Krebsvorsorge

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Izzy
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Krebsvorsorge

Beitrag von Izzy » 26.02.12, 00:14

Hallo Community,

ich habe eine hoffentlich einfach zu beantwortende Frage:

Da ich aufgrund erblicher Vorbelastung ein deutlich höheres Krebsriskio habe als der "durchschnitts-Ottonormal-Verbraucher" möchte ich mich gerne früh genug um diese Belange kümmern. Stehe jetzt aber tendenziell eher aufm Schlauch, welcher Arzt und welche Art von Unterschungen da denn sinnvoll wären.

Kurz zu meinen Risikofaktoren:
- sowohl meine Eltern als auch ALLE Großeltern erkrankten an Krebs, wenn auch an jeweils unterschiedlichen Arten
- Kettenraucher von 1994 bis 2004
- Übergewicht
- Stressiger Alltag (Job plus Abendschule), Bürojob
- damit verbunden keine ausgewogene Ernährung
- 31 Jahre alt.

Ich fühle mich körperlich komplett Fit und Leistungsfähig habe also akut keine Eile. Gibt es da einen generellen Check Up den man machen kann und ab wann wäre sowas sinnvoll? Ich hab gehört ab 30 sollte man das bei den Risikofaktoren beobacht...
Gibt es da sowas vergleichbares wie die Inspektion beim Auto --> rein, rauf, runter, raus, fertig...?

Ein paar Infos an welchen Fachbereich ich mich wenden sollte wären schon hilfreich, zur Not auch gerne via PN.

Ich bedanke mich schonmal im Voraus.
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Ralf Tillenburg
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Re: Krebsvorsorge

Beitrag von Ralf Tillenburg » 26.02.12, 08:17

Hallo,

da die gesetzlichen Kassen im Alter von 31 Jahren noch keine Vorsorgeuntersuchungen bezahlen, hängt es letztlich von Ihrem Geldbeutel und Ihrem Sicherheitsbedürfnis ab, was und wieviel man untersuchen sollte. Dazu wäre auch wichtig zu wissen, welche Krebserkrankungen in Ihrer Familie vorgelegen haben, nach welchen man also ganz besonders suchen sollte.

Ich beschreibe mal ein mögliches schrittweises Vorgehen:

1) Laboruntersuchung der üblichen Werte (ca. 50 Euro - Hausarzt)
2) ganzkörperliche Untersuchung durch den Arzt (ca 40 Euro)
3) Ultraschall Bauch (ca 50 Euro)
4) Röntgen Lunge (ca ?? Euro, macht der Radiologe) da Kettenraucher
5) Magen- und/oder Darmspiegelung (ca ?? Euro, macht der Gastroenterologe), falls in Vorgeschichte hier gesucht werden soll
6) Prostata tasten und Krebsvorsorge Mann (ca 35 Euro, Hausarzt)
7) Hautkrebsvorsorge (Kosten je nach Haut unterschiedlich, Einsatz der Lupe kostet manchmal extra, meist Hausarzt)

unabhängig von der Vorgeschichte würde ich aber auch das Herzkreislaufsystem zumindest mal mit einem EKG checken lassen, auch wenn man damit keinen Krebs erkennen kann.

Ja, und man kann immer noch mehr machen, mehr Blutwerte, Ganzkörper-CT und vieles mehr. Halte ich für unnötig, freut aber den Arzt, der es machen soll. :wink:

Eine absolute Sicherheit, nicht an Krebs erkrankt zu sein, ist jedoch nie möglich, ein Restrisiko bleibt immer.
Alles Gute
Ralf Tillenburg
Facharzt für Allgemeinmedizin
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Izzy
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Re: Krebsvorsorge

Beitrag von Izzy » 26.02.12, 13:14

Vielen Dank für die prompte und erschöpfende Antwort.

Das ein sog. Restrisiko immer bestehen bleibt, ist mir bewußt.

Ich bin dann wohl einer Fehlinfo aufgesessen, ich habe irgendwo mal aufgeschnappt das bei familiärer Vorbelastung die Vorsorgeuntersuchungen früher gemacht werden sollen und auch von der Kasse bezahlt werden.
Wenn ich aus der Antwort jetzt eine Quintessenz extrahiere heißt es, dass ich am besten zuerst zum Hausarzt spazieren sollte, da die meisten Vorsorgeuntersuchungen eh über ihn laufen, richtig?

Eine doofe Frage jetzt noch: Wieso kann der Einsatz einer Lupe beim Dermatologen extra kosten? Da verbraucht sich doch nix und das Ding hat der Hautarzt mit an sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit irgendwann mal während des Studiums angeschafft... Wäre ja so als wenn bei der RTW Rechnung der Einsatz einer Pupillenleuchte extra berechnet würde...
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Ralf Tillenburg
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Re: Krebsvorsorge

Beitrag von Ralf Tillenburg » 26.02.12, 17:21

Hallo,

nein, die Kasse zahlt in der Regel nur innerhalb des gesetzlich vorgebenen Rahmens. Allerdings gibt es von Kasse zu Kasse kleine Unterschiede, weswegen es sich lohnt, dort einmal nachzufragen. Lassen Sie sich aber Zusicherungen immer schriftlich geben, denn ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Kassen sich an mündliche Zusagen hinterher nicht mehr erinnern können/wollen.

Einige Kassen zahlen die Hautkrebsvorsorge beispielsweise schon ab dem 20. LJ.

Eine klare Empfehlung gibt es bisher nur bei der Darmspiegelung, wenn Eltern früh an Darmkrebs erkrankt sind. Dann gilt, dass die Kinder die erste Darmspiegelung etwa zu der Zeit des Auftretens (lt. mancher Experten auch schon 5 Jahre vorher) bei den Eltern machen lassen sollten, auch wenn sie noch keine 55 sind (erst ab dann ist die Vorsorge-Darmspiegelung Kassenleistung). Aber auch hier machen viele Kassen nicht mit.

Hinsichtlich der "Lupe" habe ich mich leider unscharf ausgedrückt, sorry. Die Hautkrebsvorsorge gemäß Regelung wird mit den Augen gemacht, und genau das wird von den Kassen (ab 35. LJ, Ausnahmen siehe oben) bezahlt. Der Einsatz des Dermatoskops (10fache Vergrößerung, beleuchtet, Anschaffung teuer) gehört nicht dazu, darum lassen sich viele Ärzte das extra bezahlen.

Im übrigen wird ein Arzt nicht nach Anschaffung bezahlt, sondern nach Leistung. :wink: Sie kämen ja nach dem 100. EKG auch nicht auf die Idee, dass jetzt das Gerät abbezahlt ist und EKGs demzufolge kostenlos anzufertigen sind. Im übrigen ist es mit der Anschaffung nicht getan. Das Gerät muss gewartet werden (Medizinprodukteverordnung), es muss regelmäßig desinfiziert werden (Hygieneverordnung) usw... All dies muss über die Einnahmen aus den ärztlichen Tätigkeiten finanziert werden.
Alles Gute
Ralf Tillenburg
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sabinez

Re: Krebsvorsorge

Beitrag von sabinez » 26.02.12, 18:23

Ob man die notwendigen Maßnahmen erhält, ist sicherlich auch eine Frage, wie wichtig der Hausarzt solche Maßnahmen im Einzelfall findet. Ich habe einen Arzt, der mir immer sagt, alles, was sinnvoll ist, macht er bei mir, ohne dass ich drauf zahlen muss. Die Praxis bietet aus Prinzip keine Zusatzleistungen an. Also als erstes würde ich mal mit dem Hausarzt sprechen,was konkret sinnvoll wäre.

Ich weiß ausserdem eine ganze Reihe Leute, die familiär viele Krebsfälle haben und zu einer genetischen Beratung gegangen sind . Wenn dort ein Risiko festgestellt wird, geben die Genetiker auch eine Empfehlung ab, was gemacht werden soll. Diese Leute machen dann alle nach Plan regelmäßige Checks, ohne dass es Probleme mit den Kassen gibt . Das wäre auch eine Möglichkeit. Es kommt wohl drauf an, ob tatsächlich von hohem Risiko schon in jungen Jahren ausgegangen wird. Wenn so viele Verwandte Krebs haben, würde ich die Chance nutzen, mich gut zu informieren und auf Gendefekte testen zu lassen. Denn Früherkennung ist einfach wichtig.

LG Sabine

Izzy
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Re: Krebsvorsorge

Beitrag von Izzy » 26.02.12, 18:31

Danke für die weiterführenden Infos

Nein, bei meiner Familie war es jedesmal eine andere Form, meine Mutter hatte z. B. Leukämie und mein Vater Prosthatakrebs. Meine Großmutter Bauchspeicheldrüsenkrebs usw. Da ist bislang kein "roter Faden" erkennbar.

In der Tat nahm ich aufgrund der Beschreibung eine normale Lupe wie man sie zum Textvergrößern nehmen kann an, und die Dinger sind ja eher mal günstig. Klar, mit der zusatzinfo erklärt es sich mir auch von selbst... ;-)

Um es auf den Punkt zu bringen, ich werde meine Krankenkasse zu dem Thema interviewen, und wenn ich dann schriftlich festgehaltene Zusagen habe werde ich Termine bei den entsprechenden Ärzten vereinbaren.

Super, alle Fragen geklärt. Herzlichen Dank. Thread kann meinetwegen geschlossen werden.
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