Endometrium-Hyperplasie

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Marina73
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Endometrium-Hyperplasie

Beitrag von Marina73 »

Guten Tag!

Ich bin 40 Jahre alt.
Zur Vorgeschichte: Menstruation seit dem 14. Lebensjahr, generell eher starke Regelblutungen.
Vor etwa 10 Jahren erstmals ein Myom diagnostiziert, mittlerweile Uterus myomatosus (kein Handlungsbedarf bisher).
2011 sah mein Gynäkologe im US "PCO-verdächtige Ovarien" und äußerte den Verdacht auf PCOS. Ein Hormonstatus ergab aber hinsichtlich Testosteron normale Werte.

Ende 2012 erkrankte ich an einem Mammakarzinom (invasiv ductal, G3), Rezeptoren ER 4/12, PR 1/2 Her2neu +++
Ich bekam eine neoadjuvante Chemotherapie (3x Taxotere und Herceptin, 3x FEC), danach OP (Mastektomie rechts) und Bestrahlung.
Die letzte Regelblutung hatte ich Anfang November 2012, kurz nach dem 1. Chemozyklus.
Am 1. Mai begann ich aufgrund des hormonsensitiven Tumors mit Tamoxifen 20 mg. Zuvor wurde ich im März noch gynäkologisch untersucht, um grünes Licht dafür zu erhalten, dabei war alles in Ordnung (Endometrium normal).
Bald darauf bekam ich leichte Blutungen, hellrot, ein paar Tage durchgehend, dann aber auch mit Pause. Ich nahm an, ich hätte meine Regelblutung wieder bekommen, was offenbar nichts mit Tamoxifen zu tun hatte, da dieses nach so kurzer Zeit (7 Tage) noch nicht wirken konnte. Zumindest sagte das mein Onkologe. Es sei also Zufall und meine Eierstöcke würden anscheinend wieder erwachen.
Während der Tamoxifentherapie könne es außerdem ohnehin wieder zu Blutungen kommen, diese seien oftmals auch eine Nebenwirkung.
Tatsächlich traten Mitte Juni wieder ganz leichte Blutungen auf, oft nur von ganz kurzer Dauer, aber nach ein paar Tagen immer wiederkehrend. Zwischenzeitlich auch mal eine stärkere Phase mit grellrotem Blut und abgehenden Schleimhautklumpen. Alles jedoch nicht schmerzhaft.

Da mich die häufigen Blutungen irritierten, suchte ich einen Gynäkologen auf - da meiner nicht da war, ging ich zu einer Vertretung.
Dieser stellte im US eine stark verdickte Gebärmutterschleimhaut fest (2,1 cm). Ich wurde nun ans Krankenhaus verwiesen, wo mich in Kürze eine genauere Untersuchung und eine Abrasio erwarten.
Was mich irritiert: Der Vertretungsarzt konnte sich offenbar nur schwer vorstellen, dass die rasch entstandene Hyperplasie durch Tamoxifen indiziert sein könnte. Auf dem Überweisungsschein steht, die Hyperplasie wirke "eher nicht" wie ein Tamoximetrium.

Jetzt würde ich gerne wissen:
- Ist Tamoxifen als Ursache nicht am wahrscheinlichsten?
- Können Myome und evtl. PCOS als Auslöser für die Hyperplasie schuld sein?
- Für Hyperplasien sind oft "Hormonstörungen" verantwortlich. Kann man davon sprechen, dass bei mir hormonell im Moment ziemliche Verwirrung herrscht? (vorangegangene Chemotherapie, Ausbleiben der Regel, danach Tamoxifen)
- Habe ich gleich mit etwas Bösartigem zu rechnen? Ich habe gelesen, dass Endometriumkarzinome sehr langsam wachsen. Das können sie ja wohl nicht innerhalb von 2 Monaten?
- Welche Gründe gäbe es noch für eine Hyperplasie?

Möglicherweise gab/gibt es bei mir auch eine Östrogendominanz. Mein BMI liegt aktuell bei 34,7 und ich habe Bauchfett.

Ich weiß, dass ich erst nach den Untersuchungen Klarheit haben werde, doch vielleicht können Sie etwas Klarheit bzgl. der aufgetauchten Fragen bringen.
Vielen Dank!

Marina73
Dr.med.Holger Fischer
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Re: Endometrium-Hyperplasie

Beitrag von Dr.med.Holger Fischer »

Guten Abend,
Tamoxifen als selektiver Östrogenrezeptormodulator kann in wenigen Fällen zu einer Endometriumhyperplasie führen, leider auch zu einem Corpuscarzinom.
Die primäre Therapie des Mamma-Carcinoms war korrekt, ebenso die Tamoxifentherapie bei estrogenrezeptorpositivem Status.
Der Gang zu einem Frauenarzt war absolut die richtige Entscheidung, da Blutungen-egal welcher Stärke, Art und Dauer- unter Tam abgeklärt werden müssen, zumindest zunächst mittels Ultraschalls.
Tam ist als Ursache absolut sicher anzunehmen.
Eine Abrasio und Hysteroskopie ist bei 21 mm und vor allem unter Tam-Therapie einer Gestagentherapie vorzuziehen.
Myome und PCO-letzteres haben Sie nicht- sind nicht Verursacher einer Hyperplasie.
Es stimmt, die häufigste Ursache einer Hyperplasie ist im Praeklimakterium der Gestagenmangel, der ja bekanntlich nach seinem Abfall der Blutkonzentration zu der Periodenblutung führt. Bei Ihnen muß man aber eher an die Nebenwirkung einer Tam-Therapie denken.
Studien haben schon vor ca. 20 Jahren ergeben, daß unter Tam das Endometriumkarzinomrisiko erhöht ist, es ist aber nicht zwingend, daß dies bei Ihnen der Fall sein muß. Ein sehr erfahrener Ultraschaller kann diesbezüglich im Farbdoppler bereits erste Hinweiszeichen erkennen, was aber letztendlich immer durch die feingewebliche Untersuchung abgeklärt werden muß.
Es stimmt, Endometriumkarzinome wachsen normalerweise relativ langsam, eine Hyperplasie aber kann durchaus innerhalb zwei Monaten entstehen.
Andere Gründe sind nur: Östrogendominanz bei mangelnder Progesteronproduktion in der Gestagenphase ( 2. Zyklushälfte). Dies ist z. B. auch tatsächlich bei diesem BMI möglich, da das Unterhautfettgewebe reichlich Östrogen aus Estriol bildet-das wäre noch durchaus denkbar.
Berichten Sie bitte nach Vorliegen der Histologie wieder.
Grüße Dr. Fischer
Unter Bezugnahme auf § 7 (3) der Berufsordnung für Ärzte ist mein Beitrag eine Stellungnahme,die auf den vorliegenden Angaben beruht .Sie ersetzt aber nicht die persönliche Beratung, Untersuchung und Behandlung durch Ihren Arzt.
Marina73
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Re: Endometrium-Hyperplasie

Beitrag von Marina73 »

Vielen Dank!
Das heißt also, es ist eher von einer Tam-Nebenwirkung auszugehen (Entstehung der Hyperplasie) und nicht primär von der Entstehung oder des Vorhandenseins eines Endometriumkarzinoms - habe ich das richtig verstanden?
Dr.med.Holger Fischer
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Re: Endometrium-Hyperplasie

Beitrag von Dr.med.Holger Fischer »

Guten Morgen,
ein primäres Endometriumkarzinom ist sehr unwahrscheinlich. Fest steht ja momentan lediglich, daß eine sonographisch eine Hyperplasie vorliegt. Ein Endometriumkarzinom weist meist im Farbdopplerultraschall ein typisches Muster auf.
Grüße Dr. Fischer
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Marina73
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Re: Endometrium-Hyperplasie

Beitrag von Marina73 »

Ich habe mir mittlerweile auch eine mögliche Erklärung zusammengebastelt, warum für den Gyn das Endometrium eher nicht tamoxifen-typisch aussah. (Ich kann ihn danach leider nicht mehr fragen, da er nur Vertretungsarzt war und für Fragen nicht mehr zur Verfügung steht.)
Ich gehe mal davon aus, dass sich ein Endometrium während einer Tam-Therapie charakteristisch verändern kann, aber dazu ist doch (vermute ich) eine längere Tam-Einnahme (möglicherweise jahrelang) nötig. Es liegt mir fern, die Aussage des Arztes oder gar seine Kompetenz anzuzweifeln, aber ich frage mich doch, ob man nach knapp über 2 Monaten Tam-Einnahme schon etwas diesbezüglich Charakteristisches erwarten kann.
Aber wie Sie schon andeuten: ein Farbdoppler wird besseren Aufschluss geben als eine normale Sono.

Sie können bestimmt meine Verunsicherung verstehen - nach 2 verschiedenen Krebsarten in den letzten 10 Monaten brauche ich nun wirklich nicht noch eine weitere.
Dr.med.Holger Fischer
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Re: Endometrium-Hyperplasie

Beitrag von Dr.med.Holger Fischer »

Guten Tag,
was ich vergessen hatte: Sie nehmen ja Tamoxifen erst seit Mai 2013. Nur eine langfristige Einnahme-also über mehrere Jahre- kann das Risiko für eine Thrombose und ein Endometriumkarzinom erhöhen.
Die Wahrscheinlichkeit, daß Sie ein Karzinom entwickelt haben, ist also extremst gering.
Grüße Dr. Fischer
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Marina73
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Re: Endometrium-Hyperplasie

Beitrag von Marina73 »

Lieber Herr Dr. Fischer,

vielen Dank, Ihre Antworten sind sehr hilfreich für mich!
Jetzt noch eine letzte Frage - ich hoffe, ich erscheine nicht lästig: Könnte unter Umständen schon zuvor ein Corpuskarzinom vorhanden gewesen sein? Oder wäre das in irgendeiner Weise aufgefallen?
Ich möchte nicht so wirken, als würde ich nur nach Problemen suchen, aber ich habe in den vergangenen 10 Monaten sehr viel durchgemacht und halte hinsichtlich Krebs so ziemlich alles für möglich.
Vielen Dank noch einmal für die Beantwortung. Ich werde mich wieder melden, wenn ich hinsichtlich der Hyperplasie mehr weiß.
Dr.med.Holger Fischer
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Re: Endometrium-Hyperplasie

Beitrag von Dr.med.Holger Fischer »

Guten Abend,
ich nehme doch stark an, daß vor der Mamma-OP Ende 2012 eine Vaginalsonographie durchgeführt wurde. War diese in Ordnung, kann man mit Sicherheit sagen, daß es innerhalb weniger Monate nicht neu entstanden sein kann. So schnell wächst ein Corpuskarzinom nun auch nicht. Bzgl. des Auffallens muß man sagen, daß es manchmal völlig ohne Symptome einhergeht, manchmal auch mit Blutungen. Ich würde an Ihrer Stelle jetzt nicht das Schlimmste annehmen.
Grüße Dr. Fischer
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Re: Endometrium-Hyperplasie

Beitrag von Marina73 »

Dr.med.Holger Fischer hat geschrieben:ich nehme doch stark an, daß vor der Mamma-OP Ende 2012 eine Vaginalsonographie durchgeführt wurde.
Nein, wurde nicht. Wie schon im ersten Beitrag erwähnt, wurde ich im März sonographisch untersucht, wo ja auch das Endometrium noch normal war.
Allerdings wurde letzten Oktober im Zuge der diagnostischen Untersuchungen ein PET-CT gemacht, das in der Hinsicht nicht auffällig war.

Nachtrag: Im Befund steht "Fokale Mehrspeicherungen im Uterus - unspezifisch (menstruationsbedingt).
Tatsächlich hatte ich während des PET gerade meine Tage.
Andere Befunde greifen dieses Thema aber nicht mehr auf. Nur der Uterus myomatosus wird erwähnt.
Dr.med.Holger Fischer
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Re: Endometrium-Hyperplasie

Beitrag von Dr.med.Holger Fischer »

Guten Abend,
dann hilft das wenig weiter, die Mehrspeicherung wird sich auf den Uterus myomatosus beziehen.
Grüße Dr. Fischer
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Re: Endometrium-Hyperplasie

Beitrag von Marina73 »

Guten Tag, Herr Dr. Fischer,

nach dem Untersuchungstermin in der Gyn-Ambulanz heute vormittag lässt sich schon mal sagen, dass es keinen Hinweis auf etwas Bösartiges gibt (Farbdoppler). Der Arzt geht von einem großen Schleimhautpolypen aus. In 2 Wochen erfolgt die Kürettage.
Ich bin jetzt natürlich schon weitaus beruhigter.
Dr.med.Holger Fischer
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Re: Endometrium-Hyperplasie

Beitrag von Dr.med.Holger Fischer »

Guten Abend,
auch ich habe eher an einen Corpuspolypen gedacht, den man im Doppler gut sehen kann, manchmal auch seinen durchbluteten Stiel ( wie eine Kirsche). Polypen grenzen sich gut von der Umgebung ab, Hyperplasien sind eher flächenhaft angeordnet. Klingt ja sehr beruhigend, was Sie schreiben.
Grüße Dr. Fischer
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Marina73
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Re: Endometrium-Hyperplasie

Beitrag von Marina73 »

So genau konnte man es im US noch nicht beurteilen - der Polyp ist eine Vermutung. Andererseits ist der (doch sehr erfahren wirkende) Arzt sicher gewesen, dass es keine Anhaltspunkte auf etwas Bösartiges gibt, und das ist das Wichtigste. Es deckt sich auch mit dem, was Sie bereits schrieben: Entartungen sind mittels Farbdoppler relativ gut erkennbar, weil sie bestimmte Muster aufweisen. In meinem Fall gab es da nichts Verdächtiges.
Marina73
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Re: Endometrium-Hyperplasie

Beitrag von Marina73 »

Hallo Herr Dr. Fischer,

mein Abrasio-Bericht liegt vor - ich habe ihn bereits mündlich gehört, schriftlich bekomme ich ihn nachgereicht:

Endometrium-Hyperplasie ohne Atypien (leider weiß ich nicht mehr, ob es sich um die einfache oder komplexe Form handelt) und ein Polyp.

Ich stelle den schriftlichen Befund hier herein, sobald ich ihn habe.

Ich soll jetzt übrigens Zoladex erhalten.
Dr.med.Holger Fischer
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Re: Endometrium-Hyperplasie

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Guten Tag,
das klingt ja schon mal sehr beruhigend.
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