Seit Wochen Darmbeschwerden

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Neu92
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Seit Wochen Darmbeschwerden

Beitrag von Neu92 » 29.12.18, 08:37

Ich hab jetzt schon seit mehreren Wochen Beschwerden im Darm. Anfangs hatte sich mein Bauch immer abends nach dem Essen extrem schwer und voll angefühlt. Hatte sogar das Gefühl, aufgrunddessen nicht richtig atmen zu können. War beim Arzt, die Blutuntersuchung ergab nichts außer einen Eisenmangel. Hab seitdem fast ausschließlich Schonkost gegessen (manchmal Schokolade und Kuchen), dann auf einmal eine Woche lang Darmkrämpfe gehabt. Mittlerweile sind die Schmerzen komplett weg, allerdings fühlt sich mein Unterbauch häufig immer noch anders an, als ob ich nen Ballon mit mir rumtragen würde. Hab schon gemerkt, dass es anscheinend schlimmer ist, wenn ich Brot und Schoki esse. (Die Beschwerden hab ich dann aber nicht sofort nach dem Essen, sondern meist einen Tag später, sodass ich nicht weiß ob das damit zusammen hängt.) Durchfall hab ich ebenfalls ab und zu, dann aber meist nur 1-2 mal. Generell hab ich das Gefühl, mein Stuhlgang ist etwas häufiger geworden (3/4 am Tag, aber meist fest). Ich hab auch öfter das Gefühl, dass mir kurz nach dem Essen schlecht wird, allerdings weiß ich nicht, ob ich mich da nicht vielleicht etwas hineinsteigere. Das wird eigentlich immer besser,wenn ich aufstoße (kommt immer Luft raus).
Parallel zu meinen Beschwerden hab ich auch extreme Blockaden in der HWS, aber ob es da noch einen Zusammenhang geben kann?
Vielleicht hat jemand ja auch schon mal sowas gehabt. Ich werde wohl nochmal zum Arzt müssen und komme bestimmt nicht um eine Magen-/Darmspiegelung rum. Weiß nur nicht ob ich zuerst schauen bzw. auf eine Unverträglichkeit testen lassen soll. Im Raum steht auch Morbus Crohn, da das in unserer Familie vertreten ist. Mein Arzt hatte darauf allerdings im Blut getestet (Entzündungswert) und nichts gefunden.

jaeckel
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Re: Seit Wochen Darmbeschwerden

Beitrag von jaeckel » 29.12.18, 10:55

Hallo Neu92,

chronische Bauchschmerzen und Stuhlunregelmäßigkeiten sind bei der Hälfte der betroffenen Erwachsenen durch funktionelle Darmstörungen bedingt. Anbei wichtige Basis-Infos hierzu.

Als Reizdarmsyndrom bezeichnet man
  • funktionelle Blähungen
  • funktionelle Verstopfung
  • funktionelle Diarrhö
  • nicht näher spezifizierte funktionelle Darmstörung.
Immer sollte bei chronischen darmbezogenen Beschwerden eine Basisdiagnostik erfolgen:
  • ausführliche Anamnese
    – spontane Beschwerdeschilderung
    – gezielte Fragen nach somatischen und psychosozialen Warnzeichen
  • körperliche Untersuchung inklusiver rektaler Untersuchung
  • Basislabor
    – Blutbild
    – Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG), C-reaktives Protein (CRP)
    – Urinstatus
  • Ultraschall des Abdomens
  • gynäkologische Untersuchung bei Frauen
  • psychosoziales Screening
Warnzeichen ( sog. „red flags“) für körperliche (somatische) Krankheitsursachen
  • Leitsymptom Durchfall
  • Fieber
  • Blut im Stuhl
  • Gewichtsverlust > 10 % bei unveränderter Nahrungszufuhr
  • nächtliche Symptome
  • Kolonkarzinom in der Familie
  • Erstmanifestation der Beschwerden nach dem 50. Lebensjahr
  • kurze (< 6–12 Monate) Anamnese und/oder progrediente Symptomatik
  • im Basislabor: Anämie, Entzündungszeichen
Anamnestische Dfferenzierungshilfe zwischen strukturellen und funktionellen Darmbeschwerden (sog. „yellow flags“)
  • Anamnese: strukturelle Darmbeschwerden <-> funktionelle Darmbeschwerden
  • Beschwerdedauer: kurz <-> lang
  • Beschwerdeentwicklung: progredient <-> beschwerdefreie oder -arme Intervalle
  • weitere körperliche Symptome: keine <-> ja (unterschiedliche Ausprägung)
  • weitere seelische Symptome: selten <-> häufig (unterschiedliche Ausprägung)
  • Beschwerdeschilderung: sachlich, evtl. Dissimulation <-> unterschiedlich ausgeprägte affektive Beteiligung
Erweiterte Diagnostik und individuell weiterführende Laboruntersuchungen
  • Serumelektrolyte, Nierenretentionswerte, Leber- und Pankreasenzyme
  • TSH basal
  • Blutzucker/HbA1c
  • Stuhl-Mikrobiologie (vor allem bei Diarrhö)
  • Zöliakie-Antikörper (Transglutaminase-AK)
  • Calprotectin A/Lactoferrin im Stuhl
  • Ileokoloskopie (> 50 Jahre beziehungsweise > 45 Jahre bei Familienanamnese Kolonkarzinom beziehungsweise unabhängig vom Alter bei erhöhtem Calprotectin A/Lactoferrin im Stuhl)
  • weitere psychosoziale Exploration: Stressoren (Arbeit, Familie), Krankheitsängste (zum Beispiel vor Krebs)
Empfohlene Spezialuntersuchungen in Abhängigkeit von sogenannten Leitsymptomen:
  • Hauptsymptom Diarrhö:
    – Erweiterte Erregerdiagnostik im Stuhl (zum Beispiel Lamblien, Wurmeier)
    – Ileokoloskopie mit Stufenbiopsien
    – Ösophagogastroduodenoskopie mit Duodenalbiopsien
    – Laktose-, Fruktose-, Sorbit-H2-Atemtest
    – Selen-75-Homotaurocholsäure-Test (SEHCAT)
  • Hauptsymptom schwere Obstipation:
    – Kolontransitzeitbestimmung (im Falle einer verlangsamten Transitzeit beziehungsweise einer anorektalen Obstruktion weitere Diagnostik)
  • Hauptsymptom Blähungen:
    – Glukose-H2-Atemtest (Hinweis auf bakterielle Fehlbesiedelung?)
    – Laktose-, Fruktose-, Sorbit-H2-Atemtest
    – Magen-Darm-Passage (Röntgen oder Kernspin) (Stenose?)
Alles Gute!

Herzlichen Gruss
Ihr

Dr. med. Achim Jäckel
Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie und Nephrologie
Intensivmedizin, Notfallmedizin, Hypertensiologe (DHL)

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