Schmerzen und hohe Entzündungswerte

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Shila77
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Schmerzen und hohe Entzündungswerte

Beitrag von Shila77 »

Hallo,
nun habe ich mich entschlossen hier für meinen Vater zu schreiben. Vielleicht können Sie uns weiterhelfen. Ich hoffe ich bin in diesem Bereich richtig gelandet, ansonsten - Entschuldigung, war keine Absicht!
Meinem Vater geht es immer schlechter, weil er starke Schmerzen hat. Er hat in den letzten Monaten immer wieder einen hohen Entzündungswert (CRP: 80-128). Er bekam dann Antibiotika, sobald das Antibiotika abgesetzt wird, geht der Entzündungswert wieder auf über 80. Begleitet mit Symptomen wir brennende Zehen und brennender Fußrücken ( beidseitig, kann am Tag mehrmals wechseln), Schmerzen im Nacken wie starker Muskelkater, beim Sitzen muss er ständig die Stellung wechseln, da ziehende Schmerzen in der Leiste mal rechts, mal links, Gliederschmerzen und erhöhte Temperatur bis Fieber.

Lange hieß es, er habe Morbus Bechterew, doch plötzlich ist man sich nicht mehr sicher, ob er nur positiv auf HLA-B 27 und es doch nicht „ausgebrochen“ ist. Wir sind etwas verwirrt... (in den Berichten der letzten Jahre ist mir aber aufgefallen, dass der CRP oft erhöht war CRP 20 z.B.bereits schon 1992). Er hat einige Schmerzmittel schon durch, auch ein BTM, nichts hilft richtig. Wenn die hohen Entzündungswerte nach ca. 1 Woche wieder runter sind (von alleine oder durch Medikamente), geht es ihm wieder besser und er kann auch ohne Stock laufen. Das zur Vorgeschichte. Diese, ich nenne es einfach mal „Schübe“ hat er manchmal 2mal im Monat oder mehr…. Nun ein paar Daten zu meinem Vater:

Ich versuche mich kurz zu fassen, ich hoffe es gelingt mir.
Mein Vater ist 63 Jahre alt, Rentner, normalgewichtig. Man ging bisher davon aus, dass er schon seit er ca. 27 Jahre alt ist, MB hat. Erst vor einigen Jahren wurde es dann bestätigt durch einen Test. Damals hatte er schon starke Rückenschmerzen und man sagte er käme vom Morbus Bechterew. Er war bei vielen Ärzten, ist seit ca. einem Jahr auch bei einer Schmerztherapeutin, nur wirken die verschiedensten Medis nicht so richtig. Vor ein paar Wochen war er in der Uniklinik und wurde auch dort durchgecheckt.

Ich schreibe jetzt kurz Auszüge aus dem Bericht der Uniklinik in der er untersucht wurde.

Hauptdiagnosen:
1. aktuell kein sicherer Hinweis für das Vorliegen einer entzündlichen-rheumatischen Erkrankung respektive Spondyloarthritis
- chronische Rückenschmerzen
- HLA - B 27 positiv, Rheumafaktor diskret positiv, CCP-Antikörper negativ
- MRT LWS und iSG 03/2013: ohne Zeichen der Spondyloarthritis
2. Unklare Erhöhung der Entzündungswerte
- weitere Abklärung läuft (alle 2 Wochen Blutabnahme --> Entzündungswert immer noch hoch)

Nebendiagnosen:
3. Arterielle Hypertonie
4. Hypercholesterinämie
5. chronische Glomerulonephritis, Erstdiagnose 1993
6. Zustand nach Lungenembolie 1981 nach OP
7. Zustand nach tiefer Beinvenenthrombose 12/2012 (jetzt Dauertherapie mit einem blutverdünnendem Medikament)

Wechselnde (teilweise wechselnd innerhalb eines Tages) Schmerzen im Bereich der LWS, sowie ISG-Gelenke beidseits. Insbesondere beim Bücken strahlt es dorsal in die Oberschenkel aus. Ferner bestehen auch Schmerzen im Bereich des Fußrückens (brennende Schmerzen) beidseits und im großen Zeh, immer wieder abwechseln. Starke Schmerzen auch in der Leiste, mal rechts, mal links, "wandert" innerhalb des Tages hin und her. Keine Synovitische Gelenkschwellung. Morgensteifigkeit ca 1 Stunde, wird aber in letzter Zeit länger, bis er mehr oder weniger gut laufen kann. Beschwerden seit 30-40 Jahren.
Seit Dezember erhöhte Temperatur bzw. Fieber 38,3 -38,8 C
- MRT LWS 1/2012 ohne entzündliche Veränderungen, ebenso Skelettszintigraphie 08/2012 ohne Arthritisnachweis.
- keine Daktylitis, keine Enthesitis, keine Uveitis, keine Dyspnoe, rezidivierende Lymhadenopathie der Leiste, Zeckenbiss zuletzt 2011 (Borreliose negativ), kein Erythema migrans, subjektive Sicca-Symptomatik von Augen und Mund, keine oralen Aphten, fragliche Bläschen der Haut im Bereich der Fußsohlen und Handflächen. Kein Raynaud-Phänomen. Keine Lichtempfindlichkeit.

- seit der Jugend dünner Stuhl bis Durchfall. - Kein Blut, kein Teer, Miktion unauffällig, kein Nachtschweiß, keine Allergien, kein Gewichtsverlust, keine Schlafstörungen.
Das war ein "kurzer Auszug" aus dem Bericht

Hinzufügen muss ich noch Folgendes:
Der Arzt sprach auch von stärksten Abnutzungserscheinungen in der Wirbelsäule und einer Spinalkanalastenose. Außerdem bekommt mein Vater mehrmals im Monat (seitdem er jung ist) heftige Krämpfe in Wade, Oberschenkel und Rücken, trotz Magnesium.

Er tut mir so unendlich leid. Er war immer ein sehr sportlicher und agiler Mensch. Er liebt seinen Garten und seine Tiere. Er ist nicht mehr in der Lage mit dem Hund mit Gassi zu gehen. Natürlich nagt das auch alles an seiner Psyche. Wir wissen einfach nicht mehr weiter...

Ich hoffe ich hab nicht zu weit ausgeholt und es ist nicht zu viel zum Lesen (habe einen ganzen Stapel Berichte hier liegen). Vielleicht kann uns jemand weiter helfen. Wir sind wirklich ratlos....

Vielen lieben Dank
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jaeckel
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Re: Schmerzen und hohe Entzündungswerte

Beitrag von jaeckel »

Hallo Shila,

die Beschwerden Ihres Vaters sind zunächst vieldeutig. Es sind ja wohl auch schon viele Untersuchungen und ausführliches Labor gemacht worden. Wichtig wären auch die Wirkstoffe der Medikamente, die er nimmt. Einige Überlegungen aus internistischer Sicht:
  1. Hohe Entzündungparameter sollte man durch egänzende Untersuchungen versuchen zu differenzieren: Infektionen, Autoimmunreaktionen (Rheumaerkrankungen/Kollagenosen/Vaskulitisformen/chronisch entzündliche Darmerkrankungen), Tumorerkrankungen und Lymphome
  2. Eine chronische Glomerulonephritis kann eine Erklärung für Entzündungwerte sein. Allerdings würde man bei einem Verlauf über 20 J. eine Einschränkung der Nierenfunktion erwarten!
  3. Sinnvolles Stufen-Programm:
    • Körperliche Untersuchung, Gefäß-, Gelenk- und Hautbefunde?
    • Oberbauchsonographie
    • Rö-Thorax
    • Ergänzendes Labor: Differenzial-Blutbild, BSG, LDH, GGT, Lipase, ANA, CEA, PSA, aPTH (Parathormon), Elektrophorese, GFR, Urinstatus und Urinsediment, mehrmals Blutkulturen
    • sollten diese Befunde keinen richtungsweisenden Befund ergeben: Ultraschall der Herzklappen, Magen- u. Darmspiegelung mit Proben, Knochenmarksuntersuchung
Danach sollte man zu einer Diagnose gekommen sein.
Alles Gute
Alles Gute!

Herzlichen Gruss
Ihr

Dr. med. Achim Jäckel
Klinische Akut- und Notfallmedizin
Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie und Nephrologie
Intensivmedizin, Notfallmedizin, Hypertensiologe (DHL)
Shila77
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Re: Schmerzen und hohe Entzündungswerte

Beitrag von Shila77 »

Lieber Herr Jaeckel,
vielen Dank für Ihre schnelle Antwort!!! Es stehen nun eine Magen- und Darmspiegelung an.
Danach soll abgeklärt werden, ob es eine Großgefäßvaskulitis sein könnte.
Ich werde die neuen Ergebnisse dann hier Posten und hoffe wirklich, dass man endlich die Ursache findet und man ihm helfen kann.
Die Medikamente die er nimmt bzw genommen hat, muss ich noch nachgoogeln, da ich nur die Handelsnamen kenne und nicht den Wirkstoff ;-).
Ich wünsche Ihnen einen schönen Sonntag !!
Shila
Shila77
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Re: Schmerzen und hohe Entzündungswerte

Beitrag von Shila77 »

Hallo,
jetzt bin ich es nochmal ;-)! Folgende Medikamente/Wirkstoffe nimmt mein Vater momentan ein:
Phenprocoumon
Amlodipin 5 mg
Pregabalin 125 mg
Lisinopril 10 mg
Metoprololtartrat/Hydrochlorothiazid 100mg/12,5 mg
Wenlafaxinhydrochlorid 37,5 mg

Was mich noch umtreibt ist, dass die Schmerzen über den Tag hinweg wandern (rechte Leiste morgens, Knie mittags, Nacken und Leiste links abends z.B.). Nach einigen Tagen ist der Spuk dann wieder vorbei, Schmerzen gehen weg, Temperatur geht runter und Entzündungswert verringert sich auch wieder, manchmal auch ohne Antibiotika und ohne Entzündungshemmer.
Meine Mutter sagte mir gerade, dass noch eine TEE und eine Knochenmarkspunktion anstehen. Falls bei den Untersuchungen nichts heraus kommt, wird nach der Großgefäßvaskulitis geschaut. Torax wurde geröngt, aber nichts Auffälliges zu sehen sagt der Arzt.

Könnte ein Tumor hinter dieser ganzen Sache stecken? Ich bin Laie und kenne mich nicht aus, aber ich denke mir, dann müssten die Entzündungswerte doch immer hoch sein und die Schmerzen würden doch nicht wandern - wie gesagt, ich kenne mich nicht aus und mache mir viele Gedanken. Im Juni beginnen die Untersuchungen, dann wissen wir mehr...

Liebe Grüße
Shila
bluemoon64
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Re: Schmerzen und hohe Entzündungswerte

Beitrag von bluemoon64 »

Dein Vater ist ja offenbar gründlich untersucht, da ich aber entsprechende Erfahrungen mit Ärzten und meinen Beschwerden gemacht habe, die Frage, wurde auch auf das Sjögren Sndrom untersucht?

In deinem Bericht bzw. dem des Arztes stand was von "subjektive Sicca Symptomatik" - das ist eines der Leitsymptome von Sjögren.

Dr. Jäckel erwähnte das in seinem Vorschlag u.a. mit der Untersuchung der ANA-Werte.

Ich renne seit vielen Jahren von Augenarzt zu Augenarzt mit meinen trockenen Augen und keiner (!!!) machte auch nur einmal eine der möglichen Untersuchungen auf die Ursache. Es gab immer nur neue Tropfen - und wenn ich erwähnte, dass sie nicht helfen, gab es eben andere. :cry:

Als dann ein trockener Mund dazu kam, habe ich selber recherchiert - und bin letztlich zu einem Rheumatologen und bat um Abklärung. Ergebnis: leider positiv. Aber zum Glück habe ich außer dieser beiden Dinge keine der möglichen Beschwerden - wobei ich bei meinen Gelenkbeschwerde nicht sicher bin - ob Arthrose oder doch nicht. Jedenfalls war der CRP bisher immer negativ - neuer Termin steht an.

Hier ein Link zu Sjögren.

http://www.arthritis-guide.de/krankheiten/sjoegren.htm

Ich wünsche euch - und vor allem deinem Vater - alles Gute.
Viele Grüße, bluemoon

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Re: Schmerzen und hohe Entzündungswerte

Beitrag von Shila77 »

Hallo Maren,

vielen Dank für Deine Antwort! Ich habe es gerade nachglesen mit dem Sjörgen-Syndrom. Das sollte abgeklärt werden. Ich habe gerade die Listen der Blutwerte durchforstet und ein paar Angaben gefunden: (Stand 2012, in den neuen Blutbildern, wurden die Werte nicht gemessen bzw. war der GammaGT geringfügig höher)
ANA: < 1:80 Titer (Normbereich < 1:80)
Urinsediment PK: 1-2 Ery's, frische, sehr kleine, sonst o.B.
GFR (Cock./Gault), ml/min: 111 (Normbereich > 90)
Gamma.GT,U/l: 24 (Normbereich < 60)

Ich wünsche Dir gute Besserung!!
Hast Du eigentlich auch eine weitere Autoimmunerkrankung? Ich habe mal gelesen, das eine Autoimmunerkrankung selten alleine kommt (wenn das stimmt).

Liebe Grüße
Shila
bluemoon64
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Re: Schmerzen und hohe Entzündungswerte

Beitrag von bluemoon64 »

Nein, zum Glück nicht. Meine Schilddrüsenentzünding von vor 2-3 Jahren war so weit ich weiß keine Autoimmunerkrankung. Aber auch da musste ich - mit Hilfe dieses Forums - meine Diagnose selber stellen.

Ich drücke euch die Daumen .... :kopfstreichel:
Viele Grüße, bluemoon

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Shila77
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Re: Schmerzen und hohe Entzündungswerte

Beitrag von Shila77 »

Danke Maren, lieb von Dir!
Das mit der Diagnose selber stellen kenne ich auch leider ;-)! Bei mir war's Hashimoto. Wobei ich sagen muss, der Arzt, der es dann bestätigt hat war echt sehr kompetent. Die Reise bis zur Diagnose war , wie soll ich sagen.... Interessant.
;-)
Ich finde es toll, dass es solche Foren wie hier gibt! So kam ich zu Hashimoto und bin sehr dankbar, dass ich endlich weiß, was bei mir los ist! Klar, es gibt solche und solche Foren, aber ich denke man liest schon schnell raus, ob man an kompetente Menschen geraten ist und nicht bei Besserwissern, die sofort eine Diagnose stellen, nach einer nur kurzen Vorstellung ;-)!

Wünsche Dir und Herrn Jaeckel noch einen schönen Abend! Ich bzw. wir sind sehr dankbar für Eure/Ihre Antworten!
bluemoon64
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Re: Schmerzen und hohe Entzündungswerte

Beitrag von bluemoon64 »

Gerne - und halte uns mal auf dem Laufenden. :)
Viele Grüße, bluemoon

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Shila77
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Re: Schmerzen und hohe Entzündungswerte

Beitrag von Shila77 »

Hallo Ihr Lieben,

so nachdem nun sehr viele Untersuchungen gelaufen sind steht die Diagnose Morbus Crohn mit Gelenkbeteiligung etc. Die erste Darmspiegelung zeigte gar nichts, es hieß kein Morbus Crohn oder Ähnliches. Erst bei der zweiten Spiegelung stellte man den Crohn fest. Er sitzt genau in dem Stück, welches bei einer"normalen " Spiegelung, weder durch den Magen noch durch den Dickdarm erreicht werden kann - so erklärten die Ärtzte es meinem Vater.
Es geht ihm so lala, mit Cortison ging es besser, jetzt wurde er umgestellt und die vagabundierenden Schmerzen sind wieder zurück.

Vielen Dank nochmal für Eure Tipps!!
User217
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Re: Schmerzen und hohe Entzündungswerte

Beitrag von User217 »

Liebe Shila77,

wie ist es mit Deinem Vater weitergegangen? Hat irgendetwas geholfen?

Wie wurde der sprunghafte Ortswechsel der Beschwerden im Laufe des Tages erklärt? Du sprichtst u.a. von "vagabundierenden" Schmerzen. Dieses Merkmal ist doch sehr auffällig und ungewöhnlich.

Ich hoffe Du hörst mich noch.

Viele Grüße
User217
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