Schwangerschaft und Schilddrüsenwerte

Moderator: DMF-Team

ArdnasB
Topicstarter
DMF-Mitglied
DMF-Mitglied
Beiträge: 105
Registriert: 22.08.14, 09:29

Schwangerschaft und Schilddrüsenwerte

Beitrag von ArdnasB » 28.04.15, 20:30

Lieber Herr Dr. Fischer,

nun bin ich bereits in der 17. SSW angelangt :)

Nach wie vor nehme ich unverändert 50 Mikrogramm Thyroxin täglich.

Ich habe nun wieder aktuelle Werte (vom 14.4.):

FT3: 4,7 pmol/l (3,1-7,0)
FT4: 11,6 pg/ml (8,0-17,0)
TSH basal: 0,14 (0,30-3,70)

Im Vergleich zum letzten Mal ist der TSH leicht gestiegen, FT3 und FT4 gesunken (trotz diesmal - im Gegensatz zu der letzten Blutabnahme- morgendlicher Einnahme von Thyroxin).

Sollte ich die Dosis leicht steigern? Z.B. auf 62,5 oder 75 Mikrogramm? 62,5 hatte ich als Dosierung vor der Schwangerschaft bei Kinderwunsch.

Zudem ist der Vitamin D-Wert zu gering: 22,0 ng/ml (30,0-100,00). Momentan nehme ich täglich 1.000 IE Dekristol. Könnte ich auch in der Schwangerschaft auf 2.000 IE pro Tag erhöhen?

Mein Ferritin-Wert lautet: 26,4 ng/ml (20,0-167,0). Ist das noch ok oder sollte ich zusätzlich vorsorglich ein Eisenpräparat nehmen?

Zudem wurde mir FolPlus + D3 empfohlen. Es enthält pro Tablette 4 mg B6, 400 µg Folsäure, 30 µg B12 und 800 I.E. D3. Kann es hierbei zu Überdosierungen bei den B-Vitaminen kommen?

Herzlichen Dank wieder einmal für Ihre Hilfe.

Viele Grüße aus Berlin

Dr.med.Holger Fischer
DMF-Moderator
Beiträge: 12350
Registriert: 31.01.07, 15:01
Wohnort: 87727 Babenhausen ( Schwaben)

Re: Schwangerschaft und Schilddrüsenwerte

Beitrag von Dr.med.Holger Fischer » 29.04.15, 07:19

Hallo,
die Werte passen schon, man sollte keine " Laborkosmetik" betreiben.
Auffallend viele haben momentan einen Mangel an Vit. D -das kann ich fast nicht glauben. Erhöhunh ist bei dieser Dosis nicht üblich und nicht nötig. Ferritin kann man so lassen, allenfalls maximal 100 mg zweiwertiges Eisen nehmen ( Achtung: Verstopfung möglich), aber mit Folsäure. Das empfohlene Folplus nicht nehmen, Sie haben sonst zuviel Folsäure und zuviel Vit D3.
Grüße Dr. Fischer
Unter Bezugnahme auf § 7 (3) der Berufsordnung für Ärzte ist mein Beitrag eine Stellungnahme,die auf den vorliegenden Angaben beruht .Sie ersetzt aber nicht die persönliche Beratung, Untersuchung und Behandlung durch Ihren Arzt.

ArdnasB
Topicstarter
DMF-Mitglied
DMF-Mitglied
Beiträge: 105
Registriert: 22.08.14, 09:29

Re: Schwangerschaft und Schilddrüsenwerte

Beitrag von ArdnasB » 03.05.15, 21:06

Lieber Herr Dr. Fischer,

besten Dank für die Tipps.

Bezüglich der freien Werte habe ich mehrfach gelesen, dass diese in der SS im oberen Drittel liegen sollten. Nun zeigt sich aber zusehends eine Abnahme der Werte in Richtung untere Grenze. Könnte ich nicht doch - zumal mein TSH ja wieder anzusteigen scheint - zumindest um 12,5 Mikrogramm Thyroxin erhöhen?

Ich befürchte, dass bei der nächsten Kontrolle in drei Wochen FT3 und FT4 sogar schon unter der Normgrenze liegen könnten.

Sollten diese aber unter der Grenze sein, müsste ich auf jeden Fall erhöhen, oder?

Eine andere Frage habe ich auch noch: In 4 Tagen habe ich den "kleinen" Zuckertest bei meinem Gynäkologen. Ist es empfehlenswert, dass ich das Metformin vorher absetze? Wann sollte ich denn dafür die Einnahme unterbrechen?

Vielen Dank im Voraus!

Herzliche Grüße

Dr.med.Holger Fischer
DMF-Moderator
Beiträge: 12350
Registriert: 31.01.07, 15:01
Wohnort: 87727 Babenhausen ( Schwaben)

Re: Schwangerschaft und Schilddrüsenwerte

Beitrag von Dr.med.Holger Fischer » 04.05.15, 07:21

Guten Tag,
" zumindest um 12,5 Mikrogramm Thyroxin erhöhen? "- das können Sie.
"Sollten diese aber unter der Grenze sein, müsste ich auf jeden Fall erhöhen, oder?" - Ja.
Die Halbwertszeit von Metformin beträgt maximal 24 Std. Also Absetzen 1 Tag oder besser2 Tage zuvor. Ich frage mich aber, warum Sie noch Metformin einnehmen sollen. Diabetes Typ 2 werden Sie wohl kaum haben und jetzt- da die SS fortgeschritten ist- sehe ich aus der Ferne keine Grund zur weiteren Einnahme. Die weitere Notwendigkeit könnten Sie mit Ihrem Arzt besprechen. Bzgl. der BZ-Senkung passiert nichts, Metformin senkt den BZ nur bei Diabetikern, nicht bei Stoffwechselgesunden
Grüße Dr. Fischer
Unter Bezugnahme auf § 7 (3) der Berufsordnung für Ärzte ist mein Beitrag eine Stellungnahme,die auf den vorliegenden Angaben beruht .Sie ersetzt aber nicht die persönliche Beratung, Untersuchung und Behandlung durch Ihren Arzt.

ArdnasB
Topicstarter
DMF-Mitglied
DMF-Mitglied
Beiträge: 105
Registriert: 22.08.14, 09:29

Re: Schwangerschaft und Schilddrüsenwerte

Beitrag von ArdnasB » 05.05.15, 08:54

Lieber Herr Dr. Fischer,

bereits vor der SS wurde bei mir eine Insulinresistenz festgestellt - Metformin bekam ich aber nur wegen dem Kinderwunsch. Soweit ich das verstehe, ist Insulinresistenz eine Vorstufe von Diabetes, oder?

Am Donnerstag habe ich nun den "kleinen" Zuckertest, da mein Nüchterninsulinwert auffällig war. Nun hatte ich seit anderthalb Wochen mit einer starken Erkältung zu tun, die nun fast abgeklungen ist, nur verstopfte Nase und ab und zu Husten sind noch da. Wirkt sich das auf den Test aus? Wenn ja, sollte ich diesen besser verschieben?

Noch eine Frage: Sind mensartige Schmerzen und Ziehen im Rücken in der 18. SSW normal? Eine Verhärtung des Bauches ist nicht da.

Herzliche Grüße aus Berlin

Dr.med.Holger Fischer
DMF-Moderator
Beiträge: 12350
Registriert: 31.01.07, 15:01
Wohnort: 87727 Babenhausen ( Schwaben)

Re: Schwangerschaft und Schilddrüsenwerte

Beitrag von Dr.med.Holger Fischer » 05.05.15, 15:21

Guten Tag,
Insulinresistenz hat viele Ursachen, ist aber nicht zu betrachten als eine Vorstufe des Diabetes. Erkältung wirkt sich üblicherweise auf einen BZ-Belastungstest nicht aus. Rückenschmerzen können durchaus vorkommen durch die Lockerung der Bänder, ist harmlos aber nur dann, wenn sich am Gebärmutterhals nichts verändert hat.
Grüße Dr. Fischer
Unter Bezugnahme auf § 7 (3) der Berufsordnung für Ärzte ist mein Beitrag eine Stellungnahme,die auf den vorliegenden Angaben beruht .Sie ersetzt aber nicht die persönliche Beratung, Untersuchung und Behandlung durch Ihren Arzt.

Dr.med.Holger Fischer
DMF-Moderator
Beiträge: 12350
Registriert: 31.01.07, 15:01
Wohnort: 87727 Babenhausen ( Schwaben)

Re: Schwangerschaft und Schilddrüsenwerte

Beitrag von Dr.med.Holger Fischer » 06.05.15, 08:16

Guten Tag,
noch immer frage ich mich, warum man Ihnen noch immer Metformin verordnet. Hier ein Link:
https://www.embryotox.de/metformin.html
Falls der BZ-Belastungstest pathologisch ausfallen sollte, sieht es natürlich anders aus. Der kleine OGTT wird mit 50 mg durchgeführt, ansonsten wird in der SS der Test mit 75 g Glucose durchgeführt.

" mein Nüchterninsulinwert auffällig war" - Sie meinen doch eher ( ? ) den Nüchternblutzuckerwert.
Grüße Dr. Fischer
Unter Bezugnahme auf § 7 (3) der Berufsordnung für Ärzte ist mein Beitrag eine Stellungnahme,die auf den vorliegenden Angaben beruht .Sie ersetzt aber nicht die persönliche Beratung, Untersuchung und Behandlung durch Ihren Arzt.

ArdnasB
Topicstarter
DMF-Mitglied
DMF-Mitglied
Beiträge: 105
Registriert: 22.08.14, 09:29

Re: Schwangerschaft und Schilddrüsenwerte

Beitrag von ArdnasB » 06.05.15, 09:43

Hallo Herr Dr. Fischer,

ich habe bei mehreren Ärzten nachgefragt, ob ich Metformin weiter einnehmen soll. Dazu habe ich bislang nur die Antwort bekommen, dass ich das selbst entscheiden solle.

Genau, ich meinte den Nüchternblutzuckerwert.

Nach Lesen der Embryotox-Seite mache ich mir nun Sorgen, ob sich die Einnahme bereits schädlich ausgewirkt haben könnte. :-(

Ich habe noch eine Frage: Wie kann man den Pilz candida glabrata in der SS behandeln? Ich bin jetzt in der 18. SSW.

Herzliche Grüße

Dr.med.Holger Fischer
DMF-Moderator
Beiträge: 12350
Registriert: 31.01.07, 15:01
Wohnort: 87727 Babenhausen ( Schwaben)

Re: Schwangerschaft und Schilddrüsenwerte

Beitrag von Dr.med.Holger Fischer » 06.05.15, 10:46

Hallo,
" dass ich das selbst entscheiden solle" -was ist denn das für eine Antwort? Fragen Sie evtl. bei Embryotox nach, ich denke, ein Schaden wird nicht schon verursacht worden sein, es gibt ja auch Befürworter der kontinuierlichen Einnahme in einer SS.
Candida glabrata wird mit Fluconazol behandelt. Es ist im 2. Trimenon nicht fetotoxisch-das können Sie ebenfalls bei Embryotox nachlesen. Die üblichen vaginalen Therapeutika wie z.B. das bekannte Cotrimazol helfen nicht.
Grüße Dr. Fischer
Unter Bezugnahme auf § 7 (3) der Berufsordnung für Ärzte ist mein Beitrag eine Stellungnahme,die auf den vorliegenden Angaben beruht .Sie ersetzt aber nicht die persönliche Beratung, Untersuchung und Behandlung durch Ihren Arzt.

ArdnasB
Topicstarter
DMF-Mitglied
DMF-Mitglied
Beiträge: 105
Registriert: 22.08.14, 09:29

Re: Schwangerschaft und Schilddrüsenwerte

Beitrag von ArdnasB » 06.05.15, 11:09

Vielen Dank für Ihre schnelle Antwort und für die hilfreichen Tipps.

Bei manchen Fragen fühle ich mich von meinen Ärzten vor Ort in der Tat sehr allein gelassen :-(

Noch eine Frage zu der SD-Medikation: Ich habe ja nun auf 62,5 Mikrogramm Thyroxin erhöht.

Die letzte Blutabnahme unter vorheriger Thyroxin-Einnahme ergab ja freie Werte um die 40 %. Ich lese aber oft, dass in der SS die Werte im oberen Drittel sein sollten. Wie sehen Sie das?

Die nächste Kontrolle steht in zwei Wochen an.

Viele Grüße aus Berlin

Dr.med.Holger Fischer
DMF-Moderator
Beiträge: 12350
Registriert: 31.01.07, 15:01
Wohnort: 87727 Babenhausen ( Schwaben)

Re: Schwangerschaft und Schilddrüsenwerte

Beitrag von Dr.med.Holger Fischer » 06.05.15, 12:15

Hallo,
momentan nicht erhöhen. fT4 liegt nicht bei 40 %, sondern bei 70 %, ebenso fT3- also im oberen Bereich.
Grüße Dr. Fischer
Unter Bezugnahme auf § 7 (3) der Berufsordnung für Ärzte ist mein Beitrag eine Stellungnahme,die auf den vorliegenden Angaben beruht .Sie ersetzt aber nicht die persönliche Beratung, Untersuchung und Behandlung durch Ihren Arzt.

ArdnasB
Topicstarter
DMF-Mitglied
DMF-Mitglied
Beiträge: 105
Registriert: 22.08.14, 09:29

Re: Schwangerschaft und Schilddrüsenwerte

Beitrag von ArdnasB » 06.05.15, 12:30

Sind Sie sich da wirklich sicher?

Hier noch mal die aktuellen Werte:

FT3: 4,7 pmol/l (3,1-7,0)
FT4: 11,6 pg/ml (8,0-17,0).

Hab das in einen Rechner eingegeben und auch nach Dreisatz komme ich da nicht auf 70 %.

Herzliche Grüße

LilyG
DMF-Mitglied
DMF-Mitglied
Beiträge: 290
Registriert: 25.09.12, 09:29

Re: Schwangerschaft und Schilddrüsenwerte

Beitrag von LilyG » 06.05.15, 13:01

Hallo Ardnas,

was entspricht in deinem Dreisatz 100% und was sind 1%. Ich habe noch nicht gewusst, dass man für Werte in einem Referenzbereich eine Prozentzahl von 1%-100% ausrechnet.

http://flexikon.doccheck.com/de/Normalwerte
Als Normalwerte bezeichnet man Richtgrößen zur Beurteilung von Messgrößen (z.B. Laborwerte). Sie werden meist als Grenzwertbereiche (Normal- oder Referenzbereiche) angegeben, innerhalb derer sich die jeweiligen Messwerte von 95% einer repräsentativen Bevölkerungsgruppe (Population) befinden.
Dabei geht man von einer Normalverteilung aus, d.h. die häufigsten Werte sind mittlere Werte.
Wofür soll das gut sein, einen Wert zwischen 1% und 100% auszurechnen?

LilyG

ArdnasB
Topicstarter
DMF-Mitglied
DMF-Mitglied
Beiträge: 105
Registriert: 22.08.14, 09:29

Re: Schwangerschaft und Schilddrüsenwerte

Beitrag von ArdnasB » 06.05.15, 14:06

Die relative Darstellung soll helfen, die Normbereiche unterschiedlicher Labore miteinander zu vergleichen, bzw. den individuellen Wohlfühlbereich zu ermitteln,
welcher sich oftmals im oberen Drittel befindet

Daher noch einmal die Frage an Sie, Herr Fischer, wie sie auf die 70 % kommen, ich komme nach wie vor auf ca. 40 %.

Herzliche Grüße

Dr.med.Holger Fischer
DMF-Moderator
Beiträge: 12350
Registriert: 31.01.07, 15:01
Wohnort: 87727 Babenhausen ( Schwaben)

Re: Schwangerschaft und Schilddrüsenwerte

Beitrag von Dr.med.Holger Fischer » 06.05.15, 15:14

Hallo,
wenn man fT4 und seinen in diesem Labor definierten Maximalwert von 17 pg/ml mit 100 % annimmt, hätte man ja schon mit einem Wert von 8,5 pg/ml die Hälfte ( = 50% ) erreicht. Somit ist 11,6 pg/ml entsprechend 70%. Das Ganze ausgehend vom Maximalwert, der aber nicht realistisch ist. Selbst wenn man eine andere Perzentile nimmt und z.B. aus Durchschnittswert 12 pg/ml ansetzt,
liegt Ihr Wert voll im Sollbereich-auch für eine Schwangere.
Wenn Sie z.B. 6 Liter Blut haben sollten, stattdessen aber durch Blutverlust nur noch 3 Liter, haben Sie nur noch die Hälfte der Blutmenge, also 50 % verloren.
"Die relative Darstellung soll helfen, die Normbereiche unterschiedlicher Labore miteinander zu vergleichen, bzw. den individuellen Wohlfühlbereich zu ermitteln,
welcher sich oftmals im oberen Drittel befindet"- das stimmt so nicht ganz. Die " Normbereiche"- man sollte besser sagen " Referenzbereiche- schwanken zwar von Labor zu Labor, aber meist in einem klinisch nicht relevanten Bereich. Grund sind die verschiedenen Testkits, jedes Labor verwendet eben andere Kits. Das mit dem " Wohlfühlbereich" ist so eine Sache. Die meisten schweren Abweichungen im Bereich der Laborwerte dürften auch entsprechende klinische Symptome zeigen, aber das ist ja nicht immer der Fall. So kann es z.B. vorkommen, dass die Tumormarker sehr stark erhöht sind, aber noch keine Beschwerden bzgl. des zugrunde liegenden Krebses aufgetreten sind. Letztes Beispiel: stark erhöhte Leberwerte weisen meist auf einen Leberschaden hin und dennoch kann sich der Patient noch durchaus wohl fühlen-wie lange jedoch, das ist bei beiden Beispielen die Frage. Somit behandelt man-um beim Thema zu bleiben- eine Hypothyreose nicht, wenn die Werte im Referenzbereich liegen, egal bei welcher Perzentile, sondern meist nur dann, wenn auch entsprechende Beschwerden vorliegen. Ausnahmen gibt es natürlich immer.
Grüße Dr. Fischer
Unter Bezugnahme auf § 7 (3) der Berufsordnung für Ärzte ist mein Beitrag eine Stellungnahme,die auf den vorliegenden Angaben beruht .Sie ersetzt aber nicht die persönliche Beratung, Untersuchung und Behandlung durch Ihren Arzt.

Antworten