Entfernung der Gallenblase?

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Bea_H
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Entfernung der Gallenblase?

Beitrag von Bea_H » 04.09.13, 11:55

Hallo,

meine Stiefschwester (72 Jahre) wurde vor zwei Wochen mit starken Bauchschmerzen, blutrotem Urin und gelblich verfärbten Augen ins Krankenhaus eingeliefert.
Dort wurde eine chronische Cholezystitis bei Cholezystolithiasis, akute Gastritis und Hiatushernie festgestellt. Es wurde eine ERCP durchgeführt sowie eine CT und eine Darmspieglung. Bei der ERCP wurde ein im Gallengang festsitzender Gallenstein entfernt. Die CT ergab, dass die Wandunregelmäßigkeiten der Gallenblase kein Krebs sind. Außerdem wurde ein grenzwertig großer Lymphknoten an der Leberpforte festgestellt. Die Darmspiegelung ergab eine Sigmadivertikulose. Am Tag nach der letzten Untersuchung bekam sie eine Blasenentzündung. In der Gallenblase hat sie 'sludge' und mehrere kleine Steine.
Man hat den Gallengang etwas aufgeschnitten, damit die Steine besser rausrutschen können.

Sie hat außerdem nur eine Niere, ständig Gleichgewichtsstörungen, ein Sic-Sinus-Syndrom und leichte Bradykardie. Sie lebt noch allein und versorgt sich auch allein.

Sie hatte jetzt zum zweiten Mal eine Gallenkolik.

Nun will man ihr unbedingt die Gallenblase herausnehmen. Sie hat schon fast zugesagt. Ich aber mache mir große Sorgen. Sie ist Privatpatientin, und da ist man natürlich besonders schnell, wenn es um Operationen geht.

Meine Fragen:

- Kann man einer so alten und kranken Frau eine solche Operation überhaupt zumuten?
Man weiß ja gar nicht, ob sie je wieder eine Gallenkolik gekommen wird.
- Muss die Gallenblase wirklich raus?
- Die Operation, auch wenn sie endoskopisch gemacht wird, hinterläßt ja eine riesige großflächige Wunde an der Leber, dort wo die Gallenblase abgetrennt wird. Wie lange dauert die Heilung?
- Nach der OP können sich ja weiterhin Gallensteine bilden und die Gallengänge verstopfen. Wäre es da nicht besser, sie in der sicheren Gallenblase zu belassen?
- Die Hauptfolge einer Gallenblasenentfernung ist ja der Durchfall, da der Gallensaft ungefiltert in den Darm gelangt und von diesem abgestoßen wird und/oder in den Magen transportiert wird, wo er schwere Entzündungen hervorrufen kann. Wie kann man Durchfall und Magenentzündungen verhindern?
- Bei sehr alten Menschen kommt es ja fast immer zum Durchgangssyndrom nach einer OP. Ist die Gefahr bei einer kranken 72Jährigen sehr hoch?

Vielen Dank für Antworten.

Viele Grüße,
Bea

Ralf Tillenburg
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Re: Entfernung der Gallenblase?

Beitrag von Ralf Tillenburg » 04.09.13, 16:18

Hallo,
Bea_H hat geschrieben:- Kann man einer so alten und kranken Frau eine solche Operation überhaupt zumuten?
"So alt"? :shock: 72 ist doch kein Alter. Unabhängig davon: Ja, man sollte sie entfernen. Die nächste Gallenkolik könnte tödlich sein. Eine chronische Cholezystitis ist keine Grippe, sondern eine schwere Erkrankung.
Bea_H hat geschrieben:- Muss die Gallenblase wirklich raus?
Aus meiner Sicht ist das die Beste Lösung.
Bea_H hat geschrieben:- Die Operation, auch wenn sie endoskopisch gemacht wird, hinterläßt ja eine riesige großflächige Wunde an der Leber, dort wo die Gallenblase abgetrennt wird. Wie lange dauert die Heilung?
Nein, eine großflächige Wunde entsteht da nicht. Und wenn eine Op mittels Laparoskopie gemacht wird, ist man in der Regel nach 2-3- Tagen wieder ziemlich fit, wenn ein komplikationsloser Verlauf vorliegt.
Bea_H hat geschrieben:- Nach der OP können sich ja weiterhin Gallensteine bilden und die Gallengänge verstopfen. Wäre es da nicht besser, sie in der sicheren Gallenblase zu belassen?
Nein. Denn in der Gallenblase sind sie eine ständige Gefahr. Und dass sich hinterher neue Steine bilden, ist zwar möglich, aber selten, und damit das weitaus geringere Risiko.
Bea_H hat geschrieben:- Die Hauptfolge einer Gallenblasenentfernung ist ja der Durchfall,
Theoretisch sind viele Dinge möglich, aber über 95% aller Patienten haben ohne Gallenblase überhaupt keine Beschwerden, auch keinen Durchfall. Wie das im konkreten Einzelfall sein wird, lässt sich aber leider nicht vorhersagen.
Bea_H hat geschrieben:da der Gallensaft ungefiltert in den Darm gelangt
das tut er mit Gallenblase auch.
Bea_H hat geschrieben:und von diesem abgestoßen wird
Nö, da wird nix abgestoßen, ganz im Gegenteil. Gallensaft vermischt sich mit der Salzsäure des Magens, um diese zusammen mit dem Saft des Bauchspeichels zu neutralisieren.
Bea_H hat geschrieben:und/oder in den Magen transportiert wird, wo er schwere Entzündungen hervorrufen kann.
Der Rückfluss von Galle in den Magen ist keine Folge der Gallenblasenentfernung, sondern tritt auch bei vorhandener Gallenblase auf. Dazu ist er selten, und immer folge einer Störung der Magen- und Darmmotorik.
Bea_H hat geschrieben:- Bei sehr alten Menschen kommt es ja fast immer zum Durchgangssyndrom nach einer OP.
Nein.
Bea_H hat geschrieben:Ist die Gefahr bei einer kranken 72Jährigen sehr hoch?
Wenn Sie geistig rege ist, nicht alkoholkrank oder abhängig von Tabletten ist, sehe ich die Gefahr als sehr gering an.
Alles Gute
Ralf Tillenburg
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Bea_H
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Re: Entfernung der Gallenblase?

Beitrag von Bea_H » 04.09.13, 17:35

Hallo, Dr. Tillenburg,

das ging ja schnell, und Sie haben präzise geantwortet. Vielen Dank dafür. Es ist unglaublich toll, wie einem in einem Forum geholfen werden kann. Die Ärzte vor Ort geben ja kaum jemals Antwort auf Fragen.

Nun bleibe noch folgende Fragen, die ich Sie auch bitten möchte mir zu beantworten.

Meine Stiefschwester hat mich sozusagen großgezogen, weil meine Mutter früh gestorben ist. Deshalb erscheint sie mir alt.

- Wie kann man eigentlich mit einer einzigen ERCP feststellen, dass es sich um eine chronische Cholezystitis handelt? Meine Schwester hatte vor 5 Monaten überhaupt zum ersten Mal Schmerzen im Bauch, die aber nicht so stark waren und nach zwei Tagen wieder verschwanden. Jetzt kamen die Schmerzen zum zweiten Mal und stärker. Sie hatte vorher noch nie in irgendeiner Weise Probleme mit dem Bauch oder der Verdauung.
- Warum kann die nächste Gallenkolik tödlich sein??? Dieser Satz hat mich umgehauen. Der Operationstermin ist erst in 5 Wochen.
- Einer gemeinsamen Bekannten wurde vor 7 Jahren die Gallenblase entfernt, weil sie ein Kolik hatte. Sie hatte auch vorher nie Probleme mit dem Bauch. Nach der OP entwickelte sich bei ihr eine CIPO (Chronische Intestinale Pseudo-Obstruktion). Das sei, so sagte der Arzt, ein renommierter Internist, eindeutig auf die Gallenoperation zurückzuführen und er erklärte den Mechanismus so: Der Gallensaft wird nicht mehr in der Gallenblase eingedickt und nach Bedarf abgegeben, wenn er zur Verdauung nötig ist, sondern 'ungefiltert' in den Darm abgegeben. Der Dünndarm wehrt sich dagegen, erleidet eine Mobilitätsstörung, bewegt sich in anderer Richtung als normal und befördert den Gallensaft zurück in den Magen.

Das habe ich selber gehört, weil ich dabei war, als der Arzt meiner Bekannten das erklärte. Bei einer Magenspiegelung hat man bei ihr massenweise Gallensaft im Magen gefunden. Dafür bekommt sie ein Medikament mit P... in Höchstdosis, aber es hilft nicht. Die Schmerzen durch die CIPO sind unerträglich. Der Arzt meinte: Nicht jeder, der eine Gallenblasenoperation hatte, bekommt eine CIPO, aber bei der Mehrzahl der Patienten mit CIPO ist eine Gallenblasenoperation vorangegangen.
Irrt der Arzt?

- Meine Schwester ist geistig sehr rege und nimmt nur Glaukomtropfen als einzige Medizin. Was mich sehr bedrückt sind ihre Gleichgewichtsstörungen, die immer schlimmer werden und deren Grund man bisher nicht gefunden hat. Sind sie ein OP-Hindernis?

- Was bedeutet der 'grenzwertig große Lymphknoten an der Leberpforte'? Darüber hat ihr der Arzt keine Auskunft gegeben.
- Kann eine Lebervergiftung vorliegen, kann man das feststellen und kann die zu Gleichgewichtsstörungen führen? Meine Schwester trinkt überhaupt keinen Alkohol und raucht nicht.

Nochmals vielen, vielen Dank!

Viele Grüße,
Bea

Ralf Tillenburg
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Re: Entfernung der Gallenblase?

Beitrag von Ralf Tillenburg » 05.09.13, 10:24

Hallo Bea,
Bea_H hat geschrieben:- Wie kann man eigentlich mit einer einzigen ERCP feststellen, dass es sich um eine chronische Cholezystitis handelt?
Diagnosen sind nahezu immer Indizienprozesse. Nur ganz selten kann man mit einer Untersuchung eine sichere Diagnose treffen. Meist ist eine Diagnose das Ergebnis vieler Faktoren und Befunde, wie Labor, Röntgen, Beschwerden und klinische Befunde. Wie jetzt konkret die Diagnose bei Ihrer Schwester gestellt wurde, kann ich aus der Ferne nicht sagen.
Bea_H hat geschrieben:- Warum kann die nächste Gallenkolik tödlich sein??? Dieser Satz hat mich umgehauen.
Sorry, ich wollte sie sicher nicht umhauen. Aber grundsätzlich gilt schon, dass man spätestens nach der zweiten Kolik operieren sollte. Richtig ist dabei auch, dass man versucht, zunächst die Entzündung zu behandeln, und dann in einem beschwerdefreien Intervall zu operieren.
Als Folge einer Gallenkolik kann es zu einer schweren Entzündung der Bauchspeicheldrüse kommen, diese kann, muss aber natürlich nicht lebensgefährlich werden.
Bea_H hat geschrieben:- Einer gemeinsamen Bekannten wurde vor 7 Jahren die Gallenblase entfernt, weil sie ein Kolik hatte. Sie hatte auch vorher nie Probleme mit dem Bauch. Nach der OP entwickelte sich bei ihr eine CIPO (Chronische Intestinale Pseudo-Obstruktion). Das sei, so sagte der Arzt, ein renommierter Internist, eindeutig auf die Gallenoperation zurückzuführen und er erklärte den Mechanismus so: Der Gallensaft wird nicht mehr in der Gallenblase eingedickt und nach Bedarf abgegeben, wenn er zur Verdauung nötig ist, sondern 'ungefiltert' in den Darm abgegeben. Der Dünndarm wehrt sich dagegen, erleidet eine Mobilitätsstörung, bewegt sich in anderer Richtung als normal und befördert den Gallensaft zurück in den Magen.
Ich habe nichts gegen die Meinung des renommierten Internisten, und trotzdem kann ich ihr nicht folgen. Ich habe jetzt mal nach CIPO Therapie gegoogelt und mir die drei ersten Links angeschaut. Nirgends wird die Gallen-OP als Ursache erwähnt. Der dritte Link ist übrigens eine Leitlinie zu dem Thema, hat also sicher (im Gegensatz zu vielen anderen Infos im Internet) eine gewisse medizinische Relevanz.
Auch ich habe noch nie nach einer Gallenblasen-OP eine solche CIPO (als direkte Folge der OP) gesehen, weder bei den von mir selbst operierten, noch bei denen, die ich jetzt als Hausarzt betreue.
Bea_H hat geschrieben:- Meine Schwester ist geistig sehr rege und nimmt nur Glaukomtropfen als einzige Medizin. Was mich sehr bedrückt sind ihre Gleichgewichtsstörungen, die immer schlimmer werden und deren Grund man bisher nicht gefunden hat. Sind sie ein OP-Hindernis?
Die Frage ist, warum sie Gleichgewichtsstörungen hat. Sind sie Folge einer Durchblutungsstörung des Gehirns, würde damit das Risiko eines Durchgangssyndroms steigen, sonst eher nicht.
Bea_H hat geschrieben:- Was bedeutet der 'grenzwertig große Lymphknoten an der Leberpforte'?
Ich interpretiere ihn als Reaktion auf die chronische Entzündung
Bea_H hat geschrieben:- Kann eine Lebervergiftung vorliegen,
halte ich für unwahrscheinlich
Bea_H hat geschrieben:kann man das feststellen
Ja, wenn die Leberwerte sehr stark erhöht sind, hätte die Leber einen (vorübergehenden) Schaden.
Bea_H hat geschrieben:und kann die zu Gleichgewichtsstörungen führen?
Nein.
Alles Gute
Ralf Tillenburg
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Re: Entfernung der Gallenblase?

Beitrag von Bea_H » 05.09.13, 20:00

Hallo, Herr Dr. Tillenburg,

vielen, vielen Dank für die klaren und überzeugenden Antworten.

Die Aussagen des Internisten über die CIPO sind sicherlich subjektiv, aber immerhin ist diese Krankheit eines seiner Forschungsgebiete.

Es ist ja beruhigend, dass Sie noch keine CIPO nach einer Gallenblasenoperation erlebt haben. Allerdings ist offensichtlich die Beziehung zwischen Gallenblasenoperation und der CIPO bisher nur sehr wenigen Spezialisten bekannt. Vielleicht gibt es ja bald darüber Studienergebnisse. Bei unserer Bekannten hat es fast drei Jahre gedauert, ehe die CIPO überhaupt diagnostiziert wurde und auch nur, weil sie an einen Arzt geriet, dessen Spezialgebiet die CIPO ist. Und der hat dann die Verbindung zur Gallenblasenoperation gezogen.

Eine letzte Frage zu den Gleichgewichtsstörungen:
Wenn die Leberwerte schlecht sind, kann es doch zu einer hepatitischen Enzephalopathie kommen. Und wenn man diese Krankheit googelt, dann werden als Symptome auch Gleichgewichtsstörungen und Gangunsicherheit genannt. Könnte das bei meiner Schwester vorliegen?

Auf jeden Fall weiß ich dank Ihrer Hilfe jetzt viel mehr und kann meine Schwester entsprechend beraten.

Nochmals vielen Dank.
Viele Grüße,
Bea

Ralf Tillenburg
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Re: Entfernung der Gallenblase?

Beitrag von Ralf Tillenburg » 06.09.13, 07:42

Hallo Bea,
Bea_H hat geschrieben:Allerdings ist offensichtlich die Beziehung zwischen Gallenblasenoperation und der CIPO bisher nur sehr wenigen Spezialisten bekannt.
Oh, die CIPO ist auch mir als einfachem Hausarzt :wink: bekannt. Nur die Abkürzung kannte ich nicht.
Bea_H hat geschrieben:Vielleicht gibt es ja bald darüber Studienergebnisse.
Das dürfte das Problem sein, mir ist keine solche Studie bekannt. Es ist durchaus denkbar, dass die Meinung Ihres Spezialisten richtig ist, nur ohne wissenschaftliche Studie ist dies erst einmal eine (möglicherweise gut begründete) Einzelmeinung.
Bea_H hat geschrieben:Wenn die Leberwerte schlecht sind, kann es doch zu einer hepatitischen Enzephalopathie kommen.
Jein. Schlechte Leberwerte an sich machen gar nichts. Selbst bei einer akuten Hepatitis mit sehr hohen Werten (GOT, GPT) passiert das nicht. Aber: Es gibt Leberfunktionsstörungen, bei denen das Bilirubin im Blut ansteigt. Dies führt erst zu einer Gelbsucht und später dann zu einer Ablagerung von Bilirubin im Gehirn. Dies löst dann neben Schläfrigkeit auch weitere Symptome, darunter auch Schwindel aus.

Möglich ist auch folgendes: Menschen mit chronischen Leberkrankheiten (dazu gehören erhöhte Leberwerte wegen einer akuten Gallenkolik aber nicht) klagen oft über Müdigkeit. Möglich ist, dass diese Müdigkeit von manchen Menschen auch als Schwindel bezeichnet wird, das habe ich schon erlebt.
Bea_H hat geschrieben:Und wenn man diese Krankheit googelt, dann werden als Symptome auch Gleichgewichtsstörungen und Gangunsicherheit genannt. Könnte das bei meiner Schwester vorliegen?
soweit ich das nach Ihrer Schilderung beurteilen kann, eher Nein.
Alles Gute
Ralf Tillenburg
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Re: Entfernung der Gallenblase?

Beitrag von Bea_H » 06.09.13, 14:04

Hallo, Herr Dr. Tillenburg,

Sie haben mich leider missverstanden. :(
Ich meinte um Himmels willen nicht etwa, dass Sie die CIPO nicht kennen, sondern dass Sie vielleicht noch nicht gehört haben, dass es evt. einen ursächlichen Zusammenhang zwischen CIPO und Gallenblasenoperation gibt. Aber so sehr häufig scheint ja diese Nebenwirkung zum Glück gar nicht aufzutreten.

Vielen, vielen Dank für die weiteren Informationen. All diese Infos bekommt man ja niemals von den Ärzten vor Ort, weil die nie Zeit haben.

Für die OP-Vorbesprechung bei einem der chirurgischen Assistenzärzte einschließlich Narkosearztgespräch hat meine Schwester an einem Dienstag die Zeit bekommen: 14.10 Uhr bis 14.20 Uhr, d.h. jeweils 5 Minuten hat der Assistenzarzt Zeit und 5 Minuten der Narkosearzt oder 7 Minuten der Assistenzarzt und 3 Minuten der Narkosearzt oder umgekehrt, wer weiß?

Wie gut, dass Sie uns so sehr geholfen haben, dann erübrigen sich für meine Schwester viele Fragen, und sie wird mit den 10 Minuten auskommen.

Nochmals ganz herzlichen Dank!!!

Viele Grüße,
Bea

Bea_H
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Re: Entfernung der Gallenblase?

Beitrag von Bea_H » 07.09.13, 23:11

Hallo, Herr Dr. Tillenburg,

Sie haben mir und meiner Schwester sehr geholfen. Dafür möchte ich mich revanchieren.

Ich habe in den Foren ein wenig gestöbert und einige Threads zum Thema Gallenblasenoperation und Durchfall gelesen. Sie schreiben an einer Stelle, dass es keine Studien über dieses Thema gäbe und bitten die Forumsteilnehmer, ihnen Studien zu nennen, falls sie solche fänden.

Es gibt sehr viele Studien zu diesem Thema. Leider sind sie alle auf Englisch und daher deutschen Ärzten wohl nicht ohne weiteres zugänglich.

Ich möchte hier eine Meta-Studie nennen, d.h. eine Studie, die mehrere Einzelstudien zu diesem Thema (hier: 64)zusammenfasst.

Surgical Science, 2012, 3, 332-338
doi:10.4236/ss.2012.36065 Published Online June 2012 (http://www.SciRP.org/journal/ss)
Post Cholecystectomy Diarrhoea—A Systematic Review

Die wichtigsten Aussagen:
9,1% aller Operierten hatten das Syndrom.
65,5% hatten das Syndrom, dass die Gallensäure schlecht absorbiert wurde.
Bei den Operierten war die 'Durchgangszeit' der Nahrung durch den Darm wesentlich kürzer als vor der Operation (durchschnittlich 13 Stunden kürzer), praktisch genau so kurz wie bei akutem bakterienbedingtem Durchfall.
Faktoren, die eine Diarrhoe nach der OP begünstigen, sind wahrscheinlich:
Alter unter 50
männliches Geschlecht
Übergewicht

Andere häufige (teilweise bleibende) Komplikationen nach der Operation sind:
Erbrechen
Übelkeit
Blähungen
Aufstoßen
Nahrungsunverträglichkeit
Sodbrennen
Verstopfung

Die untersuchten Patienten zeigten Reaktionen, die von Verärgerung bis hin zu völliger gesellschaftlicher Isolation reichten.

Mittel, wie man dem Durchfall am besten begegnet, werden genannt.

Der Schlusssatz lautet: Die Verbindung von einer Gallenblasenoperation und einer danach auftretenden Diarrhoe ist eine unbestreitbare Tatsache.

Es gibt noch viele weitere interessante Studien zu diesem Thema. Vielleicht kann man ja mal auf einem Ärztekongress von Internisten oder Gastroenterologen auf solche Studien hinweisen und Übersetzer damit beauftragen, sie ins Deutsche zu übersetzen.

Viele Grüße,
Bea

Ralf Tillenburg
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Re: Entfernung der Gallenblase?

Beitrag von Ralf Tillenburg » 08.09.13, 20:43

Liebe Bea,

zunächst danke ich Ihnen sehr herzlich für Ihre Mühe. Sicher werde ich mir den Link anschauen, sobald ich Zeit habe.

Ich hoffe aber, Sie sind mir nicht böse, wenn ich sage, dass Durchfall nach Gallenblasenentfernung (ist relativ häufig und bekannt) nicht das gleiche ist wie CIPO. :wink:

Wie auch immer, für Ihre Stiefschwester drücke ich alle Daumen.
Alles Gute
Ralf Tillenburg
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Bea_H
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Re: Entfernung der Gallenblase?

Beitrag von Bea_H » 08.09.13, 21:01

Hallo, Dr. Tillenburg,

ich weiß genau, dass Durchfall und CIPO etwas völlig Verschiedenes sind. :)
Ich bezog mich nur auf eine Bitte Ihrerseits in einem anderen Thread, Ihnen Studien mitzuteilen, die den Zusammenhang zwischen Durchfall und Gallenblasenoperation belegen. Sie schrieben, dass Ihnen keine bekannt seien.

Eine Studie, die den Zusammenhang zwischen CIPO und Gallenblasenoperation belegt, habe ich noch nicht gefunden.

Danke für Ihre guten Wünsche.

Viele Grüße,
Bea

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Re: Entfernung der Gallenblase?

Beitrag von Bea_H » 23.10.13, 16:21

Hallo, Dr. Tillenburg,

am 11. 10. wurde meine Stiefschwester nun operiert, und es kam alles völlig anders als geplant. Es ging praktisch alles schief, was schief gehen konnte.

Der Chirurg schnitt 3 Löcher in den Bauch für das Einbringen der Instrumente und stellte dann fest, dass eine Operation mit Schlüssellochtechnik nicht möglich war. Bei der Gallenblase handelte es sich um eine Schrumpfgallenblase, hochgradig entzündet mit frischen Blutungen im Inneren, die mit allen sie umgebenden Organen verwachsen und verklebt war.
Also wurde eine offene Operation gemacht mit einem enorm langen, fast 20cm langen Schnitt. In einer fast 4stündigen Operation wurden die Verklebungen gelöst, und die Gallenblase wurde entfernt.

Im Aufwachraum kam meine Stiefschwester relativ schnell wieder zu sich. Sie hatte so extreme Schmerzen, dass es ihr kaum gelang zu atmen. Ganz offensichtlich hatte man sie an einen Flüssigkeitstropf gelegt, aber keinerlei Schmerzmittel zugefügt. Man ließ sie dort ca. 2 Stunden ununterbrochen weinen, von extremen Schmerzen attackiert, gegen die sie sich nicht wehren konnte. Sie bat nur immer wieder: Bitte, helfen Sie mir, sie versuchte zu schreien, war aber zu schwach dazu. Die Schwester kümmerte sich kaum um sie. Sie hielt ihr eine Maske mit Sauerstoff vors Gesicht, aber das brachte keine Schmerzlinderung.
Auf der Station bekam sie auch keine Schmerzmittel, denn der Arzt hatte keine Anweisungen dafür gegeben. In der Nacht ließen die Schmerzen dann etwas nach. Auf der Schmerzskala von 1 - 10 waren sie im Aufwachraum 10 gewesen, jetzt waren sie 7.

Schon am nächsten Tag bemerkte man, dass das Weiße ihrer Augen gelb wurde, dass die Haut sich gelblich verfärbte und der Urin zunächst dunkelgelb, dann braungelb und schließlich dunkelrotgelb wurde. Es gab also wieder einen Ikterus. Der Bilirubin- wert, der bei der Voruntersuchung 1,1 gewesen war, war jetzt 4, 5 und stieg stetig an.
Am 3. postoperativen Tag betrug er 7,8. Man vermutete, bei der Operation sei ein Stein im Gallengang übersehen worden und machte eine ERCP. Dabei stellte sich heraus, dass der Hauptgallengang angeschnitten worden war, vom Operateur notdürftig wieder genäht worden war und jetzt stark entzündet und geschwollen war. Also setzte man dort einen Stent ein. Der Arzt sagte meiner Stiefschwester, nun sei alles wieder in bester Ordnung.

Aber nichts war in Ordnung. Zunächst bekam meine Schwester eine stark entzündete Mundschleimhaut, auch die Zunge war wund und rot. Es war evt. eine Reaktion auf das Antibiotikum, das sie jeden Tag bekam. Gebessert hat es sich bis heute nicht. Der Urin war nach wie vor dunkelrot bis dunkelgelb, die Haut blieb gelb. Das Bilirubin sank von 7,8 auf 7,6, und erst am 6. postoperativen Tag war es deutlich gefallen, auf 4,2 - also immer noch viel zu hoch.

Am Tag nach der ERCP begannen alle Leberwerte zu steigen, kontinuierlich und unaufhaltsam. Der GPT Wert ist jetzt bei 70.
Und so liegt meine Stiefschwester jetzt, 12 Tage nach der OP, immer noch im Krankenhaus, immer noch gelb, immer noch mit rotem Urin und mit so hohen Leberwerten, dass man von einem dauernden, evt. tödlichen?, Leberschaden ausgehen kann.
Der Bauchschnitt verheilte zunächst zufriedenstellend, aber jetzt hat sich die Wunde dunkelrot entzündet, die Drainage läuft immer noch, es werden enorme Mengen pro Tag abgesondert, ca. 2 Beutel voll. Der Bauch ist stark aufgetrieben.
Meiner Stiefschwester ist ständig übel, sie hat permanente Verstopfung, sie isst kaum etwas, und ein Ende ist nicht abzusehen.
Die Ärzte sind vollständig ratlos.

- Warum kommt es nach einer Gallenblasenoperation zu einem Ikterus?
- Warum kommt es zu erhöhten Bilirubinwerten?
- Warum kommt es nach dem Einsetzen eines Stents in den Gallengang zu enorm hohen Leberwerten?
- Ist die Leber durch die OP beschädigt worden?
- Kann eine Infizierung bei der OP stattgefunden haben (Hepatitis etc.)
- Wie lange kann man mit sehr hohen Leberwerten überleben?

Meine Stiefschwester möchte am liebsten sofort aus dem Krankenhaus gehen, denn dort wird ja nichts unternommen, aber sie hat auch Angst. Man hat ihr schon gesagt, sie müsse wahrscheinlich noch Monate dort liegen. :(

Was soll sie tun?

Vielen Dank für Ihre Antwort.

Viele Grüße,
Bea -

Ralf Tillenburg
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Re: Entfernung der Gallenblase?

Beitrag von Ralf Tillenburg » 25.10.13, 21:12

Liebe Bea,

zunächst möchte ich mein aufrichtiges Mitgefühl aussprechen. Da ist ja leider einiges schief gelaufen. Ob es sich hier um Fehler der Behandlung, oder um einfaches Pech (schicksalhafter Verlauf) handelt, kann ich aus der Ferne nicht beurteilen. Ich hoffe aber inständig, dass sich der Gesundheitszustand Ihrer Stiefschwester bald und dauerhaft bessert.

Leider kommt es manchmal vor, dass eine Schlüsselloch-OP nicht möglich ist. Dann muss man einen richtigen Bauchschnitt machen.

Schlimm finde ich allerdings, wenn Sie nach der OP tatsächlich keinerlei Schmerzmittel bekommen haben sollte, und auch niemand bereit war, einen Arzt zu rufen. Starke Schmerzen nach einer solchen OP sind fast immer ein Zeichen dafür, dass Gallensaft irgendwo austritt.

Der weitere Verlauf hat dann ja auch leider bestätigt, dass tatsächlich etwas nicht in Ordnung ist.
Bea_H hat geschrieben:- Warum kommt es nach einer Gallenblasenoperation zu einem Ikterus?
- Warum kommt es zu erhöhten Bilirubinwerten?
Dazu kommt es nicht regelhaft, sondern nur dann, wann der Gallensaft nicht in den Darm abfließen kann.
Bea_H hat geschrieben:- Warum kommt es nach dem Einsetzen eines Stents in den Gallengang zu enorm hohen Leberwerten?
Ich persönlich glaube nicht, dass dies durch den Stent passierte, sondern eher durch die Ereignisse davor. Wenn der Gallensaft nicht abfließen kann, führt dies zu einer Schädigung der Leberzellen. Dann steigen die Leberwerte an. Allerdings ist eine GPT von 70 nicht sehr hoch, bei einer akuten Hepatitis (Leberentzündung) sehe ich manchmal Werte von über 1000. Man würde hier also von einer leichten Erhöhung der Leberwerte sprechen.
Bea_H hat geschrieben:- Ist die Leber durch die OP beschädigt worden?
kann ich leider nicht beurteilen.
Bea_H hat geschrieben:- Kann eine Infizierung bei der OP stattgefunden haben (Hepatitis etc.)
Glaube ich eher nicht. Die Ursache der Probleme dürfte nach Ihrer Schilderung die Abflussstörung des Gallensaftes sein.
Bea_H hat geschrieben:- Wie lange kann man mit sehr hohen Leberwerten überleben?
mit den von ihnen geposteten Werten (GPT = 70) jahrzehntelang - s.o.
Bea_H hat geschrieben:Meine Stiefschwester möchte am liebsten sofort aus dem Krankenhaus gehen, .....Was soll sie tun?
Das kann ich aus der Ferne leider nicht beurteilen.
Alles Gute
Ralf Tillenburg
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Bea_H
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Re: Entfernung der Gallenblase?

Beitrag von Bea_H » 26.10.13, 12:45

Sehr geehrter Herr Dr. Tillenburg,

vielen herzlichen Dank für Ihre Antworten. Sie sind der einzige, der mir raten kann.

Meiner Stiefschwester geht es immer schlechter. Ihr ist ständig übel, und sie nimmt kaum mehr etwas zu sich. Der Urin ist etwas heller geworden, aber der Bauch wird immer dicker. 'Ach, meinte der Arzt, sie hat wohl Wasser im Bauch. Das werden wir Montag mal abziehen.'
Was bedeutet das nun, dass sie eine Bauchwassersucht hat??? Wie pumpt man denn das Wasser ab? Muss dabei wieder ein Loch in den Bauch geschnitten werden?

Ein anderer Arzt sagte, der Stent muss immer wieder erneuert werden, da der Gallengang immer wieder verstopft, denn es 'rutscht immer wieder Gallengries nach'. Das Wechseln des Stents kann man ja nur mit einer ERCP machen, also einer Endoskopie unter Röntgenkontrolle.
Auf meine Frage, wie oft man denn überhaupt eine ERCP machen könne, meinte er maximal 4 bis 5 mal. Zweimal ist die Untersuchung schon gemacht worden, also bleiben maximal 2 bis 3 mal, also maximal 2 bis 3 Monate.
Als ich fragte, was dann geschieht, meinte er nur lakonisch: 'Na, dann stirbst sie'. Man merkte, das war ihm völlig egal. Als er mein fassungsloses Gesicht sah, sagte er nur: 'Sie ist doch schon alt'. Er fügte hinzu, er habe schon nicht geglaubt, dass sie die ERCP zum Stenteinbringen überstehen würde.

Ich weiß, sie wird es wohl nicht überleben, und sie ahnt das auch. Sie will nur noch nach Hause.
Aber ich will sie noch nicht aufgeben!!!
Sie schrieben ja auch, dass 72 noch kein hohes Alter ist.

Wie kann man verhindern, dass sich ständig neuer Gallengries bildet? Durch Diät vielleicht?
Kann man wirklich nur 4-5 ERCPs machen?
Wie sehr schädigen die Röntgenstrahlen die inneren Organe?
Wenn keine ERCPS mehr gemacht werden können, gibt es dann noch eine Möglichkeit, die Verstopfung des Gallenganges zu verhindern?
Warum hat sie Bauchwassersucht?
Sollte man sie auf eine Palliativstation bringen?

Ich weiß, ich sollte mich mit ihrem baldigen Tod abfinden, aber es tut so weh, und es kam alles so überraschend. Es tut auch so weh, zu sehen, dass es den Ärzten völlig egal ist, ob ein Patient stirbt. Aber ich kann sie auch verstehen, sie dürfen nicht mitleiden, sonst könnten sie ihren Beruf nicht ausüben.

Ich wäre Ihnen so dankbar, wenn sie mir vielleicht doch noch einen Hoffnungsschimmer geben könnten.

Vielen Dank, dass Sie hier den Patienten durch Ihre Antworten helfen.

Viele Grüß,
Bea

Ralf Tillenburg
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Re: Entfernung der Gallenblase?

Beitrag von Ralf Tillenburg » 26.10.13, 17:39

Hallo Bea,

ich will versuchen, Ihre Fragen so gut es aus der Ferne geht zu beantworten.
Bea_H hat geschrieben:Was bedeutet das nun, dass sie eine Bauchwassersucht hat??? Wie pumpt man denn das Wasser ab? Muss dabei wieder ein Loch in den Bauch geschnitten werden?
Es bedeutet vermutlich, dass sich Bauchwasser gebildet hat. Es kann aber auch sein, dass Gallenflüssigkeit in den Bauch gelaufen ist, was allerdings die schlechtere Möglichkeit wäre. Ein Loch muss nicht in den Bauch geschnittel werden, normalerweise reicht eine Nadel, die man unter Ultraschallkontrolle einsticht, um damit das Wasser abließen zu lassen.
Bea_H hat geschrieben:meinte er nur lakonisch: 'Na, dann stirbst sie'. Man merkte, das war ihm völlig egal.
Nun, ich denke nicht, dass ihm das egal ist. Kein Arzt ist begeistert, wenn er einen Patienten verliert. Aber Sie haben schon Recht, man darf nicht jedem Patienten nachweinen, sonst würde man als Arzt emotional schnell zu Grunde gehen.
Bea_H hat geschrieben:Ich weiß, sie wird es wohl nicht überleben, und sie ahnt das auch. Sie will nur noch nach Hause.
Ich kann das nicht beurteilen, aber aus meiner Sicht ist da noch nicht das letzte wort gesprochen. nach Hause zu gehen, wäre aber vermutlich der risikoreichere Weg.
Bea_H hat geschrieben:Wie kann man verhindern, dass sich ständig neuer Gallengries bildet?
Der bildet sich in so kurzer Zeit nicht neu, aber er was vermutlich vorher schon da und kann jetzt abfließen. Die Frage ist, ob man vorher hätte erkennen können, dass noch Gallengrieß in den Gallengängen ist.
Bea_H hat geschrieben:Kann man wirklich nur 4-5 ERCPs machen?
Das weiß ich nicht, aber jede ERCP hat ein Risiko. Darum macht man dies nur, wenn absolut nötig.
Bea_H hat geschrieben:Wie sehr schädigen die Röntgenstrahlen die inneren Organe?
Das wäre meine kleinste Sorge. Ein voller Aschenbecher hat soviel Radioaktivität wie ein Röntgenbild, ein Flug in die USA bringt uns mehr Strahlung (in der Höhe von 10.000 Meter) als ein Röntgenbild.
Bea_H hat geschrieben:Wenn keine ERCPS mehr gemacht werden können, gibt es dann noch eine Möglichkeit, die Verstopfung des Gallenganges zu verhindern?
Ja, durch eine OP, Eröffnen der Gallengänge und Spülung derselben, bis nichts mehr nachkommt.
Bea_H hat geschrieben:Warum hat sie Bauchwassersucht?
Das weiß ich nicht.
Bea_H hat geschrieben:Sollte man sie auf eine Palliativstation bringen?
Nur, wenn Sie selbst es möchte und sich aufgegeben hat.
Bea_H hat geschrieben:Ich wäre Ihnen so dankbar, wenn sie mir vielleicht doch noch einen Hoffnungsschimmer geben könnten.
Das ist aus der Ferne schwer. Allerdings habe ich schon schlimmere Verläufe gesehen, die dann doch ein gutes Ende hatten. Wie es bei Ihrer Stiefschwester ausgeht, kann aber niemand vorhersagen. Ich drücke aber alle Daumen.
Alles Gute
Ralf Tillenburg
Facharzt für Allgemeinmedizin
http://www.praxis-tillenburg.de

Bea_H
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Re: Entfernung der Gallenblase?

Beitrag von Bea_H » 26.10.13, 20:26

Sehr geehrter Herr Dr. Tillenburg,

Sie können gar nicht ermessen, wie sehr Sie mir helfen. Sie sind der einzige, den ich um Rat fragen kann. Vielen, vielen Dank dafür!

Ich bin immer noch wie betäubt. Aus einer an sich harmlosen Gallenblasenoperation ist so ein Albtraum geworden. Noch vor etwas über zwei Wochen war meine Stiefschwester ein lebensfroher und anscheinend völlig gesunder Mensch, voller Tatendrang und Humor. Und in so kurzer Zeit hat die Operation aus ihr einen schwerkranken, vielleicht totkranken Menschen gemacht.

Darf ich noch weitere Fragen stellen?

Woran erkennt man, ob Gallenflüssigkeit oder Wasser in den Bauchraum gelaufen ist? Kann man Gallenflüssigkeit auch mit einer Nadel absaugen? Kann sich daraus nicht eine Bauchfellentzündung entwickeln?

Die Frage, ob man nicht hätte erkennen müssen, dass noch Gallengrieß in den Gängen ist, haben wir uns auch immer und immer wieder gestellt, zumal es ja eine offene Operation war. Der Arzt hat doch sicher den Bauch aufgeschnitten, um besser sehen zu können. Da operiert er über vier Stunden und findet das Wichtigste nicht. Wie ist das möglich? Hätte man nicht gleich die Gallengänge spülen können?
Und niemand hat meine Stiefschwester darüber aufgeklärt, dass so etwas passieren kann.

Kann die Bauchwassersucht auf einen Leberschaden hindeuten? Wenn ja, was kann man tun, damit die Leber sich erholt?

Sollte ich meiner Stiefschwester zureden, in ein anderes Krankenhaus zu gehen, wo man evt. mehr Erfahrung mit solchen Komplikationen hat? Sie dürfen sicher kein Krankenhaus empfehlen, aber könnten Sie mir sagen, wo es in Norddeutschland (wir wohnen in Schleswig-Holstein) Kliniken gibt, die besonders auf Gallen- und Leberkrankheiten spezialisiert sind?

Sie haben mir ein klein wenig Hoffnung gegeben. Vielen Dank dafür!

Viele Grüße,
Bea

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