Gleichbleibende Stuhlfarbe. Panikmache oder Grund zur Sorge?

Moderator: DMF-Team

Antworten
Rheinländer86
Topicstarter
noch neu hier
Beiträge: 4
Registriert: 29.01.14, 18:27

Gleichbleibende Stuhlfarbe. Panikmache oder Grund zur Sorge?

Beitrag von Rheinländer86 »

Guten Tag Zusammen,

zunächst möchte ich mich für die Möglichkeit sich an dieses Forum wenden zu können bedanken und verspreche mich möglichst kurz zu halten.

Seit Sommer letzten Jahres kommt es mir jedoch so vor, als ob die Farbe meines Stuhlganges stetig und gleichbleibend orange-braun ist. Die Formgebung variiert hierbei stetig zwischen fest und breiig. Der Geruch ist mal penetrant, mal sauer und mal gar nicht wahrnehmbar. Die Farbe scheint sich jedoch nie bzw. lediglich kaum zu verändern.

Die ganze Probelmait begann im letzten Jahr mit undefinierbaren Bauchschmerzen. Vorab muss ich jedoch erwähnen, dass ich seit Jahren bereits an Hämorriden leide und im Jahre 2016 bereits eine Darmspiegelung hatte. Aufgrund der Bauchschmerzen muss ich zugeben, dass ich zu diesem Zeitpunkt eine extreme Angst vor eine Krebserkrankung der Bauchspeicheldrüse entwickelte, die in diversen Suchorgien bei Dr. Google endete. Ich ging daraufhin zu meinem Arzt, der im Ultraschall jedoch nichts ungewöhnliches entdeckte. Daraufhin überwies dieser mich zu einem MRT des Abdomens. Hierbei wurde lediglich eine vergrößerte Gallenblase festgestellt. Das Ergebnis wurde von meinem Internisten jedoch erstmal "übersehen" und fand somit keine Beachtung. Da ich im Juni 2020 eine Durchfallerkrankung (wahrscheinlich von asiatischem Essen) mit etwas Fieber hatte ging ich erneut zu Ihm. Die Blutwerte waren ok, außer das der CRP-Wert leicht erhöht war. Auch fand er etwas Glucose im Urin, was jedoch auf den Durchfall geschoben wurde. Bei der Durchsicht meiner Akte fiel dann das MRT-Ergebnis mit der vergrößerten Gallenblase auf. Er wies mich daraufhin sofort ins Krankenhaus ein. Hier machte man eine Ultraschalluntersuchung und eine Magenspiegelung. Hierbei stellte man jedoch lediglich ein gebrochenes Zwerchfell fest. Die Blutwerte waren unauffällig, so dass ich wieder entlassen wurde. Durch meinen Hausarzt wurde mir dann Pantoprazol verschrieben, was ich seitdem täglich eingenommen habe. Seitdem (meine ich) habe ich stetig die gleichbleibende Stuhlfarbe, mit stetig wechselnden Konsistenzen und Häufigkeiten.

Meine Angst vor einer Krebserkrankung tat dies jedoch keinen Abbruch, so dass ich erneut zu meinem Internisten ging. Dieser nahm letztlich 2 Stuhlproben. Worauf diese untersucht wurden weiß ich leider nicht genau, das Ergebnis sei jedoch unauffällig gewesen. Letztlich ging ich mit meinen Sorgen zu meinem Hausarzt, der die Ergebnisse aus dem Krankenhaus anforderte und mir sagte, dass die Blutergebnisse wirklich unauffällig seien. Er ordnete jedoch ein weiteres MRT der Bauchspeicheldrüse und der Gallenblase an. Das Ergebnis war jedoch erneut unauffällig. Ab diesem Zeitpunkt waren meine Ängste erstmal weg, auch wenn mir die immer gleichbleibende Stuhlfarbe nicht gänzlich aus dem Kopf ging.

Im Februar diesen Jahres hatte ich dann eine OP der Nasennebenhöhlen. Bis zu diesem Zeitpunkt war auch alles super. Nach der OP zeigte sich dann eine übermäßige Nachblutung. Diese wurde dann auf einen neu entdeckten Bluthochdruck "geschoben". Erneut ging ich zu meinem Internisten der erneut eine Blutuntersuchung durchführte. Die Blutergebnisse seien erneut "top". Er verschrieb mir 8mg Candesartan, woraufhin sich der Blutdruck schnell stabilisierte. Jedoch begannen hierbei meine Ängste erneut. Zunächst hatte ich (dank Dr. Google) Panik vor einer Erkrankung der Nieren. Woraufhin ich erneut zu meinem Internisten zur Kontrolle der Nieren ging. Der Ultraschall war jedoch unauffällig. Ich entwickelte eine wirkliche sehr depressive Verstimmung und achtet wieder auf jedes Wehwehchen. Auch ging ich in eine "massive" Diät, die in einer täglichen Kalorienzufuhr von max. 800 kcal über ca. 1,5 Woche endete, da ich den Blutdruck auf meine angegessenen Pfunde schob. Zudem begann ich mit Joggen.

Nach 2 Wochen der Einnahme bekam ich das Gefühl, dass sich meine Verdauung extrem veränderte. Als ich dann plötzlich (wieder) etwas Blut im Stuhl entdeckte, war die Panik erneut groß. Das Blut war (soweit ich mich erinnere) schon etwas geronnen, jedoch teilweise noch hellrot. Sofort rief ich bei meinem Internisten an, der mich jedoch direkt telefonisch zu einer Darmspiegelung überwies. Weil hierfür jedoch eine gewisse Wartezeit im Raum stand, rief ich einen anderen Internisten (der zeitgleich Gastrologe ist) an und ging in seine Akut-Sprechstunde. Dieser reagierte extrem entspannt und schaute am gleichen Tag (nach der Spülung mit einer Fertiglösung) in meinen Dickdarm, da seiner Meinung nur daher eine Blutung kommen könne. Er erkannte jedoch keine Blutung, Polypen o.Ä.. Er sagte auch, dass er so tief reinschauen konnte, dass man sich keine Sorgen machen müsse. Dennoch sollte ich am Montag erneut kommen, um Blut fürs "Labor" abzugeben. Natürlich befragte ich zwischenzeitlich erneut Dr. Google, so dass ich (weil die Nieren ja unauffällig waren) eine Panik vor einer Schilddrüsenunterfunktion aus der Blutdruck resultieren könnte. Meine Stimmung war langsam im Keller. Auch verlor ich jegliches Interesse an Sex und bemerkte Potenzprobleme, was ja auch für die Speicheldrüse sprechen würde.

Gott sei Dank, waren die Blutwerte (auch für die Leber, Schilddrüse usw.) jedoch unauffällig. Mein Eisen und HB-Werte seien jedoch grenzwertig (telefonische Aussage der Arzthelferin). Dieser müsse in 10-Wochen kontrolliert werden, so dass ich erst im Mai erneut kommen müsse. Eine erneute Untersuchung durch den Doktor sei erstmal nicht von Nöten. Erneut entwickelte ich eine neue Panik. Ein niedriger Eisen- und HB-Wert kann auf einen unentdeckten Blutverlust resultieren. Eventuell also doch eine Blutung im Magen-Darm-Trakt? Jetzt ist die Panik eines Tumor im Dünndarm ganz extrem, da dieser ja nicht direkt Untersucht wurde. Auch ergibt es Sinn, warum ich in letzter Zeit immer raue Lippen und teilweise eine trockene Haut hatte. Auch die deutlichen Längsrillen auf den Ringfingern machen nun "Sinn". Die Möglichkeit, dass dieser aufgrund meiner Panikmache, meiner Nasen-OP, dem Nasenbluten, der Diät und dem Sport entstanden ist, ist für mich zwar denkbar, jedoch in so einer kurzen Zeit auch nachvollziehbar? Also hab ich mir direkt (natürlich) Eisentabletten und einen Heimtest für okkultes Blut. Seit zwei Tagen nehme ich die Tabletten und den Test würde ich beim nächsten Stuhlgang machen. Natürlich mit dem Gedanken, dass die Einnahme der Eisentabletten den Test beeinflussen könnten und dann noch mehr Panik ausbricht....

Der Gedanke dass ich ein Hypochonder bin, der sich umsonst verrückt macht und über eine psychologische Hilfe nachdenken sollte, kam mir schon selbst des Öfteren. Eigentlich bin ich ein purer Realist, dem bewusst sich, dass auch eine sexuelle Unlust bzw. Unfähigkeit aufgrund der dauernd negativen Gedanken entstehen kann. Auch weiß ich, dass ich nicht übermäßig Gewicht verloren habe, mir nie Übel ist, ich mich nie Übergeben habe und meine Blutwerte (ich bin Blutspender) immer top waren. Jedoch brauche ich glaube ich, einfach mal eine unabhängige und sachliche Meinung unter Berücksichtigung der ganzen "Geschichte" und wende mich daraufhin an dieses Forum.

Aber wie kann ich diesen braun-orangenen Stuhlgang verstehen? Worauf kann dieser resultieren? Lassen die Ergebnisse eine Krebserkankung des Dünndarms vermuten? Oder sollten mir diese eher Mut machen?

Ich würde mich über eine kurze unabhängige Meinung freuen...

Liebe Grüße
Benutzeravatar
jaeckel
Administrator
Beiträge: 8670
Registriert: 15.09.04, 10:49
Wohnort: Bad Nauheim

Re: Gleichbleibende Stuhlfarbe. Panikmache oder Grund zur Sorge?

Beitrag von jaeckel »

Hallo Rheinländer86,

wenn mehrere Arztbesuche, Laborwerte und eine Darmspiegelung unauffällige Befunde ergeben haben, wäre es sinnvoll die Ängste/Angststörung anzugehen. Haben Sie da schon Erfahrungen oder einen Plan?
Alles Gute!

Herzlichen Gruss
Ihr

Dr. med. Achim Jäckel
Klinische Akut- und Notfallmedizin
Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie und Nephrologie
Intensivmedizin, Notfallmedizin, Hypertensiologe (DHL)
Rheinländer86
Topicstarter
noch neu hier
Beiträge: 4
Registriert: 29.01.14, 18:27

Re: Gleichbleibende Stuhlfarbe. Panikmache oder Grund zur Sorge?

Beitrag von Rheinländer86 »

Vielen Dank für Ihre schnelle Antwort!

Also mein „Plan“ diesbezüglich schaut so aus, dass ich mir vorgenommen habe diese Angstprobleme bei dem nächsten Kontrolltermin der Eisenwerte im Mai ansprechen und dann (falls nötig) gerne behandeln lassen würde.

Sie sehen die bisherigen Erkenntnisse also als beruhigend an?

Ich würde mich sehr freuen wenn Sie mir zwei Fragen beantworten könnten, damit ich die Sachen für mich selbst etwas realisieren und verarbeiten kann. Woher könnte die stetig gleichbleibende Stuhlfarbe stammen? Und lässt eine unauffällige Darm- und Magenspiegelung auch einen Rückschluss auf den Zustand des Dünndarms zu?

Mit freundlichen Grüßen
Benutzeravatar
jaeckel
Administrator
Beiträge: 8670
Registriert: 15.09.04, 10:49
Wohnort: Bad Nauheim

Re: Gleichbleibende Stuhlfarbe. Panikmache oder Grund zur Sorge?

Beitrag von jaeckel »

Rheinländer86 hat geschrieben: 25.03.21, 18:34 Woher könnte die stetig gleichbleibende Stuhlfarbe stammen?
Ich verstehe die Frage nicht. Sicher haben mehr als die Hälfte der Mitleser eine gleichbleibende Stuhlfarbe.
Rheinländer86 hat geschrieben: 25.03.21, 18:34 Und lässt eine unauffällige Darm- und Magenspiegelung auch einen Rückschluss auf den Zustand des Dünndarms zu?
Eine Magenspieglung ist eigentlich eine Ösophago-gastro-duodenoskopie. Aber Sie haben insofern recht als nicht der ganze Dünndarm angesehen wird.
Alles Gute!

Herzlichen Gruss
Ihr

Dr. med. Achim Jäckel
Klinische Akut- und Notfallmedizin
Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie und Nephrologie
Intensivmedizin, Notfallmedizin, Hypertensiologe (DHL)
Rheinländer86
Topicstarter
noch neu hier
Beiträge: 4
Registriert: 29.01.14, 18:27

Re: Gleichbleibende Stuhlfarbe. Panikmache oder Grund zur Sorge?

Beitrag von Rheinländer86 »

Guten Tag Herr Jäckel,

vielen Dank für Ihre Einschätzung und Meinung!

Gestern Abend / Nacht hatte ich erneut ein "einschneidendes" Erlebnis. Als ich ins Bett gegangen bin spürte ich wieder deutlich meinen Herzschlag. Diese schaukelte sich so hoch, dass ich einen deutlichen Druck in der Brust spürte, mir wurde warm und bekam Angst. Ich bin aufgestanden und habe Blutdruck gemessen. Dieser war auf über 180. Ich setze mich an den Tisch um mich zu beruhigen. Nach kurzer Zeit war der Druck wieder "normal" und zwischen 120-140, so dass ich wieder in Bett ging und einschlief.

Morgens wachte ich wieder mit Herzklopfen auf. Träumte jedoch von der Arbeit. Langsam machte es "klick". Warum auch immer, machte ich morgens diesen Heimtest auf okkultes Blut im Stuhl. Ergebnis negativ. Der zweite innere "Klick". Ich fuhr dennoch zu meinem Internisten, der mir dann sagte man solle den grenzwertigen Eisenwert nicht überwerten, da dieser Schwankungen unterläge und am 01.03. noch ok gewesen wäre. Ich sprach ihn dann offensiv an, dass ich mir langsam klar wird, dass ich mir selbst diesen Druck mache welcher in dem Bluthochdruck und der gestrigen unerwarteten Panikattacke endete. Er stimmte mir zu.

Zusätzlich ging ich noch zu meinem Hausarzt (mit dem ich ein recht freundschaftliches Verhältnis habe). Dieser machte ein EKG und nahm mir erneut Blut ab. EKG war ohne Befunde. Auch die nächtlichen "EKG´s" mit meiner iWatch waren unauffällig. Letzt riet auch er mir dazu, mir professionelle psychologische HIlfe zu suchen um mich mit meinen Problemen auseinanderzusetzen... und dies werde ich nun auch tun.

Ich denke einfach, dass die Chance das drei Ärzte eine "schlimme Erkrankung" aus der z.B. mein Herzklopfen und der Bluthochdruck resultiert nicht übersehen würden. Auch mit meiner Stuhlfarbe sollte ich mich langsam mit abfinden, dass dies normal ist.

Einsicht ist für mich der erste Schritt zur Erkenntnis.

Vielen Dank für Ihren Beitrag hierzu!
Benutzeravatar
jaeckel
Administrator
Beiträge: 8670
Registriert: 15.09.04, 10:49
Wohnort: Bad Nauheim

Re: Gleichbleibende Stuhlfarbe. Panikmache oder Grund zur Sorge?

Beitrag von jaeckel »

Rheinländer86 hat geschrieben: 26.03.21, 14:03 Einsicht ist für mich der erste Schritt zur Erkenntnis.

Vielen Dank für Ihren Beitrag hierzu!
Drücke Ihnen die Daumen.
Alles Gute!

Herzlichen Gruss
Ihr

Dr. med. Achim Jäckel
Klinische Akut- und Notfallmedizin
Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie und Nephrologie
Intensivmedizin, Notfallmedizin, Hypertensiologe (DHL)
Antworten