Stark geschwollene Füße

Moderator: DMF-Team

Antworten
LisaL
Topicstarter
DMF-Mitglied
Beiträge: 79
Registriert: 15.03.18, 07:38

Stark geschwollene Füße

Beitrag von LisaL »

Guten Tag,

seit etwa 2-3 Wochen habe ich nun stark angeschwollene Füße. Ich kann seitdem die Wohnung nicht mehr verlassen, weil die Füße und auch die Beine, insbesondere die Kniekehlen stark schmerzen und ich auch gar keine Schuhe mehr anziehen kann.

Ich probiere allerlei Hausmittel wie Wechselbäder, Kühlung, Beine hochlegen...aber nichts davon hilft. Nachdem mir Kortisonsalbe aufgetragen worden ist, konnte ich am nächsten Tag zumindest die 200 m bis zur Hausarztpraxis schaffen. Die Ärztin wollte meine Füße aber nicht sehen, konnte nichts dazu sagen, was natürlich enttäuschend war. Sie schlug vor, die Morphiumdosis (wegen anderer Schmerzen) zu erhöhen, hat absolut nichts gebracht. Wenn ich zusätzlich (ungerne) Paracetamol nehme lassen die Schmerzen etwas nach, sodass ich wenigstens etwas im Haushalt machen, oder eben abends einschlafen kann.

Angeblich soll das Problem mit der Polyneuropathie zusammenhängen, also Warten auf den Termin beim Neurologen?

Die Knöchel fühlen sich stark entzündet an, die Haut auf dem Fußrücken glänzt, ist extrem straff gespannt. Jetzt fiel mir noch Brennesseltee ein, also ein neuer Versuch. Irgendwann muss ich wieder in die Schuhe kommen. Was könnte noch helfen? Welcher Arzt wäre zuständig, falls dem Neurologen auch nichts einfällt?

Grüße

Benutzeravatar
jaeckel
Administrator
Beiträge: 8300
Registriert: 15.09.04, 10:49
Wohnort: Bad Nauheim

Re: Stark geschwollene Füße

Beitrag von jaeckel »

Hallo LisaL,

man spricht von Ödemen (=pathologische Ansammlung von Flüssigkeit im interstitiellen Raum).
Grundsätzliche Ursachen:
  • Erhöhter hydrostatischer Druck in den Kapillaren
    • Generalisiert: Niereninsuffizienz, Rechtsherzinsuffizienz (bei Überwässerng)
    • Lokalisiert: bei Venenleiden
  • Verminderter onkotischer Druck im Plasma infolge Hypalbuminämie (< 2,5 g/dl):
    • Eiweißverlust üder die Niere oder den Darm
    • Verminderte Zufuhr: Hungerödeme
    • Verminderte Synthese: Leberzirrhose
  • Gesteigerte Permeabilität der Kapillaren:
    • Generalisiert: Akute postinfektiöse Glomerulonephritis, Angioödeme
    • Lokalisiert: Allergie, Entzündung, etc.
  • Lymphödem
  • Ödeme durch Arzneimittel: Kalziumantagonisten, Minoxidil, NSAR, Glukokortikosteroide, Östrogene, Antidepressiva (ADH-Wirkung) u.a.
  • Zyklische Ödeme, z.B. prämenstruell
  • Idiopathische Ödeme (überwiegend Frauen vor der Menopause)
(geändert nach Quelle : Herold Innere Medizin 2020)

Sehr häufig ist eine Überwässerung bei Herz- oder Niereninsuffizienz. Daher ist nicht bei allen Patienten eine hohe Trinkmenge sinnvoll. Entsprechende Patienten sollten max. 1,5 Liter pro Tag trinken, regelmäßig ihr Gewicht checken und bei Beinödemen + Gewichtszunahme nach Rücksprache mit ihrem Arzt eventuell die Dosis der "Wassertabletten" (Diuretika) für einige Tage erhöhen.
Alles Gute!

Herzlichen Gruss
Ihr

Dr. med. Achim Jäckel
Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie und Nephrologie
Intensivmedizin, Notfallmedizin, Hypertensiologe (DHL)

LisaL
Topicstarter
DMF-Mitglied
Beiträge: 79
Registriert: 15.03.18, 07:38

Re: Stark geschwollene Füße

Beitrag von LisaL »

Sehr geehrter Dr. Jäckel,

als 1.Hilfe habe ich Prednisolon bekommen, was ich kurzfristig nehmen soll. Nach 2-3 Tagen Einnahme haben sich die Ödeme zurückgebildet. Es sind noch Rötungen vorhanden, aber die Schuhe passen wieder und ich kann laufen.

Nun sollen noch Herz und Nieren überprüft werden, da warte ich erstmal das Ergebnis vom Blutbild ab.

Was die Nieren angeht mache ich mir etwas Sorgen, weil der Internist vor einem Jahr nach Blut- und Urintest erwähnt hat, dass ich zuviel Eiweiß ausscheide, diverse Werte wie Albumin etc. nicht stimmen. Er kennt sich aber nicht aus, hat evtl. etwas mit meiner Muskelkrankheit zu tun, soll ich mit einem Neurologen klären. Das habe ich vergessen, weil keine Symptome spürbar waren. Im Arztbrief aus Februar in der Klinik ist wieder eine Skizze, wonach Albumin sehr hoch ist (Elpho-Grafik), hat aber keiner was dazu gesagt.

Nun sagte mir der Neurologe, mit dem Eiweiß kenne er sich nicht aus, das sei Aufgabe eines Internisten. Also, ich werde von Pontius zu Pilatus geschickt, warte auf Termine, sitze dann oft 2 Stunden im Wartezimmer...

Halten Sie es für sinnvoll gleich einen Nephrologen aufzusuchen? Kann der was mit den Eiweißwerten anfangen, wenn zusätzlich eine Muskelkrankheit besteht?


Freundliche Grüße

Benutzeravatar
jaeckel
Administrator
Beiträge: 8300
Registriert: 15.09.04, 10:49
Wohnort: Bad Nauheim

Re: Stark geschwollene Füße

Beitrag von jaeckel »

Hallo Lisa,

eigentlich sollte erstmal ein Internist nachschauen und nur bei Auffälligkeiten (Nierenfunktion eingeschränkt, Eiweiß im Urin sehr auffällig) wäre ein Nephrologe der richtige Arzt. Der ist natürlich ebenfalls Internist und kennt sich aus. Allerdings dürfen Spezialisten allgemeinärztliche Untersuchungen meist nicht abrechnen... :wink:
Alles Gute!

Herzlichen Gruss
Ihr

Dr. med. Achim Jäckel
Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie und Nephrologie
Intensivmedizin, Notfallmedizin, Hypertensiologe (DHL)

LisaL
Topicstarter
DMF-Mitglied
Beiträge: 79
Registriert: 15.03.18, 07:38

Re: Stark geschwollene Füße

Beitrag von LisaL »

Sehr geehrter Dr. Jäckel,

vielen Dank für die Auskunft. Dann hoffe ich, dass ein Besuch beim Nephrologen nicht notwendig ist. Meine Nieren waren immer gesund, das könnte sich nach dem Intensivaufenthalt geändert haben. Nach unfassbar vielen Medikamenten, gezählt habe ich um die 50 verschiedene, dazu 2x Gadolinium und 2x Jodkontrastmittel...

Zwar kenne mich nicht aus, aber dass ein Arzt oder ein Computerprogramm da alle Nebenwirkungen und Wechselwirkungen abschätzen kann, ist für mich nicht vorstellbar.
Was mich auch irritiert ist ein Aufklärungsbogen in meiner Akte über eine notwendige Dialyse, ob sie durchgeführt wurde ist mir nicht bekannt.

Freundliche Grüße

LisaL
Topicstarter
DMF-Mitglied
Beiträge: 79
Registriert: 15.03.18, 07:38

Re: Stark geschwollene Füße

Beitrag von LisaL »

Guten Tag,

ich berichte mal wie es weiterging. Nachdem Kortison ausgeschlichen war, wurden die Fußschmerzen stärker, es hatten sich auch offene Wunden an den Knöcheln gebildet, die sich jetzt wieder geschlossen haben, wo aber Rötungen zurückgeblieben sind.

Der Neurologe, bei dem ich wegen der Muskelkrankheit und der Neuropathie in Behandlung bin fühlte sich bei mehreren Terminen nicht wirklich zuständig, ein Chirurg könne das besser beurteilen. Der Chirurg hat schon am Telefon gemeint, dass er nicht zuständig ist, wenn die Wunden zu sind. Ich soll doch zum Internisten gehen. Der Internist hat kurz geguckt und mich gefragt, was ich denn bei ihm will. Chirurg oder Orthopäde seien zuständig.

Der Orthopäde sagte mir gestern klipp und klar, dass es eindeutig Symptome der Neuropathie sind. Die Flecken, die Rötungen, das Brennen und dass sich die Beschwerden auf die Beine ausdehnen hat alles mit der Neuropathie zu tun. Bisher hatte ich nur plötzlich einschießende Schmerzen, die durch Opiat gut im Griff waren, nun scheint es sich zu verschlimmern.

Die Hausärztin sagte mir, dass CRP und Leukozyten erhöht sind, hatte auch auf Rheuma getestet, da war alles negativ. Was genau weiß ich noch nicht, war nur ein kurzes Telefonat. Die Schmerzen sind kaum aushaltbar, durch Iboprofen habe ich wenige Stunden Ruhe.

Ich bin nicht sehr zuversichtlich, dass der Neurologe am Montag noch Behandlungsvorschläge hat, Gabapentin geht wegen der Muskelkrankheit nicht, das Opiat will ich nicht erhöhen. Habe es auf Anraten der HÄ versucht, hat nichts gebracht.

Falls jemand noch Ideen hat, was mir helfen könnte, würde mich das freuen.

Freundliche Grüße

Benutzeravatar
jaeckel
Administrator
Beiträge: 8300
Registriert: 15.09.04, 10:49
Wohnort: Bad Nauheim

Re: Stark geschwollene Füße

Beitrag von jaeckel »

Wünsche Ihnen sehr, dass Sie einen guten Arzt finden! Leider führt die zunehmende Spezialisierung dazu, dass komplexe Krankheitsbilder nicht ausreichend berücksichtigt werden.
Alles Gute!

Herzlichen Gruss
Ihr

Dr. med. Achim Jäckel
Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie und Nephrologie
Intensivmedizin, Notfallmedizin, Hypertensiologe (DHL)

Antworten