Beinamputation 82 Jähriger

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kk9979
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Beinamputation 82 Jähriger

Beitrag von kk9979 »

Hallo,

meinem Vater, 82 Jahre, wurde vor 4 Wochen das Bein amputiert. Am Anfang hatte er ein schlimmes OP-Delir, er konnte sogar nicht mehr schlucken, weil die Meldung vom Gehirn nicht mehr den Schluckreflex ausgelöst hat. Dann bekam er noch eine Lungenentzündung, weil er durch Verschlucken aspiriert hat. Es stand sehr schlimm um ihn, denn er hat nur 20% Herzleistung. Jetzt hat er sich aufgerappelt, isst wieder und kann demzufolge auch schlucken. Äußert sich und antwortet auch. Er ist noch ein wenig durcheinander.

Bei meinem Besuch hat er ganz verwirrt gesagt, wo denn sein Knie ist und ob er einen Unfall gehabt hat. Ich habe ihm alles erklärt, auch dass er keinen Unfall hatte. Dann war er der Meinung, dass er mit Prothese einfach so wieder laufen kann und dann nach Hause kommt. Das Problem ist, dass er noch viel zu schwach ist, um eine Prothese auszuprobieren und mit 20% Herzleistung....die Ärztin hat mit mir gesprochen, sie glaubt nicht, dass es mit einer Prothese klappt. Sie wollen ihn erstmal mit dem Rollstuhl trainieren....und sollte er sich kräftigen....dann könnte er es dann probieren mit einer Prothese.

Nun ist er natürlich sehr niedergeschlagen und weint andauernd, denn es ist nicht nur, dass er den Rollstuhl ablehnt, nun soll er auch noch ins Pflegeheim. Die Wohnung wo meine Eltern wohnen ist weder behindertengerecht noch barrierefrei. Er würde nicht mal durch die Türen passen mit einem Rollstuhl. Erschwerend kommt hinzu, dass meine Mutter einen Bauchdeckenbruch hat und auch noch operiert wird. Danach darf sie ja dann auch nichts heben. Sie könnte ihn nicht helfen. Der Pflegedienst könnte bis zu 7x am Tag kommen, aber wie gesagt, die Wohnung ist schon ungeeignet.

Nun hatte ich nach einer passenden Wohnung Ausschau gehalten, aber meine Mutter möchte diese nicht. Sie schiebt einen Grund vor den nächsten vor. Hinzu kommt, dass sie mehrfach gesagt hat, dass es mit meinem Vater zu Hause nichts wird und möchte ihn auch nicht da haben. Auch nach der Bruch - OP und Verheilung der ganzen Sache nicht.

Nun hatte ich beide auf die Warteliste für eine Wohnung im Betreuten Wohnen schreiben lassen....aber auch hier, würde sie eher allein wohnen wollen, als mit ihm zusammen.

Nun fühle ich mich da irgendwie schlecht, denn mein Vater weint immerzu, weil er nicht ins Heim möchte. Ich selbst bin gesundheitlich angeschlagen und benötige selbst Hilfe und meine Schwester ist arbeiten....Meine Mutter hat abgeschlossen mit dem Thema.

Nun hatte ich überlegt, ob er eine Reha machen sollte, aber das hat das Krankenhaus nicht vorgeschlagen und am Ende sind wir am selben Punkt, ob mit Prothese oder Rollstuhl meine Mutter lehnt es definitiv ab... Und mein Vater möchte auch nicht in die Reha...er will immer nur nach Hause.

Gibt es denn Chancen, dass er in dem Alter überhaupt noch mit Prothese laufen kann? Ich kann es mir nicht vorstellen, wenn die Ärztin schon verneint....Wie könnte man ihm noch helfen und aufbauen, dass er wieder Lebensmut fasst? Mir sind die Hände gebunden, irgendwo muss er ja wohnen.....

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jaeckel
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Re: Beinamputation 82 Jähriger

Beitrag von jaeckel »

  1. Zunächst sollte in der Klinik die kardiologische Behandlung der schlechten Herzfunktion optimiert werden.
  2. Für danach sollte schon jetzt mit dem Sozialdienst der Klinik eine neurologische Früh-Reha angestrebt werden: Die körperliche Schwäche durch einen Intensivaufenthalt wird dabei als Critical-Illness-Polyneuropathie bzw. Critical-Illness-Myopathie kodiert (Reha-Diagnose), was nötigenfalls durch eine neurologisches Konsil zu bestätigen ist.
  3. Ferner kann man auch über eine stationäre Psychotherapie bei PTBS (Verlust einer Extremität) und Depression nachdenken. Bleiben Sie dran. Es geht - aber alle in der Klinik haben etwas mehr Arbeit...
Alles Gute!

Herzlichen Gruss
Ihr

Dr. med. Achim Jäckel
Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie und Nephrologie
Intensivmedizin, Notfallmedizin, Hypertensiologe (DHL)

kk9979
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Re: Beinamputation 82 Jähriger

Beitrag von kk9979 »

Sehr geehrter Herr Dr. Jäckel,

heute habe ich mit dem Arzt gesprochen. Also die Medikamente fürs Herz und auch für die "Entwässerung" wurden angepasst und er war mehrfach beim Kardiologen und Herzultraschall in der Klinik. Die 20% Herzleistung könnte man wohl nur mit den Medikamenten unterstützen. Ein Herzschrittmacher macht Rhythmusstörungen weg, aber nicht die Herzschwäche. Er soll sich nach dem Klinikaufenthalt in regelmäßiger kardiologischer Behandlung begeben. Da werden die Medikamente immer weiter nachjustiert.

Zwangshalber musste nun eine Lösung zwecks Unterbringung gefunden werden. Nun wird es das Pflegeheim werden. Der Sozialdienst hat gesagt, dass man das, wenn er sich bessert auch noch abändern kann bzw. eine andere Unterbringung finden kann, wenn es nicht gefällt. Z.b. gibt es auch Senioren-WG`s, wo den ganzen Tag und auch über Nacht ein Pflegedienst vor Ort ist.
Physiotherapie wird dort vom Hausarzt weiterverordnet. Ein Rollstuhl wird vom sozialen Dienst des Krankenhauses besorgt. Wenn er dann noch besser zu kräften kommt, dann kann man hier vor Ort noch Prothesen anfertigen lassen, so der Arzt. Es wäre sowieso günstigter im Wohnort (Klinik ist 100 km entfernt), weil diese immer nachangepasst werden müssen.

Von einer Reha hat niemand was gesagt, diese würde er aber auch ablehnen.

Mit dem Kardiologen bin ich gespannt, was der zu seinem Herz sagt. Wie oft sollte man denn dort sich vorstellen? Die Tabletten einstellen hat bisher immer so ca. 2 Monate gut gegangen, dann kam wieder Wasser in die Lunge.

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