Mikrobiom Gebärmutter

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Atticus
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Mikrobiom Gebärmutter

Beitrag von Atticus »

Liebe Leser,

ich bin seit über einem Jahr in einer Kinderwunschbehandlung. Es gibt, abgesehen vom Alter (inzwischen 40), keine Erkenntnisse über Ursachen. Es sah eher immer alles super aus. Klar, Eizellen sind "alt", aber zahlreich und ich hatte in einem Zyklus drei Blastos. Das haben junge Frauen nicht (immer).
Nun habe ich eine relative neue Untersuchung namens "EndomeTrio" machen lassen. Dort werden Era, Emma(Mikrobiom) und Alice (Endomitritis) durch eine Gewebeprobe bestimmt.
Das Mikrobiom war bei mir auffällig. 34% Laktobazillen, 37 % Gardnerella - die Moreno 2016 Studie fand heraus, dass bei erfolgreichen IVF die Laktobazillen bei über 90% lagen. In dieser Studie ging es um die Eigenständigkeit des Mikrobioms der Gebärmutter im Verhältnis zur Scheidenflora. Ich verstehe aber nicht "wie" eigenständig.
Nun bekomme ich Antibiotika und danach Gynoflor.
Nun meine Fragen: Wenn das Mikrobiom der Gebärmutter unabhängig von der Scheidenflora ist, wie hilft dann Gynoflor? Heisst Gardnerella in der Gebärmutter, dass sie chronisch entzündet ist? Wenn diese reduziert werden, steigen dann die Guten (Laktobazillen)wieder?

Ich verstehe zu viel nicht und meine Ärztin auch (noch) nicht. Ich kann sie auch erst demnächst fragen, allerdings ist das alles selbst für Reproduktionsmediziner Neuland.
Vielleicht gibt es hier ja Mikrobiom- Experten!
Dankeschön und LG
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jaeckel
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Re: Mikrobiom Gebärmutter

Beitrag von jaeckel »

Atticus hat geschrieben: 13.02.21, 13:01 Nun bekomme ich Antibiotika und danach Gynoflor.
Das ist natürlich für die Mikrobiome eine Holzhammermethode, die sich weder bei Darm-, Harnwegs- oder Prostatainfekten bewährt hat. Unser Kenntnisstand spricht eher für Zurückhaltung mit Antibiotika, wenn wir das Mirobiom schützen wollen.
Für die asymptomatische Bakteriurie (ASB) gilt z.B. heute:
Die ASB ähnelt nun prinzipiell einer mukosalen Kolonisation durch Kommensalen und könnte damit als Teil der Mikrobiota betrachtet werden. Im letzten Jahrzehnt hat sich ihre Bewertung so weit geändert, dass man ihr sogar eine protektive Bedeutung bei jungen, gesunden Frauen zuspricht. Die Interaktionen zwischen den harntraktkolonisierenden Bakterien und dem Makroorganismus/Wirt kristallisieren sich langsam herausund vermitteln in der Blase eine dauerhafte, friedliche Koexistenz, welche pathogenen Erregern das Ansiedeln erschwert.
Quelle: Nephrologe 2020 · 15:119–131 https://doi.org/10.1007/s11560-020-00408-8

Eine informative Quelle für Sie, die nicht kenne, könnte sein:
Koedooder R, Singer M,Schoenmakers S et al(2018): The receptIVfity cohort study protocol to validate the urogenital microbiome as predictor for IVF or IVF/ICSI outcome. Reprod Health 15(1):202
Alles Gute!

Herzlichen Gruss
Ihr

Dr. med. Achim Jäckel
Klinische Akut- und Notfallmedizin
Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie und Nephrologie
Intensivmedizin, Notfallmedizin, Hypertensiologe (DHL)
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