Angst vor Krebs- übertrieben?

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Renate1977
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Angst vor Krebs- übertrieben?

Beitrag von Renate1977 »

Lieber Herr Doktor Fischer,
im Moment lässt mich die Angst nicht mehr zur Ruhe kommen..
Ich bin 42 Jahre alt und stark übergewichtig. Bis 1. August diesen Jahres kam meine Regel pünktlich wie ein Uhrwerk mit einer Zykluslänge von 28-29 Tagen. Hat dann immer 5 Tage gedauert (mit 3 starken Tagen) und war dann weg. Ich muss dazu sagen, dass ich vor 2 Jahren beim Fraunarzt war, weil meine Regel da nur zwei Tage gedauert hat- ohne Befund, Uterus und Ovarien "wie aus dem Bilderbuch".
Im August und September (mit zwei Tagen Zwischenblutung Ende September) fiel die Regel komplett aus und meldete sich am ersten Oktober mit einer superstarken Blutung zurück. Ich hab mir nichts dabei gedacht (Perimenopause?), ich hatte außer einem Ziehen auch keine Schmerzen. Dann hörte sie aber gar nicht mehr auf und ich machte einen Termin beim Frauenarzt, auf den ich zwei Wochen warten musste. Ungefähr eine Woche vor dem Termin hörte die Blutung von alleine auf- nach 3 1/2 Wochen.
Die Ärztin machte einen transvaginalen Ultraschall und stellte eine Endometriumhyperplasie (1,5cm) trotz Dauerblutung und außerdem eine kleine Eierstockzyste fest. Sie sagte, wenn ich während der Untersuchung geblutet hätte, hätte sie mich gleich zur Abrasio geschickt, jetzt wolle sie es aber erst mit einer hormonellen Ausschabung versuchen. Ich bekam Chlormadinon 2mg, eine Tablette pro Tag für 12 Tage. 2 Tage nach Absetzen traten leichte Blutungen ein. Ich habe mich da noch gefreut, weil ich dachte das sei der Sinn des Ganzen. Die Ärztin sah das nicht so. Sie machte wieder einen Ultraschall. Nach zwei Tagen leichten Blutungen (es war nur beim Abwischen nach der Toilette und an dem Ultraschallstab ewas zu sehen) war die Hyperplasie bei 1,2 cm. Sie fand das sehr bedenklich, dass die Hyperplasie noch vorhanden war wegen metabolischem Syndrom (habe ich nicht, Adipositas ja, aber kein Diabetes und kein Bluthochdruck). Ich müsse zur fraktionierten Ausschabung und Gebärmutterspiegelung- eher gestern als morgen.Ich solle aber zuwarten ob die Regel einsetzt und von alleine aufhört. Auf meine Frage, ob sie Krebs annimmt meinte sie nur das sei die falsche Frage. Ich war völlig fertig. Weitere Fragen hat sie nicht beantwortet. Die Untersuchung mit Anamnese, Entkleidung und vorsorglichem Brustultraschall (ohne Befund) hat keine 10 min gedauert.

Nach 4 Tagen leichter Blutungen haben starke Blutungen eingesetzt- diese auch mit starken Krämpfen. Diese halten jetzt unvermindert stark seit 7 Tagen an mit vielen Koageln. Die Krämpfe sind im Liegen fast komplett verschwunden, im Sitzen und beim Toilettengang nur leicht. Im Stehen und Gehen sind sie stärker und direkt nach einem Krampf kommt auch viel Blut mit Koageln. Aufgrund der Schmerzen, die bei der ersten Dauerbltung nicht vorhanden waren, habe ich nun panische Angst vor einem weit fortgeschrittenen Endometriumkarzinom.
Nun habe ich in 9 Tagen einen Termin im Krankenhaus. Auf dem Überweisungsschein steht Endomet.h 1,2 cm in Chlormadinongabe , Dauerblutung. Auftrag HSK und frakt Abrasio.
Ist meine Panik begründet oder ist es möglich, dass trotz Schmerzen etwa relativ Harmloses im Gange ist?

Entschuldigen SIe bitte den langen Text.

MfG

Dr.med.Holger Fischer
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Re: Angst vor Krebs- übertrieben?

Beitrag von Dr.med.Holger Fischer »

Guten Abend,
Ihre Angst dürfte wohl unbegründet sein. Lesen Sie meine zahlreichen Berichte über die Endometriumhyperplasie. Sie geht selten in ein Gebärmutterkarzinom über ( Corpuscarcinom) und zudem dauert es ziemlich lange in jenen Fällen, bis eine atypische Hyperplasie oder gar Karzinom vorliegt. Denken Sie also bitte nicht gleich an das Schlimmste und erst recht nicht an einen sogar fortgeschrittenen Befund. Es kann durchaus sein, dass die Gabe von diesem Gestagen nicht ausgereicht hat zum völligen Abbluten, man kann durchaus zu einem sehr starken Gestagen greifen, aber das ist jetzt eh vorbei. Auch eine Hysteroskopie und Abrasio ist ein kurzer kleiner Eingriff, den ich selbst sicher etwa in über 1000 Fällen ambulant gemacht habe-also auch hier bitte keine Angst. Die Schmerzen resultieren daher, dass die Gebärmutter die Schleimhaut abstößt, evtl. ist ja jetzt die Hyperplasie verschwunden bei diesen starken BLutungen., Man könnte also durchaus noch einmal einen Ultraschall machen um zu sehen, ob dies der Fall sein sollte. Dann könnte man natürlich den Eingriff stornieren.
Grüße Dr. Fischer
Unter Bezugnahme auf § 7 (3) der Berufsordnung für Ärzte ist mein Beitrag eine Stellungnahme,die auf den vorliegenden Angaben beruht .Sie ersetzt aber nicht die persönliche Beratung, Untersuchung und Behandlung durch Ihren Arzt.

Renate1977
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Re: Angst vor Krebs- übertrieben?

Beitrag von Renate1977 »

Lieber Herr Doktor Fischer,

vilen, vielen Dank, das beruhigt mich wirklich sehr. Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend.

Renate1977
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Re: Angst vor Krebs- übertrieben?

Beitrag von Renate1977 »

Lieber Herr Doktor Fischer,

heute war die Untersuchung im Krankenhaus. Die Blutungen haben mittlerweile aufgehört-von alleine seit 5 Tagen. Leider ist das Endometrium noch immer 12 mm hoch. Im Befund steht Endometrium homogen echodicht. Könnten Sie mir diesen Befund vielleicht erklären? Die Zyste ist nun verschwunden. Am 7. Januar habe ich nun einen Termin zur fraktionierten Abrasio und HSK.
Man hat mir gleich eine Endometriumablation angeboten. Ist das denn unbedingt nötig?

Vielen Dank für Ihre Hilfe.

Dr.med.Holger Fischer
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Re: Angst vor Krebs- übertrieben?

Beitrag von Dr.med.Holger Fischer »

Guten Tag,
homogen bedeutet, dass das Endometrium gleichmäßig hoch aufgebaut ist und nicht unregelmäßig, d.h. in seiner Struktur wirr und ungeordnet. Homogen bedeutet also, dass wohl kaum eine atypische Hsperplasie oder gar Krebs vorliegt. Persönlich hätte ich dennoch vor einer Abrasio erst noch einmal mit einem Hormon versucht, das Endometrium zum Abstoßen zu bringen, obwohl ich natürlich früher in meiner Praxis sehr viel ambulant operierte. Aber ich bin immer wieder sehr erstaunt, wie es sich einfach oftmals gemacht wird und oft zu früh zu einer Operation geraten wird. Das liegt leider daran, dass häufig nur Grundkenntnisse in der Hormontherapie bestehen, obwohl dieses Gebiet von zentraler Bedeutung ist. Der Vorschlag einer Ablation ist völlig übertrieben. Auch ein US in Farbe ( Doppler) bringt zusätzliche Informationen über die Struktur des Endometriums, wird leider zu selten gemacht, dabei bedarf es nur das Drücken einiger Knöpfe am US-Gerät, benötigt etwas Erfahrung, kostet etwas Zeit ( wenige MInuten) und diese kleine Zusatzuntersuchung ist im Budget enthalten, bringt also den armen Gynäkologen keinen weiteren Erlös-so geht Medizin heute leider.
Grüße Dr. Fischer
Unter Bezugnahme auf § 7 (3) der Berufsordnung für Ärzte ist mein Beitrag eine Stellungnahme,die auf den vorliegenden Angaben beruht .Sie ersetzt aber nicht die persönliche Beratung, Untersuchung und Behandlung durch Ihren Arzt.

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