Entfernung der Gallenblase?

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Ralf Tillenburg
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Re: Entfernung der Gallenblase?

Beitrag von Ralf Tillenburg »

Hallo Bea,
Bea_H hat geschrieben:Aus einer an sich harmlosen Gallenblasenoperation ist so ein Albtraum geworden.
Leider kommt so etwas vor, obwohl solche extremen Komplikationen Gott sei Dank sehr selten sind.
Bea_H hat geschrieben:Noch vor etwas über zwei Wochen war meine Stiefschwester ein lebensfroher und anscheinend völlig gesunder Mensch,
aber (sorry) nur scheinbar gesund. Sie hatte eine Schrumpfgallenblase, muss also schon sehr lange Gallensteine und auch möglicherweise eine Gallenblasenentzündung gehabt haben. Entweder nicht bemerkt, oder nicht adäquat behandelt.
Bea_H hat geschrieben:Woran erkennt man, ob Gallenflüssigkeit oder Wasser in den Bauchraum gelaufen ist? Kann man Gallenflüssigkeit auch mit einer Nadel absaugen? Kann sich daraus nicht eine Bauchfellentzündung entwickeln?
Man sieht ja bei der Punktion, was dort herauskommt. Gallenflüssigkeit wäre gelblich-bräunlich, manchmal auch etwas grünlich. Bauchwasser alleine muss keine Bauchfellentzündung machen, Gallenflüssigkeit würde aber das Gewebe andauen und zu starken Schmerzen führen - die hatte Ihre Stiefschwester nach der OP ja auch.
Bea_H hat geschrieben:Die Frage, ob man nicht hätte erkennen müssen, dass noch Gallengrieß in den Gängen ist, haben wir uns auch immer und immer wieder gestellt, zumal es ja eine offene Operation war. Der Arzt hat doch sicher den Bauch aufgeschnitten, um besser sehen zu können. Da operiert er über vier Stunden und findet das Wichtigste nicht. Wie ist das möglich? Hätte man nicht gleich die Gallengänge spülen können?
Die Frage ist: Hätte er das sehen können? Hier wird es jetzt hypothetisch. Wie waren die Bauchverhältnisse? Hatte Ihre Stiefschwester Verwachsungen, die die Operation sehr erschwert haben (vermutlich, dann sonst hätte man ja mit Schlüsselloch-Technik operiert)? Konnte man also gefahrlos bis zu den Gallengängen vordringen, ohne noch mehr zu zerstören? Oder war man schließlich froh, wenigstens die Gallenblase heraus nehmen zu können, und hat dann wegen erheblicher Schwierigkeiten die OP beendet, um nicht noch mehr Schaden zu verursachen?
Antworten auf diese Fragen liefert der OP-Bericht.

Sie haben Recht, bei einer unkomplizierten OP hätte man die Gallengänge spülen können, man hätte sie finden und darstellen können. Aber in einem Verwachsungsbauch wäre das nahezu unmöglich und vor allem sehr gefährlich. Man weiß als Operateur ja vor der OP nie, was einen erwartet.
Bea_H hat geschrieben:Und niemand hat meine Stiefschwester darüber aufgeklärt, dass so etwas passieren kann.
Ich denke schon, dass sie darüber aufgeklärt wurde. Es gibt sicher einen Aufklärungsbogen in ihrer Krankenakte, in der sie all dies unterschrieben hat.
Bea_H hat geschrieben:Kann die Bauchwassersucht auf einen Leberschaden hindeuten? Wenn ja, was kann man tun, damit die Leber sich erholt?
Kann, muss aber nicht. Im Moment sehe ich das eher als Reaktion auf die OP, denn eine GPT von 70 lässt nicht auf einen schweren Leberschaden schließen. Die Frage ist aber, wie der weitere Verlauf der Leberwerte ist. Sicher wird bei ihr fast täglich Blut abgenommen.
Bea_H hat geschrieben:Sollte ich meiner Stiefschwester zureden, in ein anderes Krankenhaus zu gehen, wo man evt. mehr Erfahrung mit solchen Komplikationen hat?
Das ist sehr schwer zu beantworten. Viele Kliniken kennen sich mit der Problematik gut aus. Da ich die Klinik Ihrer Stiefschwester und deren Qualität nicht kenne, kann ich das nicht beurteilen. Handelt es sich um ein kleineres Haus, wäre ggf. eine Verlegung zu erwägen, jedoch in Absprache mit den derzeit behandelnden Ärzten, denn eine Verlegung kann ja auch ein Risiko bedeuten. Allerdings muss man eben auch berücksichtigen, dass es manchmal Situationen gibt, die nicht vorhersehbar sind, und die auch in einem Haus der Maximalversorgen passieren würden. Es muss also kein Behandlungsfehler sein.
Alles Gute
Ralf Tillenburg
Facharzt für Allgemeinmedizin
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Bea_H
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Re: Entfernung der Gallenblase?

Beitrag von Bea_H »

Sehr geehrter Herr Dr. Tillenburg,

ich finde es so toll, dass Sie mir so gut mit Ihrem Rat zur Seite stehen, und das sogar am Sonntag! Ganz herzlichen Dank dafür!

Die entsetzlichen Schmerzen waren also nicht nur durch die Operationswunde entstanden, sondern auch durch die Tatsache, dass der Gallensaft angefangen hatte, den Bauchinnenraum und die anderen Organe zu verdauen! Allein diese Vorstellung lässt mich erschauern. Das werde ich meiner Stiefschwester nicht erzählen.
Hätte man nicht durch diese Schmerzen erkennen müssen, dass Gallensaft im Bauchraum war und den Stent evt. früher setzen müssen? Na ja, es ist müßig, darüber nachzudenken.
Hätte es denn Medikamente gegeben, um diese Schmerzen zu lindern? Oder sind bei solchen 'Verdauungsvorgängen' alle Schmerzmittel wirkungslos?

Wenn man nun morgen feststellt, dass Gallenflüssigkeit im Bauchraum ist, dann weiß man ja, dass dort irgendwo ein Leck ist. Wo kann das überall sein? Im Gallengang, in der Leber, in der Bauchspeicheldrüse, im Zwölffingerdarm, im Dünndarm?
Wie kann man das finden? Kann man das überhaupt finden, wenn Verwachsungen da sind? Und kann man es dann spülen?

Meine Stiefschwester will ja nichts mehr machen lassen aus Angst, wieder mit den Schmerzen alleingelassen zu werden. Könnte man, falls man noch mal operiert, sich schriftlich geben lassen, dass sie Schmerzmittel bekommt? Das sind ja vielleicht sehr teure Mittel. Sollte man dem Operateur oder der Schwester im Aufwachraum evt. Geld geben, damit meine Stiefschwester Schmerzmittel bekommt? Wir wollen die Schmerzmittel ja gern selber bezahlen.

Wenn man aber nichts unternimmt, wie lange könnte meine Stiefschwester ein Gallenleck überleben? Wie würden ihre letzten Tage oder Wochen aussehen? Ständige Übelkeit, Schmerzen, Schwindel, Delirium? Wie lange dauert es bis durch den Gallensaft die Organe so zerstört sind, dass sie ihren Geist aufgeben? Welches Organ stellt zuerst seinen Dienst ein? Das Ende wäre sicherlich multiples Organversagen. Kann man sie diese letzten Tage zu Hause pflegen? Ich weiß nicht, ob sie ein Bett auf der Palliativstation bekommen kann, die Station hat nur 5 Betten. Wenn nicht, kann man sie nicht wenigstens ins künstliche Koma legen, damit sie die letzten entsetzlichen Tage nicht mehr mitbekommt?

Meine Stiefschwester hat eine Kopie des Aufklärungsbogens mit dem Aufklärungsgespräch bekommen. Da ist die Rede davon, dass es evt. zu einer offenen Operation kommen kann, aber Gallenstau, Gallenleck, Verletzung des Gallenganges, Ikterus, Gelbsucht, Aszites werden nicht erwähnt.

Was wäre gewesen, wenn sie sich nicht hätte operieren lassen? Wären die Konsequenzen ähnlich schrecklich gewesen wie die Operationsfolgen?

Eine Verlegung würde sie wahrscheinlich nicht überleben, aber ich werde evt. mit der Uniklinik Eppendorf Kontakt aufnehmen. Vielleicht machen sie mir ja noch Hoffnung. Vielleicht sagen sie aber auch, da kann man nichts mehr machen.
Wenn das Ende nur nicht von grausamen Schmerzen begleitet sein wird. Vielleicht sollte ich loslassen, aber ich habe so schreckliche Angst, dass sie sich noch entsetzlich quälen muss, wenn die inneren Organe angedaut werden und ihr niemand die Schmerzen nimmt. :cry:

Nochmals vielen Dank.
Viele Grüße,
Bea

Bea_H
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Re: Entfernung der Gallenblase?

Beitrag von Bea_H »

Guten Abend, Herr Dr. Tillenburg,

Ich habe eine interessante Seite gefunden:

http://www.aeksh.de/shae_alt/2002/200206/h026042a.html

Hier wird über eine ähnliche Operationssituation berichtet. Es sind den Ärzten schwerwiegende Fehler unterlaufen. Aber die Patientin hat überlebt, wenn auch mit Schäden. Sie war allerdings 14 Jahre jünger als meine Stiefschwester. Das ist natürlich ein großer Unterschied.
Das Entscheidende scheint zu sein, dass man an eine renommierte Klinik kommt, wo wirklich Fachleute am Werk sind. Ich werde mich vielleicht morgen doch an die Klinik in Eppendorf wenden oder ist Ihnen eine andere Klinik in Norddeutschland bekannt, die sich mit solchen schwierigen Operationsverläufen auskennt?

Viele Grüße,
Bea

Ralf Tillenburg
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Re: Entfernung der Gallenblase?

Beitrag von Ralf Tillenburg »

Hallo Bea,
Bea_H hat geschrieben:Die entsetzlichen Schmerzen waren also nicht nur durch die Operationswunde entstanden, sondern auch durch die Tatsache, dass der Gallensaft angefangen hatte, den Bauchinnenraum und die anderen Organe zu verdauen! Allein diese Vorstellung lässt mich erschauern. Das werde ich meiner Stiefschwester nicht erzählen.
Hätte man nicht durch diese Schmerzen erkennen müssen, dass Gallensaft im Bauchraum war und den Stent evt. früher setzen müssen? Na ja, es ist müßig, darüber nachzudenken.
Hätte es denn Medikamente gegeben, um diese Schmerzen zu lindern? Oder sind bei solchen 'Verdauungsvorgängen' alle Schmerzmittel wirkungslos?
Ich persönlich glaube schon, dass die Schmerzen unmittelbar nach OP ein Hinweis darauf waren. Beweisen kann ich das natürlich nicht. Aber sicher hätte man ihr ein Schmerzmittel geben können, starke Opiate sind da sicher wirksam.
Bea_H hat geschrieben:Wenn man nun morgen feststellt, dass Gallenflüssigkeit im Bauchraum ist, dann weiß man ja, dass dort irgendwo ein Leck ist. Wo kann das überall sein? Im Gallengang, in der Leber, in der Bauchspeicheldrüse, im Zwölffingerdarm, im Dünndarm?
Ja, kann, zumindest in den ersten drei genannten Organen.
Bea_H hat geschrieben:Wie kann man das finden? Kann man das überhaupt finden, wenn Verwachsungen da sind? Und kann man es dann spülen?
Man würde und sollte es spülen, oft lässt sich das Leck über Röntgen mit Kontrastmittel finden, oft aber auch durch Nachschauen.
Bea_H hat geschrieben:Meine Stiefschwester will ja nichts mehr machen lassen aus Angst, wieder mit den Schmerzen alleingelassen zu werden. Könnte man, falls man noch mal operiert, sich schriftlich geben lassen, dass sie Schmerzmittel bekommt? Das sind ja vielleicht sehr teure Mittel. Sollte man dem Operateur oder der Schwester im Aufwachraum evt. Geld geben, damit meine Stiefschwester Schmerzmittel bekommt? Wir wollen die Schmerzmittel ja gern selber bezahlen.
Welch schreckliche Gedanken.... :shock: Der Arzt ist verpflichtet, ihr Schmerzmittel zu geben, und zwar ohne Bestechung, oder Übernahme der Kosten. Und nein, die Medikamente sind nicht teuer, 1 Ampulle Morphium kostet 2,50 Euro, in höherer Dosierung auch nicht mehr als maximal 30 Euro.
Bea_H hat geschrieben:Wenn man aber nichts unternimmt, wie lange könnte meine Stiefschwester ein Gallenleck überleben? Wie würden ihre letzten Tage oder Wochen aussehen? Ständige Übelkeit, Schmerzen, Schwindel, Delirium? Wie lange dauert es bis durch den Gallensaft die Organe so zerstört sind, dass sie ihren Geist aufgeben?
Schwer zu sagen. Nichtstun halte ich für keine gute Lösung. Man sollte das Leck (wenn eines da ist) unbedingt finden und behandeln. Dann ist trotzdem ein gutes Ende möglich.

Aber wie auch immer es weiter geht, Schmerzen muss sie keine erleiden, dazu gibt es viel zu gute Medikamente.
Und sicher könnte man sie auch mit entsprechenden Mitteln in einen Art Schlaf versetzen, wenn nötig.
Bea_H hat geschrieben:aber Gallenstau, Gallenleck, Verletzung des Gallenganges, Ikterus, Gelbsucht, Aszites werden nicht erwähnt.
Falls dies so ist, könnte man ggf. hinterher das Krankenhaus verklagen, denn es besteht eine Aufklärungspflicht für solche Nebenwirkungen.

Was wäre gewesen, wenn sie sich nicht hätte operieren lassen? Wären die Konsequenzen ähnlich schrecklich gewesen wie die Operationsfolgen?[/quote]Kann ich leider nicht beurteilen. Vielleicht wäre gar nichts passiert, vielleicht aber auch bald die nächste Kolik mit den gleichen Problemen, wie jetzt auch. Eine geplatzte Gallenblase ist ja auch ein Leck.

Ich drücke Ihnen und Ihrer Stiefschwester alle Daumen.
Alles Gute
Ralf Tillenburg
Facharzt für Allgemeinmedizin
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Bea_H
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Re: Entfernung der Gallenblase?

Beitrag von Bea_H »

Guten Morgen, Herr Dr. Tillenburg,

vielen, vielen Dank für Ihre Antworten.

Jetzt wird endlich klar, warum meine Stiefschwester solche Schmerzen hatte. Der Assistenzarzt hatte sehr spöttisch zu ihr gesagt: 'Na, Sie haben da ja vielleicht ein Drama im OPraum gemacht'.
Der sollte mal diese Schmerzen erleben, der würde auch jammern!

Gestern wurde gut 1 Liter Flüssigkeit mit einer Nadel aus dem Bauch abgesaugt. Meine Stiefschwester hatte Angst davor, aber sie sagt, es war kaum zu merken und nicht schmerzhaft. Man hat ihr überhaupt nicht gesagt, wie die Flüssigkeit aussah. Ich habe dann nachgefragt beim Assistenzarzt und der meinte, die sei 'klar' gewesen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass klare Flüssigkeit aus dem Bauch kommt.
Auf meine Frage, was jetzt geschieht, zuckte er nur mit den Schultern. Und als ich nach Blutwerten fragte, sagte er, er kenne sie nicht. Meiner Schwester ist bis jetzt in der ganzen Zeit nur viermal Blut abgenommen worden.

Genaue Aussagen bekommt man ja sowieso nicht. Der Stationsarzt ist im Urlaub, und der Chefarzt hat sich noch nicht ein einziges Mal blicken lassen, und dabei ist meine Stiefschwester als Privatpatientin eigentlich mit 'Chefarztbehandlung' versichert. Er soll ja auch operiert haben, aber da bin ich mir gar nicht so sicher. Er hätte sich doch wenigstens einmal blicken lassen können. Ist es normal, dass sich der Operateur selber überhaupt nicht um die Patienten kümmert?

Also das Leck scheint jetzt irgendwie zu zu sein, ich glaub das aber noch nicht. Wie kann man erfahren, wie die Blutwerte sind? Meine Stiefschwester hat ja immer noch rot-braun-gelben Urin, aber der Stuhl ist dunkel.

Die Visiten dauern immer nur knapp eine Minute. Ich war neulich bei einer dabei. Einer der beiden Assistenzärzte kommt mit einer Schwester rein, fragt, wie der Urin ist, ob sie abgeführt hat und schwupp ist er wieder weg. Als wir Fragen stellen wollten, winkte er sofort ab.

Gestern hatte ich zum ersten Mal den Eindruck, dass sich meine Stiefschwester doch noch nicht ganz aufgegeben hat. Wenn ich sie doch bloß in ein anderes Krankenhaus bekäme. Aber die in Eppendorf wollen eine Überweisung vom jetzigen Krankenhaus haben, auch bei Privatpatienten, und alle Unterlagen wollen sie auch haben, und die bekommen sie mit Sicherheit nicht oder erst in Monaten. Als ich mir mal den Arm gebrochen hatte, bekam mein Hausarzt den Abschlussbericht erst nach 4 Monaten.

Muss eigentlich ein Krankenhaus eine Überweisung schreiben und die Unterlagen herausrücken, wenn ein Patient in ein anderes Krankenhaus gebracht werden will? Die werden ja toben, wenn ich sage, wir möchten sie verlegen lassen.

Lieber Herr Dr. Tillenburg, ich finde es so toll, dass Sie weiterhin hier antworten. Danke!!!

Viele Grüße,
Bea

ElkeN
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Re: Entfernung der Gallenblase?

Beitrag von ElkeN »

Hallo,

bitte entschuldigen Sie, dass ich mich hier einmische. Bei mir soll nächste Woche die Gallenblase entfernt werden. Diagnose(n): Schrumpfgallenblase, Verdacht auf Adenomyomatose, Sludge - die Gelehrten sind sich nicht so ganz sicher, was da los ist. Ich habe mich bei zwei Chirurgen vorgestellt, der eine drohte mit krebsiger Entartung, der andere meinte nur, dass das "Ding" raus muss. Dieser Ansicht ist auch der Hausarzt. Beschwerden habe ich seit meiner Kindheit, immer ein dumpfer Schmerz auf der rechten Seite bis zum Rücken nach fettigem Essen, ganz selten mal eine Kolik.
Da ich unter einer komplexen PTBS leide und viele Angststörungen habe, überlege ich mir einen solchen Eingriff natürlich sehr genau. Ist die Entfernung der Gallenblase wirklich nötig oder gibt es andere Möglichkeiten, sie so beschwerdearm wie möglich zu halten?

Viele Grüße,
Elke

Bea_H
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Re: Entfernung der Gallenblase?

Beitrag von Bea_H »

Hallo, Elke,

ich denke Herr Dr. Tillenburg wird Ihnen Rat und Antwort geben können.
Ich kann Ihnen leider nicht helfen.

Meine Stiefschwester hatte auch eine Schrumpfgallenblase, die stark verdickt war. Der Verlauf ihrer Operation ist sicherlich nicht typisch. Lassen Sie sich durch diesen Thread nicht verunsichern, denn jeder Fall ist anders.
Außerdem ist meine Stiefschwester schon 72, und in dem Alter sind Operationen generell schwieriger als bei jüngeren Menschen.

Holen Sie doch eine Zweitmeinung in einer anderen Klinik ein. Vielleicht brauchen Sie ja doch keine Operation.

Alles Gute.
Viele Grüße,
Bea

Ralf Tillenburg
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Re: Entfernung der Gallenblase?

Beitrag von Ralf Tillenburg »

Hallo Bea,

haben Sie auch im Rechtsforum gepostet?
http://www.recht.de/phpbb/viewtopic.php?f=53&t=246737

Dann wäre Ihre Stiefschwester ja jetzt wieder zu Hause, oder? Wie geht es ihr?

Bea_H hat geschrieben:Also das Leck scheint jetzt irgendwie zu zu sein, ich glaub das aber noch nicht. Wie kann man erfahren, wie die Blutwerte sind? Meine Stiefschwester hat ja immer noch rot-braun-gelben Urin, aber der Stuhl ist dunkel.
Nicht selten verschließen sich solche Lecks auch von alleine. Um an genaue Befunde zu kommen, benötigen Sie eine schriftliche Vollmacht Ihrer Stiefschwester. Dann haben Sie ein Recht auf Akteneinsicht und können gegen Zahlung der Kopierkosten Kopien der Befunde einfordern.
Bea_H hat geschrieben:Muss eigentlich ein Krankenhaus eine Überweisung schreiben und die Unterlagen herausrücken, wenn ein Patient in ein anderes Krankenhaus gebracht werden will? Die werden ja toben, wenn ich sage, wir möchten sie verlegen lassen.
Nein, ein Krankenhaus muss keine Überweisung schreiben, das muss ein Hausarzt ja auch nicht. Aber letztlich wird man das als Arzt immer tun, wenn es zum Wohle des Patienten ist.

Sollte Ihre Schwester schon entlassen sein, kann der Hausarzt ja bei weiter bestehenden Problemen eine neue Einweisung ausstellen. Damit können Sie ja in jedes beliebige Krankenhaus dann fahren (solange kein Krankenwagen benötigt wird). Dann können Sie sich mit Ihrer Stiefschwester ja in Eppendorf vorstellen.

@ElkeN: Gerne beantworte ich auch Ihre Fragen, aber nicht in diesem Thread, um die Übersicht zu wahren. Stellen Sie Ihre Fragen einfach in einem eigenen Thread.
Alles Gute
Ralf Tillenburg
Facharzt für Allgemeinmedizin
http://www.praxis-tillenburg.de

Bea_H
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Re: Entfernung der Gallenblase?

Beitrag von Bea_H »

Guten Tag, Herr Dr. Tillenburg,

ja, ich habe auch im Rechtsforum gepostet, aber die Situation ein wenig verändert, so, als wenn meine Stiefschwester schon zu Hause wäre. Denn einen Rechtsanwalt kann man ja erst einschalten, wenn die Patientin entlassen worden ist. Ich glaube der Antwort entnehmen zu können, dass evt. eine Klage möglich wäre.

Ich habe von Anfang an von meiner Stiefschwester eine Vollmacht zur Akteneinsicht bekommen, aber das nützt gar nichts, denn es gibt wahrscheinlich gar keine Akte oder nur eine, in der das Wichtigste gar nicht aufgeführt ist. Auf meine Bitte, die Akte einzusehen, sagte man mir nur, 'Da steht nicht mehr drin als was Sie schon wissen'.

Wir wissen aber gar nichts. Gestern hat man wieder einige Liter Wasser aus dem Bauch gezogen, ohne Kommentar. Als meine Stiefschwester fragte, warum sie Wasser im Bauch habe, sagte der Arzt ihr: Das weiß ich nicht, das ist auch sehr schwer festzustellen. Meistens kann man den Grund nicht finden.'

Nun, beim Googeln habe ich verschiedene Gründe für eine Aszites gefunden. Damit weiß ich natürlich nicht, was bei meiner Stiefschwester vorliegt. Aber ganz offensichtlich gibt es genügend Möglichkeiten, festzustellen, woher die Bauchwassersucht kommt. Könnten Sie nach den Berichten, die ich hier gegeben habe, ein oder zwei Gründe nennen, die zu einer Aszites geführt haben könnten und evt. sagen, ob überhaupt eine Heilungsmöglichkeit besteht? Eine Aszites ist ja auf jeden Fall eine sehr ernste Krankheit.

Es scheint ja noch immer eine Verstopfung des Gallenganges, also ein Ikterus, vorzuliegen, sonst hätte meine Stiefschwester ja nicht immer noch rot-gelb-braunen Urin und hellen Stuhl. Auch ihre Augen sind immer noch gelblich.

Meine Stiefschwester hat schon dem Assistenzarzt gegenüber gesagt, sie möchte Anfang nächster Woche entlassen werden. Er sagte nur: 'Um Gottes willen.' Ich habe ja auch Angst, wenn sie mit der Bauchwassersucht nach Hause kommt, und die Wunde ist auch immer noch dunkelrot und nur teilweise geschlossen. Ich habe ja auch schon mal vorgefühlt und gesagt, wir würden sie gern in ein anderes Krankenhaus verlegen, aber der Assistenzarzt sagte, hier würde 'alles Menschenmögliche' für sie getan. Das glauben wir nicht, denn außer dass man Wasser abpumpt geschieht überhaupt nichts.

Der Chefarzt, also der Operateur, hat sich noch nicht ein einziges Mal blicken lassen, einen Gesprächstermin bei ihm habe ich auch nicht bekommen. Und seine beiden Assistenzärzte wissen nichts, sagen nichts und scheinen mit der ganzen Situation heillos überfordert zu sein.

Halten Sie es für eine gute Idee, wenn sich meine Stiefschwester am Montag auf eigene Verantwortung entlassen lässt, wir einen Krankenwagen von Hamburg anfordern und sie in die dortige Klinik als Notfall einweisen lassen? Wird man meine Stiefschwester als Notfall aufnehmen auch ohne Überweisung? Mit ihrer Aszites und dem Ikterus ist sie doch ein Notfall, oder? Aber die Assistenzärzte dürfen ja vielleicht gar nicht einer Entlassung zustimmen, und der Chefarzt lässt sich nie blicken. Kann sie auch ohne die Erlaubnis des Chefarztes, der ja der sie behandelnde Arzt ist, überhaupt das Krankenhaus verlassen?

Vielen Dank, wenn Sie mir weiterhin antworten. Ich nerve Sie sicherlich sehr, aber Sie sind unsere einzige Hilfe.

Viele Grüße,
Bea

Ralf Tillenburg
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Re: Entfernung der Gallenblase?

Beitrag von Ralf Tillenburg »

Hallo Bea,
Bea_H hat geschrieben:Denn einen Rechtsanwalt kann man ja erst einschalten, wenn die Patientin entlassen worden ist.
Das ist falsch, einen Rechtsanwalt kann man immer einschalten.
Bea_H hat geschrieben:Ich glaube der Antwort entnehmen zu können, dass evt. eine Klage möglich wäre.
Möglich ist immer eine Klage. Wichtiger ist die Frage, ob eine Chance auf Erfolg besteht. Bedenken Sie, dass auch Rechtsanwälte gerne Geld verdienen. Ob eine Chance auf Erfolg besteht, würde ich derzeit bei ca 50% einstufen.
Bea_H hat geschrieben:Ich habe von Anfang an von meiner Stiefschwester eine Vollmacht zur Akteneinsicht bekommen, aber das nützt gar nichts, denn es gibt wahrscheinlich gar keine Akte oder nur eine, in der das Wichtigste gar nicht aufgeführt ist. Auf meine Bitte, die Akte einzusehen, sagte man mir nur, 'Da steht nicht mehr drin als was Sie schon wissen'.
Wenn keine Akte vorhanden wäre, würde das Ihre Chancen einer Klage auf 100% erhöhen, da eine Dokumentationspflicht seitens der Ärzte besteht. Nein, das kann ich mir nicht vorstellen. Es besteht mit Sicherheit eine Akte, aber man will sie Ihnen nicht zeigen. Hier würde ein Rechtsanwalt dann hilfreich sein, der mit Ihnen mal eben zum Chefarzt oder seiner Sekretärin wandert, und sofortige Akteneinsicht verlangt. Entweder ist die Akte dann da, und Sie können sie kopieren, oder (was ich für wahrscheinlicher halte), die Akte ist gerade merkwürdigerweise nicht auffindbar.
Bea_H hat geschrieben:Als meine Stiefschwester fragte, warum sie Wasser im Bauch habe, sagte der Arzt ihr: Das weiß ich nicht, das ist auch sehr schwer festzustellen. Meistens kann man den Grund nicht finden.
Das sehe ich anders. Die Ursache für Aszites kann man und sollte man finden.
Bea_H hat geschrieben:Könnten Sie nach den Berichten, die ich hier gegeben habe, ein oder zwei Gründe nennen, die zu einer Aszites geführt haben könnten und evt. sagen, ob überhaupt eine Heilungsmöglichkeit besteht? Eine Aszites ist ja auf jeden Fall eine sehr ernste Krankheit.
Das kann ich leider nicht, dazu bräuchte ich die Krankenakte. Am wahrscheinlichsten ist aber, dass es sich um eine Folge der OP handelt.
Bea_H hat geschrieben:Meine Stiefschwester hat schon dem Assistenzarzt gegenüber gesagt, sie möchte Anfang nächster Woche entlassen werden. .... aber der Assistenzarzt sagte, hier würde 'alles Menschenmögliche' für sie getan. Das glauben wir nicht, denn außer dass man Wasser abpumpt geschieht überhaupt nichts.
Folgt man Ihren Ausführungen, sehe ich hier in der Tat Defizite. jedoch, ich kenne ja nur Ihre Version (bitte nicht böse sein), was für eine objektive Beurteilung nicht reicht. Trotzdem habe ich offen gesagt ein etwas mulmiges Gefühl.
Bea_H hat geschrieben:Der Chefarzt, also der Operateur, hat sich noch nicht ein einziges Mal blicken lassen, einen Gesprächstermin bei ihm habe ich auch nicht bekommen.
Das finde ich nicht gut. Als Chef sollte er Ihnen Rede und Antwort stehen.
Bea_H hat geschrieben:Halten Sie es für eine gute Idee, wenn sich meine Stiefschwester am Montag auf eigene Verantwortung entlassen lässt, wir einen Krankenwagen von Hamburg anfordern und sie in die dortige Klinik als Notfall einweisen lassen?
Das kann ich nicht beurteilen, da ich den aktuellen Zustand Ihrer Stiefschwester nicht kenne. Davon allein hängt es aber ab.
Bea_H hat geschrieben:Aber die Assistenzärzte dürfen ja vielleicht gar nicht einer Entlassung zustimmen, und der Chefarzt lässt sich nie blicken. Kann sie auch ohne die Erlaubnis des Chefarztes, der ja der sie behandelnde Arzt ist, überhaupt das Krankenhaus verlassen?
Ja, denn ein Krankenhaus ist kein Gefängnis. Sie können immer alles tun, niemand darf Ihnen Vorschriften machen. Ärzte sind Berater, aber niemals Vormund!
Alles Gute
Ralf Tillenburg
Facharzt für Allgemeinmedizin
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Bea_H
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Re: Entfernung der Gallenblase?

Beitrag von Bea_H »

Guten Abend, Herr Dr. Tillenburg,

Dank Ihrer Ratschläge und vor allem dank des letzten Satzes, den Sie geschrieben haben:

...ein Krankenhaus ist kein Gefängnis. Sie können immer alles tun, niemand darf Ihnen Vorschriften machen. Ärzte sind Berater, aber niemals Vormund!

haben wir es gewagt! Meine Stiefschwester wurde heute auf eigenen Wunsch und eigene Verantwortung entlassen.
Ich habe sie selber nach Hamburg gefahren, und jetzt ist sie dort in der Klinik und, davon sind wir überzeugt, endlich in kompetenten Händen.

Im Krankenhaus hat man natürlich einen großen Aufstand gemacht. Man sagte, wenn sie entlassen würde, schwebe sie in Lebensgefahr. Nun ja, wir hatten ja nicht gesagt, dass wir in eine andere Klinik fahren würden. :D
Sie bekam einen Entlassungsbrief mit, der zugeklebt war, adressiert an ihren Hausarzt. Den habe ich ihm vorbeigebracht. Gelesen haben wir ihn nicht. Der Hausarzt will uns eine Kopie machen. Er hat uns auch eine Überweisung an die Klinik in Hamburg geschrieben. Das lief alles unproblematisch, und so konnte sie heute am späten Nachmittag dort aufgenommen werden.
Man hat erste Voruntersuchungen gemacht, und der Chefarzt hat sich sogar am Abend noch mit uns unterhalten. Da haben wir ihm alles genau erzählt. Nun wird als Erstes untersucht, warum sie Aszites hat. Es werden in den nächsten Tagen viele Untersuchungen gemacht werden, und was das Schönste ist: Meine Stiefschwester hat wieder neuen Lebensmut bekommen.

Hätten Sie uns nicht Mut gemacht, hätten wir das nie gewagt.
Nochmals ganz herzlichen Dank!
Ich werde weiter berichten. Es gibt Hoffnung!

Viele Grüße,
Bea

Ralf Tillenburg
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Re: Entfernung der Gallenblase?

Beitrag von Ralf Tillenburg »

Hallo Bea,

na, das hört sich doch positiv an. Ich drücke alle Daumen!

Ich freue mich auch sehr, wenn Sie hier weiter berichten.
Alles Gute
Ralf Tillenburg
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Bea_H
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Re: Entfernung der Gallenblase?

Beitrag von Bea_H »

Guten Abend, Herr Dr. Tillenburg,

meine Stiefschwester muss sich vielen Untersuchungen und Prozeduren unterziehen, Wasserabziehen, Sonographie, Blutabnehmen etc.
Aber so richtig wissen die Ärzte hier auch nicht, was los ist.

Sie vermuten, dass der Stent wieder verstopft ist und dass sich das Leck geschlossen hat. Das Wasser, das sie aus dem Bauch abziehen, enthält 'praktisch keine Gallenflüssigkeit', so sagte der Arzt. Aber warum sie Aszites hat, weiß man noch nicht. Der Arzt nimm einen Leberschaden an.

Ich habe die Blutwerte gesehen und mir schnell Einiges abgeschrieben.
Die Blutwerte weisen auf eine sehr starke Entzündung hin, sagte der Arzt.
Die BSG ist 64,
die Thrombozyten sind 447.
das Bili-ges. ist 3,16.
AP ist 283,
GGT ist 295,
GPT ist 98,7
GOT wurde nicht untersucht
Albumin ist 45.7
A1-G1 ist 6.4
Die anderen Werte sind normal, falls ich nicht etwas übersehen habe.

Können Sie mit diesen Werten etwas anfangen?
Auf jeden Fall bekommt man hier Informationen und kann auch mit dem Chefarzt sprechen.
Eine weitere ERCP scheint unausweichlich.

Warum verstopft der Hautgallengang trotz des Stents? Die Gallengänge sind ja bei der OP nicht gespült worden, da man sie nicht erkennen konnte. Es können also noch immer Gallengrieß und Gallensteine nachrutschen, und inzwischen werden neue Steine und neuer Grieß gebildet. Da ist doch ein Ende überhaupt nicht abzusehen.

Der Chefarzt sprach davon, evt. 'den Bauch wieder aufzumachen'. Meine Stiefschwester hat wegen der Schmerzen sofort 'Nein' gesagt, aber man hat ihr sehr gute Schmerzmedikation versprochen.
Sie wird immer gefragt, ob sie Schmerzen hat. Wenn sie sagt, sie habe Schmerzen, bekommt sie eine Spritze, und die hilft sofort. Das ist schon mal sehr gut.

Allerdings sehe ich eine große Gefahr, wenn man den Bauch wieder aufmacht, da ja immer noch eine sehr starke Entzündung vorhanden ist. Die muss doch erst abgeklungen sein, oder?

Insgesamt ist bei uns der erste Optimismus, den wir an die Klinik hier geknüpft hatten, schon zum Teil wieder verschwunden. Es liegt noch ein langer Weg vor meiner Stiefschwester.

Viele Grüße,
Bea

Ralf Tillenburg
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Re: Entfernung der Gallenblase?

Beitrag von Ralf Tillenburg »

Hallo Bea,
Bea_H hat geschrieben:Aber so richtig wissen die Ärzte hier auch nicht, was los ist.
Das glaube ich gerne. Nach allem, was sie mir geschrieben haben, ist die Situation auch sehr komplex.
Bea_H hat geschrieben:Können Sie mit diesen Werten etwas anfangen?
Ja und Nein. Ja, weil sie anzeigen, dass ein Stau der Gallenflüssigkeit besteht. Das zeigt sich am erhöhten Bilirubin und an den erhöhten Werte von GGT und AP. Nein, weil ich den Verlauf der Blutwerte nicht kenne. Waren sie vorher besser oder schlechter. Das ist aber oft sehr entscheidend für die Prognose und das weitere Vorgehen.
Bea_H hat geschrieben:Warum verstopft der Hautgallengang trotz des Stents? Die Gallengänge sind ja bei der OP nicht gespült worden, da man sie nicht erkennen konnte. Es können also noch immer Gallengrieß und Gallensteine nachrutschen,
ja, das ist möglich
Bea_H hat geschrieben:und inzwischen werden neue Steine und neuer Grieß gebildet.
Nein, das ist nicht möglich. Gallensteine und Grieß entstehen nicht innerhalb weniger Tage, sondern über Monate und Jahre. Das geht also nicht so schnell.
Bea_H hat geschrieben:Der Chefarzt sprach davon, evt. 'den Bauch wieder aufzumachen'. Meine Stiefschwester hat wegen der Schmerzen sofort 'Nein' gesagt, aber man hat ihr sehr gute Schmerzmedikation versprochen.
Ich würde hier ebenso wie der Chefarzt denken. Bei der unklaren situation sehe ich als beste Lösung an, einfach nachzuschauen, was los ist. Vorher könnte man aber eventuell noch ein CT oder MRT machen. Aber im Zweifel: Bauch aufmachen und nachschauen.
Bea_H hat geschrieben:Allerdings sehe ich eine große Gefahr, wenn man den Bauch wieder aufmacht, da ja immer noch eine sehr starke Entzündung vorhanden ist. Die muss doch erst abgeklungen sein, oder?
Nein. Wenn der Chirurg weiß, was ihn erwartet, also eine stark entzündeter Bauch, weiß er auch, wie er sich verhalten soll. (Gleiches gilt übrigens auch Chirurginnen - ich kenne einige sehr gute.)
Bea_H hat geschrieben:Insgesamt ist bei uns der erste Optimismus, den wir an die Klinik hier geknüpft hatten, schon zum Teil wieder verschwunden. Es liegt noch ein langer Weg vor meiner Stiefschwester.
Der Weg ist sicher beschwerlich, aber ich sehe nach wie vor Chancen, dass alles ein gutes Ende haben wird.
Alles Gute
Ralf Tillenburg
Facharzt für Allgemeinmedizin
http://www.praxis-tillenburg.de

Bea_H
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Registriert: 18.05.08, 20:25

Re: Entfernung der Gallenblase?

Beitrag von Bea_H »

Sehr geehrter Herr Dr. Tillenburg,

vielen Dank für Ihre Worte, die uns doch ein wenig Mut machen, insbesondere die Auskunft, dass sich neuer Grieß und neue Steine nicht so schnell wieder bilden können.

Wenn man nun den Bauch wieder aufmacht, dann sind die Strukturen im Innern ja nach wie vor völlig unklar.
Da alles verwachsen und verklebt war, konnte der Chirurg z. B. die Gallengänge nicht erkennen. Der neue Chirurg wird ja auch nichts erkennen können, weder die Gallengänge von und zur Leber, noch den Hauptgallengang noch sonst irgend etwas. Er müsste dann, wie der erste Chirurg, aufs Geratewohl irgendwie herumschneiden. Dabei kann es dann sein, dass er die Bauchspeicheldrüse anschneidet oder den Dünndarm oder den Zwölffingerdarm oder die Baucharterie. Alles das ist ja durch Verklebungen und Verwachsungen nicht voneinander zu unterscheiden. Die Folgen wären fatal.

Vielleicht hat der Operateur im anderen Krankenhaus die Gallenblase nur zum Teil entfernt oder gar nicht, sondern irgend ein anderes Organ, von dem er annahm, es sei die Gallenblase, z. B. die Bauchspeicheldrüse. :shock:

Kann man einen Bauch mit Aszites überhaupt aufschneiden? Da kommt dem Operateur ja ein riesiger Schwall Wasser entgegen. Das macht eine erneute Operation doch eigentlich unmöglich.

Viele Grüße, Bea

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