Angst um Familienmitglied, das nicht zum Arzt gehen will

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lufthansa747
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Angst um Familienmitglied, das nicht zum Arzt gehen will

Beitrag von lufthansa747 » 06.06.12, 19:16

Guten Abend!

Das mag sich jetzt vielleicht komisch anhören aber ist wirklich ernst gemeint.

Es geht um ein sehr enges Familienmitglied, das sich weigert zum Arzt zu gehen. Es gibt nicht wirklich eine Indikation da hin zu gehen aber mit knapp 60 Jahren wäre es doch sinnvoll die eine oder andere Untersuchung machen zu lassen.
Die Betroffene ist weiblich, subjektiv mittel übergewichtig ( BMI usw. tue ich mehr schwer einen Wert zu sagen, ebenso beim Gewicht).
Mich beunruhigt das schon sehr lange, habe es schon x Mal angesprochen, ob sie nicht mal zum Arzt gehen will und mal ein paar Routinesachen anschauen lassen will aber auch bei temporären Schmerzen ist sie nicht zum Arzt zu kriegen.

Vielleicht bin ich etwas überängstlich, vor allem auch, weil ich im 4. Semester Medizin zu studiere und man da, obwohl es Vorklinik ist, über die eine oder andere Krankheit redet. Naja und ich weiß halt, dass diese Person keinen Sport macht, übergewichtig ist und halt auch nicht mehr die Jüngste ist.

Ich kann verstehen, dass man nach x Jahren ohne Arztbesuch Angst hat, dass da das eine oder andere gefunden wird ( ich denke da an Hypertonie, Diabetes, Arteriosklerose usw.) aber es ist doch besser frühzeitig was zu entdecken, als jahrelang mit etwas zu leben ( auch wenn es sich gut leben lässt) und es sich auf das spätere Leben negativ auswirkt.


Ich wäre euch sehr dankbar, würdet ihr Aussenstehenden beurteilen,ob ich übertrieben denke oder wenn nein, wie ich es schaffen könnte, dass sie zum Arzt geht.

Vielen Dank!

Dr. A. Flaccus
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Re: Angst um Familienmitglied, das nicht zum Arzt gehen will

Beitrag von Dr. A. Flaccus » 06.06.12, 20:29

Guten Abend,

meine persönliche Meinung:

Jeder ist seines Glückes Schmied.

Sie dürfen gerne Hinweise und Ratschläge geben, aber einen zwingenden Grund dieses "Familienmitglied" zum Arzt zu schicken sehe ich jetzt nicht.

Routine-Checks werden angeboten.

Man kann dieses Angebot annehmen...oder eben nicht.
Erwachsene Menschen sollten das selbst entscheiden.

Gruß

A. Flaccus
Dr. A. Flaccus
Facharzt für Anästhesie
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Damiana
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Re: Angst um Familienmitglied, das nicht zum Arzt gehen will

Beitrag von Damiana » 06.06.12, 20:51

Hallo,

ich kenne auch eine Dame die sich erst mit etwa 75 einen Hausarzt gesucht hat und trotzdem (oder deswegen? :wink:) fast auf 20 Jahre Patient-Arzt-Beziehung kam. Muss nicht so laufen, kann aber so laufen.

Herr Dr. Flaccus hat es schon gesagt:Routine-Checks werden angeboten.
Erwachsene Menschen sollten das selbst entscheiden.

Was ich in dieser Situation machen würde kann ich nicht genau sagen, gibt es z.b. bekannte familiäre Risikofaktoren, treten Krankheiten gehäuft auf. Wie fit/aktiv ist die Person. Will sie nur nicht oder hat sie Angst?
Manchmal hilft gutes zureden, erklären was da passieren wird oder das Angebot sie zu begleiten. Manchmal ist es besser jemanden nicht mehr zu drängen damit er selbst einlenken kann.

Viele Grüße Damiana

Tamia
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Re: Angst um Familienmitglied, das nicht zum Arzt gehen will

Beitrag von Tamia » 06.06.12, 20:55

Hallo,

mit welchem Argument wird der Routine-Check abgelehnt?

Vielleicht ist das Familienmitglied für andere Maßnahmen offen: Selbst mal Blutdruck messen oder Teststreifen für Urin benutzen.

Viele Grüße
Tamia

Muppet
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Re: Angst um Familienmitglied, das nicht zum Arzt gehen will

Beitrag von Muppet » 06.06.12, 21:43

Hallo,
wenn es ihr damit gut geht? Wenn man im medizinischen Bereich studiert oder arbeitet, sieht man überall Pathologien (mir geht es nicht anders), aber andererseits muss man auch der Privatsphäre und die Entscheidungen andere respektieren! Man kann keinem zwingen Behandlung aufzusuchen und unfreiwilligen Patienten kann man auch schlecht bzw. kaum behandeln- es muss ein Kooperation sein. Sie geht doch zum Arzt- was sagt sie dann? Ich bin da, weil X gesagt hat, dass ich zum Arzt gehen sollte. Mir geht es aber gut. Und wie geht es dann weiter?
Meine Oma ist auch nur äußert selten zum Arzt gegangen- eigentlich nur bei tiefen Schnittwunden oder im absoluten Notfall. Sie war auch etwas übergewichtig aber sehr aktiv, hat jeden Tag ein Glas Whisky getrunken und hat ohne Heizung gelebt (nur offene Kamin in 3 Zimmern von 8). Dann plötzlich ist sie relativ schnell gestorben. Zu Hause, mit über 100 Jahren...
Vorsorgeuntersuchungen sind natürlich sinnvoll, aber kein Pflicht. Vielleicht kannst du ihr fragen, ob du Blutdruckmessen usw. mit ihr üben kannst?

lufthansa747
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Re: Angst um Familienmitglied, das nicht zum Arzt gehen will

Beitrag von lufthansa747 » 06.06.12, 21:52

Vielen dank für die vielen Antworten in der kurzen Zeit.

Es stimmt schon, es muss von einem selber kommen, dass man zum Arzt geht, dass man was für sich tut, dass man eine Therapie zulassen würde usw.
Und ja, vielleicht bin ich da ein bisschen von dem Studium "geschädigt"... aber ich denke einfach, dass man die "Hilfe" heutzutage annehmen sollte.

Ich habe schon so oft gefragt, ob ich mal Blutdruck oder Zucker messen soll, doch es wurde immer wieder verneint.
Aber ihre Laune schlägt auch jedes Mal schlagartig um, wenn ich davon anfange... Ich denke, dass sie es im Prinzip selber weiß.

Naja, vielleicht kommt ja irgendwann der Tag, an dem sie mich überrascht.

blackylein
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Re: Angst um Familienmitglied, das nicht zum Arzt gehen will

Beitrag von blackylein » 06.06.12, 23:04

Kleiner Tip:
Blutddruckmessgerät bzw BZ-Messtreifen bei ihr einfach in der Wohnung lassen, und einige Zeit dieses Thema gar nicht ansprechen. Viele wollen selbst wissen, wie die Werte sind, jedoch aus Angst, wollen sie nicht, daß andere davon erfahren. Irgenwann wird sie Sie selbst darauf ansprechen.

Meine Oma wurde 94, und war in den letzen 35 Jahren nie bei einem Arzt, außer wo sie sich den Arm gebrochen hat. Sie schlief ruhig und friedlich ein. OK ein paar kleine Zipperlein hatte sie in der letzen Zeit schon, vor allem mit dem Knie, aber sie hat bis zuletzt alleine in ihrem Haus gewohnt.

Alba
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Re: Angst um Familienmitglied, das nicht zum Arzt gehen will

Beitrag von Alba » 07.06.12, 07:36

Hallo,

ich finde, jeder Erwachsene hat das Recht, selbst zu entscheiden, was er tut und was er unterlässt. Deshalb versteh ich insbesondere den Unmut, den so ein Drängeln auf irgendwelche Untersuchungen hinterlässt. Das ist wie Bevormundung in einem besonders sensiblen Bereich.
Ich selbst nehme Vorsorgeuntersuchungen wahr, weil ich mich dafür entschieden habe (und weil ich schon einmal ernsthaft erkrankt war, toi toi toi).

In einem Buche habe ich jüngst gelesen, Gesundheit sei so ein selbstverständlicher Zustand, in dem man sich gar nicht fragt, ob mit einem alles in Ordnung ist oder nicht, sondern in dem man einfach lebt. Fragt man sich das hingegen - vielleicht noch gedrängelt durch Aufforderungen zur Vorsorge - so sei diese Selbstverständlichkeit schon dahin.

Ich persönlich würde es als unangenehme Gängelung empfinden, wenn mein Kind oder Enkel oder Neffe oder Nichte sich hier einmischte. Ganz besonders unangenehm, wenn die- oder derjenige nach 4 Semestern Medizin meinte, mir ein fremdes Konzept überstülpen zu müssen.
Ungebetene Ratschläge jedenfalls können mehr Schaden anrichten als man denkt und das Gegenteil von gut ist nicht etwa schlecht, sondern - gut gemeint.

Viele Grüße von Alba

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