Andere Therapiemöglichkeit?

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doratheexplorer
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Andere Therapiemöglichkeit?

Beitrag von doratheexplorer »

Guten Tag :-)


Eine junge Patientin 22Jahre stellt sich beim Gynäkologen vor mit folgenden Symptomen:

-starkem Haarwuchs (auch im Gesicht, Bauch, Hals)
-sehr unregelmässige Periode und starken Schmerzen
-starken Stimmungsschwankungen, Depression
-Gewichtsschwankungen

Sono kann nichts auffälliges festgestellt werden.Gynäkologische Untersuchung ist unauffällig bis auf den starken Haarwuchs.

Blutwerte sind wie folgt:
Prolaktin, 1. Basalwert 402 (ref. kleiner 450 ml U/l)
Testosteron, gesamt 0,78 (ref. 0,10-0,70 µg/l)
Testosteron, bioverfügbar 0,24 (ref. 0,02-0,27 µg/l)
SHBG 55 (ref. grösser 25 nmol/l)
DHEA-S 4669 (ref. 988-3400 µg/l)
Androstendion 4,2 (ref. µg/l 0,4-4,10)

Patientin bekommt Pille mit 0,03mg Ethinylestradiol und 2mg Chlormadinonacetat
verschrieben. Einnahme vor 5 Monaten begonnen. Nimmt davor ein anderes Präparat, aber hat fraglich durch Pille leicht erhöhte Leberwerte daher Umstellung auf das oben genannte andere Präparat.

Keine Besserung der Symptome ausser Regelmässigkeit der Periode, die jetzt aber nur sehr schwach ist und 3 Tage ca. anhält.
Erneute Blutabnahme ist noch nicht erfolgt.

Was wäre als weitere Abklärung sinnvoll, da immer noch starker Haarwuchs und andere Symtome?
Gibt es Fälle, wo die Therapie mit Pille nicht anschlägt und evtl ein anderer Grund für die Beschwerden dann in Frage kommt?
Wäre eine weitere Umstellung auf ein anderes Präparat vor der Blutkontrolle sinnvoll, da unter Therapie ja keine sichtliche Besserung eintritt?

Wünsche noch einen wunderschönen Sonntag

Lg Dora

Damiana
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Re: Andere Therapiemöglichkeit?

Beitrag von Damiana »

doratheexplorer hat geschrieben:Was wäre als weitere Abklärung sinnvoll, da immer noch starker Haarwuchs und andere Symtome?
die Pille braucht einige Zeit bis man die Auswirkungen auf den Haarwuchs sieht. Bei diesen Blutwerten (DHEAS und Androstendion) wäre es auch gut die Nebenniere zu untersuchen, ggf. Dexamethasontest. Das kann ein Gynäkologe machen der sich für Endokrinologie interessiert (oft Kinderwunschpraxen) oder auch ein Endokrinologe der sich für Gynäkologie interessiert.

Viele Grüße Damiana
Vertrauen Sie jedem? :wink:
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doratheexplorer
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Re: Andere Therapiemöglichkeit?

Beitrag von doratheexplorer »

Hallo Damiana

danke schon mal für die Antwort. Die Pille wird seit über 5 Monaten von der Patientin eingenommen. Sollte sich da nicht schon etwas verändern nach so einer langen Zeit?
Aber das werd ich dann gleich mal weitergeben :-)

Schönen Abend und liebe Grüsse Dora

doratheexplorer
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Re: Andere Therapiemöglichkeit?

Beitrag von doratheexplorer »

Hallo,

wäre es in diesem fall möglich, dass ein PCO besteht? Ohne Zysten?

Es wurde inzwischen eine Therapie Chlormadinonacetat und einem Cortison vorgeschlagen, das Cortison darf aber aus verschiedenen Gründen nicht eingenommen werden.
Jetzt wurde eine Therapie mit NUR Chlormadinonacetat angefangen, mit täglicher Einnahme 2mg.

Nach Aussage des Arztes scheint diese Therapie nicht so erfolgsversprechend zu sein, da das Cortison wohl auch notwendig gewesen wäre. Stimmt die Aussage so? Oder kann es sehr wohl sein, dass das Problem dadruch gelöst wird?

Die Patienten leidet inzwischen so sehr unter dem Haarwuchs, dass sie sehr depressiv ist und möchte die Haare weglasern lassen.

Lg Dora

Damiana
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Re: Andere Therapiemöglichkeit?

Beitrag von Damiana »

Hallo,

Chlormadinonacetat ist ein Wirkstoff der die Rezeptoren besetzt an denen die Androgene (männliche Hormone) wirken. Ein anderer stärkerer Wirkstoff ist Cyproteronacetat. Wahrscheinlich der Bestandteil der alten Pille. Gleichzeitig wirken diese Stoffe zusammen mit Ethinylestradiol auch als Empfängnisverhütung.
Manchmal liegt die Ursache für zuviele männliche Hormone auch in der Nebennierenrinde. Hier hilft es Cortison, meistens Dexamethason zu nehmen da dieser Wirkstoff die Produktion der Nebennieren senkt.

D.h. wenn die Ursache der erhöhten Androgene in der Nebenniere liegt wäre Cortison am effektivsten da direkt die Enstehung der Hormone verhindert wird. Aber auch Chlormadinonacetat kann hier helfen, da die Wirkung der Androgene behindert wird.

Leider ist es so, dass die Therapie von Hirsutismus oft schwierig und langwierig ist.
Eine weitere Möglichkeit zumindest für die Haare im Gesicht ist Eflornithin, ein Wirkstoff der die Entwicklung der Haare stört und als Creme im Gesicht angewendet wird. Außerdem gibt es Spironolacton (allerdings gibt es für diese Indikation keine Zulassung) das versucht werden kann.

Viele Grüße Damiana
Vertrauen Sie jedem? :wink:
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doratheexplorer
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Re: Andere Therapiemöglichkeit?

Beitrag von doratheexplorer »

Hallo,

super vielen dank für die ausführliche informative Antwort, das wird sicherlich noch einmal weiterhelfen. Es wird vermutet dass der Ursprung wirklich die Nebennierenrinde ist.

Lg Dora

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