde, ist eine konkrete Stellungnahme wirklich schwierig. Wie Sie schon schrieben, eigentlich wären die behandelnden Ärzte in der Pflicht, aufzuklären.

Gruß
Die Anästhesieschwester

LisaL
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Re: Sufentanil

Beitrag von LisaL » 05.09.18, 05:45

Hallo Anästhesieschwester,

danke für die Antwort. Ich weiß was Sie meinen, habe auch schon in die Richtung überlegt. Ich hatte selten leicht erhöhte Temperatur, eventuell habe ich deswegen täglich (auch im künstlichen Koma) 3 gr Paracetamol bekommen. Ich finde das sehr viel, und Schmerzmittel hatte ich eigentlich genug mit Tilidin und Morphium. Nach Nebenwirkungen hat leider niemand gefragt.

Bei den Antibiotika verstehe ich nicht, dass ausgerechnet beide unverträglich sein mußten, es war ja nicht bekannt worunter ich leide, und hätte sicher Alternativen gegeben. Damit habe ich neben Atemschwierigkeiten, Übelkeit und Schwäche den Durchfall in Verbindung gebracht, aber davon wollte man nichts wissen. Im Arztbrief steht, dass der Durchfall von Pyridostigmin herrührt, das kann ich z.B. sicher ausschließen. Ich hatte weder vorher noch nachher selbst bei vielfacher Dosierung nie diese Nebenwirkung.

Den Einsatz von Melperon verstehe ich überhaupt nicht, es wurde mir auf Nachfrage als leichtes Schlafmittel "verkauft", obwohl ich keine Schlafstörungen (und auch keine Psychose) hatte. Nach 2 mg Morphium i.v. bin ich regelmäßig eingeschlafen. Wenigstens konnte ich eine Infusion mit Metamizol noch verhindern. Ich hatte angegeben, dass es in der Vergangenheit hierunter zu einem schweren Schock gekommen war, diese Unverträglichkeit ist auch auf jeder Seite vermerkt. Trotzdem kam ein jungscher Arzt in mein Zimmer und verkündete freudestrahlend, er habe nachgelesen, dass man das bei Myasthenie geben dürfe...

Der Akte nach scheint alles ziemlich unkoordiniert abgelaufen zu sein, lag vielleicht auch an Weihnachten/Silvester.


Grüße, Lisa L.

Anästhesieschwester
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Re: Sufentanil

Beitrag von Anästhesieschwester » 05.09.18, 19:47

Hallo LisaL,

jetzt habe ich eine Frage :wink: Sie schrieben, dass Sie das Pyridostigmin als Ursache für den Durchfall sicher ausschließen können. Darf ich fragen, warum? Pyridostigmin und ähnliche Wirkstoffe werden in KOmbination mit dem Antibiotikum Erythromycin in der Intensivmedizin regelmäßig zum Anregen der Darmtätigkeit genutzt und das kann äußerst heftig wirken. Wenn Sie also auch Erythromycin bekommen haben, könnte das vielleicht den Durchfall erklären.

Gruß
Die Anästhesieschwester

LisaL
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Re: Sufentanil

Beitrag von LisaL » 06.09.18, 07:50

Guten Morgen, Anästhesieschwester!

Pyridostigmin hemmt die Acetylcholinesterase und bewirkt dadurch eine bessere Reizübertragung bei Myasthenia Gravis. Es macht den Botenstoff quasi haltbarer, sodass mehr Acetylcholin vorhanden ist, was an den schadhaften oder zu wenigen Rezeptoren andocken kann. Die Muskeln funktionieren dann etwas besser. Ich nehme an, es hierfür bekommen zu haben.

Es gab Zeiten, in denen ich täglich 600 mg eingenommen habe und das keine Auswirkungen auf die Darmtätigkeit hatte. Also in dieser Hinsicht hatte ich Glück von der häufigen Nebenwirkung verschont geblieben zu sein. In der Klinik bekam ich nur 90 mg täglich, und wegen der massiven Durchfälle zusätzlich Loperamid. Also Anregung der Darmtätigkeit war nicht notwendig. :wink:

Als Antibiotika hatte ich etwa 5 Wochen Clindamycin und Ampicillin/Sulbactam i.v. jeweils wohl die Höchstdosis, für 2 Tage wurde die Behandlung unterbrochen (wegen Mibi-Runde?). Die Durchfälle bestanden etwa 7 Monate, haben sich nun (nach Probiotikum?) zum Glück gebessert. Jetzt nehme ich 180 mg Pyridostigmin täglich und habe darunter wieder eine relativ normale Darmtätigkeit.

Deswegen sehe ich den Zusammenhang Pyridostigmin=Durchfall bei mir nicht. Wenn überhaupt nur in Verbindung mit Antibiotika, aber da ich seit mehr als 15 Jahren kein AB gebraucht habe, habe ich mit diesem "Mix" keine Erfahrung.

Liebe Grüße, Lisa

Anästhesieschwester
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Re: Sufentanil

Beitrag von Anästhesieschwester » 06.09.18, 13:31

Hallo,

Ja, also dann ist das auch keine Erklärung..




Gruß
Die Anästhesieschwester

LisaL
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Apache 2-Score

Beitrag von LisaL » 28.01.19, 10:14

Hallo,

ich wüsste gerne etwas genauer, was der Apache 2-Score aussagt. In den Wochen auf der ITS lag er üblicherweise bei 10-14, am Tag der Lungenbiopsie und während der 27-stündigen Analgosedierung stieg er auf 34. Wird der Wert vor, während oder nach einem Eingriff berechnet?

Bedeutet die Todesrate von 75%, dass akute Lebensgefahr bestand?

Grüße, Lisa

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