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State of the art?

Verfasst: 05.02.20, 10:43
von blindekuh
Guten Morgen zusammen,

ich war heute zum Blutabnehmen.

Ich wurde in die Labornische hereingerufen, nahm Platz, legte meinen Arm auf das Kissen und machte den Arm frei. Auf einer Anrichte neben mir lag bereits ein kleines Tablettchen mit einer ausgepackten Kanüle und Röhrchen für das Blut. Die Armbeuge wurde desinfiziert und einem Tupfern abgewischt. Die Mitarbeiterin warf den Tupfer in einen Tischmülleinmer, der oben auf der Anrichte stand neben dem Tablettchen. Da der Mülleimer schon recht voll war und etwas herauszufallen drohte, stopfte sie mit ihren Händen nach.

Dann klopfte mir mit ihrem Finger (der grade vorherim Müll steckte!?) auf die Vene, nahm die Kanüle (die bereits ausgepackt dort gelegen hatte) und stach ein. Als sie die Kanüle wieder herauszog gab sie mir einen Tupfer den ich auf die Einstichstelle drückte.

Sie stellte die Röhrchen, die sie wieder auf das Tablettchen gelegt hatte in einer größeren Vorrichtung. Dann nahm sie eine neue Kanüle (und noch andere Sachen) aus dem Regal, riss die sterilen Verpackungen auf und legte sie auch wieder auf dieses selbe Tablettchen. Dann nahm sie mir den Tupfer ab, tat ihn ebenfalls in den Tischmülleimer (oder sie hat ihn anderweitig entsorgt - kann auch sein, ich weiß es nicht genau). Und dann nahm sie mit ihren Händen ein Pflaster von diesem Tablettchen, auf dem ja bereits die ausgepackte Kanüle für die nächste Patientin lag.

Also ich meine, das ist ziemlich irre. Das Tablettchen ist so klein, dass sie gar nicht sicher sein kann, nicht mit ihren Händen, die grade vorher meinen Tupfer mit meinem Blut berührt hatten, die neue Kanüle zu berühren.

Ich kenne es sonst so, dass ich dort hinkomme, dann eine sterile Verpackung aufgerissen wird und diese dann direkt eingestochen wird. Und ich bin auch eigentlich davon ausgegangen, dass sich eine Mitarbeiterin jeweils die Hände wäscht, nachdem sie Blutkontakt (Tupfer) gehabt hat bevor sie eine neue Kanüle auspackt und eine neue Patientin bearbeitet.

Und ich habe es noch nie erlebt, dass ich hinkomme und bereits eine ausgepackte Kanüle auf einem Tablett vorbereitet liegt. Mir ist das nur in dem Moment gar nicht richtig zu Bewußtsein gekommen, da ich eigentlich nicht auf Arbeitsweise oder Ablauf einer Blutabnahme achte.

Und es ist so, dass es sich noch nicht einmal um einen geschlossenen Raum handelt, sondern um eine Niesche, an der Patientinnen und Patienten vorbeigehen. Und nachdem ich raus ging, die Mitarbeiterin ebenfalls die Nische verließ, um die nächste Patientin zu rufen. Dh. zumindest für einen Moment ist die Kanüle dort ganz unbeobachtet.

Ich wollte einfach wissen, ob so ein Vorgehen korrekt ist.

Re: State of the art?

Verfasst: 05.02.20, 13:42
von Dr.med.Holger Fischer
Nein, das ist nicht korrekt. Da sind einige Arbeitsschritte aus hygienischer Sicht nicht lege artis abgelaufen.

Re: State of the art?

Verfasst: 05.02.20, 14:50
von blindekuh
Vielen Dank für die Antwort.

Was genau meinen Sie denn ist nicht lega artis abgelaufen?

Ist es schon nicht lege artis, wenn die Kanüle für die nächste Patientin ausgepackt und bereitgelegt wird, während die vorherige Patientin noch da sitzt?

Bei der Sache mit dem Tisch-Mülleimer: da bin ich mir nicht mehr sicher, ob sie den Tupfer dort hineingetan hat und dann mit der Hand hineingegriffen hat - oder aber, ob es nur ein Abziehpapier von einem Klebeetikett gewesen ist. Sonst sah man nämlich nur diese Verpackungen von den Kanülen in dem Mülleimer. Es kann also sein, dass es da nur um recht saubere Abfälle ging, so dass es wohl gar nicht so problematisch ist, dort hineinzufassen.

Re: State of the art?

Verfasst: 05.02.20, 21:05
von Brigitte Goretzky
Hallo,

wenn Sie schreiben, die Kanülen seien bereits ausgepackt gewesen, waren da die Plastikschutzkappen noch auf den Nadeln oder nicht?

Händewaschen macht man übrigens schon seit Jahren nicht mehr, es reduziert die Keimbelastung der Haut nur wenig, schädigt aber die Haut. Stattdessen werden Hände desinfiziert, das wirkt besser gegen Keime und ist freundlicher zur Haut.

Viele Grüße,
B. Goretzky

Re: State of the art?

Verfasst: 05.02.20, 21:56
von blindekuh
Hallo und Danke,

nein, es waren keine Kappe auf der Kanüle. Das balanke Metall der Nadel lag auf dem Tablett - sowohl jene, die für mich bestimmt war als auch dann die nächste.

Re: State of the art?

Verfasst: 08.02.20, 11:42
von blindekuh
Hallo,

ich frage dann noch mal etwas anders:

Wie ist das korrekte Umgang mit einer Kanüle geregelt? Wie lange vor der Behandlung darf sie komplett ausgepackt werden und wo darf sie dann bis zur Behandlung abgelegt werden?

Gibt es dazu Richtlinien?

Vielen Dank

Re: State of the art?

Verfasst: 08.02.20, 12:26
von Dr.med.Holger Fischer
Hallo,
Spritze und Kanüle sollten erst unmittelbar vor der Injektion geöffnet werden, d.h. also, eigentlich durch den Arzt selbst. Das Assistenzpersonal kann ja nie genau wissen, wann der Arzt zur Injektion im Labor erscheint. Richtlinien diesbezüglich :
https://www.hygiene-medizinprodukte.de/download/
Sie finden dies ansonsten unter " Kompetenzzentrum Hygiene und Medizinprodukte der KV'en und der BKV
Der Kanülenabwurfbehälter darf lediglich eine relativ kleine Öffnung zur Aufnahme von Kanülen und Spritzen enthalten, man darf und kann also nicht mit den Fingern hinein fassen. Man sollte Handschuhe während aller Manipulationen tragen, schon zum eigenen Schutz. Steriler Kittel ist nur bei gewissen Injektionen ( Gelenke, Körperhöhlen etc.) erforderlich.

Re: State of the art?

Verfasst: 08.02.20, 22:31
von blindekuh
Vielen Dank, damit kann ich was anfangen.