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medizin-forum.de • Thema anzeigen - Behandlung nach Ausschabung / einfache Hyperplasie
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BeitragVerfasst: 08.03.18, 23:48 
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Ich möchte gerne einmal folgenden Fall schildern:

Bei meiner Frau wurde ziemlich genau vor einer Woche eine Ausschabung durchgeführt. Dabei wurde ein Polyp entfernt und eine einfache Hyperplasie ohne Atypien festgestellt. Heute hatte Sie einen Termin bei Ihrer Frauenärztin. Die hat meiner Frau dann eine Mirena-Spirale empfohlen. Meine Frau möchte sich aber auf keinen Fall eine Spirale einsetzen lassen, alleine schon wegen der Nebenwirkungen (vor allem der psychiatrischen Nebenwirkungen). Meine Fragen daher in aller Kürze:

Muss eine solche einfache Hyperplasie überhaupt behandelt werden?
Was wäre, wenn Sie nicht mittels eines Hormons behandelt würde?
Was wäre, wenn meine Frau die Pille nicht mehr nehmen würde?
Gibt es Alternativen zu einer Spirale?

Ich würde mich sehr über Antworten freuen!


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BeitragVerfasst: 09.03.18, 10:44 
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DMF-Moderator

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Guten Tag,
es fehlen Angaben zur Beantwortung:
:arrow: Alter der Patientin, Risikofaktoren bzgl. einer Hormontherapie?
:arrow: nahm sie bisher Hormone ( Antibabypille)"wenn meine Frau die Pille nicht mehr nehmen würde? "- unter der Antibabypille ist die Entwicklung einer Hyperplasie sehr selten.
:arrow: genaue Beschreibung der Histologie

Über die diversen Einteilungen der Hyperplasie und deren Behandlung existieren sehr viele Beiträge von mir. Sie sind alle im Archiv zu finden.
Auf keinen Fall die Hormonspirale einsetzen lassen, muß selbst bezahlt werden, da es auch in diesem Fall gegenüber der Kasse als Verhütungsmittel gilt, bekannte Nebenwirkungen usw.
Bei dieser Form der Hyperplasie reicht eine zyklische Gestagengabe meist aus, d.h. Gestagen oral ab Zyklustag 14 bzw. 1-2 Tage nach dem Eisprung. Es könnte auch überdacht werden-je nach exaktem Histologiebefund, ob überhaupt eine Therapie erforderlich ist.

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Grüße Dr. Fischer
Unter Bezugnahme auf § 7 (3) der Berufsordnung für Ärzte ist mein Beitrag eine Stellungnahme,die auf den vorliegenden Angaben beruht .Sie ersetzt aber nicht die persönliche Beratung, Untersuchung und Behandlung durch Ihren Arzt.


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BeitragVerfasst: 09.03.18, 14:17 
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Interessierter

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Sehr geehrter Herr Dr. Fischer,

gleich nach dem Lesen Ihrer Antwort habe ich mir von der FÄ den Befund ausdrucken lassen. Dieser lautet wie folgt:

Übersandtes Material:
1. Cervixabradat
2. Corpusabradat

Makroskopischer Befund:
1. Gewebe und muzinöses Sekret von zusammengelegt 1,5cm Größe. Vollständig eingebettet.
2. Gewebsanteile von zusammengelegt 3x2x0,8 cm Größe. Vollständig eingebettet. nr-br

...

Beurteilung:
1. und 2. In Fraktionen eingesandtes Abrasionsmaterial mit granulozytär durchsetztem Schleim, kleinen endozervikalen Schleimhautpartikeln mit atypiefreiem Drüsenepithel und Anteilen eines unterschiedlich hoch aufgebautem,
polypös imponierenden Endometriums mit ungleichmäßig proliferierenden, atypiefreien endometrialen Drüsen, eingebluteten Stromaabschnitten und dickwandigen Blutgefäßen im Stroma. Der Befund entspricht somit einer einfachen
Endometriumhyperplasie ohne Atypien mit Polypenbildung

Kein Anhalt für Malignität, keine Atypien

(Ende des Gutachtens)

Meine Frau ist 38 Jahre alt und hatte vor ca. 3 Jahren (vor der Geburt unseres zweiten Kindes) bereits eine Ausschabung und Konisation. Damals wurde eine komplexe Hyperplasie festgestellt, allerdings auch ohne Atypien. Sollten Sie diesbezüglich ebenfalls genauere Informationen benötigen lassen Sie mich das bitten wissen (Infos sind hier auch einsehbar in meinem ersten Artikel von vor 3 Jahren).
Bisher hat meine Frau die Pille "Biviol" genommen.

Vielen Dank für Ihre Mühe! Ich bzw. wir bin/sind Ihnen für Ihre Hilfe sehr dankbar! Ich würde mich über eine Antwort von Ihnen sehr freuen!


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BeitragVerfasst: 10.03.18, 01:39 
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Interessierter

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Ich hätte da noch eine ergänzende Frage:

Mal angenommen es würde die angesprochene Gestagengabe durchgeführt, müsste dann am Ende erneut eine Ausschabung durchgeführt werden?


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BeitragVerfasst: 10.03.18, 08:29 
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DMF-Moderator

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Guten Morgen,
genannte Pille ist nicht mehr zeitgemäß, sie enthält mit 40/30 Mikrogramm Ethinylestradiol eine zu hohe Menge. Hohe Östrogendosen bauen das Endometrium stark auf, ist dann das Gestagen , das ja in der 2. Phase hinzukommt, nicht immer in der Lage, dem entgegen zu wirken, resultiert eine Hyperplasie. Zweiphasenpräparate bleiben Ausnahmefällen vorbehalten, sind zu hoch dosiert und damit hinsichtlich der Thrombosegefahr etwas bedenklich. Sie haben sich nie richtig durchsetzen können und wurden etwa ab dem Jahr 2000 doch auffallend wenig verordnet. Meiner Meinung nach ist die einfache Hyperplasie in diesem Fall auf die hohe Östrogendosis zurückzuführen. Daher würde es ausreichen, auf eine ganz normale Einphasenpille umzustellen, deren Anteil 20 Mikrogramm Östrogen beträgt ( die Hälfte also!) mit einem älteren Gestagen ( Norethisteron oder Levonorgestrel), da diese Gestagene sehr potent sind und weniger Thromboserisiko beinhalten als die modernen der 3. Generation.

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Grüße Dr. Fischer
Unter Bezugnahme auf § 7 (3) der Berufsordnung für Ärzte ist mein Beitrag eine Stellungnahme,die auf den vorliegenden Angaben beruht .Sie ersetzt aber nicht die persönliche Beratung, Untersuchung und Behandlung durch Ihren Arzt.


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BeitragVerfasst: 10.03.18, 12:21 
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Interessierter

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Guten Tag Herr Dr. Fischer,

ganz herzlichen Dank für Ihre klare und deutliche Antwort! Damit ist eigentlich jetzt auch klar, was sehr wahrscheinlich die Ursache der Hyperplasie bei meiner Frau ist.
Meine Frau sagte mir gerade auch, dass ihre FÄ sie auch wohl schon einmal darauf hingewiesen hat... Meine Frau wollte aber trotzdem die Pille nehmen, da sie sie ansonsten gut vertragen hat. Naja, clever war die Entscheidung wohl eher nicht...

Eine abschließende Frage hätte ich noch: Wie würde man jetzt eigentlich die Wirksamkeit der neuen Pille überwachen, reicht da eine Untersuchung mittels US aus oder ist zwingend eine erneute ambulante OP notwendig (Abrasio?)?

Viele Grüße!


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BeitragVerfasst: 10.03.18, 14:01 
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Guten Tag,
"reicht da eine Untersuchung mittels US aus oder ist zwingend eine erneute ambulante OP notwendig (Abrasio?)?"- eine Kontrollabrasio ist absolut unnötig, eine US-Untersuchung reicht völlig aus, muß natürlich einige Tage vor der letzten Tabletteneinnahme erfolgen, auf keinen Fall in der ersten Einnahmehälfte und auch nicht während der Periode. Im Normalfall beträgt dann die Endometriumhöhe bis zu 3 mm, fast immer aber unter 5 mm.

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Grüße Dr. Fischer
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BeitragVerfasst: 13.03.18, 15:07 
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Interessierter

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Sehr geehrter Herr Dr. Fischer,

meine Frau hat heute ein Rezept für Ihre neue Pille bekommen:

Es ist die MINETTE 0,03
2mg chlormandionazetat
Und
0,03 mg Ethinylestradiol

Würden Sie mir bitte einmal Ihre Einschätzung zu dieser Pille
schreiben? Nach meinen informationen handelt sich um
eine Pille der 3. Generation. Ist das Risiko (Thrombose) vertretbar oder ist diese Pille
alternativlos im Hinblick auf die Problematik „Hyperplasie“?


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BeitragVerfasst: 13.03.18, 15:32 
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DMF-Moderator

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Guten Tag,
Chlormadinon ist ein Gestagen quasi der ersten Generation, kenne ich seit über 30 Jahren, gibt es nur in Kombination mit 30 Mikrogramm Östrogen, bevorzugt früher bei Akne eingesetzt.
Ich verstehe nicht, warum die unter heutigen Aspekten relativ hohe Dosierung gewählt wurde und auch das trotz allem gute Gestagen. In Anbetracht der Hyperplasie sollte die Östrogendosis so gering wie möglich gewählt werden. Da gibt es sehr viele andere Präparate.
Warum also gerade dieses Präparat gewählt wurde, entzieht mich meiner Kenntnis, sehe aber absolut hierfür keine Indikation.
Thromboserisiko hängt ab von der Höhe der Östrogendosis und natürlich nach neueren Erkenntnissen von der Art des gewählten Gestagens ab.
Seit genannter Zeit habe ich meinen Schwerpunkt auf die Endokrinologie gelegt und bin immer wieder erstaunt-dank dem Forum- wie gering die Kenntnisse auf diesem Gebiet sind. Diese Kritik bezieht sich auch auf die Hormonbehandlung bei Kinderwunsch.

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Grüße Dr. Fischer
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BeitragVerfasst: 13.03.18, 17:59 
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Interessierter

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Also verstehe ich Sie richtig, dass es durchaus eine Pille gibt, die

a) ein geringeres Thromboserisiko darstellt (1./2. Generation)

und zugleich

b) deutlich weniger Östrogen enthält und somit einer erneuten
Hyperplasie entgegenwirken würde?


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BeitragVerfasst: 13.03.18, 18:13 
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Hallo,
genauso ist es, von diesen Pillen gibt es mindestens über 50 Präparate unterschiedlicher Hersteller.
Sie enthalten
:arrow: 20 Mikrogramm Ethinylestradiol und
:arrow: 0,5 mg Norethisteron oder 0,1 bis 0,15 mg Levonorgestrel.
Diese Gestagene sind Jahrzehnten bewährt und haben im Gegensatz zu den neueren Gestagen deutlich weniger Thromboserisiko.
Der behandelnde Arzt hat mit Sicherheit irgendwo auf dem Schreibtisch eine entsprechende Tabelle- bzw. sollte die wichtigsten davon im Kopf haben.

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BeitragVerfasst: 14.03.18, 13:47 
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Interessierter

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Hallo Herr Dr. Fischer,

vielen Dank für Ihre detaillierten Informationen die uns bzw. meiner Frau sehr helfen.

Ich möchte Sie gerne einmal um eine Einschätzung bzw. Meinung zu folgendem Ablauf bitten:

Ist es eigentlich normal, dass nach der Verordnung einer neuen Pille und vor dem Hintergrund der besonderen Problematik (Hyperplasie) kein Gespräch mit der Frauenärztin stattfindet? Meine Frau hat das Rezept ohne weitere Informationen von der Sprechstundenhilfe bekommen. Es ist auch kein Hinweis erfolgt, dass meine Frau sich evtl. mit ihrem Neurologen kurzschliessen müsste (sie nimmt zusätzlich noch Lamotrigin) bzgl. der neuen Pille. Nichts, keine Gespräch, keine Info. Kein Hinweis auf erhöhtes Thromboserisiko. Ich frage Sie mal: Ist das so normal? Wenn wir Sie hier nicht hätten, dann würden wir überhaupt keine Informationen bekommen...

Kurzer Nachtrag: Es gibt wohl jetzt Informationen... Die FÄ hat diese Pille wohl deswegen gewählt, weil bei einer zu niedrigen Östrogendosis die Gefahr von Zwischenblutungen gegeben sei (von 40 auf dann 20). Das Risiko einer Thrombose wäre im Fall meiner Frau (keine Risikofaktoren (Rauchen/Übergewicht etc.) vorhanden) zu vernachlässigen. Wie ist Ihre Meinung zu diesen Aussagen?

Viele Grüße


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BeitragVerfasst: 14.03.18, 19:18 
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DMF-Moderator

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Guten Abend,
vor jeder Umstellung auf eine andere Verhüungsmethode bzw. ein anderes Präparat- und erst recht in diesem Fall- sollte ein beratendes Gespräch stattfinden. Quasi über die Theke der Anmeldung ein Rezept zu übermitteln-das finde ich sehr unhöflich und bzgl. der Aufklärungspflicht bedenklich.
Es stimmt schon, dass bei dieser Dosisreduktion auf die Hälfte Zwischenblutungen auftreten können, was aber nicht gerade sehr häufig ist und ausnahmsweise behoben werden kann, wenn man für wenige Tage eben einfach 2 Tbl. nimmt. Dann hat man zwar auch wieder 40 Mikrogramm, aber nur für wenige Tage. Ihre Frau Gemahlin kann ja durchaus nach 3 Zyklen auf eine noch niedrigdosiertere Pille umstellen, auch wenn ständiges Wechseln des Präparates vermieden werden sollte. Dennoch: 30 Mikrogramm sind vorerst schon mal besser als 40 Mikrogramm, die eigentlich out sein sollten.

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