Anämie Müdigkeit unbekannte Infekte

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lostintime
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Anämie Müdigkeit unbekannte Infekte

Beitrag von lostintime » 03.08.14, 13:49

Hallo!

Bei meinem Vater (Ende 60, vor 4 Jahren ein Rectum CA erfolgreich entfernt und bis jetzt war auch jede Nachsorgeuntersuchung i.O.) wurde im Mai seine Niere die nicht mehr wirklich gearbeitet hat (wirkliche Probleme hatte er aber bis dahin nie) entfernt. Kurze Zeit später begannen seine Probleme. Er war verschnupft, ständig müde, Leistungsschwach, friert ständig und es kam immer wieder Fieber. Als das Fieber sehr hoch war müsste er mit dem Krankenwagen ins Krankenhaus. Dort bekam er Infusionen, aber einen Grund für diesen Infekt wusste man auch nicht.

Als sich sein Befinden nicht wirklich besser wurde (immer wieder, zumeist am späten Nachmittag/Abend bekam er Fieber, welches aber auch mal für 1-2 Wochen total weg war, die ständige Müdigkeit, Appetitlosigkeit und das Frieren blieb jedoch), hat er nochmals ein Blutbild bei seinem Hausarzt machen lassen. Dieser hat dann Anämie diagnostiziert und meinte man kriegt das mit Infusionen schon wieder in den Griff. Auch er hat damals angedeutet, dass es möglicherweise von der OP kommen kann und er besser seine Niere drinnen gelassen hätte (aber da soll man sich mal auskennen, wenn jeder Arzt etwas anderes sagt).

Nur wenige Wochen später bekam er hohes (40,2 Grad) Fieber und musste wieder ins Krankenhaus (das war jetzt am Dienstag letzte Woche). Und wieder läuft alles wie vor 2 Monaten ab. Fieber ist jetzt mal weg, es wurde Ultraschall gemacht, welches keine Auffälligkeiten zeigt und die Anämie bestätigt (bekam 1 mal eine Blutinfusion und jetzt zumeist Flüssigkeit, es geht ihm solala). Darm-, Magen- und Blasenspiegelung sollten noch anstehen (wurde zumindest am Mittwoch letzter Woche gesagt, aber bis jetzt hat sich da nix getan). Aber die Ärzte sagen/wissen nix. Einzig von etwas schlechten Nierenwerten wurde gesprochen.

Leider hab ich selbst jetzt kein aktuelles Blutbild bei der Hand (das vom Hausarzt hat er noch nicht bekommen, was seine Schuld war weil er nie danach gefragt hat. Ich selbst war da nie dabei), aber eines von April 2014 und auch den Jahren davor. Und da musste ich erkennen, dass er diese Anämie möglicherweise schon 2011 hatte. Sprich niedriger Hb Wert (um 11 herum), niedrige Erythrozyten (4,02 Referenzwert wäre 4,5-5,9), erhöhte Eosinophile und niedriger Hämotokrit Wert (35,1% Referenzwert 40-50), restliche Werte wie z.B. Thrombozyten, Leukozyten (keine Ahnung ob das jetzt auch noch der Fall ist), Monozyten usw. waren im Normalbereich.

Und ziemlich genau diese Werte hatte er auch schon Anfang 2011 (damals allerdings symptomlos). Wenn ich halbwegs richtig gelesen habe spricht man bei diesen Werten doch schon von Anämie oder? Das hieße er hatte diese auch schon vor 4 Jahren. Damals hat sich niemand um diese Werte geschert (und mein Vater tut das dann ja auch nicht, wenn man keine Beschwerden hat und ein Arzt nicht näher darauf eingeht).

Nun (sorry für den langen Text) zu meiner eigentlichen Frage.

Könnte diese chronische Müdigkeit und die Infektanfälligkeit gar nicht in erster Linie von der schon seit jahrelang bestehenden Anämie kommen sondern von der Nierenentfernung? Oder könnte sich die Anämie dadurch weiter ausgeprägt haben (keine Ahnung ob man da auch viel Blut verliert)?

Ich bin mit meinem Latein am Ende, vorallem weil die Ärzte einfach selbst ratlos erscheinen. Durch das Herumgoogeln (ich weiß, dass man das nicht tun sollte, aber ich kann es einfach nicht lassen) hab ich mich schon ganz fertig gemacht. Da kommt man auf Leukämie (aber ich hoffe doch, dass man soetwas dann doch halbwegs sicher diagnostizieren kann oder zumindest halbwegs sicher ausschließen kann) und andere schlimme Dinge. Hämatome u.Ä. hat er nicht. Leukämie wurde auch noch von keinem Arzt in den Mund genommen. Die Ungewissheit macht einen halt fertig.

Hoffe ich bekomme eine Antwort auf mein langes Posting. Vielen Dank im Voraus!

Lg

Ralf Tillenburg
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Re: Anämie Müdigkeit unbekannte Infekte

Beitrag von Ralf Tillenburg » 06.08.14, 20:44

Hallo,

an eine Leukämie würde ich in dem geschilderten Fall wohl ziemlich als letztes denken, deutlich eher an eine chronische Infektion. Wurden Blutkulturen angelegt, wie sind denn die konkreten Laborbefunde?
Alles Gute
Ralf Tillenburg
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lostintime
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Re: Anämie Müdigkeit unbekannte Infekte

Beitrag von lostintime » 07.08.14, 01:30

Mittlerweile hab ich all mögliche Befunde bei der Hand und es wurde auch eine Diagnose gestellt.

Harnwegsinfekt und eine renale Anämie.

Hier ein paar Werte:
Erythrozyten: 3,20
Hämoglobin: 8,3 (bei seiner Einlieferung ins Krankenhaus bei 7,8)
Hämatokrit: 26,4
Mcv: 82,5
Mch: 25,9
Mchc: 31,4
Thrombozyten: 426 (bei seiner Einlieferung bei fast 700)
Leukozyten: 6,83

CRP: lag jetzt zuletzt bei 8,2 (bei der Einlieferung über 20) mg/dl
Blutsenkung 1h: 118mm (Normalwert: 2-20)
Harnsäure bei 10,9 (normal 3,4-7 mg/dl)

Automatisches Diff
Neutrophile Granzulozyten rel, Eosinophile, Basophile, Monozyten alle im Normalbereich
Lymphozyten abs. 0,29 g/l (norm. 1,10-4,00

Kreatinin 2,2 mg/dl

Das sind jetzt die auffälligsten Werte
Seine verbliebene Niere wurde nochmal genau untersucht und ist i.O.

In 2 Wochen steht dann noch eine Darm- und Magenspiegelung an. Die Tumormarker (Werte von Anfang Juni als er das erste mal wegen des Infekts und der Anämie im Krankenhaus war, jetzt wurde da kein Wert bestimmt) waren auch etwas höher (aber noch klar im Normalbereich) als im April. Cea von 2 auf 2,5 und Ca 19-9 von 13 auf 20. Kann das auch mit der Nierenentfernung zu tun haben (die in dieser Zeit erfolgt ist)?

Mach mir (hoffentlich) wohl nur zu viel Sorgen und das Herumgoogeln tut mir nicht gut.

Vielen Dank für die Antwort!

lostintime
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Re: Anämie Müdigkeit unbekannte Infekte

Beitrag von lostintime » 22.08.14, 17:01

Leider haben sich die Befürchtungen bestätigt. Mein Vater hatte gestern eine Darmspiegelung wo man leider ein Rezidiv festgestellt hat
Im distalen Sigma und im Rektum findet sich ein, exulcerierend und infiltrierend wachsender Rezidivtumor, der sich zirkulär ausdeht. Mehr wissen wir leider auch nicht, der Arzt der die Diagnostik durchgeführt hatte, konnte leider nicht allzuviel sagen.

Ist natürlich jetzt ein totaler Schock, weil wir nicht dachten, dass nach 4 Jahren der Krebs an dieser Stelle zurückkommt.

Leider finde ich im Internet relativ wenig über Rezedivbehandlungen. Kann er noch eine Bestrahlung vor einer (hoffentlich möglichen) Operation durchführen lassen? Vor 4 Jahren hat er nämlich schon eine neoajuvante Bestrahlung bekommen. Hab irgendwo gelesen, dass das nicht mehr möglich ist (zumindest, wenn die Bestrahlung erst kürzlich durchgeführt wurde, weiß jetzt nicht wie das nach 4 Jahren ist). Ob er eine Chemo jetzt überhaupt durchsteht (ist durch die Anämie-die jetzt wohl doch durch den neuerlichen Darmkrebs entstanden ist und nicht nierenbedingt ist- in keinem wirklich guten Allgemeinzustand-ganz im Gegensatz zu vor 4 Jahren-).

Bei den letzten Ultraschalluntersuchungen (vor ca. 3 Wochen durchgeführt) von Leber, Lunge und ich denk auch mal Lymphknoten war nichts auffälliges zu sehen. Auch die Tumormarker war beim letzten Blutbild noch im Normalbereich.

Mir ist schon klar, dass Sie mir jetzt vermutlich nicht viel sagen können, aber vielleicht können Sie ja doch die eine oder andere Frage beantworten.

Vielen Dank im Voraus!

lg

Ralf Tillenburg
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Re: Anämie Müdigkeit unbekannte Infekte

Beitrag von Ralf Tillenburg » 22.08.14, 17:11

Hallo,

zunächst einmal sorry, dass ich Ihr letztes Posting übersehen und nicht beantwortet habe.

Durch die Diagnose des Rezidivs dürften sich zumindest die aktuellen Laborwerte erklären lassen. Ob damit auch die Fieberattacken erklärt sind, kann ich nicht beurteilen.

Die von Ihnen gepostete "renale" Anämie hat mich ein wenig verwundert, dafür sind die Werte nicht typisch, sie sprechen eher für einen Eisenmangel, möglicherweise aufgrund einer chronischen Tumorblutung.

Zunächst einmal muss jetzt ein Staging erfolgen mit dem Ziel, das Ausmaß des Rezidivs genau festzustellen. Ist der Tumor lokal begrenzt, also operabel (wird man durch CT feststellen), liegen Metastasen entlang der Lymphbahnen u/o in der Leber vor (ebenfalls CT)? Die Tatsache, dass CEA noch im Normbereich ist, lässt vorsichtigen Optimismus zu, ist aber keine Garantie. Erst dann kann man etwas zur möglichen Therapie sagen.

Nimmt Ihr Vater ASS zur Blutverdünnung?
Alles Gute
Ralf Tillenburg
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Re: Anämie Müdigkeit unbekannte Infekte

Beitrag von lostintime » 22.08.14, 17:53

Kein Problem, dafür bin ich Ihnen jetzt umso dankbarer, dass Sie so prompt geantwortet haben.

Zumindest sind die Fieberattacken momentan vorbei. Er hatte zwar am letzten Dienstag fast 39 Grad Fieber, aber das kann man vielleicht mit der Infusionstherapie (Eisen und Epospritzen) erklären (nach diesen ging es ihm immer so). Ansonsten hat er zumeist 36,3 (am Abend etwas höher, aber eigentlich auch fast immer unter 37 Grad).

Die Diagnose renale Anämie war für mich (natürlich absoluten Laien) auch schwer zu verstehen, vorallem weil ja seine Niere (zwar nur noch eine) laut Urologen ganz normal arbeitet und ich so rausgelesen habe, dass die renale Anämie eigentlich hauptsächlich dann entsteht (korrigieren Sie mich bitte, falls ich mich irre), wenn die Niere(n) nur noch höchstens zu 50% arbeiten. Aber all das ist ja jetzt wohl eh nicht mehr das Hauptproblem.

Ich hoffe mein Vater schöpft jetzt wieder Mut (gestern war er klarerweise ziemlich niedergeschlagen und wollte quasi schon aufgeben) und ist ähnlich kampfbereit wie vor 4 Jahren (damals war er halt auch richtig fit und hatte überhaupt keine Beschwerden. Wenigstens hat er zumindest zum jetzigen Zeitpunkt überhaupt keine Schmerzen).

Da Sie mir auf meine Frage, ob theoretisch eine Strahlentherapie (falls notwendig) durchgeführt werden könnte (die er ja schon vor 4 Jahren erhalten hat) nicht geantwortet haben geh ich mal davon aus, dass man das nicht pauschal beantworten kann?

Nein, meines Wissens nimmt er keine Blutverdünner.

lg

Ralf Tillenburg
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Re: Anämie Müdigkeit unbekannte Infekte

Beitrag von Ralf Tillenburg » 22.08.14, 21:37

Hallo,

Ob eine weitere Strahlentherapie möglich ist, hängt davon ab, wie hoch die Dosis beim erstenmal war. Das kann ich nicht beurteilen.

Wenn möglich, sollte aber eine OP erfolgen.

Bei einem Kreatinin von 2,2 muss man davon ausgehen, dass die Nierenleistung nur noch bei 20-30% liegt. Damit kann die Niere zwar immer noch die Entgiftung des Körpers durchführen, man sollte die Niere aber engmaschig überwachen. Hier ist übrigens der Nephrologe, nicht der Urologe der Ansprechpartner.

Angesichts der Tatsache, dass sich nach einer aktuellen Studie 15% aller Darmkrebse allein mit Aspirin erfolgreich behandeln lassen, würde ich als Betroffener auf jeden Fall täglich 100 mg ASS zu mir nehmen. allerdings bitte immer nur in Absprache mit den behandelnden Ärzten!
Alles Gute
Ralf Tillenburg
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Lizard
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Re: Anämie Müdigkeit unbekannte Infekte

Beitrag von Lizard » 23.08.14, 10:28

Hallo Herr Tillenburg,

diese Studie würde mich sehr interessieren. Haben Sie dazu einen Link o.ä. ?

Danke!

Grüße

Lizard
Hinweis unter Bezug auf §7(3) der Berufsordnung für Ärzte:
Mein Beitrag ist eine Stellungnahme, die auf den vorliegenden Angaben beruht. Sie ersetzt aber nicht die persönliche Beratung, Untersuchung und Behandlung durch Ihren Arzt.

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Re: Anämie Müdigkeit unbekannte Infekte

Beitrag von lostintime » 23.08.14, 13:01

Ich hatte auch schon davon gehört, dass Aspirin gut helfen kann. Allerdings auch, dass es beim Rektumkarzinom nicht wirklich drauf anspricht. Aber da wären wir natürlich froh, wenn es doch etwas bringen könnte. Danke für dieses Feedback!

Ralf Tillenburg
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Re: Anämie Müdigkeit unbekannte Infekte

Beitrag von Ralf Tillenburg » 23.08.14, 14:14

Hallo Lizard,

ein wenig steht dazu auf meiner Homepage
http://info-medico.de/index.php/neues-2 ... egen-krebs

Googeln nach pik3ca und Aspirin bringt auch eine Reihe von Studien,

Die Originalarbeit ist diese:
Liao X, Lochhead P, Nishihara R, Morikawa T, Kuchiba A, Yamauchi M, Imamura Y, Qian ZR, Baba Y, Shima K1 Sun R, Nosho K, Meyerhardt JA, Giovannucci E, Fuchs CS, Chan AT, Ogino S. Aspirin use, tumor PIK3CA mutation, and colorectal-cancer survival.
N EngI J Med. 2012 Oct 25;367(17):1596-606.

Allerdings muss dies alles in weiteren Studien noch untermauert werden. Ganz allgemein ist bekannt, dass Aspirin wie auch Metformin die Metastasenrate bei Tumoren reduzieren. Beide Wirkstoffe würde ich daher im Falle einer solchen Erkrankung vorsichtshalber einnehmen. :wink:
Alles Gute
Ralf Tillenburg
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Re: Anämie Müdigkeit unbekannte Infekte

Beitrag von lostintime » 28.08.14, 17:08

Guten Tag Herr Dr. Tillenburg!

Heute hatte mein Vater in dem Krankenhaus wo er die Darmspiegelung durchgeführt hatte ein Gespräch mit einem Arzt. Hier wurde ihm mitgeteilt, dass er nächste Woche nochmal zur Darmspiegelung kommen soll (denk halt, dass das nochmal eine Darmspiegelung ist), damit man eine Gewebeprobe entnehmen kann, weil scheinbar noch nicht feststeht, ob es sich nicht vielleicht doch um einen gutartigen Polypen handelt. Für mich ist das jetzt alles ziemlich unverständlich. 1. Wieso hat man ihm das nicht schon letzte Woche gleich gesagt? 2. Wieso hat man schon eine aus meiner Sicht endgültigen Diagnose von einem Rezidivtumor im Befund gestellt? 3. Wieso hat man nicht sofort eine Gewebprobe entnommen oder zumindest gesagt, dass er heute nochmal mit einem "leeren Darm" auftauchen soll? So ist jetzt wieder eine Woche vergangen ohne dass etwas getan worden ist bzw. wird sich das ja jetzt bestimmt nochmal 2 Wochen hinziehen bis ein korrektes Ergebnis vorliegt. Natürlich wäre ich froh, wenn sich das als Irrtum herausstellen wurde. Aber ist das überhaupt wahrscheinlich?
Ich dachte eigentlich, dass man Anhand einer Koloskopie sofort feststellen kann, ob das nur Polypen oder ein bösartiger Tumor ist und falls es Polypen sind diese gleich direkt bei der Darmspiegelung entfernt werden?

Immerhin geht es ihm jetzt so körperlich besser, er ist etwas fitter als in den letzten Wochen und die Körpertemperatur ist fast durchgehend im Normalbereich. Aber die Ungewissheit ist halt echt schlimm.

Liebe Grüße!

Ralf Tillenburg
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Re: Anämie Müdigkeit unbekannte Infekte

Beitrag von Ralf Tillenburg » 29.08.14, 18:54

Hallo,

zunächst einmal kann ich Ihnen versichern, dass eine Verzögerung von 3 oder 4 Wochen keine Konsequenzen für eine bösartige Erkrankung hat, in so kurzer Zeit passiert da nicht viel, und die Prognose wird nicht verschlechtert. Ich kann natürlich verstehen, dass sie gerne schnell Klarheit hätten.

Warum die Ärzte so und nicht anders reagiert haben, kann ich aus der Ferne nicht sagen, ich war ja nicht dabei. Möglicherweise sieht der Tumor in der Spiegelung bösartig aus, aber man braucht immer Gewissheit durch eine Gewebeprobe. Vielleicht hat man ja auch schon Proben entnommen, aus denen man aber keine klare Diagnose bekommen hat. Aber das ist alles Spekulation.

Das einfachste dürfte sein, den Arzt vor Ort zu fragen.
Alles Gute
Ralf Tillenburg
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Re: Anämie Müdigkeit unbekannte Infekte

Beitrag von lostintime » 18.09.14, 10:52

Hallo!

Hab jetzt länger nicht geschrieben, weil es bis jetzt nichts Neues gab. Vor einer Woche hatte er die Gewebsprobeentnahme (hat sich um eine Woche verzögert, weil er vor 2 Wochen wieder Fieber hatte).

Die gute Nachricht ist, dass jetzt plötzlich doch nichts auf Bösartigkeit hindeutet (für mich immer noch unglaublich wie man dann vor knapp einem Monat solch eine Diagnose stellen kann die eigentlich keinen Zweifel aufkommen lässt. Aber besser so als umgekehrt).

Die Anämie hat sich angeblich (angeblich deshalb, weil ich selbst ja mal wieder kein Blutbild bei der Hand habe) auch gebessert (zumindest sprach der Hausarzt von verbesserten Blutwerten und dass jetzt keine Epotherapie mehr nötig ist).

Richtig fit ist mein Vater aber immer noch nicht. Das Fieber ist jetzt zwar selten (in den letzten Wochen hatte er 1-2 mal erhöhte Temperatur) und seit ein paar Tagen plagen ihn Bauchschmerzen (er meint Unterbauch).

In 2 Wochen muss er aber sowieso zur Nachsorgeuntersuchung (wo u.A. Mrt gemacht wird).

Ich möchte mich nochmals bei Ihnen für ihre prompten Antworten bedanken. Vermutlich hab ich heute eh nicht das letzte Mal geschrieben.

Liebe Grüße!

lostintime
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Re: Anämie Müdigkeit unbekannte Infekte

Beitrag von lostintime » 07.10.14, 07:20

Hallo!

Jetzt ist Mrt Befund da.

Bei colsokopisch verifiziertem Rezidiv eines Carcinoms am recto-sigmoidlen Übergang zeigt sich einerseits in diesem Bereich eine recht unregelmäßig konfigurierte, deutlich kontrastmittelaufnehmende Wandverdickung des recto-sigmoidalen Überganges, betreffend ein Areal von einem Querdurchmesser bis zu 4,2 cm, ein ap.-Durchmesser bis zu 1,7 cm. In diesem Bereich ist auch eine deutliche Dehiszenz der Darmwand erkennbar, hier ist ein Substanzdefekt von zumindest 1,2 cm detektierbar.
Auffällig ist eine ausgedehnte, präsacral gelegene Retention, offenbar mit deutlichen Stuhl- bzw. Lufteinschlüssen, welche in Konnex zu der oben beschriebenen, ausgedehnten Dehiszenz des Darmlumen steht. Diese Retention misst im Querdurchmesser bis zu 6 cm und im ap.-Durchmesser bis zu 4,5 cm.
In cranio-caudaler Ausdehnung erreicht sie eine Strecke von bis knapp 10 cm, wobei sie annähernd bis auf Höhe des Pomontoriums, re.-seitig entlang der Iliacalgefäße nach cranial reicht und nach caudal hin bis auf Höhe der Symphyse. Diese Veränderung zeigt eine teils deutliche, periphere Kontrastmittelaufnahme, vor allem präsacral.

Eindeutig pathologisch veränderte oder vergrößerte Lymphknoten finden sich nicht, wobei aber die Beurteilbarkeit der iliacalen Lymphknotenstationen durch die oben beschriebene, ausgedehnte Retention erschwert ist.
Hinsichtlich der dargestellten Skelettstrukturen zeigen sich soweit keine sicheren Auffälligkeiten.
Deutliche degenerative Veränderungen an der li. Hüfte, HÜfttotalendoprothese re. in situ.

ERgebnis:
Ausgedehnte, irregulär konfigurierte Veränderung der Darmwand im BEreich des recto-sigmoidalen Übergangs wie beschrieben, suspekt auf einen Rezidivtumor eines Carcinoms des recto-sigmoidalen Übergangs.
Hier fällt zusätzlich eine breite Dehiszenz der Darmwand auf, mit einer ausgedehnten, präsacral gelegenen, teils stuhl-,teils auch lufthältigen, wandständig teils kontrastmittelaufnehmenden Retention, der BEfund ist höchst verdächtig auf eine ausgedehnte, gedeckte Perforation - Wie im Text beschrieben.
Sonst zeigen sich im untersuchten Areal keine eindeutigen, malignomassoziierten Veränderungen, wobei die Beurteilung der iliacalen Lymphknotenstationen durch die ausgedehnte präsacralen Retention deutlich erschwert ist.
Weitere Evaluierung, z.B. auch mitteles CT-Abdomen erforderlich.

Könnten Sie mir bitte dazu etwas sagen?

Liebe Grüße und danke!

lostintime
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Re: Anämie Müdigkeit unbekannte Infekte

Beitrag von lostintime » 08.10.14, 09:46

Hallo nochmal!

Heute ist mein Vater mit dem Befund zum Hausarzt. Dieser hat ihn aufgrund der Perforation sofort in ein Krankenhaus (dort wo er schon vor 4 Jahren operiert worden ist) überwiesen.

Ich bin mal froh, dass endlich was geschieht. Hoffentlich findet man jetzt auch endlich heraus, ob da wirklich ein Rezidivtumor im Darm sitzt oder nicht. Diese ganze Ungewissheit (die sich ja jetzt schon über Monate hinzieht) ist unerträglich.

Liebe Grüße!

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