Schwangerschaftschancen bei Untergewicht und Femoston 1/10

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Nachtschattengewächs
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Schwangerschaftschancen bei Untergewicht und Femoston 1/10

Beitrag von Nachtschattengewächs » 20.03.16, 19:06

Sehr geehrter Herr Dr. Fischer,

vorab möchte ich betonen, dass mir sehr wohl bewusst ist, dass eine Schwangerschaft mit Untergewicht generell nicht gut und gesund ist. Mein langfristiges Ziel ist somit natürlich eine Gewichtszunahme. Dennoch besteht ein immer akut werdender Kinderwunsch - in meiner jetzigen Situation kann ich die Chancen allerdings kaum einschätzen.

Ich bin nun 30 Jahre alt und wünsche mir sehnlichst ein Kind. Im Beruf bin ich gefestigt, die Partnerschaft ist seit über 10 Jahren stabil und mein Wunsch, ein Kind zu umsorgen, aufwachsen zu sehen und eine Familie zu gründen wächst jeden Tag mehr.

Leider begleitet mich jedoch seit fast 10 Jahren eine atypische Essstörung, sodass ich mich seitdem, mal mehr, mal weniger, im Untergewicht befinde. Momentan, also seit ca. 2 Jahren bin ich leider wieder sehr weit unten (knapper 14er BMI). Therapeutisch habe ich bereits alles versucht, versuche es auch immer noch einen besseren, gesünderen Weg zu finden.

Vor ca. 5 Jahren gab es einmal eine Phase, in der mir das Zunehmen gut gelungen ist. Ich glaube deshalb, dass es mir auch noch einmal, wieder gelingen kann. Insbesondere, wenn ich verantwortlich für einen ANDEREN Menschen bin, bin ich überzeugt, meine Ernährung komplett umstellen zu können - weil es mir damals auch gelungen ist. Leider muss ich erst einmal an diesen Punkt kommen. Derzeit stehen meinen Chancen auf eine Schwangerschaft wohl nicht besonders gut...

Hierzu würde ich aber gerne noch einmal Ihre fachliche Meinung, ganz unabhängig von den unterschiedlichsten Einschätzungen meiner behandelnden Ärzte hören.

Ich habe im September letzten Jahres die Anti-Baby-Pille abgesetzt - danach ist (wie ich befürchtet hatte) leider keine Periode eingetreten. Mein damaliger Frauenarzt hat eine Hormonanalyse machen lassen und beschrieb mir die Werte auch als "ok", nicht beunruhigend, sondern ermutigte mich. Vielleicht aber auch nur deshalb, weil er weiß, wie schnell ich mich sorge und in eine negative Gedankenspirale gerate? Eine spätere Ärztin aus einer Kinderwunsch-Praxis (die mich jedoch auch nicht körperlich untersuchte) betrachtete meine Hormonergebnisse jedenfalls weit weniger optimistisch... Insbesondere der Östrogenwert sei viel zu niedrig, um damit überhaupt über einen Kinderwunsch nachzudenken.

Meine Werte vom letzten Jahr (bevor ich Femoston 1/10) nahm, waren:

TSH: 2,80 (leicht über der Norm)
DHEA: 232,90
Androstendion: 3,15 ng/ml

Estradiol: 10,1 ng/ml
Progesteron: 0,6 ng/ml
FSH: 5,9 mlE/ml
LH: 2,0 mlE/ml
Prolaktin: 18,2 ng/ml
Testosteron: 0,26 ng/ml

Die Empfehlung des Labors war selbstverständlich eine Gewichtszunahme und daneben bei Bedarf eine Behandlung durch Femoston 1/10. Dieses Präparat nehme ich nun seit Dezember 2015 und habe darunter ganz leichte Blutungen. Allerdings nicht so, wie ich es von früher (vor der Anti-Baby-Pille oder auch währenddessen) kenne. Schon sehr schwach.

Eine neue Frauenärztin (der alte Arzt ist leider in Rente gegangen) hat nun bei meiner letzten Untersuchung im Februar ein kleines Follikel gesehen und meinte, eine ganz, ganz kleine Hoffnung könne sie mir machen, dass ich doch noch irgendwie (ohne Clomifenbehandlung) schwanger werde. Daneben empfahl sie mir natürlich ebenfalls eine Gewichtszunahmen - ansonsten käme auch Clomifen nicht in Frage.

Ich bin nun völlig ratlos... Natürlich sehe ich, dass ein Kind gute Startbedingungen braucht. Eine Gewichtszunahme VOR einer Schwangerschaft wäre also durchaus gut und richtig und sinnvoll. Gleichzeitig gelingt es mir aber einfach nicht, dort hin zu kommen, bevor ich schwanger werde. Es fehlt zunehmend die Motivation, ich frage mich: Wofür, wenn nicht einmal nach Gewichtszunahme sicher ist, dass meine Periode wieder normal kommt und eine Schwangerschaft möglich wäre? Das Kämpfen fällt da extrem schwer.

Können Sie mir Ihre, ganz unverbindliche Einschätzung zu meiner Situation geben?

Ich bin über jeden Tipp und fachliche Meinung total dankbar.

Viele Grüße,
Nachtschattengewächs

Dr.med.Holger Fischer
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Re: Schwangerschaftschancen bei Untergewicht und Femoston 1/

Beitrag von Dr.med.Holger Fischer » 21.03.16, 08:18

Guten Morgen,
die Laborwerte kann man noch geradeso akzeptieren, Estradiol ist schon niedrig. Statt Femoston 1/10 zu nehmen ( ich verwende ausnahmsweise den Handelnamen, wird aber im Forum nicht erwünscht!), wäre es besser, nur Estradiol zu nehmen und zwar 2 mg !!, 1 mg ist für Sie zu wenig. Der Gestagenzusatz ist nicht erforderlich bzw. würde man an Hand der Temperaturmessung sehen, wie sich der Zyklus nach dem Eisprung verhält. Vorgehen wäre also:
:arrow: ab dem 3. Tag der Blutung tgl. 2 mg Estradiol bis zum 14. Zyklustag.
:arrow: Ultraschall ab Zyklustag 12
:arrow: Follikel sollte 18-20 mm sein, l dann ist er sprungreif.
Auch sollte man die Schilddrüse besser einstellen bei Kinderwunsch. TSH ist etwas zu hoch und eine Senkung verbessert die Chancen. Es gibt also einiges zu tun, zu Clomifen würde ich vorerst nicht greifen.
Grüße Dr. Fischer
Unter Bezugnahme auf § 7 (3) der Berufsordnung für Ärzte ist mein Beitrag eine Stellungnahme,die auf den vorliegenden Angaben beruht .Sie ersetzt aber nicht die persönliche Beratung, Untersuchung und Behandlung durch Ihren Arzt.

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Re: Schwangerschaftschancen bei Untergewicht und Femoston 1/

Beitrag von Nachtschattengewächs » 21.03.16, 17:29

Sehr geehrter Herr Dr. Fischer,

ganz, ganz vielen, herzlichen Dank für Ihre so schnelle, hilfreiche und dennoch auch ehrliche Antwort! Es hat richtig gut getan, dass Sie mich trotz meines Gewichtes ernst nehmen mit meinem Kinderwunsch und diesen nicht sofort als völlig abwegig und realitätsfern bezeichnet haben.

Meinten Sie mit Ihrer Einschätzung, dass die Werte gerade noch akzeptabel seien, dass mir zumindest noch kein hormoneller, gesundheitlicher Supergau bevorsteht oder tatsächlich, dass die Werte in Bezug auf eine mögliche Schwangerschaft gerade noch im Rahmen seien? Also, dass eine Schwangerschaft grundsätzlich und mit weiteren Hilfsmaßnahmen evtl. doch möglich wäre und doch nicht so ausgeschlossen, wie die Kinderwunsch-Ärztin es mir sagte?

Ihre Empfehlung, das Östradiol zu erhöhen finde ich auch sehr schlüssig. Ich hatte tatsächlich auch überlegt, ob eine etwas höhere Dosis die Blutung, die ja nun zumindest leicht stattfindet, nicht noch ein wenig verbessern könnte. Das werde ich auf jeden Fall so mit meiner Frauenärztin besprechen, bei der ich Ende nächster Woche einen Termin habe. Thematisieren werde ich dann auch Ihren Vorschlag, am 12. Zyklustag einen Ultraschall vorzunehmen - auch das finde ich total plausibel und nachvollziehbar.

Das Kombinationspräparat (entschuldigen Sie bitte, dass ich den Namen verwendet habe - ich verzichte ab sofort natürlich darauf!) hat sie mir glaube ich auf Grund des Empfehlungsschreibens des Labors verschrieben. Sie sprach auch von einer erhöhten Krebsgefahr bei alleiniger Gabe von Östrogen. Ich werde das wie gesagt aber noch einmal mit ihr besprechen und hoffen, dass sie sich meine/Ihre ;-) Empfehlung zu Herzen nimmt.
Ein mögliches Präparat, welches nur Östrogen enthält, dürfen Sie hier vermutlich nicht nennen, damit ich dieses direkt meiner Frauenärztin vorschlagen könnte, oder?

Absolut klasse wäre natürlich, wenn man durch dieses "Hilfsmittel" tatsächlich ohne Clomifen einen Eisprung auslösen könnte. Die Kinderwunsch-Ärztin hielt einen Eisprung bei den derzeitigen Werten ja für völlig ausgeschlossen und meinte deshalb, ich solle mir den Kinderwunsch lieber aus dem Kopf schlagen (eine Behandlung mit Clomifen wollte sie auf Grund meines Gewichts leider auch nicht durchführen).
Meinen Sie tatsächlich, dass ein Eisprung bei höherer Östrogendosis oder vielleicht sogar schon jetzt ab und zu durch das geringe Östrogen im derzeitigen Präparat, tatsächlich stattfinden könnte? Das wäre ja der Hammer und gibt mir endlich wieder ein wenig Hoffnung!

Temperaturmessungen habe ich bisher noch nie gemacht. Es klingt aber Ihrer Schilderung nach sinnvoll, damit zu beginnen!

Ganz vielen Dank also noch einmal für Ihre Ratschläge und Empfehlungen! Ich fühle mich endlich verstanden und gut unterstützt!

Herzliche Grüße,
Nachtschattengewächs

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Re: Schwangerschaftschancen bei Untergewicht und Femoston 1/

Beitrag von Nachtschattengewächs » 21.03.16, 18:38

Achso und eine kleine Ergänzung noch zur Schilddrüse:

In der Empfehlung des Labors stand, dass ich vermutlich lediglich auf Grund meiner Ernährungsweise einen Jodmangel hätte. Dementsprechend hat mir mein Arzt Folio Forte mit Jod verschrieben.

Das ist sicher gut und sinnvoll. Allerdings war/ist mir auch nicht so ganz klar, wie das Labor sich so sicher sein kann, dass meine Schilddrüsenprobleme nicht möglicherweise (auch?) andere Ursachen haben. Meine Ernährungsweise kennt das Labor ja schließlich nicht, kann also nur mutmaßen auf Grund meines Gewichts.

Wenn Sie sagen, dass es Sinn macht, dann wäre es ja vermutlich gut noch einen Endokrinologen zu Rate zu ziehen, der sich die Schilddrüsenwerte noch einmal ansieht und näher untersucht?

Nun wünsche ich aber erst einmal einen schönen Feierabend!

Dr.med.Holger Fischer
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Re: Schwangerschaftschancen bei Untergewicht und Femoston 1/

Beitrag von Dr.med.Holger Fischer » 21.03.16, 18:42

Guten Abend,
jetzt habe ich einen langen Beitrag verfasst, leider irgendwie mit dem gerade von Ihnen gestellten überkreuzt und verloren gegangen. Daher werde ich morgen zu allem nochmals Stellung nehmen.
Grüße Dr. Fischer
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Nachtschattengewächs
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Re: Schwangerschaftschancen bei Untergewicht und Femoston 1/

Beitrag von Nachtschattengewächs » 21.03.16, 18:46

Ohje, das kenne ich und das ist wirklich ärgerlich, wenn ein längerer Text plötzlich verschwunden ist!

Ganz vielen Dank, dass Sie sich aber die Zeit genommen haben! Ich warte dann einfach bis Morgen (ein wenig Geduld kann mir sicher nicht schaden ;-)) und freue mich schon sehr auf Ihre Antwort!

Einen schönen Feierabend!

Dr.med.Holger Fischer
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Re: Schwangerschaftschancen bei Untergewicht und Femoston 1/

Beitrag von Dr.med.Holger Fischer » 22.03.16, 08:29

Guten Morgen,
"Also, dass eine Schwangerschaft grundsätzlich und mit weiteren Hilfsmaßnahmen evtl. doch möglich wäre und doch nicht so ausgeschlossen, wie die Kinderwunsch-Ärztin es mir sagte?" - ja, ich sehe aktuell keinen gravierenden Grund, der gegen eine Schwangerschaft spricht. Wenn die Laborwerte sehr früh am Zyklustag ( 3. ZT) abgenommen worden sein sollten, ist FSH und LH im Normbereich, Estradiol dennoch etwas zu niedrig. Da aber FSH und LH nicht erhöht sind, sind Sie noch weit von einer ovariellen Erschöpfung entfernt. Mit 2 mg Estradiol verbessern Sie die Follikelreifung und auch den besseren Aufbau der Gebärmutterschleimhaut ( Endometrium). Die sollte in zeitlicher Nähe zum Eisprung auf jeden Fall über 8 mm hoch sein. Man kann auch mit Erfahrung am Tag der Follikelmessung die ovarielle Durchblutung messen-auch ein kleines prognostisches Hinweiszeichen, geht aber nur, wenn man im US-Gerät den Farbdoppler aktiviert. Zumindest theoretisch kann mjan auch unter der momentanen Medikation schwanger werden, da sie ja den ES nicht verhindert.
"Sie sprach auch von einer erhöhten Krebsgefahr bei alleiniger Gabe von Östrogen."- das gilt nur für Frauen im Klimakterium oder darüber hinaus, wenn eine hormonelle Dysbalance auftritt, d.h. es überwiegt die Produktion von Estradiol , Progesteron hingegen lässt nach ( altersbedingt) und das Endometrium wird sehr hoch aufgebaut ( glanduläre Hyperplasie). Dies Endometrium blutet dann nicht ab und kann dann in seltenen Fällen zu einem Korpuskarzinom führen oder es kommt zu lang anhaltenden Blutungen. Hierüber gibt es viele Beiträge von mir. Bei Ihnen kann so etwas nicht passieren, man gibt 2 mg Estradiol bis zum etwa 12-14. ZT, dann wird es ja beendet. Wie die Progesteronproduktion ist, kann man wiederum an der Temperatur ablesen. Estradiol gibt es u.a. auch bei der Firma, deren Medikament Sie momentan nehmen, aber viele andere vertreiben es auch unter dem chemischen Namen Estradiol. Folio ist okay, damit aber eine latente Hypothyreose nicht übersehen wird und auf Grund der neuen Empfehlungen, TSH niedrig zu halten bei Kinderwunsch, muß man nicht gleich zu einem Endokrinologen, Ihr Arzt soll alle SD-Werte bestimmen, also TSH, fT3 und fT4. TSH reicht zwar normalerweise, in Ihrem Fall aber nicht. Mit Laborwerten muß man vorsichtig in der Interpretation sein, leider orientieren sich junge Kollegen oftmals zu sehr an ihnen.
Grüße Dr. Fischer
Unter Bezugnahme auf § 7 (3) der Berufsordnung für Ärzte ist mein Beitrag eine Stellungnahme,die auf den vorliegenden Angaben beruht .Sie ersetzt aber nicht die persönliche Beratung, Untersuchung und Behandlung durch Ihren Arzt.

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Re: Schwangerschaftschancen bei Untergewicht und Femoston 1/

Beitrag von Nachtschattengewächs » 22.03.16, 13:43

Sehr geehrter Herr Dr. Fischer,

wow! Das war nun wirklich eine lange Nachricht!

Ihre Einschätzung zu meinen Hormon-Werten klingt ja tatsächlich gar nicht so schlecht. Allerdings waren das ja die Werte die im November gemacht wurden, da ich nach dem Absetzen der Anti-Baby-Pille mehrere Monate keine Periode hatte. Den Zyklustag kann ich deshalb leider nicht sagen, sondern diese Werte waren damals evtl. mein "Dauerzustand". Nun, unter dem Hormonpräparat, habe ich leichte Blutungen, weiß jedoch nicht, ob ich tatsächlich Eisprünge habe. Ich beginne nun aber mit dem Temperaturmessen und hoffe, dass ich mir dadurch Klarheit verschaffen kann.
Evtl. wäre auch eine erneute Hormonbestimmung sinnvoll, sofern das unter dem Präparat Sinn macht?! So könnte man zumindest sehen, ob sich die Werte durch das Präparat normalisieren, besonders das Östrogen wieder annähernd in den Normbereich kommt und somit die Chancen auf Eisprünge steigen?!

Ihr Rat hinsichtlich der US-Untersuchung und möglicher Prognose ist auch super! Das werde ich auf jeden Fall auch mit meiner Ärztin besprechen! Es scheint da ja einige Möglichkeiten zu geben, um weitere Einschätzungen zur Fruchtbarkeit zu erhalten. Ihre Zahlen (mm-Dicke der Schleimhaut und ungefähr notwendige Follikelgröße) werde ich so im Kopf behalten! Daneben auch Ihre Hinweise zur Bestimmung der Schilddrüsenwerte. Ich hatte tatsächlich (so, wie Sie es beschrieben), dass meine Ärzte (Frauenärztin und Kinderwunsch-Ärztin) sehr an den Laborempfehlungen "klebten", vielleicht selbst unsicher waren und es daher am einfachsten und sichersten empfanden, die Laborempfehlungen zu befolgen. Ich hoffe, dass das für den weiteren Verlauf nicht ungünstig ist, sondern meine Ärztin stattdessen auch Alternativen und Ergänzungen (z.B. Erhöhung des Estrogens oder weiter Bestimmung der SD-Werte) in Betracht zieht.

Sehr beruhigend finde ich auf jeden Fall auch, dass Sie eine Krebsgefahr durch die Erhöhung des Estrogens nahezu ausschließen. Das fand ich sehr plausibel und nachvollziehbar erklärt!

Insgesamt haben Sie mich sehr ermutigt! Schade, dass ich so einen kompetenten und unterstützenden Arzt/Ärztin noch nicht vor Ort gefunden habe. Umso toller aber, dass ich zumindest über das Internet so hilfreiche Ratschläge und eine kompetente Zweitmeinung erhalten kann. Wenn Sie mögen, halte ich Sie gerne auf dem Laufenden.

Viele Grüße,
Nachtschattengewächs

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Re: Schwangerschaftschancen bei Untergewicht und Femoston 1/

Beitrag von Nachtschattengewächs » 22.03.16, 13:59

Achso: Und in dem Bericht des Labors stand noch, dass eine untergewichtsbedingte, "typische hypophysäre Dysfunktion" vorläge. Meine FA erklärte mir, dass auf Grund meines Gewichts die Kommunikation zwischen Eierstöcken und Gehirn nicht richtig funktioniere und deshalb das Verhältnis von FSH und LH unausgeglichen sei. Es müsste erst wieder die "Gonaden Achse anspringen".

So, wie Sie es beschrieben, ist aber eigentlich alles gar nicht so sehr aus dem Ruder, bzw. "lediglich" der Estrogenwert zu niedrig, nicht aber LH und FSH gravierend unausgeglichen?! Kann ich also davon ausgehen, dass meine Gonaden-Achse evtl. doch noch läuft und es halt "nur" mehr Östrogen braucht um ein normales Zyklusgeschehen wieder in Gang zu bringen, bzw. wie nun zaghaft eingetreten weiter am Laufen zu halten?

Dr.med.Holger Fischer
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Re: Schwangerschaftschancen bei Untergewicht und Femoston 1/

Beitrag von Dr.med.Holger Fischer » 22.03.16, 15:04

Guten Tag,
" aber mit dem Temperaturmessen und hoffe, dass ich mir dadurch Klarheit verschaffen kann"- das werden Sie auf jeden Fall. Wenn die Laborwerte außerhalb eines Zyklus gemacht wurden-bei Amenorrhoe nach der Pille- wundert mich der Wert nicht und ist soweit oft zu beobachten, natürlich auch bei starlem Untergewicht, lässt sich aber mittels Hormongabe ( was Sie ja erhalten) wieder einrenken.
FSH stimmt in Relation zu LH , LH ist sowieso bis zum 6. ZT immer niedriger als FSH und steigt erst danach-im normalen Zyklus. Es stimmt schon, daß der Regelkreis Hypothalamus-Hypophyse gestört ist, das kommt eben durch die jahrelange Suppression von FSH und LH durch die Antibabypille, man nennt dies " post-pill-Amenorrhoe. Eine Hormonbestimmung momentan ist nicht aussagekräftig, da dann zwar aktuell gute Werte resultieren werden, die aber nur durch die Hormongabe bedingt sind. Die Gonadenachse kann man durchaus testen, ob die Störung im Hypothalamus oder in der Hypophyse liegt, ist aber nur bei extrem erniedrigten Gonadotropinspiegeln erforderlich. Bei Ihnen ist die Ursache ja bekannt-Untergewicht und Z.n. Pilleneinnahme. Das lässt sich ,wie erwähnt gut regeln. Krebsgefahr= Null Problem.
Grüße Dr. Fischer
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Re: Schwangerschaftschancen bei Untergewicht und Femoston 1/

Beitrag von Nachtschattengewächs » 22.03.16, 21:59

Herzlichen Dank, Herr Dr. Fischer!

Das sind alles sehr hilfreiche, beruhigende und zuversichtlich stimmende Informationen! Wenn die Werte so in der Art öfter vorkommen nach der Pilleneinnahme und bei Untergewicht, sich jedoch mithilfe Ihrer Ratschläge und Hormongabe gut regeln lassen, dann ist das total klasse und unheimlich beruhigend! Das klingt alles machbar und lösbar!

Die Pille habe ich auch tatsächlich fast 15 Jahre lang eingenommen - wenn dadurch eine Suppression der eigenen Hormone erfolgt ist, dann ist es ja tatsächlich kein Wunder, dass der Körper danach eine gewisse "Anlaufzeit" braucht. Durch das Untergewicht fällt der Anlauf vermutlich besonders schwer und benötigt dadurch Unterstützung von außen (durch Hormone/Estradiol). Ob es eine Rolle spielt weiß ich nicht, aber vielleicht hat ja auch das Absetzen meines Antidepressivums (Fluocetin) - ungefähr zeitlich abgesetzt mit der Antibabypille - eine zusätzliche, hormonelle Verwirrung in meinem Körper gestiftet?!

In jedem Fall scheint es mir nun ein Weg zu sein, der nicht mehr unmöglich ist und ich kann endlich wieder Licht am Ende des Tunnels sehen.

Ich warte nun gespannt meine Temperaturen in den nächsten Tagen/Wochen ab und hoffe, dass ich Ende nächster Woche ein gutes und offenes Gespräch mit meiner Ärztin führen kann. Die Krebssorge scheint ja wirklich völlig unbegründet zu sein. Und auf Ihren Vorschlag, beim Ultraschall einmal die Durchblutung zu überprüfen, werde ich ihr auch einmal nahelegen. Ich hoffe, dass sie selbst auf die Idee mit dem Farbdoppler kommt - wenn ich sie erst noch darauf hinweisen muss, dann wirkt das ja evtl. ein wenig merkwürdig ;-). Aber ich lasse mich überraschen und versuche erstmal ein wenig optimistisch zu sein.

Wenn mir noch etwas einfällt, dann melde ich mich bestimmt noch einmal! Für den Moment aber erstmal ein großes Dankeschön an Sie!

Beste Grüße,
Nachtschattengewächs

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Re: Schwangerschaftschancen bei Untergewicht und Femoston 1/

Beitrag von Dr.med.Holger Fischer » 23.03.16, 07:51

Guten Morgen,
"ungefähr zeitlich abgesetzt mit der Antibabypille - eine zusätzliche, hormonelle Verwirrung in meinem Körper gestiftet?!"- ja, das stimmt, Antidepressiva erhöhen das Prolaktin und dies wiederum macht Zyklusstörungen, stört sogar bis in den Mechanismus der Schilddrüse und der männlichen Hormone hinein. Das alles dürfte aber kein Problem aktuell mehr sein, da das Prolaktin bei Ihnen okay ist. Bin sehr gespannt auf die Messungen, zwei komplette Zyklen sollten es schon sein. Es gibt im Internet gute Vorlagen, an denen man sich orientieren kann und die dann in das Forum verlinken kann.
Grüße Dr. Fischer
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Nachtschattengewächs
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Re: Schwangerschaftschancen bei Untergewicht und Femoston 1/

Beitrag von Nachtschattengewächs » 23.03.16, 22:25

Ganz herzlichen Dank!

Ich werde Sie auf jeden Fall auf dem Laufenden halten! Entweder nach dem FA-Termin Ende nächster Woche oder spätestens mit ein oder zwei Basaltemperaturkurven. Es freut mich sehr, dass Sie so "mitfiebern"!

Ihnen wünsche ich vorsorglich schon einmal ein frohes und erholsames Osterfest!

Nachtschattengewächs
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Re: Schwangerschaftschancen bei Untergewicht und Femoston 1/

Beitrag von Nachtschattengewächs » 13.04.16, 21:03

Hallo Herr Dr. Fischer,

ich wollte mich ja nochmal melden und berichten, wie es weitergegangen ist, bzw. weitergeht.

Der Besuch bei der Frauenärztin neulich war so mittelmäßig erfreulich. Ich habe zunehmend das Gefühl, dass sie sich mit der Thematik nicht richtig auskennt.
Eine Ultraschalluntersuchung wollte sie nicht machen, weil sie sagte, man könne dort nur so vage Prognosen und Vermutungen ('Wahrsagerei") anstellen, dass man sich die Untersuchung sparen könne. Eine erneute Blutuntersuchung fand sie sinnvoller. Da meine Blutung auch unter dem Präparat nur sehr unregelmäßig, bzw. schwach (eher Schmierblutungen) kommt, war dann die Frage, ob die Untersuchung mit oder ohne Einnahme des Hormonpräparates Sinn macht. Es hat jetzt eine Untersuchung MIT dem Präparat am 21. ZT stattgefunden und es soll noch eine weitere am 3.-5. ZT MIT dem Präparat folgen. Anschließend eine Besprechung.
Von meiner Seite aus steht dann die Frage an, ob das Östrogen (wie Sie ja bereits vermuteten) erhöht werden muss, da es ggf. in der jetzigen Dosierungshöhe nicht ausreicht.
Von Seiten meiner Frauenärztin steht aber eher die Frage an, ob ich nicht ggf. jegliche Präparate absetzen sollte und auf einen normalen Zyklus hoffen soll. Ihrer Ansicht nach ändert sich so oder so kaum etwas, weshalb ich lieber auf Chemie verzichten sollte. Meinen Einwand, dass doch durch mein Untergewicht auch einer Osteoporose durch das Östrogen vorgebeugt werden sollte, empfand sie eher amüsant. In meinem Alter müsse ich mir - egal wie stark mein Untergewicht sei - noch keine Gedanken um Osteoporose machen. Das wolle sie aber noch einmal mit mir diskutieren, wenn die Ergebnisse der Blutuntersuchungen da sind.

Ich tendiere nun zunehmend zu einem Arztwechsel. Einen neuen Arzt habe ich nun schon ausgesucht. Leider muss ich bis Juli warten, da erst dann der nächste Ersttermin möglich ist.

Bis dahin messe ich aber fleißig jeden Tag meine Temperatur und habe auch schon eine erste Kurve erstellt. So, wie es derzeit aussieht, stehen die Chancen auf einen ES aber vermutlich eher schlecht, oder? Ich habe wirklich sehr gewissenhaft gemessen und auch fast immer zur selben Uhrzeit, direkt nach dem Aufstehen. Dennoch ist sie ziemlich... wackelig und nicht besonders aussagekräftig, befürchte ich. Hier der Link:

http://www.urbia.de/services/zykluskale ... 302/847248

Was meinen Sie? So ganz grob, als erste Tendenz?
Gerne stelle ich demnächst auch den weiteren Verlauf noch ein!

Ich würde mich freuen, wenn Sie mir eine Einschätzung geben könnten!

Dr.med.Holger Fischer
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Re: Schwangerschaftschancen bei Untergewicht und Femoston 1/

Beitrag von Dr.med.Holger Fischer » 14.04.16, 17:23

Guten Tag,
", ob ich nicht ggf. jegliche Präparate absetzen sollte und auf einen normalen Zyklus hoffen soll. Ihrer Ansicht nach ändert sich so oder so kaum etwas, "-ja nicht absetzen, natürlich ist auch in Ihrem Alter bei Estradiolmangel -egal ob durch Untergewicht bedingt oder eine sonstige Störung- Osteoporose möglich, wenn der Hormonmangel lange anhält- also über 1 Jahr und länger. Estradiol hat eine direkte Wirkung auf die knochenaufbauenden Osteoblasten.
Ein US bringt immer etwas und ist ein direkter Gradmesser für eine Estradiolproduktion. Man stützt sich in der Medizin viel zu sehr auf Laborwerte und manchmal ist man nicht einmal in der Lage, mangels Kenntnis sie korrekt zu interpretieren.
Die Kurve beurteile ich in einem neuen Beitrag, damit dieser beim Anklicken nicht verloren geht.
Grüße Dr. Fischer
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