Künstliche Ernährung, Entzündung, Fieber

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Elfriede
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Künstliche Ernährung, Entzündung, Fieber

Beitrag von Elfriede »

Hallo,

vor 17 Tagen wurde meiner Freundin - 66 Jahre - die Gallenblase herausgenommen. Danach hatte sie schlimme Schmerzen und am nächsten Tag Fieber. Im Drainagebeutel war viel Gallenflüssigkeit. Als drei Tage später das Fieber immer noch nicht runter war und die Schmerzen schlimmer wurden, hat man sie noch mal operiert. Als sie aufwachte, hatte sie einen Schlauch in der Nase, durch den sie künstlich ernährt wird. Warum sie künstlich ernährt werden muss, hat man ihr nicht genau gesagt. Der Arzt sagte ihr nur, das muss so sein, damit sich der Bauch erholt.
Jetzt hat meine Freundin entsetzliche Schmerzen in der Nase, im Gaumen, in der Speiseröhre und im Magen. Sie hat auch wieder hohes Fieber, rektal 39,9. Außerdem bekommt sie schlecht Luft. Kann es sein, dass der Schlauch die Luftrühre abdrückt?
Einmal hat man den Schlauch gewechselt und dabei vermutet, dass innen alles verkrustet und entzündet ist überall dort, wo der Schlauch durchgeht. Das Schlauchwechseln war das Schlimmste, was sie je erlebt habe, sagt sie. Sie bekommt Antibiotika, aber die schlagen anscheinen nicht an. Sie bekommt auch nicht genug Schmerzmittel, glaube ich. Der Schlauch soll noch mehrere Wochen drinbleiben, hat ihr die Schwester gesagt.

Ich verstehe das alles nicht. Warum muss man denn nach einer Gallenoperation künstlich ernährt werden, wovon genau muss sich der Bauch wochenlang erholen? Von künstlicher Ernährung war beim Aufklärungsgespräch überhaupt nicht die Rede, sagte meine Freundin.
Was kann man denn tun, damit die Entzündung besser wird, damit das Fieber sinkt, damit die Schmerzen erträglich werden und damit sie besser Luft bekommt? Meine Freundin hat noch nie mit dem Atmen Probleme gehabt. Muss der Schlauch wirklich Wochen drinbleiben?

Sie jammert sonst nie, aber jetzt liegt sie nur da und weint vor Schmerzen, kann kaum sprechen. Heute sagte sie: 'Es ist, als ob man mir von innen mit einem Bunsenbrenner die Organe abbrennt.' Ich kann das nicht mehr mit ansehen.
Was soll man tun? Sie in ein anderes Krankenhaus bringen? Familie hat meine Freundin nicht, was soll ich ihr raten?

Viele Grüße, Elfriede

Jessy-81
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Re: Künstliche Ernährung, Entzündung, Fieber

Beitrag von Jessy-81 »

Hallo,
was jetzt genau vorliegt kann hier keiner sagen, weil keine Medizinischen Information Vorliegen. Weder wo die Entzündung sein soll und die Ursache des Fiebers ist. Wurden Blutkulturen gemacht? Oder wieso die zweite OP, was wurde memacht?
Nach einer Gallenblasen OP, wäre Sie eigentlich spätendes nach 3 Tagen entlassen worden. Aber es schien einige Schwiegkeiten/Komplikationen zu geben.

Wichtig wäre das Ihre Freundin, sich nicht mit Aussagen für Kleinkinder
das muss so sein, damit sich der Bauch erholt.
abspeisen lässt. Sie hat das Recht zu erfahren was los ist. Wieso die Ernährung, wo wird die Ursache des Fiebers vermutet oder steht fest. Wieso die Luftnot(darf durch die Sonde nicht sein) und Schmerzen. Was soll weiter gemacht werden? Was wurde bei der zweiten OP gemacht.Wieso geht das Fieber nicht runter usw.
Ihre Freundin scheint schon sehr Geschwächt zu sein. Wäre es Möglich das Sie mal mit dem Arzt sprechen, mit der Zustimmung Ihrer Freundin?

Gruß
Jessy

Elfriede
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Re: Künstliche Ernährung, Entzündung, Fieber

Beitrag von Elfriede »

H allo, Jessy,

danke für deine Antwort.
Inzwischen wissen wir etwas mehr. Es ist bei der Operation wohl zu einer Verletzung des Gallenganges gekommen. Galle ist ausgetreten, deshalb hat man wieder operiert, das Loch geschlossen und den Gallengang mit dem Dünndarm neu verbunden. Das scheint auch nicht das Problem zu sein, sondern die Sonde, die die Entzündung hervorruft. Da sind wohl Keime in die Nase und die Speiseröhre gelangt.
Die Luftnot tun die Ärzte als psychisch ab. Aber ich sehe ja, wie schwer sie atmet.
Wie lange muss so eine Sonde liegenbleiben?
Kann sie ersticken, wenn die Speiseröhre durch die Sonde anschwillt?
Vielen Dank für weitere Antworten.
Viele Grüße, Elfriede

Jessy-81
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Re: Künstliche Ernährung, Entzündung, Fieber

Beitrag von Jessy-81 »

Hallo,
wo sitzt die Sonde, im Magen oder Duodenum (Zwölffingerdarm) oder Jejunum(Leerdarm)? Duodenum oder Jejunum wäre was eigentlich mir nur Sinn ergeben würde. Um wo am Darm an der Stelle Operiert wurde " Geschont" wird.
Wurde die Sonde gastroskopisch gelegt? Und als die entfernt, hatte es Stunden gedauert, weil immer nur ein stück weiter entfernt werden durfte? Wenn beides der Fall war, ist es eine Duodenum oder Jejunum Sonde.
Wenn die im Zimmer mal so nebenbei gelegt und auch die Entfernung nur kurz gedauert hat, ist es eine Magensonde.

Mich Wundert auch wenn die Entzündung durch die Sonde kommt und die Sonde noch ein zeit weiter bestehen muss noch nicht zu einer PEG Sonde geraten wird. Wenn die so starke Beschwerden macht und im Nasenbereich oder Speiseröhre die Entzündung vermutet wird. Und nicht durch die OP kommt und wo anders ist,
Ist das Fieber mittlerweile Runter gegangen? War das Fieber durchgehend? Wenn ich es richtig versanden habe kam es doch schon zum Fieber kurz nach der OP ohne Sonde.
Was wurde an Diagnostik wegen der Luftnot gemacht? Sauerstoffsättigung, Röntgenaufnahme der Lunge, Herz?
Wie lange die Sonde liegen muss können nur die Ärzte sagen wo Sie in Behandlung ist.

Gruß
Jessy

Elfriede
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Re: Künstliche Ernährung, Entzündung, Fieber

Beitrag von Elfriede »

Hallo, Jessy,

vielen Dank für deine Antwort. Bist du Ärztin?

Die Sonde wurde bei der zweiten Operation gelegt. Als meine Freundin aufwachte, war sie drin. Das Ziehen hat 'endlos lange' gedauert, deswegen war es auch so schrecklich, weil die Schmerzen dabei so stark waren
.
Eine Schwester hat mal zu ihr gesagt: Vielleicht bekommen Sie ein 'Peck', so hat meine Freundin es verstanden. Seit ich Ihre Antwort gelesen habe, weiß ich, dass damit eine PEG Sonde gemeint ist. Bis jetzt hat sie aber noch die Nasensonde.

Die starken brennenden Schmerzen im Bauch nach der ersten Operation sind nach der zweiten Operation besser geworden, weg sind sie aber noch nicht.

Das Fieber ist immer noch ständig über 39, vorgestern war es sogar 40,1. Die Antibiotika schlagen einfach nicht an. Wer weiß, was sie sich da für einen Keim eingehandelt hat, isoliert worden ist sie aber nicht.
Das Fieber begann schon kurz nach der ersten Operation, aber richtig hoch ging es erst nach dem Legen der Sonde.

Sie hat immer noch starke Luftnot und muss nach drei oder vier Worten immer sehr nach Luft schnappen. Der Arzt hat ihr nur gesagt, dann solle sie eben nicht viel reden.

Die Ärzte nehmen ihre Beschwerden überhaupt nicht ernst, auch nicht die Schmerzen. Es heißt nur: 'Ja, ja, so eine Sonde ist nicht so angenehm, andere klagen überhaupt nicht darüber, nun haben Sie sich man nicht so.'
Das Fieber wird auch nicht thematisiert. Ein Arzt meinte, das käme bei ihr wohl von der Aufregung. Sie solle sich entspannen. Kann man denn von Aufregung 40 Grad Fieber bekommen??

Man hat den Eindruck, als ob die Ärzte alles bagatellisieren wollen, aber warum? Es ist doch offensichtlich, dass es ihr sehr schlecht geht.
Sie hat einen Cousin, der Rechtsanwalt ist. Ob sie den mal einschalten sollte? Vielleicht bekommt der ja Auskunft, was wirklich los ist. Ihr sagt man ja auf Fragen nichts und mir schon gar nicht, weil ich nicht mit ihr verwandt bin. Aber man kann doch nicht so tun, als ob alles halb so schlimm sei und sie einfach so liegen lassen.

Diagnostisch ist überhaupt noch nichts gemacht worden, nur zweimal die Woche wird Blut abgenommen. Aber als sie fragte, wie die Blutwerte seien, sagte der Arzt ihr: 'Da machen Sie sich man keine Gedanken drüber.'

Und so liegt sie da seit drei Wochen mit schrecklichen Schmerzen, besonders in der Nase, dem Rachen und der Brust, mit Luftnot und hohem Fieber, und nichts geschieht.
Ich mache mir solche Sorgen um sie.

Viele Grüße, Elfriede

Ralf Tillenburg
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Re: Künstliche Ernährung, Entzündung, Fieber

Beitrag von Ralf Tillenburg »

Liebe Elfriede,

es ist sicher nicht schön, was Sie derzeit bei Ihrer Freundin erleben. Ich kann Ihre Sorgen sehr gut nachvollziehen.
Trotzdem Sei es mir erlaubt, ein paar Fragen zustellen.

Ist das, was sie beschreiben, Ihre persönliche Meinung (als außenstehende mitleidende Person), oder entspricht es dem Wortlaut Ihrer Freundin? Bitte nicht falsch verstehen, keinesfalls abwertend oder als Kritik gemeint, nur möchte ich Ihre Aussagen richtig verstehen können.

Meine Erfahrung ist, dass Außenstehende Dinge oft sehr viel dramatischer erleben als Betroffene selbst, darum die Nachfrage.

Was können Sie jetzt tun? Bitten Sie Ihre Freundin um eine Vollmacht, in der sie Ihnen erlaubt, in ihrem Sinne mit den Ärzten zu reden. Bei der Unterschrift der Vollmacht sollten Sie möglichst noch eine zweite Person als Zeugen dabei haben, der/die bestätigen kann, dass die Unterschrift aus freien Stücken und im Vollbesitz der geistigen Kräfte erfolgte. Danach können Sie mit den Ärzten offen reden, bitten Sie um Auskunft, fragen Sie alles, was notwendig ist.

Bitte nicht falsch verstehen. Ich sage nicht, dass Fehler passiert sind. Aber es wäre durchaus möglich, dazu benötigt man aber klare Infos.

Andererseits ist ein "schicksalhafter" Verlauf ohne ärztliche Fehler genauso denkbar. Sicher aber erscheint mir das Verhalten der Ärzte ungeschickt, da die von Ihnen geposteten Äußerungen eher Misstrauen schüren.

Bitte berichten Sie über den weiteren Verlauf.
Alles Gute
Ralf Tillenburg
Facharzt für Allgemeinmedizin
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Elfriede
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Re: Künstliche Ernährung, Entzündung, Fieber

Beitrag von Elfriede »

Lieber Dr. Tillenburg,

herzlichen Dank für Ihre Antwort.

Es ist neu für mich, dass man als 'Außenstehender' durch eine Vollmacht Auskunft von den Ärzten bekommen kann. Ich dachte, das ginge nur bei Verwandten. Ich werde es auf jeden Fall versuchen, die Vollmacht bekomme ich bestimmt.

Aber ich denke, dass mir die Ärzte auch nicht mehr Auskünfte geben werden als meiner Freundin. Wir sind ungefähr gleich alt, und sie ist ja nicht dement! Warum sollte mir der Arzt mehr sagen als ihr? Er wird mich wahrscheinlich mit denselben belanglosen Erklärungen abspeisen wie meine Freundin. Vielleicht ist er sogar ungehalten und gibt dann überhaupt keine Auskunft mehr, wer weiß?
Das Problem scheint zu sein, dass die Ärzte die Patienten wie kleine unmündige Kinder behandeln, wahrscheinlich weil sie glauben, die Patienten würden sowieso nichts verstehen, wenn die Ärzte ihnen etwas erklären.

Sicherlich haben Sie Recht, wenn Sie schreiben, dass Außenstehende oftmals die Beschwerden dramatischer sehen als die Patienten selbst, aber in diesem Fall ist es eher umgekehrt. Ich versuche immer, meine Freundin zu beruhigen. Aber ich sehe ja, dass sie große Schmerzen hat. Wir kennen uns seit über 40 Jahren, und ich weiß, dass sie kein 'Weichei' ist. Und das Fieber ist nun mal eine Tatsache. Als ich eine Schwester im Beisein meiner Freundin fragte, ob das Fieber noch so hoch sei, sagte sie: Ja, immer noch über 39.
Ich sehe und höre ja auch, wie meine Freundin nach Luft schnappt, wenn sie spricht. Sie kann immer nur drei, vier Wörter sagen, dann japst sie fürchterlich nach Luft. Sie kann auch nicht liegen, sondern muss immer halb im Bett sitzen, damit sie überhaupt Luft bekommt. Sie wird immer schwächer, und es geht ihr ganz deutlich immer schlechter. Ich glaube nicht, dass Fieber, Atemnot und Schmerzen psychisch bedingt sind.

Was sie mir erzählt hat über das Verhalten und über die Aussagen der Ärzte habe ich hier wörtlich wiedergegeben.

Welche konkreten Fragen sollte ich an den Arzt stellen und wie sollte ich sie formulieren, damit er sich nicht angegriffen fühlt?
Meine Fragen wären:
Warum war Galle im Bauchraum?
Was genau wurde bei der zweiten Operation gemacht?
Warum und wie lange muss sie künstlich ernährt werden?
Welche Organe im Bauch müssen geschont werden?
Wie kann es zu solchen schweren Entzündungen kommen?
Warum schlagen die Antibiotika nicht an?
Wie kann man die Schmerzen lindern?
Kann die Sonde die Luftröhre abdrücken oder wodurch kann es sonst zu Luftnot kommen?
Was genau besagen die Blutwerte?
Welche weiteren Schritte gedenken Sie zu unternehmen?

Sind das zu viele Fragen? Wären solche Fragen ungehörig?
Ich will den Arzt ja nicht verprellen, dann gibt er vielleicht überhaupt keine Auskunft mehr.
Sollte ich möglichst Fachausrücke benutzen (die kann ich ja auswendig lernen), damit man mich ernst nimmt?

Vielen Dank im Voraus für Ihre Antworten.
Viele Grüße, Elfriede

Ralf Tillenburg
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Re: Künstliche Ernährung, Entzündung, Fieber

Beitrag von Ralf Tillenburg »

Liebe Elfriede,

in einem Punkt muss ich Ihnen natürlich widersprechen: Ärzte behandeln Patienten nicht wie kleine unmündige Kinder!

Sie merken: ich bin kein Freund von Pauschalisierungen. Ich gebe Ihnen aber recht: In Einzelfällen kann das durchaus so sein - was ich persönlich nicht gut finde.

Sie, oder noch besser Ihre freundin könne sich aber dagegen wehren. Bestehen Sie darauf, umfassend über alles informiert zu werden. Ist der Stationsarzt dazu zu inkompetent, gehen Sie zum Oberarzt, will dieser nicht, gehen Sie zum Chefarzt. Ihre Freundin hat ein Recht auf eine umfassende Auskunft, dazu sind die Ärzte verpflichtet!

Wenn da nichts geht, drohen Sie mit Verlegung in eine andere Klinik. Das sollte helfen.Oder drohen Sie mit Einschaltung eines rechtsanwaltes.

Zu Ihren Fragen:
Galle im Bauch bedeutet: da war irgendwo ein Leck.
Was bei der zweiten OP gemacht wurde, steht im OP-Bericht. Den kenne ich nciht, kann daher darauf auch nicht antworten. Aber Ihre Freundin hat das Recht auf eine Kopie des Berichtes.
Wie lange künstliche ernährung nötig ist, kann nur vor Ort entschieden werden.
Die Entzündung ist Folge der Verdauungsentzyme der Gallenflüssigkeit, die sehr aggressiv ist.
Antibiotika wirken gegen Bakterien. Gibt es dort keine Bakterien, ider sind diese resistent gegen das Antibiotikum, können diese nicht wirken.
Schmerzen werden durch Schmerzmittel gelindert. Das setzt aber voraus, dass die Ärzte von den Schmerzen wissen. Wenn Ihre Freundin den Helden spielt, werden die Ärzte nur wenig von den Schmerzen erfahren.
Die Luftnot dürfte am ehsten Folge der starken Entzündungsreaktion des Körpers sein.
Blutwerte geben immer einen Momentzustand an. Auf welche Werte wollen Sie konkret hinaus?

Stellen Sie dem Arzt diese Fragen durchaus. Ob er unwirsch reagiert, sollte Ihnen angesichts der ernsten Situation egal sein. Und bleiben Sie bei Ihrer Sprache. Nichts wirkt lächerlicher, als wenn Laien versuchen, sich medizinisch auszudrücken - sie werden dann nicht mehr ernst genommen. Sprechen Sie lieber in Ihrer Sprache! Das wirkt authentischer. :wink:
Alles Gute
Ralf Tillenburg
Facharzt für Allgemeinmedizin
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Elfriede
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Re: Künstliche Ernährung, Entzündung, Fieber

Beitrag von Elfriede »

Lieber Dr. Tillenburg,

danke für Ihre Antwort.
Heute hat es geklappt, wir haben beide mit dem Stationsarzt gesprochen. Aber wirklich aufschlussreich war das nicht.

Bei der ersten Operation, so sagte er, musste der Hauptgallengang durchschnitten werden, warum das sein musste, sagte er nicht. Dabei sei wohl Gallenflüssigkeit in den Bauchraum gekommen. Auf die Frage, was bei der zweiten Operation gemacht wurde, nannte er einen medizinischen Fachausdruck. Als ich den aufschreiben wollte, führ er mich an: 'Aufgeschrieben wird hier gar nichts'. Es war ein Ausdruck mit -anamose' am Ende oder so ähnlich.
Er erklärte nur, dass man eine künstliche Verbindung zwischen dem Zwölffingerdarm und dem Darm angelegt habe mit einer Schlinge. Als meine Freundin nach der Bedeutung dieser Schlinge fragte, winkte er ab und überging die Frage.

Künstlich ernährt werden müsse sie, weil die Nahrung direkt in den Darm geleitet werden müsse, damit die Nähte heilen können. Die Ernährungssonde müsse jetzt noch ca. 4 Wochen drinbleiben.
Eine PEG geht nicht, sagte er, erklärte aber nicht, warum.

Er meinte, die Entzündung käme von der Sonde, die die Schleimhäute reize. 'Wir tun alles, damit die Entzündung sich bessert' sagte er.
Das tun sie nun schon seit vier Wochen, und nichts ändert sich.

Meine Freundin spielt keineswegs den Helden, sondern sagt klar und deutlich, dass sie Schmerzen hat. Der Arzt meinte dann nur: 'Sie haben eben die Situation noch nicht akzeptiert. Deswegen haben Sie Schmerzen und Luftnot.'
Das Fieber war heute 39,4.

Sie hat immer Durst, darf aber natürlich nichts trinken. Der Rachenraum ist dunkelrot, die Atmung sehr mühsam. Die obersten Fingerglieder der linken Hand sind eiskalt und ganz weiß, teilweise blau. Sind das Durchblutungsstörungen? Als meine Freundin danach fragte, sagte der Arzt nur: 'Da ist gar nichts.'

Die Frage, ob die Blutwerte im Normenbereich seien, konnte er nicht beantworten. 'Die habe ich jetzt nicht hier', sagte er.
Zum Schluss meinte er: 'Nun grübeln Sie man nicht so viel rum, es ist alles bestens in Ordnung.'

Das Gespräch dauerte insgesamt 6 Minuten.
Ich denke, sie sollte in ein anderes Krankenhaus verlegt werden, vielleicht in die Universitätsklinik?
Was meinen Sie?
Wenn sie hier noch weitere 4 Wochen liegt (so lange die Sonde drin ist, darf sie ja nicht entlassen werden), dann wird es nicht besser. Bis jetzt hat sich ihr Zustand fast täglich verschlechtert. Sie ist unendlich müde und durch die Schmerzen so geschwächt, dass man kaum mehr ein Gespräch mit ihr führen kann. Ich habe Angst um sie.

Können Sie uns Näheres erklären zu der Operation mit der Schlinge?
Warum muss nach einer solchen Operation eine Sonde mindestens 8 Wochen drinbleiben? Heilen die Nähte so langsam?
Wenn die Entzündung nach 4 Wochen nicht raus ist, gibt es dann überhaupt noch Aussicht auf Besserung?

Viele Grüße, Elfriede

Ralf Tillenburg
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Re: Künstliche Ernährung, Entzündung, Fieber

Beitrag von Ralf Tillenburg »

Liebe Elfriede,

die Antwort des Arztes war unzureichend und überwiegend auch falsch. Das wirft kein gutes Licht auf ihn, vielleicht war er aber auch vom Oberarzt oder Chefarzt gesteuert. Sein Verhalten demonstriert seine Unsicherheit!

Bei einer Gallenblasenentfernung muss der Hauptgallengang nicht durchtrennt werden. Das ist Unfug, und eher ein zeichen dafür, dass ein Fehler passiert ist oder sein könnte.

Der Begriff, den Sie meinen, dürfte wohl "Anastomose" lauten. Damit ist eine Verbindung zwischen zwei Strukturen gemeint. Eine Anastomose der Gallengänge würde aber bedeuten, dass diese (unnötig) vorher durchtrennt wurden.

Eine PEG würde sicher gehen, ich bin aber kein Freund davon. Manchmal ist sie trotzdem die beste Lösung!

Die Entzündung kommt sicher nicht von der Sonde. Da will er Ihnen etwas vorspielen.

Das der Arzt auf die Schmerzen nicht eingeht, wirft kein gutes Licht auf die Klinik. Ich denke, das Beste wäre in der Tat eine Verlegung in eine andere Klinik.
Alles Gute
Ralf Tillenburg
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Jessy-81
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Re: Künstliche Ernährung, Entzündung, Fieber

Beitrag von Jessy-81 »

Hallo,
Ich denke, das Beste wäre in der Tat eine Verlegung in eine andere Klinik.
Dr.Tillenburg ich stelle mal hier die Frage, was ich denke Elfriede am meisten Interessiert. Ich Befürchte, wenn ich das hier lese, das das Krankenhaus nicht besonders begeistert Reagiert mit der Verlegung und vielleicht auch blockiert. Wie soll Sie am besten vorgehen?

Elfriede
Wenn das Krankenhaus wirklich meint die Entzündung käme von der Sonde(wozu ich oben schon meine Meinung geäußert habe), hätte die schon längst als "Lösung des Problem" eine PEG Sonde vorgeschlagen. Dazu ja auch das vor der Sonde schon Fieber vorlag. Das Passt alles nicht zusammen und eigens mehr noch.

Dr.Tillenburg noch eine kurze frage, wieso sind Sie kein Freund von einer PEG Sonde?

Gruß
Jessy

Kassy
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Re: Künstliche Ernährung, Entzündung, Fieber

Beitrag von Kassy »

Hallo Elfriede,

es steht mir nicht zu ,zu urteilen...aber - tue das aus dem gelesenen heraus.....wenn all das was Sie schreiben ,auch von Ihrer Freundin kommt....dann würde ich für meine Freundin...nach dem ich ein anderes Krankenhaus gefunden habe,vielleicht auch mir Hilfe der Krankenkasse ( denn diese muss ja schließlich all die Behandlungen vom ersten KH bezahlen ) flinke Füsse bekommen...aber ganz flinke......schildern Sie dort Ihre Sorgen.....

Jeder Patient hat das Recht zu erfahren...warum Dinge mit Ihm passieren und was warum gemacht wurde.

Zum einen würde ich mich fragen und da stimme ich Herrn Dr. Tillenburg zu....was haben die dort zu verbergen...wenn ich mir meiner Sache sicher bin ,kann ich mit offenen Karten spielen und dem Patienten belegen ,sowie zeigen...warum,wieso,weshalb....aber das ganze ausweichen und ablenken und übergehen der Fragen die ein Patient hat...zumal auch immer noch solche Schmerzen......ist schon verwunderlich.

Sicher könnte man hier noch Einiges dazu schreiben...aber das hilft wenig.....reden Sie mit Ihrer Freundin Elfriede ob Sie einer Verlegung zustimmt und allem was dazu gehört......

Herr Dr. Tillenburg führte ja schon an,lassen Sie sich etwas schriftliches von Ihr geben...damit Sie bei Behörden,Ämtern auch was erreichen können im Namen Ihrer Freundin.

Es ist vielleicht nicht ganz nett das jetzt zu schreiben.....aber.....ich würde meine Freundin gerne noch länger bei mir haben wollen..

Ich hoffe von Herzen Elfriede das es bald eine Lösung für Sie beide gibt und wünsche alles gute !!!

nette Grüsse Kassy

Elfriede
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Re: Künstliche Ernährung, Entzündung, Fieber

Beitrag von Elfriede »

Hallo, Dr. Tillenburg, Jessy und Kassy,

vielen Dank für die Antworten, auch für die PN, liebe Jessy.

Ich habe alles in der Mittagspause gelesen und bin dann nach der Arbeit gleich ins Krankenhaus gefahren und habe meiner Freundin berichtet.
Dann haben wir den Stationsarzt noch mal kommen lassen und meine Freundin hat ihm gesagt, die Antworten gestern seien unbefriedigend und sie möchte jetzt endlich Klarheit haben über das, was los sei. Daraufhin wurde der Stationsarzt ungehalten, sagte, es sei alles ausführlich besprochen worden und rauschte hinaus.

Dann erfuhr ich von einer Schwester, dass der Chefarzt im Nebenzimmer bei einer Privatpatientin sei. Ich habe auf ihn gewartet und ihn dann angesprochen und gesagt, meine Freundin möchte ein Gespräch mit ihm, da sie vom Stationsarzt nur oberflächliche und ausweichende Antworten bekäme.
Der Chefarzt kam dann kurz ins Zimmer meiner Freundin, und sie sagte, dass sie verlegt werden möchte, wenn sie nicht endlich (nach 4 Wochen!) Auskunft bekäme. Der Chefarzt sagte, der Oberarzt, der sie operiert habe, sei nicht da, aber er selber würde morgen gegen Mittag zu einem Gespräch bereit sein.
Er sagte zum Schluss: Nach einer bilio-digestiven Anastomose (ich durfte mir das aufschreiben :D ) komme es schon mal zu Komplikationen. Er schien also informiert zu sein, was bei meiner Freundin gemacht worden ist.

Nun warten wir gespannt auf das morgige Gespräch, das meine Freundin als Kassenpatientin sicherlich selbst bezahlen muss. Aber das ist völlig egal. Hauptsache, sie weiß endlich, woran sie ist.

Danke, dass ihr uns Mut gemacht habt, energisch vorzugehen.

Viele Grüße, Elfriede

Jessy-81
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Re: Künstliche Ernährung, Entzündung, Fieber

Beitrag von Jessy-81 »

Liebe Elfriede
Nun warten wir gespannt auf das morgige Gespräch, das meine Freundin als Kassenpatientin sicherlich selbst bezahlen muss. Aber das ist völlig egal. Hauptsache, sie weiß endlich, woran sie ist.
Das stimmt nicht so ganz. Wenn nichts Unterschrieben wird(und ich würde mich hütten das zu machen), kostet es nichts. Wenn weder Stationsarzt und Oberarzt Auskunft geben kann, habt ihr anspuck drauf. Und es wurde euch ja auch angeboten.

Ich hatte es selber mal auch. Sollte entlassen werden, alles damals ein bisschen unglücklich gelaufen, es hieß mit Zukünftige Behandlung einmal so, mal so(ging um Chronische Erkrankung), Stationsärztin gab zu überfragt zu sein, Oberarzt wusste noch weniger, und wollte nach dem es hieß, das ich entlassen werde, ein Gespräch mit dem Chefarzt noch haben. Ging an dem Tag nicht mehr, aber ich sollte ein paar Tagen wieder hin und hatte das Gespräch mit dem Chefarzt. Aber worauf ich hinaus will. Bezahlen musste ich dafür nichts.

Gruß
Jessy

Elfriede
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Re: Künstliche Ernährung, Entzündung, Fieber

Beitrag von Elfriede »

Hallo,

der Chefarzt ist nicht gekommen. :cry:
Ob wir noch mal einen Termin bekommen? Ich denke, das ist unwahrscheinlich.

Na ja, man hätte sich ja denken können, dass ein Chefarzt am Sonnabend nicht arbeitet.

Viele Grüß, Elfriede

Gesperrt