Ich brauche dringend Rat

Moderator: DMF-Team

Antworten
miss. understood
Topicstarter
Interessierter
Beiträge: 6
Registriert: 05.12.08, 14:22

Ich brauche dringend Rat

Beitrag von miss. understood »

Hallo,

vor ein paar Tagen hat sich eine sehr sehr gute Freundin mir anvertraut, weil sie sehr verzweifelt ist und nicht mehr weiter weiss.

Ich versuche mich so gut es geht an die Beitragsfragen zu halten.
Sie ist recht klein ca 1,60 und hatte schon immer Probleme sich in ihrem Körper wohl zu fühlen. Vor 5 Jahren hat sie durch sehr viel Disziplin um 25kg reduziert. Zu dem Zeitpunkt wurde sie beruflich extrem gefordert und um allem Druck stand zu halten, wie sie sagte, und nicht doch wieder zuzunehmen fing sie an ein Medikament zu nehmen, dass es hier in Deutschland nicht frei verkäuflich gibt. Das war vor drei Jahren, und sie hat es wohl die ganzen 3 Jahre hinweg durchgehend genommen. Sie wog zuletzt 45kg und nun nach einem gescheiterten Versuch das abzusetzten hat sie mir erzählt wie sie sich fühlt. Sie lag in der Zeit nur im Bett, offiziell mit einer Grippe, war schlapp, mochte sich nicht im Spiegel anschauen und hat eig nur geheult.


Rauchen Sie? Sie raucht nicht.


Welche Medikamente nehmen Sie? Bitte nur Wirkstoffe nicht Handelsnamen (siehe auch Hinweis unten)! es handelt sich wohl um Sibutramin und Coffein in großen Mengen, wenn ich das so überschaue nimmt sie das Mittel wohl so als Pille und auch durch die Nase (wenn ich das richtig verstanden habe?!?!), sie trinkt viel Kaffee und sonstige Koffeingetränke und Coffeintabletten kenne ich auch nur durch sie. Zudem kommt hier und da auch noch gerne Alkohol.



Waren Sie schon bei einem Arzt? Sie hat Angst davor, ausgelacht oder angezeigt zu werden.

Welche Frage(n) haben Sie an die DMF-Forengemeinde? Ich bin ihre Freundin und habe, nachdem ich mich nach Nebenwirkungen erkundigt habe, Angst um sie. Aber ich musste ihr versprechen weder ihrem Freund noch sonst wem was zu sagen. Kann es sein dass sie einfach irgendwann umfällt und tot ist? Was ist in dem Fall gefährlicher, der Gewichtsverlust oder das Medikament? Wie wird es schlimmstenfalls enden? Was kann ich als Freundin tun? Ich kann als Medizinlaie das alles nicht einschätzen und möchte nicht, dass was passiert was hätte verhindert werden können. Ich möchte ihr so sehr helfen, aber als sie mir das alles erzählte war ich genau so ratlos. Aber ich kann ihr doch unmöglich zustimmen, dass das alles keinen Sinn mehr hat? Wie kann ich ihr da raushelfen?

Ich bin für jede Antwort dankbar1

Weinträubchen
DMF-Mitglied
DMF-Mitglied
Beiträge: 232
Registriert: 13.07.08, 19:56
Wohnort: Neuss

Beitrag von Weinträubchen »

Hallo,

ich bin zwar kein Arzt, aber mir scheint, hier brennt die Luft - wie man so schön sagt. So, wie Sie es beschreiben, braucht Ihre Freundin ganz dringend Hilfe; ärztliche Hilfe, und zwar schnell. Vielleicht ist es eine Möglichkeit, ins Krankenhaus zu fahren, wenn nötig sofort in die Notaufnahme - Angst hin oder her. Wie gesagt, ich bin selber nur Laie, kann auch Ihre Fragen nicht beantworten, aber es hört sich nach einem Notfall an, der ganz schneller Hilfe bedarf - da sollte alles andere ersteinmal hintenan stehen.

Und so, wie es sich anhört, sollte nicht nur der Körper behandelt werden, sondern auch die Seele... Und hier weiß ich tatsächlich, wovon ich rede. Ich bin selber in therapeutischer Behandlung, und rate auch Ihrer Freundin dazu. Bestimmt kann man Ihnen bzw. ihr bereits im Krankenhaus weiterhelfen. Aber Ihre Freundin sollte ehrlich sein, damit die Ärzte ihr auch weiterhelfen können.

Ich wünsche Ihnen, aber auch ganz besonders Ihrer Freundin ganz viel Mut und Kraft.

Liebe Grüße
Barbara

Barca
DMF-Mitglied
DMF-Mitglied
Beiträge: 1114
Registriert: 24.05.08, 20:16

Beitrag von Barca »

Hallo miss.understood,
Ihre Freundin hat ein Problem und zwar ein sehr ernstes.
Ich frage jetzt nicht, woher sie das Medikament bezieht, aber selbst bei Menschen, die stark übergewichtig sind, wird es nur unter strengster Indikationsstellung verschrieben, die Behandlung mit diesem Wirkstoff ist äußerst umstritten.
Ich sehe hier eine akute Lebensgefahr für Ihre Freundin, wenn sie das Medikament weiter zu sich nimmt, alleine ihr derzeitiges Gewicht würde eine Krankenhauseinweisung vollkommen rechtfertigen.
Ihre Freundin hat sich Ihnen anvertraut, weil sie erkannt hat, dass das Medikament sie kaputt macht. Sie hat versucht es abzusetzen, es hat nicht geklappt. Sie hat scheinbar den Willen, etwas gegen ihre Situation zu unternehmen.
Reden Sie mit ihr, ich sehe hier akuten Handlungsbedarf, Ihre Freundin braucht meiner Meinung nach umgehend ärztliche und psychologische Hilfe.

Sprechen Sie Ihre Freundin auf die Möglichkeit an, sich im Krankenhaus untersuchen und beraten zu lassen, bieten Sie ihr auch an, sie zu begleiten, wenn sie das möchte. Jetzt, wo sie selbst an dem Punkt ist, wo sie sich jemandem anvertraut, sollte man dies auch unbedingt nutzen, um ihr zu helfen.

Ich hoffe, dass sich das alles zum Positiven entwickeln wird und wünsche Ihnen und Ihrer Freundin viel Kraft und alles Gute für die Zukunft.
Once in a lifetime means there's no second chance ...

Informationen aus dem Internet dienen generell nur der ersten Orientierung, sind persönliche Meinungsäußerungen und können einen Arztbesuch nicht ersetzen.

miss. understood
Topicstarter
Interessierter
Beiträge: 6
Registriert: 05.12.08, 14:22

Beitrag von miss. understood »

vielen, vielen dank, weinträubchen und barca,
die rückmeldung gibt mir die sicherheit, dass ich nicht übertreibe!!!

Ich habe sie noch mal darauf angesprochen, vorsichtig natürlich, und sie wirkte sehr kapitulierend, weil sie wortwörtlich sagt und zugibt, dass sie es bereut jeh dieses medikament genommen zu haben und es eigentlich aus tiefster seele hasst. Aber sie sieht kein "danach" und somit auch keinen sinn was zu ändern.

Die risiken, die ich nachgeschlagen habe, haben sie nicht beeindruckt. Ich fühle mich so hilflos, weil ich denke, sie hat einfach so mit allem abgeschlossen. Quasi ein roulette. Ihre vorstellung sind, dass sie, wenn es mal soweit sein sollte, einfach einschläft und nicht mehr aufwacht...na wie angenehm. Eigentlich sind wir wie schwestern aufgewachsen und es war immer eine innige freundschaft, ich bin erstaunt, nein erschrocken wie sehr soetwas auch die seele eines menschen verändern kann.
Und plötzlich, mitten im gespräch, war sie wie verändert, wie auf 60WATT und fing einen großputz an...!!!


Ich kann echt nur hoffen dabei zu sein, wenn sie mal keine kraft mehr hat. Und ich hoffe dass ich dann nicht alleine mit ihr bin, weil ich glaube, dass ich nicht einschätzen kann wann es wirklich schlimm ist, sie hat die überzeugungskraft dass alles ok ist und sie alles regeln kann. Es wäre wirklich eine kunst einem arzt oder wem anders glaubwürdig rüberzubringen was wirklich los ist.

Wie würde ein artz reagieren, wenn man ihm diesen sachverhalt erklärt?
Kann mir das jemand sagen?

vielen dank euch allen!




ps: @barca: ich wollte wissen wo sie das zeug genau herbekommt und das hat sie mir nicht verraten, es ist ihr tatsächlich wie heilig!

Renate02
DMF-Mitglied
DMF-Mitglied
Beiträge: 1472
Registriert: 28.04.08, 13:13

Beitrag von Renate02 »

Ich kenne den Wirkstoff nicht. Macht er abhängig? Das klingt für mich alles nach Symptomen einer Sucht...

Insofern würde ein Arzt wahrscheinlich genauso reagieren, wie bei jeder anderen Sucht auch...? Vielleicht kann dann auch eine Drogenberatungsstelle hilfreiche Tipps geben?

Das klingt hart, ich weiß, aber bevor Deine Freundin vollends vor die Hunde geht...

Ich glaube Dir, dass es weh tut, sie so zu sehen und ich wünsche Euch beiden viel Kraft - Dir die Kraft, ihr zu helfen und ihr die Kraft, sich helfen zu lassen.

Weinträubchen
DMF-Mitglied
DMF-Mitglied
Beiträge: 232
Registriert: 13.07.08, 19:56
Wohnort: Neuss

Beitrag von Weinträubchen »

Guten Morgen,

mir lässt das Thema keine Ruhe.
Ich drücke es jetzt mal ganz hart aus: Ist Ihrer Freundin klar, dass sie sterben kann, wenn sie sich nicht helfen lässt? Ja, wahrscheinlich. Sie ist zwar aus tiefster Seele verzweifelt, aber resigniert genug, um einfach einschlafen zu wollen.

Gibt es vielleicht einen Hausarzt, der zu ihr nach Hause kommen würde?
Vielleicht könnten Sie ihr sagen, dass sie zu ihr stehen, egal was passiert, dass es einfach...Ich frage mich, wie man sein Leben einfach wegwerfen kann... Es gibt nur dieses Eine, eine zweite Chance gibt es nicht... Wieviele Menschen würden gerne leben und dürfen nicht...

Ihre Freundin muss einsehen, dass es Hilfe gibt - es gibt einen Weg daraus. :!:
Mag sie vielleicht selber hier schreiben?
Es fällt mir schwer, hier zu sitzen und nicht helfen zu können. Wie muss es Ihnen da erst gehen, da Sie ihre Freundin so gut kennen?

Ich wünsche Ihnen von Herzen ganz viel Kraft.
Barbara

miss. understood
Topicstarter
Interessierter
Beiträge: 6
Registriert: 05.12.08, 14:22

Beitrag von miss. understood »

@renate02 ich kannte den Wirkstoff bisher nur aus dem fernsehen. er ist ja nicht nur in deutschland nicht verkäuflich sondern sogar illegal. eine syntetische-chemische substanz, laut googel

@weinträubchen ich denke sie versucht verzweifelt sich aus dem unwohl fühlen, in ihrem körper und mit ihrem körper, heraus zu winden. das ist ein wahrer teufelskreis, weil wenn sie den schritt je wagen würde, ist es natürlich so, dass sie zunehmen wird. das hat sie ja auch in der zeit, in der sie versuchte alles abzusetzen.
nicht dass es nicht das nicht befürworten würde, aber ich denke es wäre schon ein wunder, wenn sie sich das eingestehen würde. nichts macht sie stolzer, als die vielen kilos, die sie mit viel disziplin verloren hat. sie war als kind schon keine von den dünnen mädchen und das hat ihr damals schon zugesetzt.

sie hatte es ja eigentlich auch so perfekt geschafft, aber aus angst bei ihrer neuen arbeit nicht genug pep zu haben hat sie dann mit diesem mittel für sich eine lösung gesehen.

ich versuche mich immer in sie reinzuversetzen und die idee einen hausarzt zu ihr zu bestellen fand ich gut. aber davon abgesehen, das sie dem den gesundesten menschen auf der welt vorspielen wird, wird der hausarzt ihr nichts neues erzählen können, glaube ich.

sie sieht irgendwie nur ihre chance jetzt "hübsch", "zufrieden", "perfekt" und auch dünn zu sein und nur die chance will sie nutzen. sie scheint sehr geprägt zu sein, mehr als ich immer glaubte. so verletzt, dass eine hose mit größe 164 einen ganzen tag bestimmen kann...

ich muss mich für die vielen mitfühlenden worte bedanken, sie helfen zwar nicht, aber tun gut! ich fühle mich wirklich hilflos und kann nur daneben stehen. ich kann nichts einschätzen, weder physisch noch psychisch, ich weiß nicht wie stark ein körper sein kann und wie und wie lang sich so ein krankheitsprozess hin ziehen kann. als ob ich es ticken höre, aber keine uhr finden kann.

Barca
DMF-Mitglied
DMF-Mitglied
Beiträge: 1114
Registriert: 24.05.08, 20:16

Beitrag von Barca »

Hallo,
die Einstellung Ihrer Freundin ("ich weiß nicht was das bringen soll") ist sicherlich erschreckend und ein Zeichen, das ein mulmiges Gefühl bei allen Beteiligten hervorrufen sollte, aber es ist gleichzeitig meiner Meinung nach auch ein Ansatz sie zum Arzt zu bekommen, indem man ihr klar macht, dass es einen Versuch wert ist, schlechter werden kann es ja nicht.
Fakt ist: sie ist eindeutig untergewichtig, das Medikament scheint ihr auch den Lebensmut zu nehmen, es wird ihr noch schlechter gehen, wenn sie weiterhin diese Tabletten nimmt.
miss. understood hat geschrieben:Wie würde ein artz reagieren, wenn man ihm diesen sachverhalt erklärt?
Wie sollen wir reagieren? Wenn mir eine Patientin soetwas von ihrer Freundin erzählen würde, dann würde ich mir das anhören, würde versuchen, ihr die Last von den Schultern zu nehmen (sie hat keine Verantwortung für einen anderen erwachsenen Menschen), und würde ihr anbieten, dass sie gerne mit ihrer Freundin einmal zu mir kommen könnte. Ohne Willen und Mitwirkung des Patienten kann man aber wenig tun, wenn der Patient keine Einsicht hat, dann ist man relativ hilflos und kann fast nur reden und beraten, weitere Hilfen oder auch Maßnahmen muss man im Einzelfall überlegen.
Renate02 hat geschrieben:Ich kenne den Wirkstoff nicht. Macht er abhängig? Das klingt für mich alles nach Symptomen einer Sucht...
Nur bedingt. Dieser Wirkstoff wird als sogenannter Appetitzügler eingesetzt, er wirkt direkt im Gehirn unter anderem auf die sog. Neurotransmitter, in Deutschland ist er verschreibungspflichtig und es gibt ihn nur von einer einzigen Firma.
Die Anwendung ist jedoch stark umstritten, da die Nebenwirkungen (Blutdrucksteigerung, Beschleunigung des Herzschlages, Schmerzen, Schwindel, Schwitzen, Verstopfungen, Missempfindungen, Angstgefühle, Flush, etc.) im Vergleich zum Nutzen unverhältnismäßig erscheinen, auch wenn man augenscheinlich "wunderbar abnimmt", der Effekt des geminderten Appetits lässt aber mit der Zeit nach.
Bei uns in den USA wurden mehrere Verdachtsmomente auf Todesfälle in Zusammenhang mit diesem Wirkstoff gemeldet, aber man konnte die Todesfälle leider nie in einen kausalen Zusammenhang mit der EInnahme von Sibutramin bringen.
miss. understood hat geschrieben:ich wollte wissen wo sie das zeug genau herbekommt und das hat sie mir nicht verraten
Ich hatte auch keine Antwort darauf erwartet. Ich habe das heute mal im Pausenraum angesprochen, der Wirkstoff ist im Internet leider sehr leicht zu erwerben, es gibt ihn auch von einer ausländischen Firma, dort ist er aber um ein Vielfaches höher konzentriert, als im deutschen Produkt und somit um ein Vielfaches gefährlicher.

Versuchen Sie, Ihre Freundin zu einem Arztbesuch zu ermutigen, ein Hausbesuch, wie Weinträubchen ihn angeregt hat, ist genauso okay, Ihre Freundin hat indirekt um Hilfe gebeten, ich denke, sie würde das Angebot auch annehmen. Außerdem kann dann auch direkt jemand vor Ort sehen, wie schlimm es wirklich ist, und welche Maßnahmen Sinn machen bzw. was unbedingt zu tun ist. Allerdings setzt das voraus, dass sie damit einverstanden ist, Sie können ihr die Hilfe nicht aufzwingen.
Ich denke, eine stationäre Behandlung ist am hilfreichsten und der Arzt vor Ort würde diese sicherlich auch anregen, alleine schon, um das Gewicht wieder anzuheben, etwaige Entzugserscheinungen müssten dann nebenbei behandelt werden, eine psychologische Mitbetreuung ist denke ich mehr als notwendig.
Auch wenn Sie eine Schlüsselposition einnnehmen und derzeit die Person sind, die Ihrer Freundin zu Hilfe verhelfen kann, halten Sie sich bitte immer eines vor Augen: Ihre Freundin ist erwachsen und ist für ihr Leben selbst verantwortlich. Sie können Ihr nur versuchen zu helfen, wenn sie diese Hilfe ablehnt, dann dürfen Sie sich auf keinen Fall die Schuld für irgendetwas geben, das würde Sie selbst kaputtmachen.

Bieten Sie ihr einen Arzttermin an, bieten Sie ihr einen Hausbesuch an, bieten Sie ihr an, Sie zum Arzt zu begleiten, wenn ihr das leichter fällt, aber übernehmen Sie sich selbst bitte nicht, ich weiß selbst, wie leicht man vom Helfer zum Opfer werden kann. Gerade jetzt, wo sie so eingeknickt ist, kann man ihr ja sagen, dass es keinen Hinderungsgrund für einen Arztbesuch gibt, wenn sie ihrer Meinung nach eh nichts zu verlieren hat. Wenn sie den Arzt so massiv ablehnt, dann ist sie vielleicht zu einer Beratung in einer Beratungsstelle bereit, wo man ihr so Mutmachen kann, dass sie danach zum Arzt geht.

Eine ärztliche und psychologische Behandlung ist nachwievor ungemein wichtig für Ihre Freundin, sie begibt sich in ernste Lebensgefahr, aber sie muss die Hilfe auch zulassen, wenn sie das absolut nicht will, dann kann man nur noch wenig tun.
Once in a lifetime means there's no second chance ...

Informationen aus dem Internet dienen generell nur der ersten Orientierung, sind persönliche Meinungsäußerungen und können einen Arztbesuch nicht ersetzen.

miss. understood
Topicstarter
Interessierter
Beiträge: 6
Registriert: 05.12.08, 14:22

Beitrag von miss. understood »

guten abend barca,

vielen dank für dir klaren worte und die aufrüttelnde meinung!
es ist natürlich wahr, dass sie erwachsen ist und es ist gut daran erinnert zu werden. sie haben recht, das darf ich nicht vergessen!

allerdings frage ich mich(ohne ihre kompetenz in frage stellen zu wollen!!!) wie kann etwas so gefährlich sein, aber ohne große probleme drei jahre lang eingenommen werden? als ich danach gegoogelt habe hörte sich das alles so an, als ob man nach der einnahme sofort einen herzinfarkt bekommt. ich hatte es als giftig eingestuft. aber ich habe sie in der ganzen akuten zeit ein einziges mal "schwächeln" sehen. ich formulier es mal so, weil sie immer sehr gefasst und stark wirkt. immerhin schafft sie es rein körperlich einen kompletten haushalt zu schmeißen, ihr freund ahnt noch nicht mal den ansatz einer katastrophe, sie wirkt immer fit und aktiv, wo nimmt sie die kraft her?

habe ich das richtig verstanden? die nebenwirkungen sind teil der eskalation? ihr unwohlsein wird also eigentlich durch das medikament geschürt, obwohl es ihr mit dem medikament subjektiv besser geht?
wie kann man so etwas nehmen und noch zusätzlich am tag kaffee trinken?
ich merke gerade, dass es ja schon an ein wunder grenzt, dass meine freundin überhaupt heute noch am leben ist...

ich habe das gefühl, dass sie wie in zwei-geteilt ist, sie beantwortet mir viele frage dazu(zwar nicht alle, aber genug für jmd in ihrer situation) und hat sich mir anvertraut, also der wille ist da, andererseits kann und will sie dass, woran es liegt nicht ändern. sie hat pure angst zuzunehmen.
man kann sie mit nichts "schocken" weil nichts, noch nicht mal wenn sie morgens nicht mehr wach wird, schlimmer für sie wär, als wieder "das kleine dicke mädchen zu sein (<- O-ton).
vielleicht kann ich einfach zuviel ihrer gedanken nachvollziehen, eine total verfahrene situation, in der meine freundin allein das steuer in der hand hält.

Lindel
Account gesperrt
Beiträge: 125
Registriert: 25.09.08, 15:34
Wohnort: Berlin

Beitrag von Lindel »

:D boh, das ist ja echt irre !

Ralf Tillenburg
DMF-Moderator
Beiträge: 14354
Registriert: 15.09.04, 15:41
Wohnort: Raum Düsseldorf
Kontaktdaten:

Beitrag von Ralf Tillenburg »

Hallo,

ich kann mich den Worten des Kollegen "Barca" nur anschließen. Hilfe ist nur dann möglich, wenn der betreffende dies auch zulässt, wobei wichtig ist, dass er/sie wirkliche Hilfe akzeptiert, und nicht nur zuläst, das sich die Helfer schließlich selbst verschleißen.

Man muss sich dazu einmal mit dem Wesen einer Sucht auseinander setzen. Man kann diese nicht rational erfassen, denn Süchtige haben ihre eigene Philosophie. Man muss auch die eigene Rolle bei der Hilfe immer mitbeobachten. Bei der Alkoholsucht ist dies mit dem Begriff "Co-Alkoholismus" der trockenen Angehgörigen gut beschrieben. Man muss daher als Außenstehender immer prüfen, ob man nur "Mittel zum Zweck" ist, oder wirklich Hilfe erwünscht ist, die dann aber nicht an Bedingungen geknüpft sein darf. Betreffende müssen von sich aus bedingungslos bereit sein, gegen ihre Sucht anzugehen, nur dann (und wirklich nur dann) ist Hilfe von außen möglich.

Falls nicht, führt dies lediglich dazu, dass auch die Helfer erheblich belastet werden, und nicht selten sogar Vorwürfen ausgesetzt sind. Dass man jemandem von seiner Sucht erzählt, kann ein Hilferuf sein. Es kann aber auch der Versuch sein, jemanden in die Sucht mit hinein zu ziehen, um schließlich Helfer der Sucht zu werden. Gerade im Alkoholismus ist das sehr häufig, aber eben auch bei anderen Formen der Sucht.

Denken Sie immer daran: Die Sucht ist (meist) der bequeme Weg, während die Auseinandersetzung mit der Realität eben unbequem und schmerzvoll ist.

Mein Worte klingen vielleicht etwas hart, sind aber keineswegs böse gemeint und sollen Sie nur vor falschen Erwartungen/Hoffnungen schützen.
Alles Gute
Ralf Tillenburg
Facharzt für Allgemeinmedizin
http://www.praxis-tillenburg.de

Renate02
DMF-Mitglied
DMF-Mitglied
Beiträge: 1472
Registriert: 28.04.08, 13:13

Beitrag von Renate02 »

Eine Überlegung, die Du bitte, bitte mit einem gehörigen Maß an Vorsicht genießen solltest:

Manch einer, der so "selbstzerstörerisch" unterwegs ist wie Deine Freundin, vergißt, dass es sich gar nicht so "leicht" stirbt. Vielleicht erschreckt der Gedanke, zu überleben aber schwerstbehindert weiterleben zu müssen, sie ja mehr, als der Gedanke zu sterben? Sie wäre unter Umständen für den Rest ihres Lebens auf die Hilfe anderer angewiesen. Keine Ahnung, ob das in ihrem Fall und bei diesem Medikament überhaupt so stimmt...

Könnte so eine Überlegung sie davon überzeugen, Hilfe wirklich auch in Anspruch zu nehmen und mitzuarbeiten? Damit es eben gar nicht erst so weit kommt, sondern sie selbstständig bleiben und weiterhin selbstbestimmt leben kann.

Vielleicht wissen ja die Fachleute hier, wie Betroffene üblicherweise reagieren, wenn man ihnen diese Möglichkeit vor Augen führt...?

Wahrscheinlich gilt hier auch: manchmal funktioniert's manchmal nicht - abhängig von der Persönlichkeit des Betroffenen? :( :?

miss. understood
Topicstarter
Interessierter
Beiträge: 6
Registriert: 05.12.08, 14:22

Beitrag von miss. understood »

hallo herr tillenburg,

vielen dank für ihre klaren worte, die co-abhängigkeit war mir zwar ein begriff, aber in diesem zusammenhang hab ich die möglichkeit noch nicht in betracht gezogen. vielen dank, ich werde darauf achten!

auch habe ich mir vorgenommen alles mit einer distanz, und den objektiven argumenten hier aus dem thread, im kopf zu betrachten. ich denke, ich wäre ein 1a co-abhängiger, weil ich sehr mitfühlend bin und für jedes verhalten den grund suche, finde und verstehe.

aber vielleicht lässt die einsicht meiner freundin nicht mehr lange auf sich warten, ihr freund hat hat heute morgen jegliche termine von ihr abgesagt, sie kann wohl vor übelkeit und fieren weder stehen noch sitzen, ich werde gleich einmal vorbei schauen, vielleicht ist es ja auch nur eine Magenverstimmung oder ein Infekt...

miss. understood
Topicstarter
Interessierter
Beiträge: 6
Registriert: 05.12.08, 14:22

da bin ich noch mal

Beitrag von miss. understood »

Ich mache mir wieder ein wenig Sorgen um meine Freundin.

In letzter Zeit ging es ihr erstaunlich gut doch seit ein paar Tagen ist sie schwer angeschlagen. Es fing an dass sie plötzlich sich vor Schmerzen nicht mehr bewegen konnte, ich hab es quasi live miterlebt an dem Abend.

Am nächsten Morgen sagte sie mir sie hätte eine Blasenentzündung. Sie selbst war ein wenig erschrocken, das konnte ich merken, wie ich dann auch, als sie mir erzählte dass doch eine Menge Blut im Urin ist...! Ich riet ihr zum Arzt zu gehen und stellte noch mal den Bezug zu ihren "super" Pillen her, die sie nimmt.

Das war die pure Übertreibung in ihren Augen...

Das war vor drei Tagen, einen Tag später setzte bei ihr ein recht stetiges Nasenbluten ein...

Seit dem liegt sie im Bett und kann auch nicht mehr arbeiten.
Was ist dass , bzw was könnte das sein. Niere, Leber? Ich finde das Nasenbluten dazu so komisch.

Ich habe ihr gesagt, dass ich mich schlau mache, vll bekommt sie Einsicht wenn ich es ihr erklären kann warum ich mir Sorgen mache, die durchaus berechtigt sind.

Vielen Dank euch allen die vll was wissen.

Barca
DMF-Mitglied
DMF-Mitglied
Beiträge: 1114
Registriert: 24.05.08, 20:16

Beitrag von Barca »

Ich vermag nicht zusagen, ob die (neuen) Beschwerden in Zusammenhang mit den Medikamenten stehen, aber Blut im Urin kann viele Ursachen haben (verschiedene Nierenerkrankungen, Harnwegsinfektionen, Infekte, Nebenwirkung von Medikamenten, Störungen der Blutgerinnung, usw.), es wäre denkbar, dass die Pillen nun eine Wirkung auf die Organe hatten, durch das Nasenbluten wäre ein Problem mit der Gerinnung aber auch nicht von der Hand zu weisen und abklärungswürdig. Parallel dazu hat das Medikament, um das es hier geht auch Nebenwirkungen, die sich u.a. auf das blutbildende System und die Nieren auswirken können.

Angesichts der Symptome ist ein Arztbesuch nun mehr als wichtig, wenn Ihre Freundin das nicht möchte, müssten Sie das dann akzeptieren.
Machen Sie Ihr deutlich, dass es nun allerhöchste Zeit für einen Arztbesuch ist, Sie brauchen dies ja nicht auf die Pillen schieben, ein Besuch zur Abklärung der aktuellen Symptome ist Grund genug, im Rahmen der Anamnese und Untersuchung fällt dem Kollegen das Problem vielleicht auf und er reagiert von sich aus. Zwingen können Sie sie weiterhin zu nichts, wenn sie absolut keine Einsicht hat, dann muss man das hinnehmen, auch wenn es aus unserer Sichtweise "dumm" und "unsinnig" erscheint.
Once in a lifetime means there's no second chance ...

Informationen aus dem Internet dienen generell nur der ersten Orientierung, sind persönliche Meinungsäußerungen und können einen Arztbesuch nicht ersetzen.

Antworten