Sexueller Missbrauch Vergewaltigung

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Jumanji
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Sexueller Missbrauch Vergewaltigung

Beitrag von Jumanji »

Hallo,

Eine Freundin von mir sagt, dass ihr Vater sie als Kind jahrelang sexuell missbraucht und auch mehrfach vergewaltigt habe. Jetzt hat sich wohl bei einem Besuch bei ihrer Gynäkologin herausgestellt, dass sie Jungfrau sei. Sie ist total verzweifelt und zweifelt auch ihre Erinnerungen komplett an. Ich möchte ihr gerne helfen, aber dafür muss ich noch ein paar Fragen beantwortet haben.

Ist es möglich, dass Mädchen und Frauen vergewaltigt werden und danach ein intaktes Hymen haben?

Kann man sich fortgesetzten Missbrauch wirklich einbilden?

Ich möchte ihr gerne helfen. Ich glaube ihr den Missbrauch. Sie hat keinen Grund zur Lüge, da auch kein Kontakt zur Familie besteht und von ihr abgebrochen wurde. Sie möchte ihn auch noch anzeigen.

Jumanji

Dr.med.Holger Fischer
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Re: Sexueller Missbrauch Vergewaltigung

Beitrag von Dr.med.Holger Fischer »

Guten Morgen,
leider wird ja nicht erwähnt, wie alt das Mädchen bei der ersten Vergewaltigung war und wie viel Jahre dies ging.
Vergewaltigung ist ja ein sehr im juristischen Sinn umfassender Begriff. Wenn Sie damit meinen, dass ein sexueller Verkehr im Sinn einer Penetration ( Eindringen des Gliedes) stattfand, kann ich sagen, dass dann bei einem Kleinkind das Hymen reißen würde. Bei Frauen kann aus der Intaktheit des Hymen nicht definitiv gesagt werden, ob eine Penetration stattfand, bei manchen ist es extrem elastisch und wird bei GV nicht verletzt bzw. reißt nicht ein. Also spielt wieder das damalige Alter eine entscheidende Rolle. Selbst Einkerbungen im Bereich des Hymen sind z.B. schwer zu deuten, da sie auch manchmal einfach anatomisch vorkommen. Die Anatomie des Hymen ist sehr unterschiedlich ausgeprägt bei Frauen, nur im Kindesalter und bis zur beginnenden Geschlechtsreife ist es derart geschlossen, dass mal eben knapp 1 cm offen ist.
Sie sehen, es ist also sehr schwer, definitiv eine Aussage im Einzelfall zu machen. Fakt ist aber, dass bei Kindern/Kleinkindern eine Penetration so gut wie nie ohne Verletzungen einher geht.
Ist man psychisch etwas instabil oder sogar deutlich angeschlagen, kann man sich eine Vergewaltigung-in welcher Form auch immer - auch durchaus einbilden.
Eine Anzeige- ich war einmal Gutachter in einem ähnlichen Fall- dürfte leider wenig Erfolg bringen, es ist ja auch nichts aktenkundig, die Gegenseite hat mit dem intakten Hymen dennoch ein starkes Argument- auch wenn ich oben schrieb, dass ein intaktes Hymen eine Vergewaltigung nicht ausschließt, Ausnahme Kleinkinder und etwas ältere. Die Beweisführung wäre für die Betroffene extrem, wenn nicht sogar unmöglich.
Grüße Dr. Fischer
Unter Bezugnahme auf § 7 (3) der Berufsordnung für Ärzte ist mein Beitrag eine Stellungnahme,die auf den vorliegenden Angaben beruht .Sie ersetzt aber nicht die persönliche Beratung, Untersuchung und Behandlung durch Ihren Arzt.

Charline
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Re: Sexueller Missbrauch Vergewaltigung

Beitrag von Charline »

Hallo,

Ich bin als Kind (vom 4-15 Lbj) auch sexuell Missbraucht worden.

Ärztliche Unters.fanden in der Zeit nicht statt, ich habe auch erst mit gut 33 Jahren Anzeige erstattet ...

Vlt wäre es gut, wenn Deine Freundin sich jmd weiteren anvertraut, der ihr helfen kann, hier käme z.B eine Psychotherapeutin gut . Sie kann sich auch an Beratungsstellen wenden , Frauenberatung, ggfls haben die AWO oder Caritas oder sogar über die Stadt entsprechende Stellen wo die Mitarbeiter fachlich und kompetent geschult sind.

Man kann sich ggfls auch an den weissen Ring wenden und sich beraten lassen...

Ich finde es gut und sehr wichtig, dass Du Deiner Freundin glaubst und sie unterstützt und auch Unterstützung für sie bist ... schaut bitte nach Hilfsgeboten, es ist
t ganz wichtig für sie, dass sie da jetzt professionelle Unterstützung bekommt.

Sexueller Missbrauch fängt nicht erst bei einer Vergewaltigung an ....

Darf ich fragen, wie alt Deine Freundin ist ?

LG

Jumanji
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Re: Sexueller Missbrauch Vergewaltigung

Beitrag von Jumanji »

Hallo,

Bei meiner Freundin geht es mit Erinnerungen und Flashbacks ziemlich durcheinander. Mich irritiert die Aussage der Gynäkologin doch sehr. Sie auch. Sie war bei der Untersuchung Anfang 20. Heute mit 43 ist eine Anzeige nicht möglich. Laut meiner Recherche dürfte es verjährt sein.

Viel vom Missbrauch erzählt sie nicht. Er hat wohl mit ca 5 begonnen und endete wohl mit 14.
Er hat sie wohl früh schon oral, vaginal missbraucht. Mit seinem Finger später so um 10 Jahre auch als "normaler" Geschlechtsverkehr..

Sie hat die Gynäkologin damals allerdings gefragt, weil sie auch einen Freund hatte und daher wissen wollte ob das jungfernhäutchen intakt ist. Es ranken ha auch viele Mythen darum..

Hätte der gynäkologe bei dem sie mit 15 war nicht schon feststellen müssen/können, dass ein vaginaler Missbrauch stattgefunden hat? Da war es doch noch nicht so lange her.

Ich kann mir eine komplette Einbildung definitiv nicht vorstellen.

Mit freundlichen Grüßen

Jumanji

Dr.med.Holger Fischer
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Re: Sexueller Missbrauch Vergewaltigung

Beitrag von Dr.med.Holger Fischer »

Hallo,
ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass mir das alles als sehr merkwürdig vorkommt. Wenn ein KInd mit 10 Jahren vergewaltigt wird in dem Sinn, dass der Täter sein Glied in die Scheide einführt wie einem richtigen GV, geht so etwas bei einem KInd in diesem Alter normalerweise nicht ohne Verletzungen ab. Zudem blutet es üblicherweise dann auch relativ stark und das betroffene Kind hätte sich voller Schmerz und Schrecken sicher an die Mutter gewendet.
Der Tatbestand-sofern er wirklich vorlag- ist nicht verjährt, man kann ihn aber nicht mehr nachweisen.
"Im Falle von Vergewaltigung (oder schwerem sexuellen Missbrauch von Kindern) beträgt die Verjährungsfrist 20 Jahre.
Allerdings beginnt diese Verjährung frühestens mit Ablauf des 30. Lebensjahres, sprich wer im Alter von 5, 15 oder 29 Jahren vergewaltigt oder schwer sexuell missbraucht wird, kann bis er 50 Jahre alt ist Anzeige erstatten oder die Staatsanwaltschaft Anklage erheben."
Ihre Recherche ist somit nicht korrekt.
Grüße Dr. Fischer
Unter Bezugnahme auf § 7 (3) der Berufsordnung für Ärzte ist mein Beitrag eine Stellungnahme,die auf den vorliegenden Angaben beruht .Sie ersetzt aber nicht die persönliche Beratung, Untersuchung und Behandlung durch Ihren Arzt.

Jumanji
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Re: Sexueller Missbrauch Vergewaltigung

Beitrag von Jumanji »

Guten Morgen,

Vielen lieben Dank für die schnelle Antwort.

Meine Freundin hat aktuell therapeutische Begleitung aufgrund ihrer PTBS. Ihr Therapeut glaubt ihr den Missbrauch und unterstützt sie bei der Aufarbeitung. Ich bin froh, dass sie therapeutische Begleitung hat und ich so nicht die einzige Bezugsperson bin. Ich werde sie - trotz aller Zweifel, ob es auch Geschlechtsverkehr gegeben hat - in allem weiter unterstützen. Sie braucht Hilfe und eine Schulter zum anlehnen. Die gebe ich ihr. Ob es nun bis zum letzten gekommen ist oder nicht ist mir persönlich tatsächlich egal. Es ist ihr aber nicht egal und deswegen habe ich ihrer Frage meine Stimme gegeben.

Zur Mutter hätte sie nicht gehen können, sie hat den Missbrauch durch den Vater schon im Alter von 5 Jahren gesehen und toleriert. Dies ist belegt und von der Mutter auch zugegeben. Deswegen hat sie den Kontakt zu ihr ebenfalls abgebrochen.

Ich finde diesen "Sumpf" der da gerade zu Tage kommt einfach schrecklich.

Sie wird keine Anzeige erstatten.

Wenn ein Gynäkologe kein Gutachter ist wie sie, kann so eine Aussage nicht auch falsch sein? Ebenso wie es eine eingebildete Erinnerung?

Liebe Grüße

Jumanji

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