Sinus Pilonidalis (veraltet: Steißbeinfistel)- Exzision mit offener Wundheilung - Erfahrungsbericht

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Daniel Peter
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Sinus Pilonidalis (veraltet: Steißbeinfistel)- Exzision mit offener Wundheilung - Erfahrungsbericht

Beitrag von Daniel Peter »

Hallo liebe Leidengenoss:innen,

Vorspiel:

bei mir wurde am 28.12.23 eine schmerzende Entzündung unterhalb des Steißbeins deutlich. Auf anraten eines befreundeten Arztes bin ich sofort in die Notaufnahme. Die Diagnose war sofort klar - Sinus Pilonidalis. Öffnung der Entzündung ohne Betäubung, ablassen des eitrigen Sekrets mit anschließender Spülung mit Kochsalzlösung und Austamponierung der Wundhöhle. Ich sollte am nächsten Tag wiederkommen, um die Tamponage wechseln zu lassen. Das ganze habe ich bis zum 02.01.24 täglich in der Notaufnahme machen lassen. Das ganze war durchaus schmerzhaft und unangenehm.
Da am 02.01.24 die Ärzte wieder normal geöffnet haben, bin ich nun direkt zum Proktologen gegangen, um die Wundversorgung hier weiterzuführen. Dort wurde gesagt, die Austamponierung können wir uns sparen, das müsse aufgrund der Größe sowieso operiert werden, innerhalb der nächsten vier Wochen. Ursprünglich war ein Pit-Picking angedacht, aber ebenfalls aufgrund der Größe des betroffenen Gebiets bei der zweiten Wundkontrolle verworfen, es muss eine Exzision in der Fachklinik gemacht werden. Mein behandelnder Proktologe operiert selbst in der Fachklinik des UKE Hamburg-Eppendorf, deshalb konnte er mich direkt für einen OP-Termin einbuchen. Ich war erstmal froh, nicht weiter täglich die Schmerzen durch das Wechseln der Tamponage aushalten zu müssen. Zwei Wochen später wurde ich dann operiert, am 24.01.24.

OP-Bericht:

Die OP verlief reibungslos, die Fachklinik des UKE hat ihren guten Ruf wirklich verdient, sehr nettes und kompetentes Personal, habe mich gut aufgehoben gefühlt. Direkt nach der OP habe ich nichts gemerkt, hatte die ersten zwei Tage praktisch keine Schmerzen, konnte mich sofort nach dem Aufwachen verhältnismäßig gut bewegen und sogar auf dem Rücken liegen (auch der Toilettengang war kein Problem, hiervor hatte ich etwas Sorge. Die Wunde lag weit genug vom After weg, so dass ein konsequentes abspülen nach dem Stuhlgang mit abgekochtem Wasser nicht nötig war. Einfach nach vorne abwischen, fertig). Am Tag nach der OP wurden die Mullkompressen aus der Wunde geholt und gewechselt, vom Operateur selbst. Ich sollte zuhause einfach täglich nach dem Duschen die Kompressen wechseln, also selbst aus der Wunde holen, mit dem Duschkopf die Wunde gründlich ausduschen und neue Kompressen einlegen. Das Einlegen hat anfangs meine Partnerin für mich übernommen.

Die ersten zwei Wochen:

So ab dem dritten Tag nach der OP fingen langsam leichte Schmerzen an. Ich habe mit Ibuprofen 600ern gegengesteuert, Der Verbandswechsel, insbesondere das Einlegen der Kompressen, hat auch mehr und mehr Schmerzen verursacht, war aber mit den Ibu‘s auszuhalten.
Ab dem siebten Tag nach der OP wurden die Wundschmerzen dann nochmal stärker, hier war der Höhepunkt erreicht. Ich habe alle sechs Stunde je eine Ibu600er und eine Novaminsulfon genommen, mit je drei Stunden Abstand zwischen den beiden. Sitzen und auf dem Rücken liegen war ab dem 07. Tag praktisch nicht mehr möglich, nur die Seitenlage war aushaltbar. Häufiges Aufstehen und herumlaufen war ebenfalls nötig. Wechseln der Kompressen mit Auslage bis auf den Wundgrund war in dieser Zeit sehr schmerzhaft unangenehm.
Diese schwierigste Zeit hielt von Tag sieben bis Tag zehn nach der OP an, danach wurden die Schmerzen schnell wesentlich geringer, ab dem zwölften Tag nach der OP konnte die Auslage der Kompressen bis auf den Wundgrund praktisch schmerzfrei durchgeführt werden. Ab dem sechzehnten Tag nach der OP habe ich die Kompressen komplett selbstständig gewechselt und in die Wunde bis auf den Wundgrund ausgelegt, dass ging wesentlich besser, als ich es mir vorgestellt habe. Davor hatte ich in meiner Vorstellung schon beträchtlich Respekt. Rückenlage nachts war wieder schmerzfrei möglich, sitzen zum Essen ebenfalls (habe bis dahin immer im Stehen gegessen). Ich habe mich noch vorsichtig bewegt, aber ich konnte mir nun auch wieder selbst die Schuhe anziehen und mich bücken.

Aktuell:

Inzwischen ist Tag 36 nach der OP. Ich habe praktisch keine Schmerzen mehr, kann längere Zeit sitzen und mich nahezu beschwerdefrei bewegen. Ich wechsele noch jeden Tag nach dem ausduschen der Wunde die Kompressen und lege sie bis auf den Wundgrund aus, aber die Wunde ist schon gut angeheilt, auch wenn sie immer noch durchaus tief ist. Ich muss erst in drei Wochen wieder zur Kontrolle. Mein Arzt hat bei der letzten Kontrolle gesagt, es sieht so gut aus, dass ich inzwischen auch nicht mehr viel falsch machen kann. Ich war insgesamt vier Wochen krank geschrieben.

Nachsatz:

Mit diesem Bericht möchte ich allen Betroffenen, die noch vor dieser OP stehen oder gerade von der Notwendigkeit eines Eingriffs bei sich erfahren haben, Mut zusprechen. Ich hatte selbst Angst vor dieser OP bzw. mehr vor der Zeit danach mit den ganzen zu erwartenden Einschränkungen. Ich kann im Nachhinein sagen: ja, es wird für eine kurze Zeit Schmerzen geben und ja, am Anfang wird die Umstellung, insbesondere bzgl. des täglichen Verbandswechsels schwierig. Aber wenn ihr da erstmal durch seid und das ein paar Mal gemacht habt, wird es auch schnell wieder besser und zur Routine. Wichtig ist dabei eine positive Grundeinstellung (ihr macht das ja, damit der Mist weggeht und auch nicht wiederkommt) und der Wille, sich den eventuell auftretenden Schwierigkeiten während des Prozesses zu stellen und sie zu überwinden. Holt euch mentale und praktische Unterstützung von Freund:innen, Familie, Partner:innen für die schweren Zeiten.
Ich bin genau wie ihr und hab es geschafft. Ihr könnt das auch.