Koloskopie aufgrund von Drüsenkörperzysten?

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Mr.Mu
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Koloskopie aufgrund von Drüsenkörperzysten?

Beitrag von Mr.Mu » 20.12.18, 13:19

Guten Tag,

Ich (36/84kg/188cm/m) habe einen wahren Untersuchungsmarathon hinter mir und bin nun etwas verunsichert, was ich glauben und wie ich mich verhalten soll.

Zu meiner Geschichte: Im Frühjahr 2017 bekam ich von heute auf morgen konstant anhaltende Bauchschmerzen, gepaart mit gehäuft auftretendem Sodbrennen. Mein Hausarzt (Internist) verschrieb mir Omeprazol (40mg), welches ich für eine Woche nehmen sollte. Leider wurden die Beschwerden dadurch nicht besser. Nachdem ich eine weitere Woche die PPI genommen hatte und immer noch keine Besserung auftrat, überwies mich mein Hausarzt zum Gastroenterologen, der eine Magenspiegelung durchführte. Abgesehen von einer geringfügigen Antrumgastritis war der Befund weitgehend unauffällig. Die Schmerzen aber blieben. Ich sollte daher weiter PPI einnehmen. Außerdem wurde mir Domperidon verschrieben, was sogar für zwei Wochen zu einer erheblichen Linderung der Schmerzen beitrug (zumindest hatte ich das so wahrgenommen).

Aufgrund der dann wieder auftretenden Schmerzen wurden weitere Tests vorgenommen (Blut, Stuhl), wobei deutlich erhöhte CRP- und Calprotectinwerte festgestellt wurden (CRP > 200; Calprotectin > 150). Ich wurde daher im Januar dieses Jahr zu einer Darmspiegelung geschickt, die allerdings ohne auffälligen Befund war. Beide Werte waren bei einer Kontrolle im März auch wieder im Normalbereich (mein Hausarzt meinte, dass die PPI für einen Anstieg des Calprotectin verantwortlich sein könnten).

Aber auch danach verschwanden die Schmerzen nicht. Ich wurde daher im April in eine Klinik überwiesen, wo (O-Ton Hausarzt) „das ganze einmal ganzheitlich geprüft werden sollte“. Dort wurde ein Ultraschall des Bauchs vorgenommen (alles unauffällig) und es wurde noch einmal eine Magenspiegelung durchgeführt (ich weiß auch nicht, weshalb das noch einmal gemacht wurde, nachdem die erste ein gutes halbes Jahr davor bereits ohne Befund war). Hier wurde ein „Schleimhauterythem im Antrum (Antrumgastritis)“ festgestellt (kein Nachweis für einen Helicobacter-Befall), ein „minimales entzündliches Ödem im Duodenum“ und im Korpus „zahlreiche, kleine, schmalbasige Polypen, die sich nicht von der übrigen Schleimhaut farblich unterscheiden (Drüsenkörperzysten).“ Ich sollte dann die PPI noch einmal zwei Wochen weiter nehmen.

Nach insgesamt 2 Magenspiegelungen, 1 Darmspiegelung und fast 9-monatiger (mehr oder weniger regelmäßiger) Einnahme von PPI war man sich immer noch nicht sicher, woher meine Schmerzen eigentlich kamen. Seit ca. 8 Wochen nehme ich nun keine PPI mehr. Seit ca. 6 Wochen bin ich nun (glücklicherweise) auch beschwerdefrei. Für mich wäre das Thema damit egtl. abgehakt.

Mein Hausarzt hat mich aber nun darauf hingewiesen, dass er den Befund der letzten Magenspiegelung nicht ganz bedenkenlos findet, vor allem wegen der Drüsenkörperzysten. Diese seien zwar egtl. ungefährlich und müssten auch nicht weiter behandelt werden, es würde allerdings eine hohe Korrelation zwischen dem Auftreten dieser (Pseudo-)Polypen und Dickdarmpolypen/Darmkrebs geben. Daher würde er in spätestens 5 Jahren noch einmal eine Darmspiegelung durchführen lassen, um das Risiko diesbezüglich auszuschließen.

Nun wurde es mir zu bunt und ich habe selbst mal ein paar Studien zum Thema gelesen und so wie ich das verstehe, könnte die PPI-Einnahme mit dem Auftreten der Drüsenkörperzysten zusammenhängen. Darauf würde auch hindeuten, dass bei der ersten Magenspiegelung im letzten Jahr keine Drüsenkörperzysten gefunden wurden, sondern erst 7 Monate später bei der zweiten Magenspiegelung. Außerdem wurde doch nur wenige Wochen vor der zweiten Magenspiegelung, bei der die Drüsenkörperzysten entdeckt wurden, bereite eine Koloskopie durchgeführt, mit unauffälligem Befund. Wäre da ein Zusammenhang, hätte man bei der Koloskopie doch schon etwas sehen müssen, oder?

Summa summarum: Mir geht es nach ca. 1,5 Jahren Schmerzen endlich wieder gut, ich habe kein Sodbrennen mehr und dennoch bin ich etwas frustriert über den Verlauf dieser ganzen Geschichte. Und egtl. möchte ich mir da jetzt auch keine Sorgen mehr machen müssen.

Daher die Frage: Sollte ich tatsächlich in nur 5 Jahren noch einmal eine Darmspiegelung machen lassen? Ist das sinnvoll und indiziert? Da bin ich ja gerade mal 41 und soweit ich weiß, zahlt die Kasse das erst ab 55 Jahren.

Herzlichen Dank für Antwort und viele Grüße,
Mr.Mu

Parasympathikus
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Re: Koloskopie aufgrund von Drüsenkörperzysten?

Beitrag von Parasympathikus » 20.12.18, 17:49

Hallo,

ob PPI Drüsenkörperzysten in der Magenschleimhaut induzieren, wird kontrovers diskutiert. Manche Studien legen das nahe, andere wiederum verneinen es. Wie so oft bei wissenschaftlichen Studien hapert es, wenn nicht noch an weiteren Gütekriterien, meist an einer repräsentativen Probandenzahl. Auch kann man eine Einflussnahme der PPI-Hersteller nicht gänzlich ausschließen. PPI sind ein Segen für alle die, denen durch ihren Einsatz lebensgefährliche Magengeschwüre erspart blieben oder für die, die damit bei schwerer Refluxkrankheit beschwerdefrei sind. Aber es mehren sich auch Hinweise darauf, dass die Langzeittherapie mit PPI gewisse Gesundheitsrisiken mit sich bringt. Bei Reflux wirken sie zudem selbstverstärkend (Stichwort Rebound-Phänomen) und eine einmal begonnene Therapie endet meist, selbst bei nur leichtem Reflux, in der Langzeittherapie.

Insofern können Sie erst mal froh sein, dass Sie - ohne PPI- beschwerdefrei sind. Die Drüsenkörperzysten an sich können Sie vernachlässigen, möglicherweise sind diese auch reversibel. Wenn es mich beträfe (und das tut es leider sogar :wink:), würde ich jedoch sicherheitshalber die Koloskopie nach 5 Jahren noch mal machen lassen. Der Forschungsstand zum Zusammenhang zwischen Drüsenkörperzyten und Darmpolypen ist zwar ebenso mager, aber hier würde ich auf Nummer sicher gehen. Bei mir jedenfalls wurde ein Adenom gefunden, ob jetzt im Zusammenhang mit den Drüsenkörperzysten oder nicht, weiß man nicht. Zur Kostenübernahme durch die gesetzliche KV würde ich mir keine Sorgen machen, der Gastroenterologe wird angesichts der Vorbefunde die Untersuchung begründen können.
Viele Grüße,

Parasympathikus

Mr.Mu
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Re: Koloskopie aufgrund von Drüsenkörperzysten?

Beitrag von Mr.Mu » 20.12.18, 18:44

Liebe(r) Parasympathikus,

herzlichen Dank für die aufschlussreiche Antwort!

Ich denke, ich werde mir Ihren Rat zu Herzen nehmen und nochmal eine Darmspiegelung in rund 4 Jahren vornehmen lassen. Letztlich ist das Ganze dank Propofol ja auch weit weniger "schlimm" als befürchtet. Lediglich die erforderliche Entleerung davor ist etwas unangenehm, aber damit kann man leben.

Beste Grüße,
Mr.Mu

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