Begutachtung des MDK betreffs Pflegestufe

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Begutachtung des MDK betreffs Pflegestufe

Beitrag von geplagter » 30.09.12, 23:43

Hallo!
Es wurde seinerzeit ein Antrag auf eine Pflegestufe gestellt.
Leider wurde vorab kein Pflegetagebuch geführt und auch sonst war nichts richtig vorbereitet.
Es wurde dann für die Grundpflege eine Zeit von knapp über 30 Minuten ermittelt,
Die Hauswirtschaftlich Versorgung lag bei über 70 Minuten. Auf Grund unserer schlechten Vorbereitung wurde
Einspruch erhoben, dem stattgegeben wurde. Nun wurde von allen an der Pflege Beteiligten über drei Wochen minutiös
protokolliert, was im Bereich der Pflege und des Haushaltes anfiel. Es wurde sich die allergrößte Mühe gegeben
und es war sehr zeitaufwändig. Daraus erstellten wir ein komplexes Pflegtagebuch.
Nun kam eine neue Gutachterin, ich war als Mitpflegender mit dem Antragsteller anwesend.
Nach den Anfangsfragen begann die Begutachtung. Auf meine Frage, ob sie sich das Pflegetagebuch nicht ansehen
möchte, bekam ich folgende Antwort:
Das interessiert mich nicht, ich lese auch keine Arztberichte. Selbst Ihren Widerspruch habe ich nicht gelesen,
ich möchte mir mein eigenes Urteil bilden. Heute Nachmittag werde ich alles lesen und die Begutachtung schreiben.

Unter dieser Prämisse, denke ich, wird wohl einiges an geleisteter Pflege nicht berücksichtigt werden können.
Im Laufe der Untersuchung stellte ich fest, dass der Dame einiges an Fachwissen fehlte.
Sie wusste z.B. nicht, dass der Liner einer Beinprothese einen Führungsstift hat, der selbige festhält.
Dann erfolgte etwas, gegen das wir uns auf jeden Fall zur Wehr setzen werden.
Der Antragsteller saß auf dem Rollator, sie stand hinter ihm und ordnete an, er solle seinen Pulli hochziehen.
Dann fasste sie von hinten unter den teilweise hochgezogenen Pulli und strich mit der Handfläche über den kompletten Rücken bis
zu Hals und wieder zurück. Dann sagte sie etwas von: Nun muss ich mir den Popores auch noch ansehen,
zog an der Inkontinenz Windel und sah hinein. Auf die Frage, was das denn sollte, sagte sie:
Ich wollte sehen ob er schwitzt.
Ich denke, dass zu solcherlei körperlichem Kontakt keine Grundlage gegeben ist.
Andere Konstellation, fiktiv:
Antragstellerin 30 Jahre, männlicher Gutachter. Was wäre hier, bei gleicher Schwitzprobe?
Sollten im Gutachten einige Minuten fehlen, eben weil das Pflegetagebuch nicht gelesen wurde und einige Zeiten nicht
berücksichtigt sind, bleibt praktisch nur noch der Klageweg. Oder besteht die Möglichkeit eines Gutachten nach
Aktenlage (ärztliche Berichte) oder das Recht, von einem Arzt begutachtet zu werden? Ich möchte Sie nicht überfordern,
aber das was da noch an Inkompetenz zu Tage kam, spottet jeglicher Beschreibung.
Danke,
ein wirklich `geplagter` Mitmensch

Ralf Tillenburg
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Re: Begutachtung des MDK betreffs Pflegestufe

Beitrag von Ralf Tillenburg » 01.10.12, 09:34

Hallo,

im Grunde handelt es sich um ei8ne juristische Frage, darum sollten Sie Ihre Frage im Rechtsforum www.recht.de stellen.

Die Begutachtung der Pflegebedürftigkeit ist nicht abhängig von Eintragungen in ein Pflegetagebuch, auch nicht von ärztlichen Berichten, sondern ganz allein von Funktionsdefiziten des Betroffenen. Darüber soll sich der Gutachter einen Eindruck verschaffen. Wenn dann zwischen Gutachter und Angehörigen Meinungsverschiedenheiten bestehen, hilft wohl in der Tat nur der Rechtsweg.
Alles Gute
Ralf Tillenburg
Facharzt für Allgemeinmedizin
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geplagter
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Re: Begutachtung des MDK betreffs Pflegestufe

Beitrag von geplagter » 01.10.12, 19:23

Ralf Tillenburg hat geschrieben:Hallo,
im Grunde handelt es sich um ei8ne juristische Frage, darum sollten Sie Ihre Frage im Rechtsforum http://www.recht.de stellen.
Die Begutachtung der Pflegebedürftigkeit ist nicht abhängig von Eintragungen in ein Pflegetagebuch, auch nicht von ärztlichen Berichten,
sondern ganz allein von Funktionsdefiziten des Betroffenen. Darüber soll sich der Gutachter einen Eindruck verschaffen. Wenn dann zwischen
Gutachter und Angehörigen Meinungsverschiedenheiten bestehen, hilft wohl in der Tat nur der Rechtsweg.
@ Dr.Ralf Tillenburg
Danke für Ihre Stellungnahme!
Und warum legen die KK Vordrucke bei, damit ein Pflegetagebuch- oder protokoll geführt wird?
Auch die ärztlichen Berichte sollen bereit liegen. Weiterhin denke ich, dass in min. 50% der Fälle Diskrepanzen zwischen
den Parteien herrschen, wenn das alles über den Rechtsweg geklärt werden sollte, dann `gute Nacht`.
Ich denke, die Begutachtung kann erheblich verkürzt werden dadurch.
Als Beispiel:
Sie fordert den Antragsteller auf, in das Badezimmer zu gehen, was ihm schwer genug gefallen ist.
Nun wird er aufgefordert, sich die Bürste von der Ablage zu nehmen und zu kämmen.
Aha, sie können sich doch alleine kämmen, sagt sie. Das allerdings hätte sie schon im Tagebuch lesen können.
Was mich am Meisten interessiert ist, ob es erlaubt ist, eine körperliche Untersuchung vor zu nehmen,
ohne eine entsprechende Frage zu stellen oder einen Hinweis darauf, was nun folgt.
Und ob eine Pflegefachkraft das bei einer Begutachtung überhaupt darf.
Es war dem Antragsteller mehr als unangenehm, sich so begrapschen zu lassen.
Selbst ein Arzt kündigt an, wenn er eine Patienten anfasst. Zumindest dann, wenn er hinter dem Patienten steht.
Zitat: sondern ganz allein von Funktionsdefiziten des Betroffenen
Dann könnte und würde sich (fast) jede/r Antragsteller/in mit sehr, sehr viel Defiziten präsentieren, meine ganz persönliche Meinung.
Aber mit ärztlichen Berichten kann der/die Gutacher/in sich eine gewissen Überblick zu verschaffen.
Genauso gibt es Gebrechen, welch nicht äußerlich anzumerken sind.
Hier kann dann auch die Psyche berücksichtigt werden, zumal auch die `Tagesform`des Betroffenen
eine Rolle spielt.

Mit freundlichem Gruß
:) geplagter

Kämpferin
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Re: Begutachtung des MDK betreffs Pflegestufe

Beitrag von Kämpferin » 01.10.12, 20:56

Bereitet man sich zu einer Begutachtung nicht ausreichend vor, kann es sein,dass man die Pflegestufe nicht erhält, die einem zu steht. Sie haben es nicht getan und sind jetzt wütend. Auf der Internetseite des MDK kann man sehen und nachlesen, wie viel Minuten zur Grundpflege, Essen reichen, An- und Auskleiden, IKM Wechsel, Lagerung, Hilfe beim Gehen, Hilfe beim Austehen und vieles mehr zu berücksichtigen ist. Der Hautzustand spielt eine Rolle - ist er sehr trocken, muss man cremen, Intertrigo, Mykose, Dekubitus, trinkt oder ißt er zu wenig, muss das Essen gereicht oder die Getränke bereit gestellt weden, wie oft muss er auf die Toilette, hat er oft eine Blasenentzündung, hat er oft Durchfall, Schwankschwindel, Morgensteifigkeit.
In der Regel ist es so, dass die Mitarbeiter des MDK wirklich später die Unterlagen ansehen und mit in den Bericht einfließen lassen.
Ich finde es eigentlich gut, dass sie ganz neutral in diese Sache gegangen ist. Haben sie sich gründlich darauf vorbereitet, wird er oder sie auch die ihm zustehende Pflegestufe bekommen.
Oft werden auch Fragen gestellt, die man als Angehöriger nicht versteht, z.B. im Bad den Zahnputzbecher oder den Kamm zeigen lassen, in der Küche bestimmte Dinge, die zum alltäglichen Gebrauch gehören. Dann wird nach Tag, Monat und Jahr gefragt, nach den Namen der Kinder und vieles mehr. Sie kommen uns manchmal komisch vor. Das sind dann die Fragen, um die 100 € oder 200 € an Betreuungsleistungen (Dementenbetreung) in Form von Sachleistungen zu erhalten. Ich finde es gut, das sie danach gefragt und es sich zeigen lassen hat. Und wichtig ist doch eigentlich ob er sich die Prothese selbst anlegen kann oder nicht. Ich denke, da spielt ein Stift keine Rolle.
Ich verstehe auch ihre Wut, denn sie hatten sich ja beim ersten Mal nicht darauf vorbereitet.
Ich muss auch sagen, man kann sich diese Pflegezeiten auch im Vorfeld ausrechnen. Wird die Pflegestufe abgelehnt, können sie sie in drei Monaten neu beantragen und sich ausreichend darauf vorbereiten. Ein Widespruch dauert oft länger als ein Neuantrag. Ich kenne auch "Pflegeberürftige" mit einer Pflegestufe II, die noch schwer arbeiten, denen wirklich keine Pflegestufe zusteht. Ich denke Gutachter des MDK sehen so etwas auch und sind nicht dumm.
Ich drücke Ihnen fest die Daumen und denke auch, dass es klappt. Es waren ja nur 15 Minuten, die zur Pflegestufe I gefehlt haben.
Ich möchte Sie nicht überfordern,
aber das was da noch an Inkompetenz zu Tage kam, spottet jeglicher Beschreibung. Vieleicht waren Sie auch mit dieser Begutachtung überfordert. Stellen sie sich mal vor, es steht so eine Person ihen gegenüber, die denkt, sie sind inkompetent, machen alles falsch. Wie würden Sie reagieren? Wut und Hass ist bei einer MDK Prüfung fehl am Platz. Kompetenz und Sachlichkeit spielen da eine große Rolle. Ob es nun eine juristische Frage ist ? Ich denke das kann man auch ohne Anwalt schaffen. Wenn Sie noch Fragen haben, stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen

error6
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Re: Begutachtung des MDK betreffs Pflegestufe

Beitrag von error6 » 01.10.12, 22:54

@Kämpferin
Nein, wir sind nicht wütend und auch keinesfalls überfordert.
Tut mir leid, wenn es so formuliert war.
Es war eine ruhige Atmosphäre bei der Begutachtung, ohne jegliche Spannung.
Alles lief freundlich und ruhig ab. Wirklich.
Dem Widerspruch wurde nach ein paar Tagen stattgegeben, er war sachlich und fundiert.
Von der letzten Begutachtung steht das Ergebnis noch aus, kann sehr gut sein, dass die
46 Minuten erreicht wurden. Aber was mich halt verärgert hat im Nachhinein ist eben, dass das
Pflege-Protokoll so einfach übergangen wurde. Über Wochen wurde von allen Beteiligten minutiös
alles notiert und hinterher gemeinsam ausgewertet. Und weil da eben noch sehr viele Kleinigkeiten
aufgeführt waren, die nicht zur Sprache kamen. Darum meine ich, falls das eine oder andere
Minütchen fehlen sollte, hätte es nicht sein müssen. Aber im Prinzip war es dann unsere Schuld,
denn hätte der erste Gutachter diese Unterlagen gehabt, wären wir, salopp gesagt, schon durch.
Ich habe die Dame auch nicht insgesamt für inkompetent gehalten es waren da zwei Sachen, die
ich nicht verstanden habe, dass sie es nicht besser gewusst hat. Ich erkläre auch das noch kurz.
Wenn jemand aufgrund von Durchblutungsstörungen nur noch 10 Meter laufen kann bis die Schmerzen zu
stark werden, nutzt auch keine Reha. Viel laufen, dann wird es besser hieß es. Und das stimmt
in diesem Fall so nicht. Viel laufen viel Schmerzen, stand auch im Tagebuch.
Aber ich will mich hier nicht mit diesen (mittlerweile) Kleinigkeiten aufhalten, abwarten und Tee trinken ist angesagt.
Sie haben mir doch sehr weiter geholfen, die Angelegenheit in einem anderen Licht zu sehen und das Angebot auf
weitere Hilfestellung werde ich gegebenenfalls gerne annehmen.
Mit freundlichem Gruß zurück,
:) geplagter

Ralf Tillenburg
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Re: Begutachtung des MDK betreffs Pflegestufe

Beitrag von Ralf Tillenburg » 02.10.12, 08:28

Hallo,
geplagter hat geschrieben:Und warum legen die KK Vordrucke bei, damit ein Pflegetagebuch- oder protokoll geführt wird?
Nicht immer ist das, was eine KK macht, logisch und sinnvoll. :wink:
geplagter hat geschrieben:Sie fordert den Antragsteller auf, in das Badezimmer zu gehen, was ihm schwer genug gefallen ist.
Nun wird er aufgefordert, sich die Bürste von der Ablage zu nehmen und zu kämmen.
Aha, sie können sich doch alleine kämmen, sagt sie. Das allerdings hätte sie schon im Tagebuch lesen können.
Papier ist geduldig, und woher weiß der Gutachter, dass all das, was im Pflegetagebuch steht, auch der Wahrheit entspricht?
Bitte verstehen Sie: Der Gutachter muss nach objektiven Kriterien beurteilen, nicht nach Angaben der Angehörigen. Darum ist eine Untersuchung des Patieten auch notwendig, wobei es nicht um Krankheiten, sondern um Funktionsdefizite geht. Genau dies zu erkennen, ist Aufgabe des Gutachters, auch mittels Untersuchung.
Alles Gute
Ralf Tillenburg
Facharzt für Allgemeinmedizin
http://www.praxis-tillenburg.de

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